Massenmedien und Demoskopie im Präsidentschaftswahlkampf


Hausarbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Medien und Wahlumfragen
II.1 Funktionen der Medien
II.2 Wahlumfrageberichterstattung und ihr Nachrichtenwert
II.2.1 AAPOR Standards
II.2.2 “Horse races”
II.2.3 Auswirkungen der Berichterstattung
II.3 Wirkungsvermutungen der Wahlumfragebericht- erstattung auf das Wählerverhalten
II.3.1 Einflüsse auf die Wahlbeteiligung
II.3.2 Einflüsse auf die Wahlentscheidung

III. Schlussbemerkung

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Medien sind heute kaum noch wegzudenken aus dem Alltag der Menschen. Denn während sich vor einhundert Jahren die Bevölkerung noch durch Parteien über die Wahlen informieren konnte, ist diese heute auf die Medien als Informationsträger angewiesen. Auch die Kandidaten für das Präsidentschaftsamt versuchen durch sie, die Bevölkerung zu erreichen.

War die „vierte Gewalt“ im System der checks and balances ursprünglich von den Gründungsvätern lediglich als „watchdog“ der Politik vorgesehen, der die anderen Gewalten kontrollieren und beobachten sollte, so sind die Rollen und Funktionen, vor allem in Wahlkampfzeiten, heute weitaus differenzierter.[1] Um sich dieser Entwicklung anzupassen, bedienen sich Journalisten inzwischen auch der Sozialforschung. So ist die Berichterstattung über Wahlumfrageergebnisse heute fester Bestandteil des Präsidentschaftswahlkampfes.[2]

Ziel dieser Arbeit ist daher, anhand des Beispiels der Wahlumfragen aufzuzeigen, inwieweit die Medien durch ihre Berichterstattung Einfluss auf den Prozess der Wahl ausüben können. Dazu werden zunächst die verschiedenen Funktionen und Rollen der Medien generell, insbesondere aber während des Wahlkampfes, beschrieben (Kap. II.1). Im Anschluss hieran wird analysiert, welchen Stellenwert die Wahlumfrageberichterstattung einnimmt, wobei besonderes Augenmerk auf der Fragestellung liegt, nach welchen Kriterien die Medien Wahlumfrageergebnisse auswählen und in ihr Programm aufnehmen. Zusätzlich soll durch empirische Beispiele illustriert werden, welchen Einfluss die Medien ausüben können, wenn sie Inhalte und damit die Fragestellungen vorgeben. Dabei wird jedoch kein Anspruch auf Repräsentativität erhoben, da die Umfragen lediglich aus dem Zeitraum Oktober 2004 ausgewählt wurden (Kap. II.2).

Weiterhin wird im folgenden Kapitel auf die inhaltliche Qualität der Wahlumfragen eingegangen. Dazu werden zunächst generelle Richtlinien für die Präsentation von Umfrageresultaten beschrieben, wobei die Fragestellung im Vordergrund steht, welche Konsequenzen bezüglich des Einflusses der Medien deren Nichteinhaltung mit sich bringen könnte (Kap. II.2.1).

Um zu analysieren, in welchem Kontext die Wahlumfragen präsentiert werden, folgt ein kurzer Abriss auf den in Amerika weit verbreiteten Horse-race Journalismus (Kap.II.2.2).

Hieran anschließend werden mögliche Auswirkungen der Berichterstattung erörtert, die sich auf die Wahlkampagne beziehen (Kap. II.2.3). In Kapitel II.3 wird abschließend auf einige Wirkungsvermutungen der Wahlumfrageberichterstattung auf das Wählerverhalten eingegangen, wobei es einerseits um Einflüsse auf die Wahlbeteiligung (Kap. II.3.1) und andererseits um solche auf die Wahlentscheidung (Kap. II.3.2) gehen soll.

II. Medien und Wahlumfragen

Bei den heutigen Bevölkerungszahlen ist es kaum denkbar, eine Präsidentschaftskandidatur ohne die Hilfe der Medien durchzuführen. Sowohl die Regierung als auch die Bürger profitieren vor allem in der Wahlkampfzeit von ihnen. In ihren verschiedenen Funktionen und Rollen tragen sie maßgeblich zum politischen Prozess der Wahl bei.

II.1 Rollen und Funktionen der Medien

Besonders während des Wahlkampfes werden unzählige Nachrichten, Werbeanzeigen und Wahlumfrageergebnisse gesendet beziehungsweise in den Zeitungen und Magazinen gedruckt. Schließlich benötigt eine funktionierende repräsentative Demokratie einen „informed consent of the governed“.[3] So haben die Medien in erster Linie eine Informationsaufgabe, wobei die Bürger durch sie gleichzeitig die Möglichkeit haben, zu jeweiligen Themen zu recherchieren. Desweiteren wird durch die Medien die Information vermittelt und kontrolliert, wodurch sie dazu tendieren, sich als „watchdogs“ des Gemeinwohls anzusehen.[4]

Auch Politiker können sich über sie z. B. über ihren Bekanntheits- oder Beliebtheitsgrad informieren und ihre Kampagnen entsprechend gestalten.

Neben diesen eher allgemeinen Aufgaben, übernehmen den Medien in Wahlkampfzeiten noch weitere Rollen. Laut MAISEL und BUCKLEY fällt darunter die des „Great Mentioner“, d. h. indem die Kandidaten häufig in den Medien genannt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Bürger die Person oder den Namen einprägen.[5]

Indem die Medien entscheiden, was von einem Kandidaten gesendet wird, haben sie ebenfalls Einfluss darauf, welches Image in die Öffentlichkeit transportiert wird, womit sie gleichzeitig Erwartungen an den jeweiligen Anwärter hervorrufen. Dies geschieht beispielsweise indem sie Prognosen anstellen, wer in den Vorwahlen den Sieg davontragen könnte, was oftmals noch durch Umfrageergebnisse unterstrichen wird.

Doch indem die Medien entscheiden, was gesendet bzw. gedruckt wird, üben sie ihre einflussreichste Rolle während des Wahlkampfes aus. Durch das Agenda-Setting, d. h. die Nachrichtenauswahl, bestimmen die Medien, welche Information dem Bürger zukommt und somit den inhaltlichen Teil der Kampagne, über den dieser Bescheid weiß.[6] Für den Wähler bedeutet dies zunächst, dass er nicht mit unzähligen Programmpunkten der verschiedenen Kandidaten konfrontiert wird, sondern über die Medien gefiltert seine Nachrichten erhält. Auf der anderen Seite jedoch ist hier zu erwähnen, dass angesichts der heutigen Nachfrage nach Wahlkampfmanagern, den sogenannten „spin-doctors“ und ihrer auf Wahlen professionalisierte Öffentlichkeitsarbeit, nicht mehr zu erkennen ist, ob durch die Medien oder durch geschickt organisierte Auftritte der Kandidaten ein Thema ausgewählt wird.

In jedem Fall jedoch erfahren die Bürger durch sie, welche Themen oder Kandidaten gerade diskutiert werden. Oftmals geschieht dies auch in Form von Wahlumfragen, auf die in den nächsten Kapiteln näher eingegangen wird.

II.2 Wahlumfrageberichterstattung und ihr Nachrichtenwert

Wie bereits erwähnt, ist es die Aufgabe der Medien, die Bürger politisch zu informieren. Durch Wahlumfragen soll dieser eine durch Zahlen fundierte Vorstellung von der öffentlichen Meinung erhalten, die er mit der eigenen abgleichen kann.[7] So haben sie für den Bürger laut Wolfgang Donsbach „einen extrem hohen Informationswert […]: bereits Wochen vor einer Wahl zu wissen, wer der Sieger sein wird.[8] Für die Medien bedeutet dies wiederum, dass sie die „news […] that would otherwise not exist“ gut verkaufen können.[9]

Desweiteren können sie durch Umfragen bestimmen, wieviel von einem Kandidaten gesendet werden soll und wieviel Sendezeit in ihn investiert wird. Gleichzeitig wird so festgelegt, welche Aspekte der Wahlen beleuchtet werden beziehungsweise auf welche Themen die Aufmerksamkeit des Wählers gelenkt wird.[10]

Daher stellt sich zunächst die Frage, nach welchen Kriterien die Medien Wahlumfrageergebnisse auswählen und in ihr Programm aufnehmen. Letztendlich beeinflussen sie bereits mit ihrer Wahl das Wissen des Wählers über politische Themen und die dazu bestehende öffentliche Meinung hierzu.

CRESPI beleuchtet dafür zunächst den Neuigkeitswert einer Umfrage. So hat „the expression of public opinion in the voting booth [...] an immediate, direct, and powerful political effect: therefore it is news”.[11] Gibt der potentielle Wähler in einer Wahlumfrage seine Meinung kund, so ist das eine mögliche beziehungsweise fiktive Stimmabgabe für einen Kandidaten oder für dessen politische Haltung.[12] Für die Medien wiederum bedeutet dies ein mögliches Ergebnis für die anstehenden Wahlen, dem somit ein Nachrichtenwert zukommt, damit der Wähler über den neusten Stand informiert ist.

[...]


[1] Aus: Informationen zur politischen Bildung: Politisches System der USA. 2/2004, S. 51.

[2] vgl.: Owen, Diana: Media Messages in American Presidential Elections. New York 1991, S. xvii.

[3] Maisel, Sandy L.; Buckley, Kara Z.: Parties and Elections in America. The Electoral Process, 4th ed., Lanham 2005, S. 395.

[4] ebd., S. 402.

[5] ebd., S. 398ff.

[6] ebd., S. 400-403.

[7] Dazu sei vermerkt, dass Elisabeth Noelle- Neumann in ihrer „Theorie der Schweigespirale“ die Auffassung vertritt, dass sich Menschen stark von der vermuteten öffentlichen Meinung beeinflussen lassen. Dies bedeutet, dass den Medien hierbei ein starker Einfluss zugesprochen wird, da sie diese unter anderem in Wahlumfragen abbilden (sollten). Siehe auch: Noelle-Neumann, Elisabeth: Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung – unsere soziale Haut. München 1980.

[8] Donsbach, Wolfgang: Die Rolle der Demoskopie in der Wahlkampf-Kommunikation, in: Zeitschrift für Politik (31) 4/1987, S. 388.

[9] Cantril, Albert H: Polling on the Issues. Zitat aus: Owen, Diana: Media Messages in American Presidential Elections. New York 1991, S. 91.

[10] ebd.

[11] Crespi, Irving: Polls as Journalism, in: The Public Opinion Quarterly (44) 1 1980, S. 465.

[12] Besonders in Amerika hat die kandidatenzentrierte Wahl zur Folge, dass die Medien sog. horse- races veranstalten, d. h. in den Wahlumfragen geht es meistens darum, wer im Rennen um das Präsidentenamt vorne liegt. Dazu mehr in Kap. II.3.2.

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Details

Titel
Massenmedien und Demoskopie im Präsidentschaftswahlkampf
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Seminar für wissenschaftliche Politik)
Veranstaltung
Wahlen und Wahlsystem in den USA
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V38909
ISBN (eBook)
9783638378420
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Massenmedien, Demoskopie, Präsidentschaftswahlkampf, Wahlen, Wahlsystem
Arbeit zitieren
Iris Porzig (Autor), 2005, Massenmedien und Demoskopie im Präsidentschaftswahlkampf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38909

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