Der Einfluss der Kommunikationskanäle von Facebook auf die politische Partizipation junger Menschen


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist politische Partizipation?

3. Web 2.0 - Facebook als Weiterentwicklung des Internets

4. Internet-Nutzungsverhalten junger Erwachsener

5. Schluss

1. Einleitung

Soziale Medien haben in den vergangen Jahren in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens an Bedeutung gewonnen. Portale wie Facebook oder Instagram erfreuen sich großer Beliebtheit und die Mitgliederzahlen deuten an, wie weit ihr Einfluss reicht: Facebook hat nach eigenen Angaben im 2. Quartal 2017 über 2 Milliarden monatlich aktive Nutzer und 1,32 Milliarden tägliche Nutzer, was einem Wachstum von 17% im Vergleich zum Vorjahr entspricht (vgl. allfacebook.de 2017). Vor allem bei jungen Menschen bis 29 Jahre spielt Facebook in vielen Lebensbereichen eine bedeutende Rolle. Zu den Funktionen der Netzwerke zählen vor allem die Pflege von Kontakten oder die Informationsgewinnung in unterschiedlichen Bereichen (vgl. DIVISI 2016: 22). Die jüngsten Landtags- und Bundestagswahlen haben außerdem gezeigt, dass auch politische Parteien verstärkt auf den Wahlkampf und den Informationsaustausch in sozialen Medien setzen, um speziell junge Menschen direkt anzusprechen. Die Verbreitung von Facebook und ähnlichen Plattformen hat somit auch direkte Auswirkungen auf den politischen Bereich.

Die Nutzer digitaler Netzwerke (User) sind demnach direkte Adressaten politischer Kommunikation. Doch welche Möglichkeiten bieten ihnen die Portale, um am politischen Geschehen, der Willensbildung oder dem Informationsaustausch teilzunehmen? Angeleitet durch die Forschungsfrage "Haben die Kommunikations- und Informationskanäle von Facebook die politische Partizipation junger Menschen beeinflusst?", wird die Hausarbeit die Beteiligungsmöglichkeiten und das Nutzungsverhalten der Facebook-User untersuchen. Die Arbeit strebt eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Internet und politischer Partizipation an und stellt hierzu die Hypothese auf, dass von einer gesteigerten politischen Mobilisierung durch soziale Netzwerke - speziell Facebook - ausgegangen werden kann. Die These wird auf neue Formen der Demokratie und Partizipation zurückgeführt, deren Entstehung durch die neuen Beteiligungsmöglichkeiten unterstützt wurde. Im Fokus der Arbeit steht damit vor allem, wie sich mit der Weiterentwicklung des Internets die Möglichkeiten der politischen Beteiligung verändert bzw. erweitert haben und inwiefern diese von jungen Menschen genutzt werden.

Um zu Beginn die theoretische Grundlage zu liefern, wird über Max Webers Konzept des sozialen Handelns und Christian Lüdemanns Begriff der politischen Beteiligung definiert, was unter „politischer Partizipation“ zu verstehen ist. Anschließend werden die erweiterten Beteiligungsmöglichkeiten des Web 2.0 vorgestellt und am Beispiel von Facebook die Unterschiede erläutert, die sich zum Angebot und der Nutzung des „klassischen Internets“ ergeben. Vor dem Hintergrund politischer Beteiligung behandelt dieser Abschnitt auch die Reichweite und Auswirkungen grundlegender Funktionen durch/auf die virtuellen Freunde der User. Anhand repräsentativer Umfragen wird im darauf folgenden Kapitel die Entwicklung des Nutzungsverhaltens untersucht. Die Studien sollen Aufschluss darüber geben, welche Relevanz den Medien im Bezug auf das gesamte politische Engagement der untersuchten Gruppe zugeschrieben werden können.

2. Was ist politische Partizipation?

In regelmäßigen Abständen wird in der Öffentlichkeit vom „Desinteresse der Jugendlichen an klassischer Regierungs- und Parteien-Politik“ (Spaiser 2013: 18) gesprochen. Dementsprechend konzentrierte sich die Partizipationsforschung in ihrer Anfangsphase hauptsächlich auf die Teilnahme an Wahlen, die als das klassische Instrument der Beteiligung gilt. Doch politische Partizipation ist mehr als die Teilnahme an Wahlen (vgl. Escher 2010: 132). Um herauszufinden, ob und wie junge Menschen politisch Partizipieren, soll in diesem Kapitel zuerst definiert werden, was darunter zu verstehen ist. Der Begriff des Politischen ist stark kontextabhängig. In dieser Arbeit werden hauptsächlich Phänomene auf der mikropolitischen Ebene, d.h. von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen betrachtet. Der staatlich-institutionellen Makroebene kommt in der folgenden Definition von politischer Partizipation deshalb eine geringere Bedeutung zu.

