Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › World History - Early and Ancient History

Die Verfassung Spartas bei Aristoteles: Eine Quellenkritik

Title: Die Verfassung Spartas bei Aristoteles: Eine Quellenkritik

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 22 Pages , Grade: 2

Autor:in: Jan Trützschler (Author)

World History - Early and Ancient History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Kaum eine Verfassung hat in der Geschichte eine derartige Wirkung entfaltet wie die spartanische. Den Römern diente sie zur Legitimation der Elitenherrschaft ihrer Republik. Die französischen Aufklärer inspirierte sie zur Idee der Gewaltenteilung. Die junge marxistische Bewegung fand in ihr das Idealbild einer nicht-kapitalistischen Wirtschaftsordnung und den Antidemokraten des 20. Jh. diente sie dazu den totalen Staat und Rassenideologien zu propagieren.1 All diese Interpretatione n beruhen auf einzelnen Aspekten, die willkürlich aus dem Gesamtzusammenhang der spartanischen Ordnung gerissen wurden. Sie alle an den historischen Tatsachen zu messen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Dennoch entspringen alle Auslegungen der Verfa ssung Spartas, so unterschiedlich sie auch sein mögen, ein und demselben Phänomen, der Mythologisierung Spartas schon durch die Griechen. Wäre Sparta nicht schon unter Zeitgenossen zur Legende geworden, hätte es kaum eine derartige Wirkung in künftigen Zeiten entfalten können. Nicht zuletzt Aristoteles Ausführung in der „Politik“ haben zu dieser Legendenbildung beigetragen. Dies scheint Grund genug die aristotelische Schilderung kritisch zu hinterfragen. Entspricht sie der Realität, oder wurde sie modifiziert um das Modell der Mischverfassung mittels eines scheinbar empirischen Vorbilds schmackhaft zu machen? Die Auffassung des Aristoteles zu Sparta ist nur bruchstückhaft in der „Politik“ überliefert. Sie ist nicht beschreibend sondern durchgehend wertend und setzt die Kenntnis des spartanischen Kosmos voraus. Insofern kann sie auch nicht an den Fakten sondern nur an ihren Schlüssen gemessen werden. Dementsprechend gestaltet sich auch die Gliederung dieser Arbeit. Einem einleitenden Überblick über die Vorraussetzungen der griechischen Staatstheorie schließt sich eine Untersuchung der spartanischen Verfassung in Form der vier wichtigsten Magistraturen an. Hiefür werden zunächst deren Funktionen im spartanischen Verfassungsgefüge aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Anschließend erfolgt eine Gegenüberstellung der heutigen Erkenntnisse über deren Wirkungsweise mit denen in der „Politik“. 1 Vgl. Baltrusch, Ernst: Sparta: Geschichte, Gesellschaft, Kultur, München 1998, S.116ff.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Aristoteles empirisch-komparative Methodik und ihre Vorraussetzungen

2. Setzung des Zeitrahmens

3. Die spartanischen Magistraturen

3.1 Das Ephorat

3.2 Das Königtum

3.3 Die Gerusie

3.4 Die Volksversammlung

4. Das Ineinanderwirken der Organe

III. Fazit

IV. Literatur- und Quellenverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die aristotelische Schilderung der spartanischen Verfassung in seinem Werk „Politik“. Dabei wird hinterfragt, inwieweit Aristoteles die spartanischen Verhältnisse objektiv wiedergibt oder ob er sie modifizierte, um sein theoretisches Modell der Mischverfassung empirisch zu untermauern.

  • Kritische Analyse der aristotelischen Quellen zu Sparta
  • Empirisch-komparative Methodik der griechischen Staatstheorie
  • Untersuchung der spartanischen Magistraturen (Ephorat, Königtum, Gerusie, Volksversammlung)
  • Hinterfragung der Stabilität und des Mischverfassungscharakters Spartas
  • Verhältnis zwischen Gesellschaft und Staat im klassischen Sparta

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Ephorat

In Anbetracht seiner Machtfülle muss das Ephorat, bestehend aus fünf Ephoren die sich aus allen Spartiaten rekrutierten und jährlich durch die Volksversammlung neu gewählt wurden, wohl als bedeutendste politische Institution Spartas bezeichnet werden. Obwohl in der Großen Rhetra nicht ausdrücklich vorgesehen, so impliziert deren auf Statik ausgelegte Formulierung eines Verfassungsgefüges doch die Einrichtung eines obersten Kontrollorgans, das eben diese Unveränderlichkeit überwacht. Und so wurde das Ephorat, dessen Entstehung wie oben gezeigt einem dynamischen Prozess geschuldet war, mit der Zeit mit umfassenden Kompetenzen ausgestattet.

Innenpolitisch lag die Kontrolle sämtlicher Beamter, mit dem Recht diese wenn nötig abzusetzen, in ihrem Aufgabenbereich. Darüber hinaus überwachten die Ephoren die Durchführung und Einhaltung sämtlicher politischer Beschlüsse, verwalteten die Staatskasse, vermittelten zwischen den Institutionen, führten den Vorsitz in der Volksversammlung und bestimmten deren Tagesordnung, waren alleinige Inhaber der zivilen Gerichtsbarkeit, führten die Voruntersuchungen bei schweren Verbrecher und richteten über diese gemeinsam mit der Gerusie und wachten über die Einhaltung der Sitten. Zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben verfügten die Ephoren über umfassende Polizeigewalt.

