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Soziale und materielle Armut - Arbeit und Armut im 19. Jahrhundert

Title: Soziale und materielle Armut - Arbeit und Armut im 19. Jahrhundert

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 36 Pages , Grade: 2

Autor:in: Sebastian Knobbe (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Aus zeitgenössischer Perspektive wird man den Begriffen Arbeit und Armut vermutlich eine grundsätzliche Divergenz bescheinigen. Es ist heute nicht davon ausgehen, dass Personen, die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden (zumindest was die industrialisierten Länder dieser Welt anbetrifft) Not und Hunger leiden müssen. In den vorangegangenen Jahrhunderten war dies freilich anders. Diesen Umstand beweist allein die Tatsache, dass es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts üblich war Arbeiter als Arme zu bezeichnen .
In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, das Verhältnis und die Beziehungen von Arbeit und Armut in Deutschland im 19. Jahrhundert aufuzeigen. Im Hinblick auf den zu untersuchenden geographischen Raum treten dabei unweigerlich zwei Phänomene dieser Zeit in den Focus der Untersuchung: der allmählich abklingende Pauperismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die beginnende Industrialisierung Deutschlands, die ab ca. 1850 ihren Siegeszug antrat. Der zeitliche Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei deutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In erster Linie soll hier untersucht werden, inwieweit sich Arbeit und Armut in den industrialisierten Produktionsbereichen gegenseitig bedingt haben. Hauptzielgruppe werden dabei im folgenden die Industriearbeiter , im speziellen die Textilarbeiter sein, da diese im Vergleich mit den anderen Industriebranchen ganz besonders von der Armut bedroht waren. Bevor es allerdings darum gehen wird, die Situation der Industriearbeiter zu untersuchen, soll in einem ersten Abschnitt zunächst der Pauperismus und seine Erscheinungsformen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts beleuchtet werden. Ziel ist es eine grundlegende Vorstellung von der Massenarmut und ihren Ursachen zu vermitteln. Erst im Anschluss daran wird sich der Verfasser dem eigentlichen Thema, Arbeit und Armut der Industriearbeiter, zuwenden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der Pauperismus im 19.Jahrhundert

2. Entlohnung und Lohnentwicklung in der Textilindustrie als Indikatoren der Armut

2.1. Grundlegende Bemerkungen zur Entlohnung und Lohnentwicklung im industriellen Bereich

2.2. Die Löhne in der Textilindustrie

2.2.1. Lohndifferenzen aufgrund der Funktion im Betrieb

2.2.2. Entlohnungsunterschiede nach Alter und Geschlecht

3. Daseinsrisiken von Textilarbeitern

4. Lebens- und Existenzbedingungen von Textilarbeitern

4.1. Grundlegendes

4.2. Wohnverhältnisse

4.3. Ernährungssituation

5. Betriebliche Sozialpolitik

5.1. Vorbemerkungen

5.2. Sozialeinrichtungen in der Fabrik

5.3. Sozialeinrichtungen im Reproduktionsbereich

Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die wechselseitigen Beziehungen von Arbeit und Armut in Deutschland während des 19. Jahrhunderts, mit einem Fokus auf der Lebensrealität von Industriearbeitern in der Textilbranche. Ziel ist es zu analysieren, warum diese Berufsgruppe trotz der einsetzenden Industrialisierung in besonderem Maße von Armut bedroht war und inwieweit betriebliche Sozialmaßnahmen als Kompensationsstrategien wirkten.

  • Analyse des Pauperismus und dessen Übergang in die industrielle Armut.
  • Untersuchung der Entlohnung und Lohnentwicklung als primäre Indikatoren für Armut.
  • Erörterung der Daseinsrisiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit und Altersarmut.
  • Bewertung der Wohnverhältnisse und der Ernährungslage als Bestandteile des Existenzminimums.
  • Kritische Würdigung der betrieblichen Sozialpolitik als Instrument der Disziplinierung und Fürsorge.

Auszug aus dem Buch

2.1. Grundlegende Bemerkungen zur Entlohnung und Lohnentwicklung im industriellen Bereich

Was die Lohnentwicklung ab Mitte des 19.Jahrhunderts in Deutschland anbetrifft, so gilt es zunächst zwischen den verschiedenen Regionen Deutschlands einerseits und den unterschiedlichen Industriesektoren andererseits zu differenzieren.

