Der Börse als zentraler Handelsplatz für Wertpapiere aller Art kommt aus
gesamtwirtschaftlicher Sicht zentrale Bedeutung zu. Der Grund dafür ist, dass diese
einen wichtigen Beitrag zur optimalen Versorgung der Wirtschaft mit notwendigem
Kapital darstellt. Unternehmungen wird die Möglichkeit geboten, beispielsweise über
die Emission von Aktien Kapital zur Finanzierung geplanter Investitionsvorhaben zu
erwerben. Dies stellt eine Alternative zu traditionellen Bankkrediten dar. Diese
können besonders bei langfristigen und risikoreichen Projekten hohe Kosten
verursachen. Der Entwicklungsstand der Börse wirkt sich folglich indirekt auf das
Wirtschaftswachstum und das Beschäftigungsniveau einer Volkswirtschaft aus. Eine
funktionsfähige und effiziente Börse ist deshalb von entscheidender Bedeutung. Nur
auf diese Weise ist es möglich im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
An der Wiener Börse wurden in den letzten Jahren zahlreiche Schritte unternommen,
um deren Bedeutung gegenüber anderen Handelsplätzen zu erhöhen. Die Bemühungen konzentrierten sich dabei vor allem auf die Steigerung der Liquidität und die Erhöhung der Markttransparenz. Diese beiden Faktoren zählen zu den
wichtigsten Kriterien, die Anleger als auch Emittenten in ihre Investitionsentscheidungen miteinbeziehen. Hohe Liquidität und Markttransparenz
stärken das Vertrauen von privaten und institutionellen Investoren in den Finanzplatz
Österreich, was deren Bereitschaft zu Investitionen positiv beeinflusst. Im Zuge meiner Seminararbeit werde ich die angesprochenen Initiativen der Wiener Börse behandeln, die in den letzten Jahren realisiert wurden. Zu Beginn werden die
Begriffe Liquidität und Markttransparenz näher erläutert. Zudem wird auf deren
Bedeutung für einen gesunden Finanzmarkt verwiesen. Das folgende Kapitel zeigt
die Entwicklung der Wiener Börse während den letzten Jahren. Besondere Berücksichtigung findet hierbei die Behandlung oben genannter Kriterien. Im
Anschluss werden ausführlichst die wichtigsten Veränderungen an der Wiener Börse
der vergangenen Jahre behandelt. Das Ende meiner Arbeit bildet eine kritische
Beurteilung der Auswirkungen der Umstrukturierungen, die am Finanzmarkt erzielt
werden konnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bedeutung von Liquidität und Markttransparenz
2.1 Liquidität
2.2 Markttransparenz
3 Entwicklung der Wiener Börse
4 Marktsegmentierung
4.1 equity market
4.2 bond market
4.3 otob market
4.4 warrants
4.5 other listings
5 Specialist und Market Maker
5.1 Market Maker
5.2 Specialist
6 Handelsverfahren
7 Indizes
8 Kritik
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die in den letzten Jahren realisierten Initiativen der Wiener Börse zur Steigerung der Liquidität und Markttransparenz. Ziel ist es zu analysieren, wie durch strukturelle Reformen die Attraktivität des Finanzplatzes Österreich für Anleger und Emittenten nachhaltig gestärkt werden kann.
- Bedeutung von Liquidität und Markttransparenz für Finanzmärkte
- Strukturelle Neugestaltung der Marktsegmentierung
- Einsatz und Rolle von Specialist und Market Makern
- Technologische Modernisierung durch elektronische Handelsverfahren
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen
Auszug aus dem Buch
5.1 Market Maker
Ein Market Maker übernimmt die Betreuerfunktion für einen oder mehrere Titel. Ziel dieser Art der Betreuung ist die aktive Handelsunterstützung, um dem Markt zusätzliche Liquidität zuzuführen. Die Market Maker übernehmen die Verpflichtung, während der Börsenzeit permanent verbindliche Kauf- und Verkaufskurse zu stellen. Er ist also Anbieter und Nachfrager zugleich. Ein Kunde kann jederzeit auf die Oders zugreifen und somit seine eigenen Aufträge ausführen. Er muss nicht darauf warten, bis eine korrespondierende Order von einem anderen Kunden in das Handelssystem eingegeben wird. Besteht für ihn die Möglichkeit die gekauften Aktien an einen anderen Kunden weiterzuvermitteln, ist ihm dies gestattet. Ansonsten ist er verpflichtet, den Abschluss auf eigene Rechnung zu tätigen.
Die Einschaltung von Market Makern verfolgt das Ziel, Anlegern jederzeit Handelsmöglichkeiten für den Kauf oder Verkauf von Titeln zu bieten. Dazu ist es notwendig, dass die Market Maker über die dafür erforderliche Kapitalausstattung verfügen. Dieses Betreuersystem bietet vor allem institutionellen Anlegern Vorteile. Die von den Market Makern ausgegebenen Kurse besitzen verbindlichen Charakter. Dies ermöglicht für institutionelle Anleger genaue Dispositionsmöglichkeiten. Für Kleinanleger können sich daraus Risiken ergeben. Da jeder Auftrag mit einem individuellen Preis abgewickelt wird, müssen die Investoren über gute Marktkenntnisse verfügen. Ansonsten kann die starke Schwankungsbreite der Notierung zu nachteiligen Geschäftsabschlüssen führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Börse ein und skizziert die spezifischen Bemühungen der Wiener Börse zur Steigerung von Liquidität und Transparenz.
2 Bedeutung von Liquidität und Markttransparenz: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen und die zentrale Rolle von Liquidität und Markttransparenz als Erfolgsfaktoren für einen attraktiven Finanzplatz.
3 Entwicklung der Wiener Börse: Hier wird die historische Schwäche der Wiener Börse hinsichtlich Handelsvolumen und Marktkapitalisierung analysiert und der Bedarf für strukturelle Veränderungen begründet.
4 Marktsegmentierung: Dieses Kapitel beschreibt die im Jahr 2002 eingeführte neue Segmentierung des Wiener Börsehandels in verschiedene Kategorien mit individuellen Anforderungen.
5 Specialist und Market Maker: Es wird die Rolle der Marktbetreuer detailliert dargelegt, wobei insbesondere die Aufgaben und Verpflichtungen von Market Makern und Specialists zur Liquiditätsförderung hervorgehoben werden.
6 Handelsverfahren: Dieses Kapitel beleuchtet den Einsatz elektronischer Systeme wie Xetra und Omex, die den Handel dezentralisieren und effizienter gestalten.
7 Indizes: Die Darstellung des Indexkonzepts verdeutlicht, wie durch eine gezielte Auswahl von Werten eine informative und transparente Benchmark für Marktteilnehmer geschaffen wird.
8 Kritik: Abschließend erfolgt eine kritische Beurteilung, in der festgestellt wird, dass trotz der Reformen grundlegende Probleme wie die mangelnde Liquidität weiterhin bestehen bleiben.
Schlüsselwörter
Wiener Börse, Liquidität, Markttransparenz, Marktsegmentierung, Market Maker, Specialist, Xetra, Omex, ATX, Finanzplatz Österreich, Handelsvolumen, Marktkapitalisierung, Börsenwesen, Kapitalmarkt, Wertpapierhandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die umgesetzten strukturellen Maßnahmen der Wiener Börse, um die Attraktivität und Effizienz des Finanzplatzes durch eine Erhöhung der Liquidität und Transparenz zu verbessern.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Marktsegmentierung, der Einsatz von Marktbetreuern (Specialist und Market Maker), die Einführung elektronischer Handelssysteme sowie das Indexkonzept der Börse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Wirksamkeit dieser Initiativen im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb und die Überwindung lokaler Schwachstellen am österreichischen Kapitalmarkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Marktanalyse, die aktuelle Entwicklungen und regulatorische Änderungen der Wiener Börse im Zeitraum um das Jahr 2002 untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der neuen Marktsegmentierung, der detaillierten Rolle von Specialists und Market Makern, der technologischen Infrastruktur Xetra/Omex sowie der Struktur der Indizes.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Liquidität, Markttransparenz, Segmentierung, Specialist-System, elektronischer Handel und die kritische Bewertung der Börsenentwicklung.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen prime market und standard market eine wichtige Rolle?
Sie ermöglicht eine stärkere Homogenisierung der gelisteten Unternehmen und verpflichtet diese zu unterschiedlichen Transparenz- und Publizitätsstandards, um Investoren mehr Sicherheit zu bieten.
Welche Konsequenzen drohen einem Specialist bei Nichterfüllung seiner Pflichten?
Dem Specialist kann die Umsatzbeteiligung gestrichen werden, und im Wiederholungsfall kann ihm die Funktion für das betroffene Wertpapier entzogen werden.
Warum wird das Handelsvolumen trotz technischer Verbesserungen weiterhin kritisch gesehen?
Da viele Unternehmen an der Börse trotz neuer Strukturen weiterhin illiquide sind und die Handelsumsätze mancher Titel für eine nachhaltige Marktbelebung zu gering bleiben.
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- Bettina Hofmeister (Author), 2003, Initiativen der Wiener Börse zur Steigerung der Liquidität und Markttransparenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38978