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Preislied 'Ir sult sprechen willekomen'

Title: Preislied 'Ir sult sprechen willekomen'

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Inna Moltschanova (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

[...] In seiner Minnelyrik gibt es keine chronologischen Hinweise. Die Überlieferung seiner Liebeslyrik lässt sich höchstens anhand der Thematik und stilistischer Merkmale feststellen. Daher nimmt die Forschung an, dass es in Walthers Minnesang drei Phasen der Entwicklung gab, die sich unmittelbar mit seiner Biographie verknüpfen lassen. Die erste Phase seines Schaffens nennen wir die Hohe Minne: Dabei handelt es sich um die Zeit, die er am Wiener Hof verbracht hat. Einige Interpreten sehen ihn dabei als Schüler Reinmars. Nach
dem Weggang aus Wien hat er sich von der Hohen Minne kritisch abgewandt und verfasste erotische Lieder, die als Mädchenlieder oder Niedere Minne bekannt sind. Schließlich griff Walther das Konzept der Hohen Minne in modifizierter Form (Neue Hohe Minne) wieder auf. 2 In der Forschung wird das Lied Ir sult sprechen willekomen in eine Phase der Neuen Hohen Minne eingeführt, in der Walther sich dem Wiener Hof wieder angenährt hatte. Als Zeitpunkt der Entstehung nimmt man allgemein das Jahr 1203 an. Die Notiz des Bischofs von Passau beweist, dass Walther sich um diese Zeit in der Nähe Wiens befand. Der Anlass seines Aufenthalts dort war vermutlich die Hochzeit des Herzogs Leopold VI. mit der byzantinischen Prinzessin Theodora Komnena.3 Gegen diese Annahme spricht jedoch der Inhalt des Liedes, in dem nur die deutschen Frauen und Männer gepriesen werden. Ein anderer Zeitpunkt könnte das Jahr 1200 gewesen sein - aus Anlass des Ritterschlags von Herzog Leopold VI. 2 Rupp 3 Kasten, 59

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Autor und Werk

2. Preislied

„Ir sult sprechen willekomen“

Überlegung zur Interpretation

Verlauf der Argumentation der Hs. C

Verlauf der Argumentation in Handschrift A

Verlauf der Argumentation in Handschrift E

3. Was ist das für ein Lied?

Verteidigungslied: gegen das Fremde

Walther-Reinmar-Kontroverse

Reaktion auf das Lied von Heinrich von Morungen 122,1 und 127,1.

4. Der Forschungsstand/ Rezeptionsgeschichte im 18. und 19. Jh.

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das berühmte Preislied „Ir sult sprechen willekomen“ von Walther von der Vogelweide. Das primäre Ziel ist es, den vielschichtigen Charakter des Liedes zu entschlüsseln, seine verschiedenen Interpretationsansätze kritisch zu beleuchten und die Einbettung in den historischen sowie literarischen Kontext – insbesondere als Reaktion auf zeitgenössische Dichter wie Reinmar von Hagenau und Heinrich von Morungen – zu analysieren.

  • Strukturelle Analyse und Vergleich verschiedener Handschriften (Hs. C, A, E)
  • Die Rolle des Sängers als Bote und Spruchdichter im Minnesang
  • Intertextuelle Bezüge und Abgrenzung gegen fremde Kulturen
  • Rezeptionsgeschichte und die Entkräftung nationalistischer Deutungsmuster

Auszug aus dem Buch

Verlauf der Argumentation der Hs. C

Die ersten beiden Strophen stimmen in allen Handschriften überein. In der ersten Strophe tritt Walther als ein selbstbewusster Bote auf, der eine unerhörte Neuigkeit verkünden will. Diese Nachricht hat aber ihren Preis, und er versichert gleichzeitig, dass je besser der Preis, desto besser die Nachricht sein wird. Das Publikum soll also zusehen, dass dem Boten genügend Ehre zuteil wird. Hier bahnt sich gleichzeitig ein Wechsel an, denn schon diese Strophe ist doppelbödig. Die Rolle des Boten fließt hier in die Rolle des Minnenden ein. Denn plötzlich ist der lôn mit êren gleichgesetzt. Das auffallende an der ersten Strophe ist der häufige Gebrauch der ersten Person Singular: ich-mich-ich-mîn-ich-mir. Damit zieht er die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich und erweckt die Ungeduld. Die Spannung steigt und das Publikum ist jetzt bereit, diese Neuigkeit aufzunehmen.