Um zu einer Arbeitsdefinition politischer Partizipation zu finden, wird die wörtliche Bedeutung des Begriffs als Ansatzpunkt verwendet. „Partizipation“ als Synonym von Beteiligung verweist grundlegend auf Interaktionen mit bestehenden Strukturen und stellt menschliches Verhalten - „Handeln“ - dar. Das Adjektiv „politisch“ verbindet das Handeln außerdem mit der Bevölkerung oder der Staatsverwaltung und spricht damit das Zusammenleben der Menschen in Staat und Gesellschaft an. Demnach bedeutet politische Partizipation im weitesten Sinne Handeln, das sich auf das gesellschaftliche Zusammenleben beziehen. Mit seinem Begriff des „sozialen Handelns“ bietet Max Weber einen inhaltlich vergleichbaren Begriff, der eine strukturierte Analyse ermöglicht und zu einer Arbeitsdefinition von politischer Partizipation verhilft. Von Bedeutung ist dabei Webers Verständnis von Verhalten, Handeln und sozialem Handeln. Vereinfacht dargestellt bedeutet Handeln, dass dem menschlichen Verhalten vom Handelnden ein subjektiver Sinn zugeschrieben wird. „Sozial“ wird das Handeln darüber hinaus, wenn der „Sinn auf das Verhalten anderer [bezogen] und daran in seinem Ablauf orientiert ist“ (Weber 1972: 11). Charakteristisch ist damit der Bezug zum Verhalten anderer und der subjektive Sinn, der das Verhalten zu interessengeleitetem Handeln macht.

Kurt Lenk greift auf Webers Vorarbeit zurück, um Handeln zu definieren, das als politisch verstanden wird. Auf das Konzept des sozialen Handelns aufbauend, stellte Lenk für politisches Handeln folgende Kriterien auf: Als politisch gilt „jede gesellschaftlich relevante Aktivität, die die Struktur und damit die Machtverhältnisse der sozialen Gruppen, Organisationen und Institutionen sei es verändern, sei es stabilisieren will“ (Lenk 1988: 21). Ein entscheidender Punkt für politisches Handeln ist damit die gesellschaftliche Relevanz, die bereits in der Herleitung betont wurde. Der Begriff ist allerdings problematisch, da nicht genau definiert werden kann, wann eine Handlung gesellschaftlich relevant ist. Im Kontext demokratischer Regierungssysteme kann Handeln als gesellschaftlich relevant bezeichnet werden, wenn Interessen aggregiert und artikuliert werden. Damit ist im weitesten Sinne der politische Willensbildungsprozess gemeint. Politische Willensbildung umfasst die Entwicklung politischer Ideen zu politischen Entscheidungen und anschließend zur Umsetzung politischer Ziele. Im Allgemeinen geht es dabei um die Wünsche und Ziele der gesamten Bevölkerung. Doch nicht alle Interessen haben die gleiche Chance artikuliert zu werden und damit gesellschaftlich relevant zu sein. Die Interessen und Wünsche von Minderheiten werden in politischen Entscheidungen und Zielen nicht immer berücksichtig. Dieses Problem kann ausgeräumt werden, wenn der individuelle Willensbildungsprozesse als Vorstufe der Interessenaggregierung verstanden wird. Bevor sich Gruppen zusammen-schließen, definieren die einzelnen Mitglieder ihre Interessen im persönlichen Willensbildungsprozess, um sich anschließend mit Gleichgesinnten zu organisieren. Hiermit ist nicht nur die gesellschaftliche Relevanz gegeben, die Willensbildung steht außerdem im direkten Zusammenhang mit der Struktur sozialer und politischer Gruppen (für diesen Zusammenhang vgl. Spaiser 2013: 81). Das Kriterium der gesellschaftlichen Relevanz bleibt trotzdem vage und muss fallspezifisch untersucht werden.

Auf der Mikroebene müssen politisch motivierte Aktivitäten außerdem zwischen Teilhabe und Partizipation/Beteiligung unterschieden werden. Politische Teilhabe bezieht sich dabei auf generelles politisches Interesse und die Aufnahme entsprechender Informationen. Partizipation dagegen stellt in demokratisch regierten Staaten die zentrale Möglichkeit der Beteiligung dar und wird nach Christian Lüdemann durch drei Merkmale gekennzeichnet: 1. Die Teilnahme ist freiwillig. 2. Die politische Aktivität wird von einer Privatperson ausgeführt. 3. Die Aktivität hat das Ziel, Einfluss auf das politische System und seine Entscheidungen auszuwirken (vgl. Lüdemann 2001: 43). Diese Beschreibung zeichnet ein klares Bild der Handlungen, die als politische Beteiligung eingestuft werden. Die Personen, die sich politisch beteiligen, verfolgen mit ihrem Handeln ein Ziel. Ihr Handeln ist interessengeleitet und sie agieren als Privatperson, d.h. nicht über institutionell verankerte Kommunikationskanäle wie bspw. Parteien und Gewerkschaften. Der Vergleich von Teilhabe und Partizipation zeigt, dass sich die politische Teilhabe durch Passivität auszeichnet und unter Umständen als Vorstufe der politischen Partizipation bezeichnet werden kann. Denn der Beteiligung liegt in der Regel zugrunde, dass sich die Personen im Vorfeld mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Über die Informationsaufnahme erfolgt die Willensbildung, auf die dann interessengeleitetes Handeln folgt.

Die steigende Vielfalt von politischen Akteuren und Interessen erschwert eine klare Abgrenzung des Politischen zusätzlich. Viktoria Spaiser geht in diesem Zusammenhang darauf ein, wie persönliches Handeln politisch wirkt, sobald es in Gruppen organisiert wird und über Verbände Einfluss auf die Gesellschaft ausübt. Der Verband handelt anschließend politisch, doch die persönliche Entscheidung zu Beginn kann rückwirkend nicht unbedingt als politisches Handeln gesehen werden. Die Entscheidung, vegetarisch zu leben ist - in diesem Beispiel - in erster Linie eine persönliche. Engagiert sich die Person in einem entsprechenden Verband, um weitere Menschen vom Vegetarismus zu überzeugen, wird das Handeln ab diesem Punkt politisch, ändert aber nicht die ursprüngliche, persönliche Entscheidung (für diesen Zusammenhang vgl. Spaiser 2013: 84).

Für die politische Partizipation sind demnach eine Reihe von Kriterien maßgeblich. Damit Handeln als politisch bezeichnet werden kann, muss im weitesten Sinne gesellschaftliche Relevanz vorliegen. Und um politisches Handeln darüber hinaus als Partizipation zu bezeichnen, muss es sowohl freiwillig und von einer Privatperson ausgeführt werden, als auch auf das politische System ausgerichtet sein (vgl. ebd.: 81ff). Sowohl das politische Handeln als auch die Partizipation zeichnen sich außerdem dadurch aus, dass sie interessengeleitete Aktivitäten sind.

3. Web 2.0 - Facebook als Weiterentwicklung des Internets

Begriffe wie soziale Medien oder soziale Netzwerke gehören mittlerweile zum täglichen Sprachgebrauch. Sie umfassen virtuelle Plattformen und Portale, die sich durch die Möglichkeiten des Web 2.0 innerhalb weniger Jahre weltweit verbreitet haben. Der Begriff Web 2.0 beschreibt die sozio-technische Weiterentwicklung der Internetnutzung. Hinsichtlich des Angebots und der Nutzung des Internets wurden die Möglichkeiten konsequent erweitert, um nicht mehr nur die einseitige Verbreitung von Informationen zu unterstützen, sondern die Beteiligung der Nutzer zu ermöglichen. Der User steht in diesem Fall im Mittelpunkt, indem er sich an der Gestaltung und Generierung des Zusatznutzens beteiligt. Zusatznutzen meint hier beinahe jegliche Form der Beteiligung und Kommunikation: Die User erstellen Blogs, teilen Bilder, Videos und Audiodateien, erstellen gemeinschaftlich Enzyklopädien und Nachschlagewerke oder führen in Online Networks öffentliche Diskussionen zu jedem erdenklichen Thema.

Mit Online Networks (Online Social Networking Sites) sind virtuelle Netzwerke gemeint, in denen die Möglichkeiten des Web 2.0 besonders stark genutzt werden. Hierzu zählen spezielle Internetportale, in denen jeder User ein eigenes Profil besitzt und persönliche Informationen, Foto- und Videomaterial und selbst erstellte Meldungen veröffentlicht oder mit einem bestimmten Personenkreis teilen kann. Das bekannteste Portal dieser Art ist Facebook. Die registrierten Nutzer generieren Inhalte, indem sie Statusmeldungen veröffentlichen, die ihr Wohlbefinden, Aktivitäten oder sonstige Informationen beinhalten. Auch Foto-, Video- und Audiomaterial kann unkomplizierter verbreitet werden und dient als Grundlage der Kommunikation. So fungieren veröffentlichte Inhalte nicht wie im klassischen internet nur als einseitiger Kommunikationsweg mit dem Publikum, die Inhalte regen außerdem die Interaktionen der Nutzer an. Die User haben die Möglichkeit, die Beiträge ihrer virtuellen Freunde zu kommentieren, mit Bewertungen wie einem „Gefällt mir“ zu markieren oder auf dem eigenen Profil weiter zu verbreiten. Die Bewertungen können dabei positiv oder negativ sein und über wenige Klicks als Markierung am entsprechenden Beitrag befestigt werden. Auf einfachstem Wege bietet Facebook damit die Möglichkeit, die persönliche Einstellung zu jedem Thema zu veröffentlichen und Diskussionen anzuregen. Die User reagieren auf diese Weise nicht nur auf Beiträge ihrer virtuellen Freunde. Mit seinem persönlichen Profil legt jeder User ein eigenes Netzwerk an. Andere Personen werden dann als „Freunde“ zu diesem Netzwerk eingeladen und hinzugefügt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Gruppen beizutreten oder Profilen zu folgen, die bestimmte Themen behandeln (vgl. Kneidinger 2010: 49ff). Der Beitritt in eine Gruppe oder das Folgen eines öffentlichen Profils stellt in diesen Netzwerken nicht nur Informationsbeschaffung dar, sondern Unterstützt die entsprechenden Seiten darüber hinaus. Die Freunde des Nutzers XY erhalten Benachrichtigungen, dass ihr Freund z.B. dem lokalen SPD-Landtagsabgeordneten folgt. Die Vernetzungslogik sorgt dann dafür, dass die Beiträge des Abgeordneten auch den Freunden des Nutzers XY angezeigt werden, obwohl sie ihm gar nicht folgen. Der Beitritt in eine politische Gruppe überschreitet so bereits die Grenzen politischer Teilhabe und kann als Beteiligung bezeichnet werden. Durch den Beitritt erhält der Nutzer in erster Linie alle Neuigkeiten, die die Gruppe veröffentlicht. Gleichzeitig unterstützt der Beitritt die Gruppe durch die Erhöhung ihrer Reichweite und kennzeichnet den Nutzer als Unterstützer oder wenigstens als Interessenten.

Die Möglichkeiten der Sozialen Netzwerke stellen in mehrfacher Hinsicht auch Chancen für private Nutzer dar. Die Netzwerke bieten zahlreiche Kommunikationskanäle, über die auf privatem oder öffentlichem Wege Informationen ausgetauscht werden. Besonders durch Weak Ties können Nutzer über ihr eigenes Netzwerk hinaus an Informationen gelangen, die in Netzwerken von Bekannten zweiten oder dritten Grades veröffentlicht werden - solange die Privatsphäre-Einstellungen aller verketteten Personen dies erlauben. Im Bereich der kommunikativen Vernetzung muss außerdem auf die Möglichkeit des anonymen Austauschs hingewiesen werden. Durch die Verwendung eines Synonyms können sich User anonym registrieren und an Informationen gelangen oder über sensible Themen kommunizieren. Damit sind nicht nur private Unterhaltungen über persönliche Dinge gemeint, sondern auch die Organisation und Koordination von Demonstrationen und Protesten. Die Revolutionen in den arabischen Ländern stehen beispielhaft dafür, welche Kommunikationsmöglichkeiten soziale Medien bereitstellen. Neben Zahlreichen Bloggern und Internetaktivisten konnten sich auch Protestgruppen über Facebook bilden, die zu Beginn des „Arabischen Frühlings“ Informationen weitergaben, Demonstrationen organisierten und letztlich den virtuellen Protest auf die Straße brachten. Die interaktiven Kommunikationskanäle ermöglichten den Informationsaustausch in Echtzeit und konnten in kürzester Zeit Menschen mobilisieren, die an festgelegten Orten gezielte Proteste veranstalteten (vgl. Rapp 2013: 76f).

Doch nicht nur der wechselseitige Austausch wird durch soziale Netzwerke gefördert. Auch die Informationsbeschaffung gestaltete sich einfacher als im „klassischen“ Internet. Der Beitritt zu Gruppen oder das Folgen öffentlicher Seiten wurde in diesem Zusammenhang bereits erwähnt. Zeitungen, Magazine, Personen des öffentlichen Lebens, Unternehmen, Radio- und Fernsehsender besitzen Seiten in den sozialen Netzwerken, über die sie ihre Artikel und Informationen veröffentlichen. Nutzer, die diese Seiten abonnieren (ihnen „folgen“) erhalten die entsprechenden Beiträge direkt in ihrem persönlichen Newsfeed. Der Newsfeed ist individuell und sein Inhalt wird unter anderem durch die Quellen geprägt, die der Nutzer mit „Gefällt mir“ markiert hat und durch die Gruppen, denen er beigetreten ist. Einen weiteren Filter stellen die virtuellen Freunde des Users dar. Nicht nur die Beiträge der Freunde werden im persönlichen Newsfeed angezeigt, auch Beiträge auf die Freunde reagiert haben - z.B. durch ein „Gefällt mir“ oder einen Kommentar - werden angezeigt (vgl. ebd.: 77f). Ein einfacher Klick auf den „Gefällt mir“-Button kann so schon zum (halb-)öffentlichen Statement werden und entspricht der Definition politischer Teilhabe.

Welchen Stellenwert einfache Interaktionen wie ein „Gefällt mir“ haben, zeigt die Studie von Aaron Smith zur politischen Online-Aktivität. Sie stuft Nutzer, die politische Beiträge veröffentlichen, PolitikerInnen folgen oder in Gruppen sind, die sich mit politischen Themen befassen bereits als „irgendwie politisch aktiv“ (Jonjic 2013) ein. Die Umfrage unter erwachsenen US-Amerikanern zeigt, dass die Beteiligung an politischen Themen zu einem bedeutenden Teil online abläuft: 38% der Befragten gaben an schon mal einen politischen Beitrag unterstützt („Gefällt mir“) oder geteilt zu haben, 35% haben schon mal andere zur Wahl aufgerufen und 34% teilten ihre persönliche Meinung zu politischen Themen in einem eigenen Beitrag. Die Studie zeigt außerdem, dass das politische Engagement auf den Seiten der sozialen Netzwerke seit 2008 kontinuierlich gestiegen ist (vgl. Jonjic 2013).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Nutzer sozialer Netzwerke vielseitig miteinander verbunden sind. Die Informationen, die jeder Nutzer bekommt sind jedoch nicht nur von den eigenen Interessen abhängig. Auch Gruppen und Personen, die von Freunden unterstützt werden filtern die dargestellten Informationen. Dementsprechend hat fast jede Interaktion eines Nutzer auch Auswirkungen auf die vernetzten Freunde und kann als kommunikatives Statement genutzt werden. Die User verbinden mit ihrem Handeln einen subjektiven Sinn, z.B. dem Verfasser eines Beitrags zu signalisieren, dass er gute Arbeit geleistet hat und sie ihn unterstützen. Die strategische Verwendung der Interaktionen zur Verbreitung der eigenen politischen Positionen kommt damit Max Webers Definition vom sozialen Handeln bereits sehr nah. Doch wer nutzt diese Kommunikationskanäle und welche Relevanz haben diese Möglichkeiten für die politische Beteiligung im Allgemeinen? Um das Beurteilen zu können, untersucht das nächste Kapitel das Internet-Nutzungsverhalten junger Erwachsener.

4. Internet-Nutzungsverhalten junger Erwachsener

Im Rahmen der Shell-Jugendstudie werden seit den 1950er Jahren in regelmäßigen Abständen unter anderem die politische Einstellung und das politische Verhalten junger Menschen in Deutschland erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass das politische Interesse seit Mitte der 1990er Jahre rückläufig war und erst seit 2006 wieder leicht ansteigt. 2015 gaben 41% der Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren an Interesse an Politik zu haben und bestätigen damit den positiven Trend (2006: 35%, 2010: 36%) der vergangenen Jahre (vgl. Albert; Hurrelmann; Quenzel 2015: 20). Der Aufschwung des politischen Interesses bei jungen Menschen deckt sich zeitlich mit der Verbreitung sozialer Netzwerke. Um zu untersuchen, ob sich diese Entwicklungen gegenseitig beeinflusst haben, wird im Folgenden das Nutzungsverhalten junger Menschen genauer untersucht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der Kommunikationskanäle von Facebook auf die politische Partizipation junger Menschen
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Partizipative Methoden
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V389023
ISBN (eBook)
9783668630314
ISBN (Buch)
9783668630321
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Partizipation, Soziale Netzwerke, Facebook, Informationskanäle, Kommunikation, Web 2.0, Internetnutzung, junge Menschen
Arbeit zitieren
André Will (Autor), 2017, Der Einfluss der Kommunikationskanäle von Facebook auf die politische Partizipation junger Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/389023

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Einfluss der Kommunikationskanäle von Facebook auf die politische Partizipation junger Menschen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden