Die Leistungsfeststellung und die Bewertung von schulischen Leistungsprozessen sind häufig besonders schwierig, insbesondere dann, wenn damit negative Folgen wie "Sitzenbleiben" einhergehen. Ist der Informationsgehalt von Noten tatsächlich so groß, dass derartige Maßnahmen berechtigt sind? Welche Bezugsnormen begünstigen das "Sitzenbleiben"? Interessant erscheint es, danach zu fragen, ob es eine potentielle Risikogruppe für "Sitzenbleiber" gibt. Ist das Wiederholen einer Klasse überhaupt ein geeignetes Instrument, das der Verbesserung schulischer Leistungspozesse dient? Das Buch hilft, genau diese Fragen zu klären und stellt ferner einige probate Präventions-/Interventionsmöglichkeiten dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Leistungsschwierigkeiten und Schulversagen
1.1 Leistungsprobleme und Bezugsnormorientierung
1.2 Die Schulnotenskala und das Problem der Normalverteilung
2. Die fragliche Effizienz des ´Sitzenbleibens´
3. Entstehungsbedingungen von Lernschwierigkeiten bzw. ´Sitzenbleiben´ und Folgewirkungen
3.1 Externe Ursachen
3.2 Personeninterne Bedingungen und Verarbeitungsvorgänge
4. Möglichkeiten zur Prävention und Intervention von Schulversagen
4.1 Berücksichtigung der individuellen oder personenbezogenen Bezugsnorm
4.1.1 Bedeutung
4.1.2 Vorteile der individuellen / personenbezogenen Bezugsnorm
4.2 Schülerselbstbewertung
4.2.1 Was ist Schülerselbstbewertung?
4.2.2 Vorteile der Schülerselbstbewertung
4.2.3 Einsatz der Schülerselbstbewertung
4.3 Portfolios
4.3.1 Merkmale von Portfolios
4.3.2 Abgrenzung und Vorzüge der Portfoliomethode
4.3.3 Methodisch-didaktische Hinweise
4.3.4 Bewertung von Portfolios
4.4 Bemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Ursachen und Entstehungsbedingungen von Schulversagen sowie die Effizienz der Klassenwiederholung. Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, wie schulische Notengebung und die Erwartung einer Normalverteilung zu „Versagern“ führen können, und innovative didaktische Ansätze zur Prävention und individuellen Förderung aufzuzeigen.
- Kritische Analyse der sozialen Bezugsnorm und der Notengebung.
- Untersuchung der psychologischen Folgen von Lernschwierigkeiten und Klassenwiederholungen.
- Vorstellung von Schülerselbstbewertungsverfahren zur Stärkung der Eigenverantwortung.
- Analyse der Portfoliomethode als Alternative oder Ergänzung zur herkömmlichen Leistungsbeurteilung.
- Betrachtung von Präferenzlernen und kompensatorischen Lernformen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Leistungsprobleme und Bezugsnormorientierung
Schülerinnen und Schüler erbringen in verschiedenen Unterrichtsfächern – dies mag an den eigenen Interessen oder dem Lehrer liegen - häufig unterschiedliche Leistungen. Insbesondere in den klassischen Selektionsfächern der Schule (Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen) treten bei einem überwiegenden Schülerteil im Verlaufe seiner Schulzeit Lernschwierigkeiten oder Lerndefizite auf. Besonders problematisch ist dabei der Sachverhalt, dass sich diese zu Beginn in nur geringerem Maße bemerkbar machen, sich im Zuge weiterer Schuljahre dann aber sukzessive vergrößern. Die einstigen mittelmäßigen Leistungen entwickeln sich dann zu schlechten oder gar sehr schlechten Leistungen. Die wesentliche Frage ist hierbei allerdings, wann Schulleistungen als „schlecht“ bezeichnet werden können. Die Leistungsermittlung setzt damit eine Bezugsnorm voraus, der Schüler wird damit mit einer Norm verglichen. In der Schule herrscht vorwiegend die soziale Bezugsnormorientierung vor, dass heißt, das die Schulleistungen des entsprechenden Schülers mit den Leistungen der Mitschüler verglichen werden. Ein als leistungsschwach eingeschätzter Schüler könnte daher in einer anderen Klasse durchaus zu den leistungsstärkeren Schülern zählen, sofern die Leistungen der Mitschüler in dieser anderen Klasse wesentlich schlechter wären. Wir stoßen somit zum eigenen Kern der Problematik, der Notengebung, vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Leistungsschwierigkeiten und Schulversagen: Das Kapitel problematisiert die soziale Bezugsnorm und die Normalverteilung innerhalb der Notengebung als treibende Faktoren für die Etikettierung von Schülern als Leistungsversager.
2. Die fragliche Effizienz des ´Sitzenbleibens´: Hier wird die pädagogische Wirksamkeit von Klassenwiederholungen hinterfragt und mittels empirischer Daten sowie der Untersuchung der Versagenskarrieren kritisch bewertet.
3. Entstehungsbedingungen von Lernschwierigkeiten bzw. ´Sitzenbleiben´ und Folgewirkungen: Dieses Kapitel beleuchtet sowohl externe Ursachen wie das soziale Milieu als auch intern psychologische Faktoren und Bewältigungsprozesse bei Misserfolg.
4. Möglichkeiten zur Prävention und Intervention von Schulversagen: Es werden konkrete didaktische Konzepte wie die individuelle Bezugsnorm, Schülerselbstbewertung und die Arbeit mit Portfolios vorgestellt, um dem Schulversagen präventiv zu begegnen.
Schlüsselwörter
Schulversagen, Lernschwierigkeiten, Klassenwiederholung, Notengebung, Normalverteilung, soziale Bezugsnorm, individuelle Bezugsnorm, Schülerselbstbewertung, Portfoliomethode, Lernprozess, pädagogische Intervention, Leistungsbewertung, Lernentwicklung, Selbstwirksamkeit, Bildungsziele
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit der Problematik von Schulversagen, analysiert die Ursachen für Lernschwierigkeiten und hinterfragt die Wirksamkeit klassischer schulischer Interventionsmaßnahmen wie der Klassenwiederholung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Kritik der herkömmlichen Notengebung, den psychologischen Hintergründen von Leistungsversagen und der Implementierung moderner pädagogischer Konzepte zur Förderung von Schülern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine Veränderung der Bezugsnorm und den Einsatz alternativer Beurteilungsmethoden, wie Portfolios, die Leistungsentwicklung von Schülern transparenter und konstruktiver begleitet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Analyse fachdidaktischer Literatur sowie der Auswertung empirischer Untersuchungsergebnisse zur Notenverteilung und zu Auswirkungen von Klassenwiederholungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Problematisierung der Notenpraxis, die Analyse der Ursachen von Lernschwierigkeiten und die Vorstellung praxisnaher Interventionsmöglichkeiten zur Prävention von Schulversagen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schulversagen, soziale Bezugsnorm, Schülerselbstbewertung und Portfoliomethode sind die zentralen Begriffe, die das inhaltliche Spektrum der Untersuchung zusammenfassen.
Warum wird die klassische Schulnotenskala in Kapitel 1 kritisiert?
Die Skala wird kritisiert, da sie keine Intervallskala darstellt und ihre Anwendung in Kombination mit der Normalverteilung dazu führt, dass Lehrer dazu tendieren, unabhängig von der tatsächlichen Leistung eine Verteilung zu erzwingen, was einige Schüler unnötig zu „Versagern“ abstempelt.
Welche Rolle spielen Portfolios laut Kapitel 4 bei der Leistungsbeurteilung?
Portfolios dienen als alternative Methode, um den Lernprozess statt nur das Produkt zu bewerten, die Selbstständigkeit der Schüler zu fördern und individuelle Stärken sichtbar zu machen, die in klassischen Prüfungsformaten oft verborgen bleiben.
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- Björn Fehrenbacher (Author), 2003, Schulversagen - Entwicklung, Ursachen, Effizienz und Präventions-/Interventionsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39149