Die wissenschaftliche Bedeutung des Sibirisch-Amerikanischen Tagebuchs von Carl Heinrich Merck


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 2,3

Thea Resbot (Autor)


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Die Billings-Sarychev-Expedition
Einordnung in den historischen Kontext
Hintergründe und Ziele der Expedition
Der Verlauf der Billings-Sarychev-Expedition

Die Hinterlassenschaften von Carl Heinrich Merck
Die Wissenschaftlichkeit seiner Berichte
Themenkomplexe innerhalb seiner Berichterstattungen
Der wissenschaftliche Nachlass von Carl Heinrich Merck und dessen Bedeutung

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit ist eine Erörterung der Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeit von Carl Heinrich Merck (1761 - 1799) im Rahmen der Billings-Sarychev-Expedition (1785 - 1795).

Auf den folgenden Seiten wird deshalb die Expedition selbst, in den historischen Kontext eingeordnet. Nachfolgend werden die Hintergründe und Ziele des wissenschaftlichen Unternehmens erläutert. Je nach Forschungsaufgabe und Forschungsziel ändert sich der Blickwinkel eines Schreibers, insofern sind diese Kapitel von Bedeutung um den Blickwinkel Mercks nachzuvollziehen. Da Merck seine Schriften während einer Expedition verfasste und gezielt seine Beobachtungen niederschrieb, ist es außerdem von Bedeutung den Ablauf der Expedition nachvollziehen zu können.

Im zweiten Teil der Arbeit, der sich gezielt mit den Hinterlassenschaften Mercks auseinandersetzt, wird die Wissenschaftlichkeit seiner Berichte, insbesondere die des Sibirisch- Amerikanischen Tagebuchs untersucht. Nachfolgend werden markante Themengebiete in seinen Berichten erläutert um anschließend den Wert des wissenschaftlichen Nachlasses beurteilen zu können.

Die Billings-Sarychev-Expedition

Einordnung in den historischen Kontext

Im 18. Jahrhundert fanden viele Forschungsreisen insbesondere unter europäischer Durchführung statt. Der Drang unbekannte Gebiete zu erforschen entsprach dem gesellschaftlichen Anliegen dieser Zeit. Schließlich ging das 18. Jahrhundert auch als das Zeitalter der Aufklärung in die Geschichte ein. Sibirien ist geografisch zwischen Europa und Asien gelegen. Dieses Grenzgebiet zu erforschen war elementar um weiter in den asiatischen Raum vorzustoßen. Russland hatte aufgrund seiner geografischen Nähe zu Sibirien ein besonderes Interesse daran, dieses Gebiet zu erforschen. Allerdings konnte Russland den Bedarf an qualifizierten Wissenschaftlern nicht komplett abdecken, weshalb es zu wissenschaftlichen Kooperationen mit Russland und westeuropäischen, insbesondere deutschen Wissenschaftlern kam.[1] Der Beginn der systematischen Erforschung ist auf die zweite Kamtschatka-Expedition zurückzuführen, welche heute auch als Große Nordische Expedition bekannt ist. Diese dauerte von 1733 bis 1743 an. Sie ist deshalb hervorzuheben, da während dieser Expedition die ersten fundierten, ausführlichen Beschreibungen über Sibirien erfolgten. Neu entdeckte Seewege wurde in Karten gezeichnet und waren wichtige Orientierungshilfen für nachfolgende spanische und britische Seefahrer.

Carl Heinrich Merck schrieb während seiner Zeit bei der Billings-Sarychev-Expedition ein Tagebuch, allerdings wurden seine Schriften zu seinen Lebzeiten nie veröffentlicht. Erst später wurden seine Aufzeichnungen alsSibirisch-Amerikanisches Tagebuchsowie dasManuskriptder Beschreibung der Tschuktschenund somit bekannt.

Peter Simon Pallas war ein wichtiger Weggefährte von Merck und kam 1767 als junger Arzt von Berlin nach St. Petersburg an die Akademie der Wissenschaften. Von Katharina II. per Dekret angewiesenen, bereitete er mehrere Akademie-Expeditionen vor und leitete eine selbst. Mit seinen umfassenden Reiseberichten von der Orenburger-Expedition erlangte er schon zu Lebzeiten internationale Bekanntheit.

