Wir fahren mit dem Auto nach Österreich und an der Grenze wartet kein Zöllner mehr. In der Pizzeria am Gardasee bezahlen wir unsere Spaghetti in Euro. Das Wechseln von D-Mark in Lire ist längst Vergangenheit. Überall in Europa – sei es im jeweiligen Landesparlament oder unter den Bewohnern – wird über eine Verfassung für alle Mitgliedsstaaten der Union abgestimmt, die grundlegende Ziele wie Frieden und Wohlergehen für alle festschreibt.
Das vereinigte Europa ohne Grenzen, ohne Geldwechsel ist für uns längst Alltag geworden. Und bald gehören vielleicht auch gemeinsame Grundgesetze dazu. Es war ein weiter Weg: Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen große Teile Europas in Schutt und Asche, an Vereinigung war noch lange nicht zu denken. Ein paar der wichtigsten Schritte zu unserem heutigen Europa wurden mit Sicherheit in den 60er Jahren gemacht, als Charles de Gaulle Präsident in Frankreich war. Seine europäischen Gedanken, seine Ziele für und mit Europa sollen in dieser Arbeit analysiert werden.
Der erste Abschnitt handelt von der Person de Gaulle, seiner Herkunft, seinem Werdegang, seinen Einstellungen und schließlich auch von seinem Führungsstil. Der zweite Abschnitt beleuchtet die verschiedenen Kapitel der Europapolitik von de Gaulle, von ihren Anfängen in den 40er Jahren bis zur gescheiterten Entspannungspolitik in Osteuropa. Am Ende findet sich noch eine persönliche Einschätzung de Gaullescher Europapolitik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Person: Charles de Gaulle
2.1. Vita
2.2. Führungsstil
3. Europapolitik von Charles de Gaulle
3.1. Erste Gedanken über ein geeintes Europa
3.2. Geeintes Europa: Ja, aber…
3.2.1. Fouchet-Pläne
3.3. Deutschland: Ja bitte…
3.4. England: Nein danke…
3.5. Politik des leeren Stuhls
3.6. „Europa vom Atlantik bis zum Ural“
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die europapolitischen Gedanken und Zielsetzungen von Charles de Gaulle während seiner Amtszeit als Präsident in Frankreich und untersucht seinen maßgeblichen Einfluss auf den europäischen Integrationsprozess der 1960er Jahre.
- Person und Führungsstil von Charles de Gaulle
- Entwicklung seiner Vorstellungen eines geeinten Europas
- Das deutsch-französische Verhältnis und die Rolle Englands
- Frankreichs Agrarpolitik und die „Politik des leeren Stuhls“
- Die Entspannungspolitik gegenüber den Ostblock-Staaten
Auszug aus dem Buch
3.3. „Deutschland: Ja bitte…“
Als de Gaulle vom „Europa der Vaterländer“ spricht, liegt das Kriegsende bereits mehr als zehn Jahre zurück und in den Europa-Plänen von de Gaulle spielt Deutschland eine entscheidende Rolle, die nun eingehend betrachtet wird. Schon zu einer Zeit, als in Europa noch Bombenlärm und Fliegeralarm dröhnen, macht sich de Gaulle Gedanken über die Zukunft Deutschlands in einem geeinten Europa: Er sieht die Teilung vorher und lässt durchblicken, dass er durchaus gewillt ist, ein gemeinsames Europa mit den besiegten und nun friedlichen Deutschen aufzubauen. In den 50er Jahren geht er sogar noch einen Schritt weiter: „Europa ohne Deutschland, davon war de Gaulle überzeugt, war nicht denkbar.“ „Nur mit Hilfe einer Unterstützung der Bundesrepublik konnte er sein Ziel eines starken, sowohl von den USA als auch der UdSSR unabhängigen und französisch geführten Westeuropa erreichen.“ Deshalb beginnt de Gaulle im eigenen Land heftig die Werbetrommel für Deutschland zu rühren, um seine Landsleute davon zu überzeugen, dass dort jenseits des Rheins nicht mehr der Feind sitzt, sondern ein Freund.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Erläuterung der Motivation, die europapolitischen Ansichten von Charles de Gaulle zu untersuchen.
2. Zur Person: Charles de Gaulle: Untersuchung des Werdegangs, der Herkunft und des prägenden Führungsstils von de Gaulle.
3. Europapolitik von Charles de Gaulle: Detaillierte Analyse seiner integrationspolitischen Konzepte, seiner Haltung zu Deutschland und England, sowie seiner agrarpolitischen Interessen und Ostpolitik.
4. Fazit: Abschließende kritische Würdigung von de Gaulles Politik und seinem Beitrag zur europäischen Einigung.
Schlüsselwörter
Charles de Gaulle, Europäische Integration, V. Republik, Fouchet-Pläne, Europa der Vaterländer, Deutschlandpolitik, Konrad Adenauer, EWG, Politik des leeren Stuhls, Osteuropapolitik, Entspannungspolitik, Nationalstaaten, Frankreich, Supranationalität, Souveränität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Einfluss von Charles de Gaulle auf die europäische Integration während seiner Zeit als Präsident Frankreichs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen de Gaulles Person und Führungsstil, seine Europapolitik, die Beziehungen zu Deutschland und England, die Agrarpolitik sowie seine Entspannungspolitik gegenüber dem Osten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, de Gaulles europapolitische Richtungswechsel und seine spezifischen Vorstellungen von Europa als Zusammenschluss souveräner Nationalstaaten zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit wählt einen thematischen Ansatz, um die Einstellungen und Einflüsse de Gaulles auf die Integration besser herausarbeiten zu können, anstatt einer rein chronologischen Darstellung zu folgen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Ansätze zum geeinten Europa, die Fouchet-Pläne, das Bündnis mit Deutschland, der Widerstand gegen den britischen Beitritt, die Politik des leeren Stuhls und die Öffnung nach Osten beleuchtet.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Europäische Integration, Nationalstaaten, deutsch-französische Freundschaft, Supranationalität und Entspannungspolitik.
Warum stand de Gaulle der Supranationalität ablehnend gegenüber?
De Gaulle befürchtete den Verlust nationaler Souveränität und sah Europa als ein „Europa der Vaterländer“, das nicht von Technokraten oder übergeordneten Institutionen geleitet werden sollte.
Was versteht man unter der „Politik des leeren Stuhls“?
Dies war eine Blockadepolitik Frankreichs, bei der de Gaulle Sitzungen im europäischen Ministerrat aussetzte, um seine agrarpolitischen Interessen durchzusetzen und gegen supranationale Tendenzen zu protestieren.
Wie bewertet der Autor de Gaulles Beitrag zur europäischen Einheit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass de Gaulle trotz seines Irrtums bezüglich des Staatenbundes als ein Pionier gelten muss, der bereits früh den Versöhnungsprozess mit Deutschland und die Ost-West-Entspannung vorangetrieben hat.
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- Christian Schreiber (Author), 2005, Charles de Gaulles Einfluss auf die europäische Integration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39048