Turnaround bei schweren Unternehmenskrisen


Seminararbeit, 2003
32 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Gegenstand der Krise

3. Identifikation von Krisenursachen
3.1 Systematisierung von Krisenursachen
3.2 Empirische Studien zur Identifikation von Krisenursachen
3.3 Empirische Ergebnisse
3.3.1 Primäre Krisenursachen
3.3.1.1 Strukturelle Krisenursachen
3.3.1.2 Exogene Krisenursachen
3.3.2 Sekundäre Krisenursachen
3.3.2.1 Operative Krisenursachen
3.3.2.2 Strategische Krisenursachen
3.3.3 Verschärfende Krisenursachen
3.3.4 Kombinationen von Krisenursachen

4. Schlussbemerkung.

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen einer Unternehmenskrise

Abbildung 2: Systematisierung von Krisenursachen

Abbildung 3: Ursachen des Missmanagements

1. Problemstellung

Das Wissen über mögliche Fehler und Krisenursachen bietet die Möglichkeit, potentielle Krisen rechtzeitig zu erkennen, ihnen entgegenzuwirken und somit eine die Existenz des Unternehmens gefährdende Situation zu vermeiden. Das Wissen über mögliche Krisenursachen ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg eines Unternehmens. Nur wer seine Schwächen kennt, kann diese mindern oder beseitigen und so Erfolgspotentiale für die Zukunft schaffen.

Die vorliegende Ausarbeitung gibt einen Überblick über den Stand der empirischen Forschung zur Identifikation von Krisenursachen. Im Sinne einer Bestandsaufnahme wird hier versucht, sowohl den aktuellen Forschungsstand, als auch Ergebnisse früherer Forschungen zu vermitteln. Neben den den Analysen zugrunde liegenden Methoden wird der Gegenstand der Krise als auch dessen Systematisierung in verschiedenen Studienergebnissen vorgestellt.

2. Gegenstand der Krise

Der Begriff der „Krise“ lässt sich in der Literatur konsensfähig bestimmen. Witte (1981) kennzeichnet z. B. das Vorliegen einer Krise anhand dreier Merkmale:

Liegt eine Krise vor, so muss von ihr eine Existenzbedrohung des Unternehmens ausgehen.

Eine Krise ist dadurch gekennzeichnet, dass die Entscheidungszeit, in der Maßnahmen zu ihrer Bewältigung ergriffen werden können, begrenzt ist.

Ist der Ausgang der Gefährdung undeterminiert, so wird von einer Unternehmenskrise gesprochen.

Die vorhandene Entscheidungszeit, die die Möglichkeit zur Krisenbewältigung begrenzt, greift Hauschildt (2002) zur Bestimmung unterschiedlicher Phasen einer Krise auf. Er unterscheidet dabei zwischen latenter und manifester Krise (s. Abb. 1). Die manifeste Krise ist dadurch gekennzeichnet, dass sie dem Unternehmensumfeld bereits bekannt ist und durch die Reaktionen der Geschäftspartner auf diese Krise sehr schnell zur Insolvenz führen kann. Die vorhergehende latente Krise ist hingegen dem Unternehmensumfeld und vielfach selbst dem Unternehmen unbekannt. Aus diesem Grund bietet lediglich die latente Krise die Möglichkeit zum „going concern“, da in dieser noch ausreichend Zeit zur Schwachstellenanalyse und zur Umsetzung von Krisen bewältigenden Strategien gegeben ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Phasen einer Unternehmenskrise (nach Hauschildt, 2002, S. 1004)

3. Identifikation von Krisenursachen

3.1 Systematisierung von Krisenursachen

Das Wesen der den Unternehmenskrisen zugrunde liegenden Ursachen ist weitaus komplexer als es ihre Veröffentlichung in nicht weiter differenzierenden Listen wie z. B. den periodisch veröffentlichten Listen von Krisenindikatoren (vgl. Schimmelpfeng, 1977a; Creditreform, 1983; Brehmer, 1982) suggerieren mag. Dem Bedürfnis nach Ordnungsprinzipien ist Fleege- Althoff (1930, S. 84) bereits frühzeitig nachgekommen. Er unterscheidet dabei je nach Art der Krisenursachen:

„1. Je nachdem, ob die Faktoren innerhalb der Unternehmung liegen oder von außen auf die Unternehmung einwirken, lassen sich die Krankheitsursachen einteilen in endogene und exogene.
2. Nach der Dauer der Wirksamkeit würde man zwischen periodischen und fortlaufenden, akuten und chronischen Krankheitsursachen unterscheiden können.
3. Nach den Merkmalen lassen sich offene und schleichende unterscheiden.
4. Nach der Art des Auftretens sind regelmäßige und unregelmäßige feststellbar.
5. Nach dem Grade der Erkennbarkeit kommen starke und schwache vor.
6. Nach der Zahl kommen einzelne und mehrere und bei letzteren wieder nebeneinander und nacheinander geschaltete in Frage.
7. Je nachdem, ob die ganze Unternehmung betroffen wird oder ob nur einzelne Betriebe oder gar Abteilungen in Mitleidenschaft gezogen werden, lassen totale und partiale unterscheiden.“

Diese Einteilungsgesichtspunkte finden in der Literatur fast alle Verwendung oder werden gelegentlich abgewandelt und noch ergänzt (vgl. Ahuis, 1934).

Weitere deduktive Abhandlungen unterscheiden zwischen speziellen und generellen Störungsfaktoren (vgl. Hertlein, 1956; Leist, 1905), zwischen akuten Erkrankungen und chronischen Leiden sowie Konstitutionsgebrechen und Funktionsleiden (vgl. Le Coutre, 1926), zwischen Gründen für temporäre und dauernde Unrentabilität (vgl. Fleischer, 1928) und zwischen Gruppierungen, bei denen eine Gesundung ausgeschlossen bzw. nicht ausgeschlossen ist (vgl. Moral, 1924).

Bei empirischen Abhandlungen findet vorwiegend die Unterteilung der Ursachen in exogene und endogene Verwendung (vgl. Hahn, 1958; Rinklin, 1960). Diese Einteilung ist in betriebswirtschaftlicher Hinsicht zu begrüssen, sie bedarf jedoch einer weiteren Differenzierung hinsichtlich der Kausalität von einander vor- bzw. nach gelagerten Krisenursachen.

Eine weitergehende Differenzierung führt dagegen Kliege (1962) durch. Er geht dabei von Kausalketten von Ursachen, sog. Bündeln, aus, die er nacheinander als Primärursachen, Sekundärursachen und Tertiärursachen deduktiv darstellt. Diesem Grundprinzip der Systematisierung, der Kausalität, fügt Keiser (1965) die Annahme der Interdependenz von nebengeordneten Ursachen bzw. Ursachenkomplexen und die Annahme der Multikausalität hinzu. Ursachen bedingen sich also auch gegenseitig auf einer Ebene und können darüber hinaus auch mehrere „Ursachen“ auf einer nach gelagerten Ebene beeinflussen. Diese Überlegungen können vereinfacht in einem Modell der Krisenursachen wie folgt dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Systematisierung von Krisenursachen (nach Keiser, 1965)

Zu den Primärursachen zählt Keiser u. a. mangelnde unternehmerische Veranlagung (endogen), mangelndes Leistungsvermögen der Mitarbeiter (endogen) und hoheitliche Gewalt (exogen). Die Sekundärursachen umfassen u.a. fehlerhafte Kalkulation und Strukturmängel im Bereich der Leitungs- und Verwaltungsprozesse und z.B. schlechte Beschaffungskonditionen und fehlerhafte Lagerung im Bereich der Umsatzprozesse. In zu hohen Kosten und zu hohem Aufwand, in zu niedrigen Erlösen und einer schlechten Bilanzstruktur identifiziert Keiser tertiäre Ursachen. Die Tertiärursachen stellen den letzten Komplex im Kausalverlauf dar. Sie sind gleichzeitig die ersten Insolvenzgründe, die sich bei einer Bilanzanalyse ermitteln lassen. „Außerdem kommt den Tertiärursachen aus betriebswirtschaftlicher Sicht nur eine relativ untergeordnete Bedeutung zu, da sie als letzte Stufe vor dem Unternehmenszusammenbruch schon weitgehend nur noch Symptomcharakter tragen“ (Keiser, 1965, S.102).

Hauschildt (1983, 2002), der sich in seinen Studien zur Krisenforschung auf endogene Ursachen, differenziert zwischen strukturellen, die im Sinne Keisers den Primärursachen zuzurechnen sind, operativen und strategischen Misserfolgsursachen, die im Sinne Keisers den Sekundärursachen zuzuordnen sind. Diesen Misserfolgssegmenten fügt Hauschildt das Segment der verschärfenden Ursachen hinzu (vgl. Hauschildt, 1998), die dem Verständnis Keisers folgend den Tertiärursachen entsprechen. Die Differenzierung nach Misserfolgssegmenten lässt sich vereinfacht in folgender Abbildung (Abb. 3) darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Ursachen des Missmanagements (nach Hauschildt, 1998)

Die grundlegenden Gedanken Keisers zur Systematisierung von Krisenursachen und die weiterführende Differenzierung Hauschildts nach Misserfolgssegmenten, scheinen das bislang sinnvollste und verständlichste Schema der Darstellung der empirischen Ergebnisse zu sein und sollen somit die Grundlage für die weiteren Ausführungen bilden. Es muss jedoch kritisch angemerkt werden, dass die Einteilung der identifizierten Krisenursachen aufgrund der Heterogenität des Datenmaterials trotzdem nicht immer eindeutig ist.

3.2 Empirische Studien zur Identifikation von Krisenursachen

Datengrundlage der Bestandsaufnahme der empirisch identifizierten Krisenursachen bilden 11 Studien, bei deren Auswahl bestimmte Kriterien zugrunde gelegt wurden. Dieses sind unter anderem der Erhebungszeitraum, die Vielfältigkeit der Ergebnisse, Berücksichtigung nationaler und internationaler Verfasser sowie Angaben über Gegenstand der Erhebung und angewandte Methodik. Die dargestellten Ergebnisse sind nicht auf diese Studien beschränkt. Im Folgenden werden diese in chronologischer Reihenfolge kurz beschrieben, um Einblick in die den empirischen Ergebnissen zugrunde liegenden Studien zu gewähren. Diese sind im einzelnen:

1. Keiser (1965)

Keiser analysierte aufgrund von Gerichtsakten, Befragungen der gescheiterten Unternehmer und Befragungen der zuliefernden Grosshändler 182 mittelständische Einzelhandlungen, die in den Jahren 1955 bis 1963 in gerichtlich festgestellte Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. Bei einigen der 182 untersuchten Betriebe konnte er allerdings, infolge des zum Teil unvollständigen und primär auf juristische Bedürfnisse zugeschnittenen Datenmaterials, manche betriebswirtschaftlichen Probleme nur ungenügend oder überhaupt nicht klären. Anhand der Häufigkeit der Nennung einer Krisenursache identifizierte Keiser Hauptursachen auf primärer und sekundärer Ebene. Anhand von Zweierkombinationen von Ursachen aus primärer und sekundärer Ebene und der Häufigkeit ihrer Nennung leitete Keiser kausale Zusammenhänge zwischen Ursachen beider Ebenen ab. Er scheitert jedoch, Ursachenkombination aus mehr als zwei Ursachen zu identifizieren.

2. Weibel (1973)

In seiner 1973 in der Schweiz veröffentlichten Dissertation „Die Aussagefähigkeit von Kriterien zur Bonitätsbeurteilung im Kreditgeschäft der Banken“ untersucht Weibel in zwei empirischen Studien die Möglichkeit des Einsatzes von Punktbewertungssystemen sowie von „allfälligen Schichtungskriterien“ (vgl. Weibel, 1973, S.27) bei der Kreditvergabe von Banken. Schichtungskriterien sollen dem Kreditsachbearbeiter dazu dienen, die Insolvenzwahrscheinlichkeit von Kreditkunden zu beurteilen. Weibel vermutet Zusammenhänge zwischen Konjunktur, Branchenzugehörigkeit, Kantonszugehörigkeit, Rechtsform sowie Alter des betreffenden Unternehmens und einer möglichen Insolvenz. Um diese Vermutung empirisch zu überprüfen, dienten Weibel die zwischen 1949 und 1969 aus den Statistischen Jahrbüchern der Schweiz abgeleiteten Konkursraten als Datengrundlage, die er mit Hilfe uni- wie auch multivariater statistischer Verfahren zu analysieren versuchte.

3. Reske (1977)

Reske untersuchte in seiner Studie die von insolventen Unternehmen vielfach geäusserte Behauptung, dass den Kreditinstituten ein nicht unerheblicher Anteil am Zustandekommen von Insolvenzen zukommt. Zur Klärung dieser Frage wurden in einer empirischen Analyse insgesamt 1300 Konkurs- und Vergleichsakten durchgearbeitet sowie 74 Konkursverwalter befragt. Dabei differenziert Reske die Einflussnahme des Bankensektors auf die betriebliche Insolvenzentwicklung insbesondere hinsichtlich der Branche, der Betriebsgröße und der Rechtsform der Konkursiten. Neben der Häufigkeitsauszählung der vorgefundenen Insolvenzursachen wurde auch die Bedeutung der einzelnen Insolvenzgründe am Zustandekommen der Insolvenz durch einen Gewichtungsfaktor kenntlich gemacht (vgl. Reske, 1977).

4. Schimmelpfeng-Marktforschung (1977b)

Die Ende 1976 abgeschlossene Studie der Schimmelpfeng-Marktforschung versuchte einen Überblick über Krisenursachen zu erstellen, die, unabhängig vom Einzelschicksal, das Zusammenspiel von unternehmensinternen und unternehmensexternen Faktoren widerspiegeln. Zu diesem Zweck wurden 172 Konkursverwalter befragt. Auf einer bereits nach außer- und innerbetrieblichen Konkursgründen gegliederten Liste, waren die Konkursverwalter dazu angehalten, die aufgeführten Faktoren jeweils nach ihrer Bedeutung für das Zustandekommen von Konkursen einzustufen. Die Verfasser führen zwar eine branchenspezifische Differenzierung ihrer Analyseergebnisse an, jedoch bleibt eine fehlende ebenenbezogene Systematisierung im Sinne Keisers zu bemängeln.

5. Hauschildt (1983)

Die „anatomische“ Untersuchung bereits insolventer Unternehmen sowie die oftmals unzureichende statistische Fundierung bisheriger empirischer Studien veranlassten Hauschildt zum Beschreiten neuer Wege. Er untersuchte 72 Großunternehmen, die nach Meinung von kritischen Journalisten in eine Krise hineinliefen und damit zum Gegenstand von Missmanagement-Reportagen des Manager-Magazins in den Jahren 1971 bis 1982 wurden. Diese Reportagen wurden mit Hilfe einer Inhaltsanalyse systematisch ausgewertet. Neben der Häufigkeitsauszählung der Krisenursachen wurde das vorliegende Material mit Hilfe einer Clusteranalyse verdichtet. Dadurch identifizierte Hauschildt neben primären, sekundären und Krisen verschärfenden Ursachen vier typische Kombinationen von Krisenursachen, sog. Krisenmuster (vgl. Hauschildt, 2002).

6. Hauschildt (1988)

Der Untersuchung von Krisenursachen in Großunternehmen folgte zu Beginn der 90er Jahre eine zweite Studie. Ziel dieser Studie war es, Krisenursachen und Krisenkonstellationen in mittelständischen Unternehmen zu identifizieren, die in größeren Unternehmen eher verdeckt sind. Datengrundlage bildeten 142 Kreditprotokolle mittelständischer Kreditnehmer einer Großbank, die im Jahr 1988 insolvent geworden waren. Wiederum führten Inhaltsanalyse und Clusteranalyse zu bereits in der vorhergehenden Untersuchung identifizierten Krisenursachen und Krisenmustern. Darüber hinaus bestimmte Hauschildt zwei für den Mittelstand typische Formen eines Krisenunternehmens sowie mittelstandsspezifische Krisenursachen.

7. Potter (1991)

Potter ging der Frage nach, welche Unternehmensstrategien in unterschiedlichen Phasen einer Krise zum Erfolg bzw. Misserfolg internationaler Großunternehmen führten. Er untersuchte dabei in einem Zeitraum von 15 bis 30 Jahren 40 Industrien und mehrere hundert Unternehmen und griff dabei auf öffentliche und private Informationsquellen zurück. Potter stellt dabei zwei grundsätzliche Ursachen einer Krise dar, die den exogenen Krisenursachen zuzuordnen sind. Nähere Angaben zur Identifikation der Krisenursachen macht Potter nicht, jedoch ist es aufgrund des Erhebungsumfangs und -zeitraums sinnvoll, diese Ursachen in die vorliegende Bestandsaufnahme aufzunehmen.

8. Silverman, Nickerson & Freeman (1997)

Gegenstand der Untersuchung von Silverman, Nickerson und Freeman ist die amerikanische Transportbranche nach ihrer Deregulation 1980. Die Autoren versuchen dabei, das Überleben bzw. Scheitern unter ökonomischen und organisatorischen Gesichtspunkten zu analysieren. Sie stellen Hypothesen über mögliche exogene sowie sekundäre Krisenursachen auf und greifen auf ausführliche Jahresberichte der ICC1 von 1977 bis 1989 zurück, die detailliert Auskunft über alle im amerikanischen Transportgeschäft operierenden Unternehmen geben.

9. KPMG - FAS Corporate Restructuring (1998)

Die KPMG - FAS Corporate Restructuring hat 1998 eine Umfrage zum Thema "Krisenprophylaxe und Work Out" unter 750 Niederlassungen deutscher Kreditinstitute durchgeführt. Dabei standen Fragestellungen bzgl. der allgemeinen Einschätzung von Unternehmenskrisen, der Identifizierung und Bewältigung von Risikoengagements, Erfahrungen und Probleme mit Risikoengagements, der Einsatz externer Berater bei Unternehmensrestrukturierungen sowie Erwartungen an die Insolvenzordnung im Zusammenhang mit Unternehmensrestrukturierungen im Vordergrund. Ziel war es, Banken eine umfassendere Abschätzung bestehender Risiken bei Kreditvergaben an Restrukturierungsunternehmen zu ermöglichen (vgl. KPMG, 1999).

10. Emmrich (2002)

Emmrich untersuchte im Frühjahr 2002 im Auftrag der Dr. Wieselhuber & Partner GmbH 38 mittelständische Krisenunternehmen. Im Mittelpunkt der Analyse standen dabei u.a. die Krisenursachen und Krisenarten sowie die Erfolgsfaktoren der Krisenbewältigung. Gegenstand der Untersuchung waren klassische Mittelstandsunternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 15 Millionen Euro und klarer Inhaber- bzw. Gesellschafterprägung. Alle analysierten Unternehmen hatten akute Ertrags- und Liquiditätsprobleme. Zu allen Krisenfällen lagen detaillierte Informationen über Organisation, Management, Vermögens- und Ertragslage der jeweiligen Unternehmen sowie über den Krisenverlauf vor.

11. Emmrich (2003)

Im Frühjahr 2003 untersuchte die Dr. Wieselhuber & Partner GmbH in Zusammenarbeit mit neun Insolvenzverwaltern 52 Insolvenzfälle aus dem gesamten Bundesgebiet. Im Mittelpunkt standen dabei u.a. Ursachen der Insolvenz, Insolvenz- bzw. Sanierungsziele sowie Erfolgsfaktoren einer Sanierung. Untersucht wurden mittelständische Unternehmen mit starker Inhaberprägung und einem Jahresumsatz von mindestens 15 Millionen Euro. Der durchgeführten Dokumentenanalyse lagen detaillierte Informationen über Betriebsorganisation, Führungs- und Gesellschafterstruktur sowie Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens vor der Insolvenz zugrunde. Alle Insolvenzverfahren waren entweder abgeschlossen oder deren Verfahrensabschluss stand unmittelbar bevor.

3.3 Empirische Ergebnisse

3.3.1 Primäre Krisenursachen

3.3.1.1 Strukturelle Krisenursachen

Zu den strukturellen Krisenursachen zählen Unternehmer und/oder Management, Rechtsform und Unternehmensalter.

Dass Krisen verursachende Faktoren im Einflussbereich des Unternehmers und/oder des Managements zu vermuten sind, ist in der Literatur unbestritten. Die Bedeutung dieses Problemkomplexes wird angesichts der Vielzahl an Studien überdeutlich. In der deutschsprachigen Literatur weisen die Studien Hahns (1958) über Ursachen von Unternehmermisserfolgen und Keisers (1965) über Insolvenzen im mittelständischen Einzelhandel bereits in den 60er Jahren deutlich auf die Relevanz dieser Krisenursache hin. Die Auszählung der Häufigkeit ergab, dass mit 91,7% fast alle Insolvenzen bei den mittelständischen Einzelhandlungen auf das Verschulden des Inhabers selbst zurückzuführen waren. Exogene Einflüsse (7,3%) und Fehler der Mitarbeiter (1,3%) sind dabei von untergeordneter Bedeutung. Die Insolvenzursachen verteilen sich dabei zu 50,4% auf den Persönlichkeitsbereich und zu 41% auf den Fachbereich des Unternehmers. Als Hauptzusammenbruchsursache im Persönlichkeitsbereich des Unternehmers wurden charakterliche Mängel (24,9%) benannt, wohingegen unzureichende Fachbildung (27,6%) und mangelnde Berufserfahrung (13,4%) als Hauptkonkursursachen im Fachbereich des Unternehmers identifiziert werden konnten (vgl. Keiser, 1965). Dieses plastische Bild vom scheiternden Unternehmer untermauert die Schimmelpfeng-Marktforschung (1977b). Sie nennt „Mängel im Management“ als dritthäufigste Krisenursache und sieht darin den wesentlichen Faktor, warum auf Marktveränderungen nicht mit einer entsprechenden Anpassung reagiert werden konnte. Darüber hinaus schätzen die Konkursverwalter die Bedeutung dieser Krisenursache unerwartet hoch ein. Zu dieser Einschätzung gelangen auch Dunbar und Goldberg (1978), die Missmanagement im Sinne grundlegender Entscheidungsfehler als Krisenursache ansehen. Die Analyse der in den Jahren 1971 bis 1982 veröffentlichten Missmanagement-Reportagen des Manager Magazins ergab, dass zu 57% Führungsfehler und zu 40% in der Person der Führungskräfte liegende Ursachen Krisen verursachend waren. Hauschildt (1998, S. 10) räumt dabei allerdings ein: „Dass Führungsfehler, […] so stark in Erscheinung treten, ist möglicherweise mit der Eigenart des Materials zu erklären. Immerhin untersuchten wir die Artikel einer Zeitschrift, die sich bewusst an Führungskräfte wendet“.

[...]


1 Dies ist die Abkürzung für „Interstate Commerce Commission“.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Turnaround bei schweren Unternehmenskrisen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Gründungs- und Innovationsmanagement)
Veranstaltung
Gründungs- und Innovationsmanagement
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
32
Katalognummer
V38874
ISBN (eBook)
9783638378239
ISBN (Buch)
9783638654654
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inkl. 7 Seiten Anhang
Schlagworte
Turnaround, Unternehmenskrisen, Gründungs-, Innovationsmanagement
Arbeit zitieren
Robert Doelling (Autor), 2003, Turnaround bei schweren Unternehmenskrisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38874

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