Zum ersten Mal begegnete ich der Thematik der Kinder - und Jugenddepression, als ich im Jahre 2001, mein Anerkennungsjahr zur staatlich anerkannten Erzieherin in einer Rehabilitationsklinik mit krebskranken Kindern und Jugend lichen absolvierte. In meiner Arbeit habe ich einige Kinder und Jugendliche kennen gelernt, die aufgrund ihrer Krebserkrankung und eines meist sehr langen Krankenaufenthaltes, an einer mehr oder weniger starken Depression erkrankt waren. Das intensive Arbeiten mit diesem Klientel sowie der Erfahrungsaustausch mit den damaligen Arbeitskollegen, hat mir die Möglichkeit gegeben, mich mit dem Thema der Depressionen im Kindes - sowie Jugendalter vertrauter werden zu lassen. Da ich im Laufe meines Studiums und meiner beruflichen Laufbahn immer wieder auf Kinder und Jugendliche treffen werde, welche aufgrund verschiedenster Erlebnisse und Erfahrungen in einer Lebenskrise sind und somit die Gefahr an Depressionen zu erkranken erhöht ist, habe ich großes Interesse, mich intensiv mit diesem Thema auseinander zusetzen, um die Symptomatik, Ätiologie und die Therapiemöglichkeiten der Depressionen genauer zu verstehen und adäquat darauf eingehen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Motivation zur Themenwahl
1.2. Fragestellungen
1.3. Eingrenzung der Thematik
2. Definition der Depression
3. Klassifikation des klinischen Störungsbildes „Depression“
3.1. Epidemiologie
4. Symptomatik
4.1. Symptomatik der Depression im Kindes- und Jugendalter
4.1.1. Das Säuglingsalter
4.1.2. Das Kleinkind- und Vorschulalter
4.1.3. Jüngeres Schulalter
4.1.4. Ältere Schulkinder und Jugendliche
4.2. Die Komorbidität
5. Erklärungsansätze depressiver Störungen
5.1. Risikofaktoren
5.2. Biologische Erklärungsansätze zur Entstehung von Depression
5.2.1. Genetik
5.2.2. Biochemische Theorien
5.3. Psychologische Erklärungsansätze zur Entstehung von Depressionen
5.3.1. Behaviorale Theorie
5.3.2. Kognitive Theorien
5.3.3. Psychoanalytische Theorie
6. Behandlungsmöglichkeiten depressiver Störungen
6.1. Pharmakotherapie
6.2. Psychotherapie
6.3. Spieltherapie
7. Persönliche Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, einen fundierten Überblick über das klinische Störungsbild der Depression im Kindes- und Jugendalter zu schaffen, wobei die Symptomatik und Ätiologie sowie aktuelle Therapieansätze unter kritischer Reflexion im Vordergrund stehen.
- Grundlegende Begriffsdefinition von Depressionen
- Darstellung altersabhängiger Symptomatiken bei Kindern und Jugendlichen
- Analyse multifaktorieller Ätiologien und Risikofaktoren
- Vergleich und Bewertung verschiedener psychotherapeutischer Verfahren
- Erörterung der Bedeutung und Problematik medikamentöser Behandlungsansätze
Auszug aus dem Buch
4. 1. 1. Das Säuglingsalter
Der Psychoanalytiker Rene Spitz (1968) hat wohl als erster ein depressives Zustandsbild bei Säuglingen im zweiten Lebenshalbjahr beschrieben, das ganz eindeutig mit einem bestimmten Faktor zusammenhing: mit dem Entzug der Mutter. Im Rahmen der Hospitalismusforschung machte Spitz auf die sogenannte „anaklitische Depression“ (Anlehnungsdepression) aufmerksam. Sie entsteht durch eine länger anhaltende, mangelnde emotionale Zuwendung, wie es beispielsweise in Heimen vorkommen kann. Wird dem Säugling trotz ausreichender Nahrung der zwischen menschliche Kontakt entzogen und erfährt er eine psychosoziale Deprivation (Gefühlsarmut), reagiert er zunächst mit vermehrtem Weinen und protestierendem Schreien. Schließlich setzen Schlafstörungen, Appetitverlust und ein apathisches Rückzugsverhalten mit starrem Gesichtsausdruck ein. Die Säuglinge zeigen auch häufige Jaktationen; sie führen rhythmische Kopf- oder Körperbewegungen aus ( vgl. Nevermann, Christiane u. Hannelore Reicher; Depressionen im Kindes- und Jugendalter; 2001; S. 39).
