Der Alltag des früh-neuzeitlichen Lebens wurde vor allen Dingen dadurch geprägt, dass den Menschen für die Arbeit im Haushalt und in der Landwirtschaft keine modernen technischen Geräte zur Verfügung standen. Somit wurde für alle anfallenden Tätigkeiten eine Vielzahl von Personen benötigt, die diese verrichteten. Da der Hausherr, seine Ehefrau und deren Kinder jedoch je nach Größe von Haus und Hof kaum in der Lage waren, diese allein zu bewirtschaften, war es notwendig, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. Besagte Arbeitskräfte wurden in der Regel unter dem Begriff „Gesinde“ zusammengefasst. Die Art und Weise wie das Gesinde seinen Lebensunterhalt verdiente, unterschied sich von anderen Formen des Nahrungserwerbs durch die Arbeitsfelder und Pflichten, die es übernahm sowie durch die Gegenleistungen, die es für den geleisteten Dienst erhielt.
Wie sich der Gesindedienst im einzelnen gestaltete, welchen rechtlichen und religiösen Normen er unterlag und welche Spannungen sich daraus ergeben konnten, soll in dieser Arbeit genauer untersucht werden.
Dazu wird im ersten Teil zunächst den Gesindebegriff im Allgemeinen beleuchtet. Der zweite Abschnitt wird sich exemplarisch mit dem Gesinde im Kirchspiel Belm beschäftigen. Jürgen Schluhmbohm hat sich in seinem Buch „Lebensläufe, Familien, Höfe“ ausführlich mit den Menschen, die in der Frühen Neuzeit dort lebten und arbeiteten, auseinander gesetzt. Seine Ergebnisse sollen den theoretischen Fakten aus dem ersten Teil eine gewisse Lebendigkeit und Anschaulichkeit verleihen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Teil: Gesinde – Stellung in der Familie, der Rechtsprechung und der Religion
1. Was verbirgt sich hinter dem Gesindebegriff?
2. Gesindeordnungen
a.) Der Vertragsschluss
b.) Die Entlohnung des Dienstes
c.) Die Fürsorge
d.) Pflichterfüllung und Disziplinierung
3. Gesinde und Religion
II. Teil: Das Gesinde im Kirchspiel Belm
1. Vorstellung des Kirchenspiels
2. Der Gesindedienst
Schlussbemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, die rechtliche Stellung sowie den religiösen Kontext des Gesindes in der Frühen Neuzeit, wobei sie theoretische Grundlagen aus zeitgenössischen Lexika mit einer exemplarischen Untersuchung des Kirchspiels Belm verbindet.
- Etymologische und rechtliche Definition des Gesindebegriffs.
- Struktur und Bestimmungen der frühneuzeitlichen Gesindeordnungen.
- Die religiöse Einordnung und moralische Bewertung des Gesindes im „Ganzen Haus“.
- Regionale Fallstudie zur sozialen und wirtschaftlichen Realität des Gesindedienstes im Kirchspiel Belm.
- Der Wandel der Gesindeverhältnisse am Ende der Frühen Neuzeit.
Auszug aus dem Buch
1. Was verbirgt sich hinter dem Gesindebegriff?
Der Begriff des Gesindes lässt sich etymologisch auf eine althochdeutsche Bezeichnung mit der Bedeutung „Gefolgschaft“ zurückführen. Einige Jahrhunderte später bezog sich diese „Gefolgschaft“ jedoch nur noch auf den Gehorsam, die Treue und den Respekt des Knechts oder der Magd gegenüber der Herrschaft. Neben diesen Pflichten zeichneten das Gesinde auch die ihnen zugeteilten Arbeitsfelder und die Gegenleistungen, die sie für den verrichteten Dienst erhielten aus.
So definierte Johann Heinrich Zedler die Gesindebediensteten als „diejenigen Personen, beyderley Geschlechts, so uns um einen gewissen Jahr = Lohn und die tägliche Kost dienen und unsere Befehle mit aller Treue auch möglichstem Fleiße und Sorgfalt ausrichten sollen, nemlich Knechte und Mägde…“. Auch in der Oeconomischen Encyklopädie von Johann Georg Krünitz heißt es, das Gesinde umfasse „diejenigen Personen der häuslichen Gesellschaft, welche verbindlichen machen, andern um Lohn geringe Dienste zu leisten, da es denn Knechte, Mägde, und geringe Hausbediente unter sich begreift, …“.
