Hat sich Goethe beim „Faust“ wirklich am Buch Hiob orientiert? Wie viel Hiob steckt im Faust? Diese Arbeit soll die Fragestellung bearbeiten: Wie viel des Buch Hiobs steckt tatsächlich in Johann Wolfgang Goethes „Faust. Der Tragödie Erster Teil“? Gegenstand dieser Arbeit sind daher sowohl Johann Wolfgang Goethes „Faust. Der Tragödie Erster Teil“, sowie das Buch Hiob aus dem Alten Testament der Bibel. Methodisch wird eine intertextuelle Untersuchung der beiden Texte erfolgen. Aufgrund der Kürze dieser Arbeit wird sich die Untersuchung auf den Inhalt sowie bestimmten Personenkonstellationen stützen. Die Textstruktur sowie der Aufbau der einzelnen Verse wird bewusst ausgeklammert.
Zunächst wird in knapper Form Goethes Drama Faust vorgestellt und literarisch der Gattung, ebenso der Epoche zugeordnet. Die Szene Prolog im Himmel, wird aufgrund der Bedeutsamkeit für diese Arbeit gesondert dargestellt. Im Anschluss daran wird auch in Kürze auf das Buch Hiob eingegangen. Der eigentliche Hauptteil bezieht sich dann auf den Vergleich der beiden Werke. Um diesen besser zu strukturieren, werden prägnante Figuren der beiden Texte miteinander verglichen. Im Anschluss daran soll in einem Fazit die eingangs gestellte Frage, anhand der Ergebnisse dieser Arbeit, bestmöglich beantwortet werden. Ziel soll es sein, nicht nur Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, sondern auch einen kritischen Vergleich an Stellen zu wagen, die beim erstmaligen Lesen vielleicht nicht gleich auf einen intertextuellen Bezug schließen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Faust. Der Tragödie Erster Teil
2.1. Prolog im Himmel
3. Das Buch Hiob (Ijob)
4. Vergleich: Buch Hiob – Gothes Faust. Der Tragödie erster Teil
4.1. Figurenkonstellation
4.2. Hiob – Faust
4.3. Satan – Mephistopheles
4.4. Die Überlegenheit des Herrn – Das Lob der Erzengel
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, das Ausmaß der intertextuellen Bezüge zwischen dem biblischen Buch Hiob und Goethes "Faust. Der Tragödie Erster Teil" zu untersuchen und kritisch zu hinterfragen, wie viel Hiob tatsächlich in der Faust-Dichtung steckt.
- Intertextueller Vergleich zwischen dem Buch Hiob und Goethes Faust
- Analyse der Figurenkonstellationen (Hiob/Faust und Satan/Mephistopheles)
- Untersuchung der Rolle des Herrn und der Lobgesänge der Erzengel
- Gegenüberstellung von Weltbildern, Genesis-Verständnis und Vergeltungsglauben
Auszug aus dem Buch
4.2. Hiob – Faust
Unterschiede zwischen dem BUCH HIOB und FAUST zeigen sich deutlich bei den beiden Hauptprotagonisten. Die Charaktere von Faust und Hiob unterscheiden sich deutlich. Hiob kann als untadelig, rechtsschaffend und gottesfürchtig beschrieben werden. Er ist reich an Kindern und Vieh, angesehen in der Gesellschaft (Ijob 1,1-1,3) „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie, Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor, […].“ (V. 354-358). Dieses Zitat verdeutlicht, dass Faust im Gegensatz zu Hiob unzufrieden mit seinem Leben ist. Ebenso mit der Wissenschaft, die er erlernt und lehrt. In der Gesellschaft ist er ebenso wie Hiob angesehen, besitzt jedoch weder Güter noch Geld (V. 360, V. 374).
Sowohl Hiob als auch Faust wurden von Gott auserwählt: „Der Herr sprach zum Satan: Hast du auf meinem Knecht Ijob geachtet?“ (Ijob 2,3), vergleichend im Faust: „Kennst du den Faust? […] Meinen Knecht? (V. 296, 298). Durch Goethes stilistische Form der Antilable, ist eine außerordentlicher Bedeutung dieser Stelle für den weiteren Verlauf der Handlung zuzuschreiben. Zu dem weist sie durch dieselbe Verwendung des Begriffs des Knechts deutlich auf das BUCH HIOB hin.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie viel des Buches Hiob tatsächlich in Goethes "Faust" enthalten ist, und erläutert die methodische Vorgehensweise einer intertextuellen Untersuchung.
2. Faust. Der Tragödie Erster Teil: Das Kapitel bietet einen Überblick über die Entstehungsgeschichte, Gattungsfragen und die dramaturgische Struktur von Goethes Faust, inklusive der Einordnung in literarische Strömungen wie den Sturm und Drang.
2.1. Prolog im Himmel: Es wird die besondere Funktion dieser Szene erläutert, die das irdische Geschehen in einen metaphysischen Rahmen stellt und die primäre Schnittstelle zum Buch Hiob bildet.
3. Das Buch Hiob (Ijob): Hier wird eine kurze Zusammenfassung des alttestamentarischen Werkes gegeben, das sich inhaltlich mit dem Vergeltungsglauben und den Prüfungen eines gottesfürchtigen Mannes auseinandersetzt.
4. Vergleich: Buch Hiob – Gothes Faust. Der Tragödie erster Teil: Der Hauptteil vergleicht systematisch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Werke hinsichtlich ihrer Figuren und der göttlichen Ordnung.
4.1. Figurenkonstellation: In diesem Teil werden die Ähnlichkeiten in den personellen Konstellationen des Prologs im Himmel und der Eröffnung des Buches Hiob analysiert.
4.2. Hiob – Faust: Dieses Unterkapitel kontrastiert die beiden Hauptprotagonisten, wobei insbesondere ihre unterschiedlichen Lebenshaltungen und ihre Rolle als "Knecht" Gottes hervorgehoben werden.
4.3. Satan – Mephistopheles: Hier werden die Rollen des Satans und Mephistos untersucht, wobei die Modernisierung des Teufelsbegriffs im Faust und das unterschiedliche Auftreten der Figuren im Vordergrund stehen.
4.4. Die Überlegenheit des Herrn – Das Lob der Erzengel: Das Kapitel analysiert die Lobgesänge der Erzengel im Faust und setzt sie in Bezug zur göttlichen Schöpfungsmacht, wie sie in den Schlusskapiteln des Hiob-Buches dargestellt wird.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass Goethe sich zwar vom Buch Hiob inspirieren ließ, das Thema jedoch auf eine neue, eigene Ebene hob.
Schlüsselwörter
Goethe, Faust, Buch Hiob, Ijob, Intertextualität, Mephistopheles, Satan, Literaturwissenschaft, Gottesbild, Regelpoetik, Sturm und Drang, Schöpfung, Vergeltungsglaube, Erzengel, Dramenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die intertextuellen Verbindungen zwischen Goethes "Faust I" und dem biblischen Buch Hiob, insbesondere in Bezug auf die thematische Inspiration und strukturelle Gemeinsamkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der Vergleich der Hauptfiguren (Faust und Hiob), die Analyse der Gegenspieler (Mephisto und Satan) sowie die Darstellung der göttlichen Ordnung und Schöpfungsmacht.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Wie viel des Buches Hiob steckt tatsächlich in Johann Wolfgang Goethes "Faust. Der Tragödie Erster Teil"?
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin wählt einen intertextuellen Untersuchungsansatz, wobei sie sich auf den Inhalt und spezifische Personenkonstellationen konzentriert und die Textstruktur sowie den Versaufbau explizit ausklammert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den Vergleich der Figurenkonstellationen, eine Gegenüberstellung von Hiob und Faust, eine Analyse der Rollen von Mephisto und Satan sowie eine Betrachtung der Überlegenheit Gottes im Prolog im Himmel und im Buch Hiob.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Intertextualität, Faust, Hiob, Gottesbild, Teufelsdarstellung und literarische Strömungen wie den Sturm und Drang charakterisieren.
Warum spielt die Figur des "Knechts" in beiden Werken eine Rolle?
Der Begriff "Knecht" dient als intertextuelles Bindeglied; er steht sowohl im Hiob-Buch als auch im Faust für eine von Gott (bzw. im Kontext des Faust erwähnte) auserwählte oder markante Gestalt, ohne dabei eine rein negative Unterwürfigkeit zu implizieren.
Welche Rolle spielt die Szene "Prolog im Himmel" für den Vergleich?
Der Prolog ist die zentrale intertextuelle Schnittstelle, da er das irdische Geschehen des Faust in einen metaphysischen Rahmen hebt und direkte Parallelen zur himmlischen Ratsversammlung im Buch Hiob aufweist.
- Arbeit zitieren
- Mona Bogner (Autor:in), 2017, Wie viel vom Buch des Hiob steckt tatsächlich in Johann Wolfgang Goethes "Faust. Der Tragödie Erster Teil"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388667