Rene Spitz machte seine Studien zur anaklitischen Depression bei Säuglingen in einem Frauengefängnis, in dem die Mütter einiger Kinder für zwei bis drei Monate von ihren Säuglingen getrennt wurden. Die Symptome der Kinder waren: Furchtsamkeit, Weinerlichkeit. Mangel an Kontakt, Ablehnung der Umwelt, Kontaktverweigerung, Verlangsamung der Bewegungen, Schwermut, Stupor, Gewichtsverlust etc. Erst als die Mütter wieder zurückkehrten veränderte sich das Verhalten der Säuglinge. Sie waren plötzlich freundlich, fröhlich, kontaktbereit. Am eindrucksvollsten war laut Spitz, dass der Entwicklungsquotient innerhalb von zwölf Stunden nach der Rückkehr der Mutter sprunghaft anstieg (vgl. Bittner, Günther; Problemkinder;1996; S.75).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation zur Themenwahl aufgrund klinischer Erfahrungen und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der Hausarbeit.
2. Definition der Depression: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Herkunft und das Problem der mangelnden Allgemeingültigkeit der Definition, da Depression als komplexes Symptom-Syndrom verstanden werden muss.
3. Klassifikation des klinischen Störungsbildes „Depression“: Hier werden die diagnostischen Standards (ICD-10 und DSM-IV) sowie epidemiologische Daten zum Auftreten der Störung behandelt.
4. Symptomatik: Dieses Kapitel beschreibt die verschiedenen Ebenen (vegetativ, emotional, motivational, kognitiv) sowie die spezifische, altersabhängige Ausprägung depressiver Symptome bei Kindern und Jugendlichen.
5. Erklärungsansätze depressiver Störungen: Es wird die multifaktorielle Entstehung der Depression beleuchtet, wobei biologische/genetische Faktoren ebenso wie psychologische Theorien (behaviorale, kognitive und psychoanalytische Ansätze) diskutiert werden.
6. Behandlungsmöglichkeiten depressiver Störungen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Therapieformen, darunter Pharmakotherapie, kognitive Verhaltenstherapie und Spieltherapie, und reflektiert deren Anwendung.
7. Persönliche Schlussbetrachtung: Die Autorin resümiert die erarbeiteten Erkenntnisse und betont die Notwendigkeit einer individuellen, ganzheitlichen Betrachtung und Behandlung betroffener Kinder und Jugendlicher.
Schlüsselwörter
Depression, Kindheit, Jugendalter, Symptomatik, Ätiologie, Therapie, Pharmakotherapie, Psychotherapie, Spieltherapie, Komorbidität, Risikofaktoren, psychische Gesundheit, klinisches Störungsbild, Entwicklung, psychosoziale Belastung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Störungsbild der Depression speziell bei Kindern und Jugendlichen, wobei Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten wissenschaftlich untersucht werden.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Definition, die Klassifikation, die altersabhängige Symptomatik, die multifaktoriellen Erklärungsansätze (Ätiologie) sowie verschiedene Therapieformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das Erkennen und die adäquate Behandlung von depressiven Störungen bei jungen Patienten zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung aktueller Fachliteratur, Studien und psychiatrischer Klassifikationssysteme zur Analyse der Thematik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die diagnostische Einordnung, die detaillierte Beschreibung der Symptome in verschiedenen Altersstufen, die Entstehungstheorien sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Therapiemöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Kindheitsdepression, psychotherapeutische Verfahren, Risikofaktoren, multifaktorielles Geschehen und klinische Symptomatik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Depression im Kindesalter von der bei Erwachsenen?
Kinder äußern ihre Leiden häufig über psychosomatische Beschwerden oder Verhaltensänderungen, die oft schwerer als Depression im klassischen Sinne zu identifizieren sind.
Warum ist die Komorbidität bei Depressionen so relevant?
Das häufige gleichzeitige Auftreten mit anderen Störungen (wie ADS oder Angststörungen) kann die Primärdiagnose Depression verdecken und die Genesung deutlich erschweren.
- Quote paper
- Sarikaya Arzu (Author), 2004, Depressionen im Kindes - und Jugendalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39196