Der Gesindedienst beruhte auf einem Vertrag, der vor Dienstantritt geschlossen wurde. Er beinhaltete die Einwilligung zur Arbeit und die Vereinbarungen über die Gegenleistungen. Letztere bestanden, wie im oben angeführten Zitat Zedlers bereits angedeutet, zum einen aus einem Barlohn und zum anderen aus der Kost. Die Versorgung mit Nahrung sah Zedler im Übrigen als „natürliche Billigkeit“ an, da das Gesinde dem Dienstherren aufgeopferte „Kräfte“ hierdurch ersetzt bekäme.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Ausgangslage erläutert, dass im frühneuzeitlichen Haushalt ohne moderne Geräte zusätzliche Arbeitskräfte (Gesinde) notwendig waren, deren rechtliche und religiöse Situation untersucht werden soll.
I. Teil: Gesinde – Stellung in der Familie, der Rechtsprechung und der Religion: Dieser Teil definiert den Begriff des Gesindes, analysiert die restriktiven Gesindeordnungen und beschreibt die moralische sowie religiöse Unterordnung unter die Hausväter.
II. Teil: Das Gesinde im Kirchspiel Belm: Anhand einer Fallstudie wird die Lebensrealität von Knechten und Mägden in der spezifischen Region des Kirchspiels Belm detailliert dargestellt und auf Basis historischer Forschung analysiert.
Schlussbemerkungen: Zusammenfassend wird festgehalten, dass das patriarchalische Gesindewesen infolge gesellschaftlicher Veränderungen gegen Ende der Frühen Neuzeit zugunsten modernerer Beschäftigungsverhältnisse zerfiel.
Schlüsselwörter
Gesinde, Frühe Neuzeit, Gesindeordnung, Dienstherr, Kirchspiel Belm, Knecht, Magd, Hausvater, Gesinderecht, Sozialgeschichte, Lebenszyklus, patriarchalische Ordnung, Hauswirtschaft, Arbeitsverhältnis, Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle, den Pflichten und der gesellschaftlichen Stellung von Gesindebediensteten in der Frühen Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition des Gesindebegriffs, die rechtlichen Aspekte der Gesindeordnungen, den Einfluss von Religion auf das Dienstverhältnis und eine regionale Analyse im Kirchspiel Belm.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Ausgestaltung des Gesindedienstes, die rechtlichen und religiösen Normen sowie die Spannungsfelder zwischen Herrschaft und Dienstboten zu untersuchen und durch Fallbeispiele zu veranschaulichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse historischer Quellen (wie Enzyklopädien und Gesindeordnungen) sowie der Auswertung historischer Forschungsergebnisse zu einem spezifischen Fallbeispiel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst das allgemeine Gesinderecht theoretisch dargelegt und anschließend die Lebenswirklichkeit im Kirchspiel Belm anhand der Forschungen von Jürgen Schluhmbohm exemplarisch verdeutlicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Gesinde, Frühe Neuzeit, Gesindeordnung, Kirchspiel Belm und die patriarchale Struktur des sogenannten Ganzen Hauses.
Wie unterscheidet sich der Dienst im Kirchspiel Belm von der allgemeinen Theorie?
Der zweite Teil macht die abstrakten rechtlichen Vorgaben durch konkrete historische Daten zu Arbeitsbeginn, Konfirmationsriten und dem regionalen demografischen Kontext lebendig und anschaulich.
Warum spielt die Religion in dieser Untersuchung eine so bedeutende Rolle?
Die Religion diente als moralisches Fundament, um Gehorsam und Pflichterfüllung des Gesindes einzufordern, wobei das Verhältnis zwischen Herr und Knecht oft biblisch mit dem von Vater und Kind gleichgesetzt wurde.
- Citation du texte
- Doreen Fricke (Auteur), 2003, Gesinde in der Frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39027