Außenpolitisch lag es in ihrer Hand der Volksversammlung Empfehlungen über Krieg und Frieden zu unterbreiten und, im Falle eines Kriegsbeschlusses, diesen entsprechend umzusetzen. Dies beinhaltete der Volksversammlung vorzuschlagen, welcher der beiden Könige den Feldzug führen sollte, die Mobilisierung der Truppen und die strategische Führung der Armee im Felde. Zu diesem Zweck waren sie den Nauarchen, Harmosten und bisweilen auch den Königen gegenüber weisungsbefugt. Des Weiteren empfingen die Ephoren Gesandte und entschieden ob diese vor der Volksversammlungen sprechen durften und führten wahrscheinlich auch den Vorsitz im Peloponnesischen Bund.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die spartanische Verfassung als geschichtliches und theoretisches Phänomen ein und legt die methodische Vorgehensweise der Arbeit dar.

II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Aristoteles, den historischen Zeitrahmen der Untersuchung und bewertet detailliert die Funktionen der einzelnen Magistraturen sowie ihr Zusammenwirken.

1. Aristoteles empirisch-komparative Methodik und ihre Vorraussetzungen: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der griechischen Staatstheorie und wie Aristoteles mittels empirisch-komparativer Methoden Idealstaaten konstruiert.

2. Setzung des Zeitrahmens: Hier wird definiert, dass die Untersuchung sich auf das Sparta ab Mitte des 5. Jahrhunderts konzentriert, da Aristoteles dieses als Sinnbild für Stabilität beschreibt.

3. Die spartanischen Magistraturen: Dieses Kapitel dient der Untersuchung der vier wichtigsten Institutionen Spartas und der kritischen Hinterfragung der aristotelischen Aussagen zu diesen.

3.1 Das Ephorat: Es wird die Machtfülle und die tatsächliche Rolle des Ephorats als Kontrollorgan sowie dessen Einschränkungen analysiert.

3.2 Das Königtum: Dieses Kapitel behandelt den Charakter der spartanischen Doppelherrschaft, ihre sakralen und militärischen Funktionen sowie ihre Einschränkungen durch das Ephorat.

3.3 Die Gerusie: Hier wird die Zusammensetzung und Funktion des Ältestenrats sowie die aristotelische Kritik an dessen lebenslanger Amtsdauer und angeblicher Verantwortungslosigkeit beleuchtet.

3.4 Die Volksversammlung: Dieses Kapitel untersucht die begrenzte Macht der Volksversammlung und widerlegt deren vermeintlich demokratischen Charakter durch den Nachweis der Vormachtstellung des Ephorats.

4. Das Ineinanderwirken der Organe: Hier werden die Ergebnisse zur Interaktion der Institutionen zusammengefasst, wobei das gegenseitige Hemmen der Organe betont wird.

III. Fazit: Das Fazit resümiert die aristotelische Kritik, bewertet die Stabilität Spartas als Resultat institutionalisierten Stillstands zur Aufrechterhaltung elitärer Macht und reflektiert den Wahrheitsgehalt der aristotelischen Beobachtungen.

IV. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Sparta, Aristoteles, Politik, Verfassung, Ephorat, Königtum, Gerusie, Volksversammlung, Mischverfassung, Quellenkritik, Antike, griechische Staatstheorie, Magistraturen, Institutionen, Machtbalance.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer quellenkritischen Untersuchung der Darstellung der spartanischen Verfassung durch Aristoteles in seinem Werk „Politik“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die aristotelische Staatstheorie, die Funktionsweise der spartanischen Magistraturen und die Frage nach dem tatsächlichen politischen System Spartas.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist zu prüfen, ob Aristoteles die Verhältnisse in Sparta faktentreu beschreibt oder seine Darstellung modifizierte, um sein Idealmodell einer Mischverfassung zu untermauern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine quellenkritische Analyse in Verbindung mit einer empirisch-komparativen Untersuchung der politischen Institutionen Spartas durchgeführt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die methodischen Voraussetzungen des Aristoteles, definiert den zeitlichen Rahmen der Untersuchung und untersucht die Funktionen von Ephorat, Königtum, Gerusie und Volksversammlung sowie deren Zusammenspiel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sparta, Aristoteles, Verfassung, Mischverfassung, Quellenkritik und Institutionen charakterisiert.

Wie bewertet die Arbeit die Macht des Ephorats im Vergleich zu Aristoteles’ Sicht?

Während Aristoteles das Ephorat als tyrannisch beschreibt, zeigt die Arbeit auf, dass dessen Macht durch institutionelle Einbindungen und die Abhängigkeit von anderen Gremien begrenzt war.

Warum kommt die Arbeit zum Schluss, dass die Stabilität Spartas kein Zeichen von Perfektion war?

Die Arbeit argumentiert, dass die Stabilität Spartas eher ein Ergebnis von institutionalisiertem Stillstand war, der dazu diente, Privilegien einer kleinen elitären Bevölkerungsgruppe zu sichern.

Excerpt out of 22 pages  - scroll top

Details

Title
Die Verfassung Spartas bei Aristoteles: Eine Quellenkritik
College
Martin Luther University  (Institut für Klassische Altertumswissenschaften)
Course
Demokratietheorien im historischen Prozess
Grade
2
Author
Jan Trützschler (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V39273
ISBN (eBook)
9783638380867
Language
German
Tags
Verfassung Spartas Aristoteles Eine Quellenkritik Demokratietheorien Prozess
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Trützschler (Author), 2005, Die Verfassung Spartas bei Aristoteles: Eine Quellenkritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39273
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  22  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint