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Zur Gestalt Ferdinands in Friedrich Schillers Kabale und Liebe

Title: Zur Gestalt Ferdinands in Friedrich Schillers  Kabale und Liebe

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 23 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Anonym (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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Summary Excerpt Details

Wenige Werke Schillers sind in der Wissenschaft so kontrovers behandelt worden wie "Kabale und Liebe". In seiner ungewöhnlichen Mischung aus Ständedrama, Sozialkritik und Liebesgeschichte bietet es Angriffsfläche für viele Deutungsversuche. Vor allem die Frage, inwiefern es revolutionär ist, einen Fortschritt zu Lessings "Emilia Galotti" in seiner Adelskritik darstellt und zu gesellschaftlichen Änderungen aufruft, hat viele Interpreten beschäftigt. Ich möchte mich in meiner Arbeit der Figur Ferdinand von Walters widmen, einer widersprüchlichen und interessanten Figur, die in der Sekundärliteratur nicht immer genügend gewürdigt wird. Es scheint mir wichtig, die Komponenten seines Charakters im Einzelnen zu untersuchen, um dadurch sein Handeln als Liebender und enttäuschter Liebhaber besser zu verstehen.
In Emil Staigers Buch über Schiller heißt es zur Rolle Ferdinands:
Er [Schiller] legt es darauf an, ein Maximum von Mitleid zu erregen. Daraus erklärt sich Luisens Charakter mit all seinen Widersprüchen […] Ebenso erklärt sich einzig daraus das Verhalten der anderen, Ferdinands herrische Leidenschaft und unverzeihliche Leichtgläubigkeit.
In diesem Ansatz wird die genauere Untersuchung der Natur Ferdinands dramentheoretischen Erwägungen geopfert. Dies ist durchaus zulässig und in Bezug auf die Fragestellung ergiebig, doch ich denke, dass man in dieser Figur einiges mehr entdecken kann. Vergleicht man Ferdinand mit dem Grafen Appiani aus Lessings "Emilia Galotti", so fällt zuerst die Ambiguität und Zerrissenheit des ersteren auf, was darauf schließen lässt, dass Schiller ihm große Bedeutung beigemessen hat. Dieser Liebende ist nicht weniger zweideutig gestaltet als die Lady Milford, und ich denke, dass sich mit ihm zentrale Kritikpunkte Schillers verbinden. Ferdinand ist Liebender, doch zugleich dem Adel zugehörig, er ist ein idealistischer Schwärmer und gleichzeitig Sohn, gottesfürchtig und zweifelnd zugleich. Tritt er in seinen Äußerungen als Verfechter einer jugendlich reinen Tugend auf, wird er sich im Laufe des Stückes doch zum zynischen Racheengel wandeln. Um diese Spannungen zu verdeutlichen und das Verhalten Ferdinands, das meiner Ansicht nach nicht alleine durch die Erforderungen des bürgerlichen Trauerspiels bestimmt ist, zu erklären, werde ich in den folgenden Abschnitten seine verschiedenen Identitäten als jugendlicher Idealist, als Liebhaber, Sohn und Rächer untersuchen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Der jugendliche Idealist

2 Der Liebhaber

3 Der Racheengel

4 Schlussbemerkung

5 Bibliographie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die widersprüchliche Figur des Ferdinand von Walter in Friedrich Schillers bürgerlichem Trauerspiel "Kabale und Liebe", um durch eine detaillierte Analyse seiner verschiedenen Identitäten – als jugendlicher Idealist, Liebhaber, Sohn und Rächer – sein Handeln und seine tragische Wandlung besser zu verstehen.

  • Charakteranalyse von Ferdinand von Walter im Kontext von Sturm und Drang.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen idealistischer Weltanschauung und realen gesellschaftlichen Zwängen.
  • Analyse der Rolle Gottes und der Ehre als Legitimationsgrundlagen für Ferdinands Handeln.
  • Untersuchung der problematischen Liebesbeziehung zu Luise Miller und deren Auswirkung auf Ferdinands psychologische Entwicklung.
  • Interpretation der Wandlung Ferdinands vom Idealisten zum zynischen Racheengel.

Auszug aus dem Buch

0. Einleitung

Wenige Werke Schillers sind in der Wissenschaft so kontrovers behandelt worden wie „Kabale und Liebe“. In seiner ungewöhnlichen Mischung aus Ständedrama, Sozialkritik und Liebesgeschichte bietet es Angriffsfläche für viele Deutungsversuche. Vor allem die Frage, inwiefern es revolutionär ist, einen Fortschritt zu Lessings „Emilia Galotti“ in seiner Adelskritik darstellt und zu gesellschaftlichen Änderungen aufruft, hat viele Interpreten beschäftigt. Ich möchte mich in meiner Arbeit der Figur Ferdinand von Walters widmen, einer widersprüchlichen und interessanten Figur, die in der Sekundärliteratur nicht immer genügend gewürdigt wird. Es scheint mir wichtig, die Komponenten seines Charakters im Einzelnen zu untersuchen, um dadurch sein Handeln als Liebender und enttäuschter Liebhaber besser zu verstehen.

In Emil Staigers Buch über Schiller heißt es zur Rolle Ferdinands:

Er [Schiller] legt es darauf an, ein Maximum von Mitleid zu erregen. Daraus erklärt sich Luisens Charakter mit all seinen Widersprüchen […] Ebenso erklärt sich einzig daraus das Verhalten der anderen, Ferdinands herrische Leidenschaft und unverzeihliche Leichtgläubigkeit.

In diesem Ansatz wird die genauere Untersuchung der Natur Ferdinands dramentheoretischen Erwägungen geopfert. Dies ist durchaus zulässig und in Bezug auf die Fragestellung ergiebig, doch ich denke, dass man in dieser Figur einiges mehr entdecken kann. Vergleicht man Ferdinand mit dem Grafen Appiani aus Lessings „Emilia Galotti“, so fällt zuerst die Ambiguität und Zerrissenheit des ersteren auf, was darauf schließen lässt, dass Schiller ihm große Bedeutung beigemessen hat.

Zusammenfassung der Kapitel

0 Einleitung: Die Einleitung stellt die kontroverse Rezeption von "Kabale und Liebe" dar und führt die Zielsetzung ein, Ferdinand von Walter als widersprüchliche Figur zu untersuchen.

1 Der jugendliche Idealist: Dieses Kapitel analysiert Ferdinands Sturm-und-Drang-Attitüde, seinen subjektivistischen Freiheitsbegriff und die Instrumentalisierung von Gott und Ehre zur Abgrenzung gegenüber dem Vater.

2 Der Liebhaber: Die Untersuchung konzentriert sich auf die ambivalente, besitzergreifende Liebe Ferdinands zu Luise Miller, die weniger auf Dialog als auf Ferdinands inneren Monolog und Idealkonstruktionen basiert.

3 Der Racheengel: Hier wird die psychologische Wandlung Ferdinands infolge seiner Eifersucht analysiert, die ihn von einem idealistischen Liebenden zu einem zynischen Giftmischer werden lässt.

4 Schlussbemerkung: Das letzte Kapitel fasst Ferdinands Tragik zusammen, die aus der Diskrepanz zwischen seiner idealistischen Weltanschauung und der höfischen sowie bürgerlichen Realität resultiert.

5 Bibliographie: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Friedrich Schiller, Kabale und Liebe, Ferdinand von Walter, Sturm und Drang, Adelskritik, Idealkonstruktion, Subjektivismus, Liebesbegriff, gesellschaftliche Zwänge, tragische Wandlung, bürgerliches Trauerspiel, Rache, Eifersucht, Empfindsamkeit, Weltanschauung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Figur Ferdinand von Walter in Friedrich Schillers Stück "Kabale und Liebe" unter dem Aspekt seiner psychologischen Entwicklung und seiner widersprüchlichen Identitäten.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Kritik am Adel und Bürgertum, der Rolle des Individuums im Sturm und Drang, der ambivalenten Liebeskonzeption und der religiösen Legitimierung des eigenen Handelns durch den Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, Ferdinands Handeln, insbesondere seine Wandlung vom idealistischen Liebhaber zum zynischen Racheengel, durch eine Untersuchung seiner verschiedenen Charakterkomponenten tiefgehend zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer textnahen Analyse sowie der Heranziehung von Interpretationsmethoden der Sekundärliteratur zu Schillers Werk.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung Ferdinands als "jugendlichen Idealisten", als "Liebhaber" und als "Racheengel", wobei jede Identität auf ihre Prämissen und Motive hin geprüft wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Ferdinand von Walter, Idealismus, Subjektivismus, Sturm und Drang, Liebeskonzeption und die tragische Wandlung der Figur.

Inwiefern spielt Gott eine Rolle für Ferdinands Selbstverständnis?

Ferdinand instrumentalisiert Gott, um seine eigene moralische Überlegenheit und die Legitimität seines Handelns gegen den Vater und die höfische Welt zu begründen, verliert jedoch diesen Halt, sobald sein Idealbild der Liebe durch die Intrige erschüttert wird.

Warum erscheint Ferdinand als tragischer Charakter?

Ferdinand ist tragisch, da er an seinen eigenen starren Idealen und einer subjektivistischen Konstruktion der Wirklichkeit scheitert; er ist unfähig, die Realität jenseits seiner Imagination zu akzeptieren, was ihn zwangsläufig in die Katastrophe führt.

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Details

Title
Zur Gestalt Ferdinands in Friedrich Schillers Kabale und Liebe
College
Université Paris-Sorbonne (Paris IV)  (Etudes Germaniques)
Course
Entwicklung des buergerlichen Trauerspiels in Deutschland
Grade
2,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2001
Pages
23
Catalog Number
V3898
ISBN (eBook)
9783638124171
ISBN (Book)
9783640409556
Language
German
Tags
Schiller Kabale und Liebe Klassik Theater
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2001, Zur Gestalt Ferdinands in Friedrich Schillers Kabale und Liebe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3898
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