Hintergründe und Ziele der Expedition

Der eigentliche Name der Billings-Sarychev-Expedition, die aufgrund der Namen der Kommandeure so bezeichnet wurde, war ursprünglich Geheime astronomische und geographische Expedition zur Erforschung Ostsibiriens und Alaskas. Auch diese Expedition wurde von Kaiserin Katharina II. veranlasst und Pallas wurde abermals mit der wissenschaftlichen Betreuung der Expeditionen beauftragt, gemeinsam mit dem Admiralitätskollegium Sankt Petersburg. Mit dieser Expedition wurden zwei größere Ziele verfolgt: Zum einen stand die weitere Erforschung des nordöstlichen Teils Russlands im Fokus. Zum anderen sollten im Rahmen der Expedition die Aleuten, sowie die Ostküste Alaskas vereinnahmt, und dem Russischen Reich angegliedert werden. Das letztere Ziel wurde jedoch nicht öffentlich transparent gemacht, im Gegenteil, durch die Beteiligung des renommierten Wissenschaftlers Pallas versuchte Katharina II. die Expedition als rein wissenschaftlicher Natur darzustellen.[2]

Trotzdem wurden vermeintlich geheime Informationen über die russische Expedition durch Pallas ins westliche Europa weitergeleitet und so wurden bereits 1785 detaillierte Angaben über die Route, die Dauer und den Kommandanten der Expedition bekannt. Zusätzlich wurde die Vorbereitung der russischen Expedition beschleunigt. Denn zur selben Zeit begann fand eine große Pazifikexpedition unter Kapitän Jean-Francois de Galaup de La Pérouse, welche von König Ludwig XVI konzipiert wurde.[3] Somit geriet Kaiserin Katharina II. zunehmend unter Druck, die Vormachtstellung im pazifischen Raum zu wahren. Auch wenn die politische Triftigkeit die rasche Vorbereitung und den schnellen Beginn der Expedition zu Folge hatte, so standen währenddessen ebenso die wissenschaftlichen Untersuchungen und Erkenntnisse im Vordergrund.

Hauptverantwortlicher der Expedition war der Brite Joseph Billings, der zuvor als astronomischer Gehilfe bei der dritten Weltreise von James Cook an Bord war. Diese dauerte von 1776 bis 1780. Während dieser Weltumsegelung starben sowohl Cook, als auch Cooks nachfolgender Kommandant Charles Clerke.[4] Der russische Leutnant Gavriil Andreevic Sarycev wurde zum wichtigsten Führungsoffizier der Billings-Sarychev-Expedition und somit zum weiteren Namensgeber für den heute genutzten Titel der Expedition. Neben ihm war Robert Hall ein weiterer erster Offizier. Insgesamt zählten 141 Personen zur Mannschaft der Billings-Sarychev Expeditionen, darunter beispielsweise auch Christian Bering, Enkel von Vitus Bering, der der Kapitän der zweiten Kamtschatka-Expedition war.[5] Ein Name der im Verlauf der Arbeit ebenfalls von Bedeutung sein wird ist Martin Sauer, er war der Sekretär von Billings und ebenfalls an Bord der Expedition.[6]

Auch Carl Heinrich Merck, der kurzfristig als Naturforscher den Franzosen Eugène Melchior Louis Patrin vertrat, zählte zu dieser Mannschaft dazu.[7] Merck wurde am 19. November 1761 in Darmstadt geboren und hatte, nachdem er in Jena sein Medizinstudium abschloss, eigentlich den Beruf des Arztes inne. Sein Paten- und Stiefonkel, Johann Heinrich Merck war es, der seinem Neffen aller Wahrscheinlichkeit nach den Kontakt zur Sankt Petersburger Akademie der Wissenschaften herstellte, da dieser dort als Vermittler arbeitete. Aus diesem Grund war Merck ab dem Sommer 1785 als Hospitalarzt in Irkutsk. Dort traf sich im Februar 1786 auch die Mannschaft der Billings-Sarychev-Expedition traf, und kurze Zeit später wurde Merck als Ersatz für den Franzosen auserkoren. Die Aufgaben Mercks, die ihm von Pallas übertragen wurden, waren sehr vielfältig. Er sollte tägliche Aufzeichnungen zu klimatologischen und geologischen Verhältnissen, sowie der Pflanzen- und Tierwelt verfassen. Ein weiterer Fokus sollte auf der Beobachtung der indigenen Völker liegen, wobei er sowohl auf die äußere Erscheinung als auch auf die Lebensweise achten sollte. Durch seinen eigentlichen Beruf als Arzt erhielt er die zusätzliche Aufgabe seine fachlichen Einschätzungen zu Erkrankungen von Menschen und Tieren abzugeben. [8]

Im Gegensatz zu den vorherigen Expeditionen wurde bei der Billings-Sarychev-Expedition der Kapitän von Katharina II. angewiesen einen freundlichen Umgang mit den indigenen Völkern Sibiriens, vor allem mit den Tschuktschen und Korjaken, zu pflegen. Bei früheren wissenschaftlichen Unternehmungen, so auch bei der zweiten Kamtschatka Expedition, waren diese Völker stets gezwungen die Mannschaft bei der Expedition in Form von Nahrungsmitteln oder dem Transport von Expeditionsmaterialien zu unterstützen. Dadurch starben viele ihrer Hunde, die für das Überleben der Ureinwohner Sibiriens elementar waren. Als sie daraufhin die Zusammenarbeit mit den Mannschaften russischer Expeditionen verweigerten kam es zu Aufständen, die beispielsweise im Rahmen der zweiten Kamtschatka-Expedition militärisch niedergeschlagen wurden.[9]

Der Verlauf der Billings-Sarychev-Expedition

Man kann den Verlauf derGeheimen astronomischen und geographischen Expedition zurErforschung Ostsibiriens und Alaskasin vier Phasen unterteilen. Innerhalb der ersten Phase, die von 1786 bis 1789 andauerte, wurden die beiden ExpeditionsschiffeSlava RossiiundDobroe Namereniein Ochotsk gebaut. Die Fertigstellung dauerte länger als geplant und zu dem zeitlichen Verzug kam hinzu, dass eines der beiden Schiffe durch einen Unfall naher der Ochota-Mündung barst. Deshalb brach Billings einzig mit derSlava Rossiinach Petropavlovsk, auf der Halbinsel Kamtschatka gelegen, auf. Dort überwinterte die Mannschaft auch. Somit war die erste der Phase eher von Misserfolgen geprägt.

Nach diesem Rückschlag begann die Expedition im Mai 1970 mit nur einem Expeditionsschiff. Die Route führte im Juni 1790 von Petropavlovsk über die Insel Unalaska zur Kodiak Insel und am 30.Juli 1790 schließlich zur Kajak Insel. Aufgrund von Nahrungsmittelengpässen und dem Ausbruch von Skorbut fuhr er anschließend auf dem kürzesten zurück nach Petropavlovsk, wo sie am 14. Oktober 1790 ankamen.[10]

Im April 1791 wurde die Expedition wieder aufgenommen. Billings segelte abermals gen Unalaska und legten unterwegs an zahlreichen Inseln der aleutischen Inselkette an. Im August selben Jahres gelangten sie zur St. Lorenz-Bucht auf der Halbinsel Tschukotka. Bei diesem Aufenthalt gingen Kapitän Billings, Marck, Stabswundarzt Robeck und ein Zeichner von Bord um die Halbinsel per Fuß zu erforschen. Zuvor hatten Sie von den Tschuktschen erfahren, dass der Seeweg zur Kolyma-Mündung aufgrund der starken Vereisung nicht passierbar sei. Das Kommando über die Slava Rossii hatte nun Leutnant Sarychev, der zurück zu den Aleuten reiste um dort auf Robert Hall mit dem fertiggestellten, zweiten Expeditionsschiff, der Cherny Orel zu treffen.[11]

In der finalen Phase, welche von 1791 bis 1792 andauerte, fand die Expedition an zwei verschiedenen Standorten statt. Die Mannschaft um Billings und Merck blieb auf der Halbinsel Tschukotka, und die Mannschaft um Sarychev und Hall unternahm abermals eine Erkundungstour zu der Insel Unalaska.

Billings und Merck schlossen sich während der Erkundungen auf der Halbinsel Tschukotka einer Gruppe von Rentiertschuktschen an. Sie passierten so die Kolyma-Mündung und kamen

[...]


[1] Vgl. Dahlmann, Friesen, & Ordubadi, 2009. S.7 ff.

[2] Vgl. Donnert, 2002. S. 163-164.

[3] Vgl. Dahlmann, Friesen & Ordubadi, 2009. S. 25 - 26.

[4] Vgl. Ebd., S. 21.

[5] Vgl. Ebd., S. 31.

[6] Vgl. Inglis, 2008. S. 39.

[7] Vgl. Ordubadi, 2009. S. 80 - 81.

[8] Vgl. Pivovar, 2013. S. 80 - 81.

[9] Vgl. Ebd., 2013. S.78 - 79.

[10] Vgl. Inglis, 2008. S. 40.

[11] Vgl. Pivovar, 2013. S. 81 - 82.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die wissenschaftliche Bedeutung des Sibirisch-Amerikanischen Tagebuchs von Carl Heinrich Merck
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V388874
ISBN (eBook)
9783668633032
ISBN (Buch)
9783668633049
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sibirien
Arbeit zitieren
Thea Resbot (Autor), 2015, Die wissenschaftliche Bedeutung des Sibirisch-Amerikanischen Tagebuchs von Carl Heinrich Merck, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388874

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die wissenschaftliche Bedeutung des Sibirisch-Amerikanischen Tagebuchs von Carl Heinrich Merck



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden