Das Wissen über mögliche Fehler und Krisenursachen bietet die Möglichkeit, potentielle Krisen rechtzeitig zu erkennen, ihnen entgegenzuwirken und somit eine die Existenz des Unternehmens gefährdende Situation zu vermeiden. Das Wissen über mögliche Krisenursachen ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg eines Unternehmens. Nur wer seine Schwächen kennt, kann diese mindern oder beseitigen und so Erfolgspotentiale für die Zukunft schaffen. Die vorliegende Ausarbeitung gibt einen Überblick über den Stand der empirischen Forschung zur Identifikation von Krisenursachen. Im Sinne einer Bestandsaufnahme wird hier versucht, sowohl den aktuellen Forschungsstand, als auch Ergebnisse früherer Forschungen zu vermitteln. Neben den den Analysen zugrunde liegenden Methoden wird der Gegenstand der Krise als auch dessen Systematisierung in verschiedenen Studienergebnissen vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Gegenstand der Krise
3. Identifikation von Krisenursachen
3.1 Systematisierung von Krisenursachen
3.2 Empirische Studien zur Identifikation von Krisenursachen
3.3 Empirische Ergebnisse
3.3.1 Primäre Krisenursachen
3.3.1.1 Strukturelle Krisenursachen
3.3.1.2 Exogene Krisenursachen
3.3.2 Sekundäre Krisenursachen
3.3.2.1 Operative Krisenursachen
3.3.2.2 Strategische Krisenursachen
3.3.3 Verschärfende Krisenursachen
3.3.4 Kombinationen von Krisenursachen
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit befasst sich mit der systematischen Bestandsaufnahme der empirischen Forschung zur Identifikation von Krisenursachen bei schweren Unternehmenskrisen. Das primäre Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand sowie Ergebnisse früherer Untersuchungen zusammenzuführen, um ein besseres Verständnis für die Auslöser von Unternehmenskrisen zu schaffen.
- Systematisierung betriebswirtschaftlicher Krisenursachen
- Vergleich empirischer Studien zur Insolvenzursachenforschung
- Differenzierung zwischen primären, sekundären und verschärfenden Krisenursachen
- Analyse typischer Krisenmuster und Kombinationen von Krisenursachen
- Gegenüberstellung von Management-Fehlern und exogenen Markteinflüssen
Auszug aus dem Buch
3.1 Systematisierung von Krisenursachen
Das Wesen der den Unternehmenskrisen zugrunde liegenden Ursachen ist weitaus komplexer als es ihre Veröffentlichung in nicht weiter differenzierenden Listen wie z. B. den periodisch veröffentlichten Listen von Krisenindikatoren (vgl. Schimmelpfeng, 1977a; Creditreform, 1983; Brehmer, 1982) suggerieren mag. Dem Bedürfnis nach Ordnungsprinzipien ist Fleege Althoff (1930, S. 84) bereits frühzeitig nachgekommen. Er unterscheidet dabei je nach Art der Krisenursachen:
„1. Je nachdem, ob die Faktoren innerhalb der Unternehmung liegen oder von außen auf die Unternehmung einwirken, lassen sich die Krankheitsursachen einteilen in endogene und exogene.
2. Nach der Dauer der Wirksamkeit würde man zwischen periodischen und fortlaufenden, akuten und chronischen Krankheitsursachen unterscheiden können.
3. Nach den Merkmalen lassen sich offene und schleichende unterscheiden.
4. Nach der Art des Auftretens sind regelmäßige und unregelmäßige feststellbar.
5. Nach dem Grade der Erkennbarkeit kommen starke und schwache vor.
6. Nach der Zahl kommen einzelne und mehrere und bei letzteren wieder nebeneinander und nacheinander geschaltete in Frage.
7. Je nachdem, ob die ganze Unternehmung betroffen wird oder ob nur einzelne Betriebe oder gar Abteilungen in Mitleidenschaft gezogen werden, lassen totale und partiale unterscheiden.“
Diese Einteilungsgesichtspunkte finden in der Literatur fast alle Verwendung oder werden gelegentlich abgewandelt und noch ergänzt (vgl. Ahuis, 1934).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Krisenforschung als Grundlage für unternehmerischen Erfolg und definiert den Rahmen der vorliegenden Bestandsaufnahme.
2. Gegenstand der Krise: Hier werden zentrale Begriffsbestimmungen der Krise vorgenommen, insbesondere die Unterscheidung zwischen latenter und manifester Krise durch Hauschildt.
3. Identifikation von Krisenursachen: Dieses Hauptkapitel systematisiert Krisenursachen und wertet zahlreiche empirische Studien aus, um die Ursachenkomplexe methodisch zu strukturieren.
3.1 Systematisierung von Krisenursachen: Es wird dargelegt, wie theoretische Ordnungsprinzipien und Kausalketten wie bei Kliege oder Keiser zur Differenzierung von Krisen beitragen.
3.2 Empirische Studien zur Identifikation von Krisenursachen: Hier werden elf ausgewählte Studien chronologisch vorgestellt, die als empirische Datengrundlage für die Arbeit dienen.
3.3 Empirische Ergebnisse: Dieses Kapitel fasst die in den Studien identifizierten Ursachen zusammen und gliedert diese in eine strukturierte Hierarchie.
3.3.1 Primäre Krisenursachen: Untersuchung der Faktoren im Einflussbereich des Managements sowie exogener Faktoren wie Konjunktur und Wettbewerb.
3.3.1.1 Strukturelle Krisenursachen: Analyse der Rolle des Unternehmers, der Rechtsform und des Unternehmensalters als strukturelle Auslöser.
3.3.1.2 Exogene Krisenursachen: Bewertung externer Einflüsse wie Wirtschaftslage, Branchenzugehörigkeit, Kreditinstitute und Nachfrageentwicklung.
3.3.2 Sekundäre Krisenursachen: Analyse operativer Probleme in den Bereichen Personal, Absatz und Produktion sowie strategischer Fehlentscheidungen.
3.3.2.1 Operative Krisenursachen: Detaillierte Betrachtung von Misserfolgen in der Personalwirtschaft, Absatzwirtschaft und Produktion.
3.3.2.2 Strategische Krisenursachen: Untersuchung von Fehlentscheidungen bei Expansion, Forschung und Entwicklung sowie Investitionen.
3.3.3 Verschärfende Krisenursachen: Identifikation von Faktoren wie Eigenkapitalmangel oder Planungsdefiziten, die den Übergang zur manifesten Krise beschleunigen.
3.3.4 Kombinationen von Krisenursachen: Darstellung charakteristischer Krisenmuster (Krisentypen) durch Clusteranalysen, die ein Zusammentreffen mehrerer Krisenursachen aufzeigen.
4. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Unternehmenskrisen meist auf das Zusammenspiel mehrerer Ursachen zurückzuführen sind und eine individuelle Diagnose erfordern.
Schlüsselwörter
Unternehmenskrise, Krisenursachen, empirische Forschung, Insolvenz, Missmanagement, Krisendiagnose, latente Krise, manifeste Krise, Unternehmensführung, Krisenmuster, Eigenkapitalmangel, Sanierung, Strukturänderungen, Betriebswirtschaftslehre, Bilanzanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer systematischen Bestandsaufnahme der empirischen Forschung, um Ursachen für schwere Unternehmenskrisen zu identifizieren und zu systematisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Systematisierung von Krisenursachen, die methodische Einordnung empirischer Studien sowie die Differenzierung zwischen primären, sekundären und verschärfenden Krisenfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Vermittlung eines fundierten Überblicks über den Forschungsstand, um zu verdeutlichen, dass Unternehmenskrisen meist komplex und multikausal bedingt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und Bestandsaufnahme, die elf empirische Studien analysiert und deren Ergebnisse mittels deduktiver Ordnungssysteme strukturiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Einordnung der Ursachen (Primär-, Sekundär- und verschärfende Ursachen) sowie eine detaillierte Analyse von Krisenmustern und -typen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unternehmenskrise, Krisenursachen, Missmanagement, Krisendiagnose, Insolvenz sowie die Unterscheidung zwischen latenten und manifesten Krisenphasen.
Warum unterscheidet Hauschildt zwischen latenter und manifester Krise?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, da nur in der latenten Krise ausreichend Zeit für eine Schwachstellenanalyse und Gegensteuerungsmaßnahmen ("going concern") besteht, bevor die manifeste Krise meist zur Insolvenz führt.
Welche Rolle spielt die Rechtsform bei der Krisenanfälligkeit?
Empirische Studien, etwa von Weibel, zeigen, dass verschiedene Rechtsformen aufgrund unterschiedlicher Haftungsbestimmungen eine variierende Insolvenzwahrscheinlichkeit aufweisen.
Sind Krisenursachen immer auf ein einzelnes Ereignis zurückzuführen?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass meist das Zusammentreffen mehrerer Faktoren – eine "explosive Mischung" – eine schwere Krise auslöst, statt einer einzelnen, isolierten Ursache.
- Quote paper
- Robert Doelling (Author), 2003, Turnaround bei schweren Unternehmenskrisen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38874