Der Anfang der zweiten Strophe hat erst einmal den Anschein, die Neugier des Publikums befriedigen zu können. Der Aufgesang ist in ähnlicher Weise aufgebaut wie die erste Strophe, auch hier verkündet der Sänger, dass er etwas zu berichten hat. Was ist es nun, das die Damen der ganzen Welt mehr gefallen lässt? Für viele Interpreten ist hier ein Rollenwechsel des Sängers sichtbar. Walther wechselt aus der Botenrolle in die des Minnesängers und setzt zum Frauenpreis an. Man schreibt es der Periode der modifizierten hohen Minne zu, weil der Preis nicht der einen, sondern allen Damen gelten soll. Aber was will Walther den deutschen Damen sagen? Sind sie ihm doch ze rîcheme lône … ze hêr. Er weiß was sich gehört und verlangt deswegen nichts mehr als einen huldvollen Gruß.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Autor und Werk: Dieses Kapitel skizziert die Lebensumstände Walthers von der Vogelweide und ordnet sein Schaffen in die drei Phasen des Minnesangs ein.

2. Preislied: Hier wird die komplexe Überlieferungsgeschichte des Liedes in verschiedenen Handschriften dargestellt und der Argumentationsaufbau in diesen Quellen detailliert analysiert.

3. Was ist das für ein Lied?: Das Kapitel untersucht die hybride Form des Liedes als Preis-, Verteidigungs- und Bittgedicht und beleuchtet die polemische Auseinandersetzung mit Reinmar von Hagenau und Heinrich von Morungen.

4. Der Forschungsstand/ Rezeptionsgeschichte im 18. und 19. Jh.: Der letzte Teil befasst sich mit dem Missverständnis des Liedes als „Deutschlandlied“ und fasst die wesentlichen Argumente für das Verständnis als Minnelied zusammen.

Schlüsselwörter

Walther von der Vogelweide, Ir sult sprechen willekomen, Preislied, Minnesang, Reinmar von Hagenau, Heinrich von Morungen, Handschriftenvergleich, höfische Erziehung, tiusche zuht, mære, Mittelalter, Rezeptionsgeschichte, deutsche Lyrik, Spruchdichtung, Rolle des Sängers.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das „Preislied“ von Walther von der Vogelweide unter Berücksichtigung seiner handschriftlichen Überlieferung und seiner Bedeutung als literarische Antwort auf Zeitgenossen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die Rolle des Sängers, die Funktion des Liedes als Bitt- und Verteidigungsschrift sowie die Abgrenzung von Minne-Konzeptionen anderer Dichter.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach dem Sinn und der Intention des Liedes, indem sie die Strophenreihung und den variierenden Wortlaut in den Handschriften interpretiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philologische Untersuchung, die Textanalysen der verschiedenen Handschriften sowie vergleichende Literaturwissenschaft einsetzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte argumentative Analyse der Handschriften sowie eine Einordnung des Liedes in den Kontext der Reinmar- und Morungen-Kontroverse.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben dem Werktitel vor allem „Minne“, „Botenrolle“, „Reaktion“, „Handschriftenvergleich“ und „tiusche zuht“.

Warum spielt die Handschrift E eine besondere Rolle?

Die Handschrift E weicht inhaltlich stark ab und setzt einen neuen Fokus auf die Wendung gegen das Fremde, was Walther als bewusste Argumentationsanpassung nutzt.

In welchem Verhältnis steht Walthers Preislied zum Werk Heinrichs von Morungen?

Walther reagiert auf Morungens exklusives Lob seiner eigenen Herrin auf Kosten anderer Frauen, indem er einen Erfahrungsbericht präsentiert, der die deutschen Männer und Frauen in ihrer Gesamtheit würdigt.

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Details

Title
Preislied 'Ir sult sprechen willekomen'
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Course
Liebeslyrik bei Walther von der Vogelweide
Grade
1,7
Author
Inna Moltschanova (Author)
Publication Year
2004
Pages
22
Catalog Number
V38985
ISBN (eBook)
9783638378949
Language
German
Tags
Preislied Liebeslyrik Walther Vogelweide
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Inna Moltschanova (Author), 2004, Preislied 'Ir sult sprechen willekomen', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38985
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