In solchen Regionen, in denen die Mechanisierung der Produktion und somit der Produktivitätszuwachs (noch) gering blieb, blieben auch die Löhne niedrig. Demgegenüber stiegen die Löhne in den bereits industrialisierten Gebieten aus zweierlei Gründen an: Zum einen, weil die steigende Produktivität dies erlaubte und zum anderen, weil hier die Nachfrage an Arbeitskräften sehr hoch war.

Neben den regionalen Unterschieden gab es des weiteren eklatante Lohnunterschiede in den unterschiedlichen Industriezweigen. Durchweg kann man davon ausgehen, dass die Löhne in der Eisenindustrie oder dem Maschinenbau erheblich über denen in der Textilindustrie lagen. So variierte (lässt man die 5 Mark der Arbeitsburschen außer acht) der mittlere Wochenlohn in den Maschinenbaubetrieben Berlins 1853 zwischen 10 Mark (Heizer) und 30 Mark (Kesselschmied). Ähnliche Spannen gab es u.a. auch in der eisenverarbeitenden Industrie. Demgegenüber reichte der Arbeitslohn z.B. in den Wollfabriken nur von 4,50 Mark (Wicklerin) bis zu 9 Mark (Webergeselle). Die Meister verdienten freilich etwas besser. Für die Stadt Bielefeld hat man für die 1860er Jahre folgende Zahlen ermittelt:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Pauperismus im 19.Jahrhundert: Das Kapitel erläutert das Phänomen der vorindustriellen Armut und widerlegt die Annahme, dass die Industrialisierung alleinige Ursache des Pauperismus war.

2. Entlohnung und Lohnentwicklung in der Textilindustrie als Indikatoren der Armut: Hier wird analysiert, warum Löhne im Textilsektor im Vergleich zu anderen Industriezweigen besonders niedrig waren und welche funktionellen sowie sozialen Faktoren dies beeinflussten.

3. Daseinsrisiken von Textilarbeitern: Es werden die Gefahren thematisiert, die zu Einkommensverlusten führen konnten, wie etwa Arbeitslosigkeit, Krankheit oder der abrupte Abstieg in die Altersarmut.

4. Lebens- und Existenzbedingungen von Textilarbeitern: Dieser Teil beleuchtet die prekären Wohnsituationen sowie die schwierige Ernährungslage, die das tägliche Überleben der Arbeiterfamilien prägten.

5. Betriebliche Sozialpolitik: Das letzte Kapitel untersucht die Rolle der unternehmerischen Fürsorge, ihre Funktion als Disziplinierungsinstrument und ihre tatsächliche Wirksamkeit in Notsituationen.

Schlüsselwörter

Industrialisierung, Textilindustrie, Armut, Pauperismus, Lohnentwicklung, Industriearbeiter, Daseinsrisiken, Existenzminimum, betriebliche Sozialpolitik, Wohnverhältnisse, Ernährungssituation, Frauenarbeit, Kinderarbeit, Alterssicherung, Patriarchalismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die sozioökonomische Situation von Textilarbeitern im Deutschland des 19. Jahrhunderts und untersucht, warum diese Gruppe besonders von Armut betroffen war.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen Lohnentwicklungen, die täglichen Lebens- und Existenzbedingungen, spezifische Daseinsrisiken wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit sowie die Rolle der betrieblichen Sozialpolitik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen industrieller Arbeit und Armut aufzuzeigen und zu prüfen, ob die Entstehung einer Industriearbeiterschaft automatisch zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse führte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer sozialhistorischen Analyse, die zeitgenössische Quellen sowie Forschungsliteratur zur Lebensweise der Arbeiterschaft auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Lohnstrukturen, die Darstellung der gesundheitlichen und sozialen Risiken, eine detaillierte Betrachtung der Wohn- und Ernährungssituation sowie eine Bewertung betrieblicher Hilfsangebote.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Pauperismus, Textilarbeiterschaft, Existenzminimum, betriebliche Sozialpolitik und das Verhältnis von Lohnarbeit und Armut.

Warum war die Textilindustrie besonders von Armut betroffen?

Dies lag an den vergleichsweise niedrigen Löhnen, der hohen Ersetzbarkeit der Arbeitskräfte sowie einem hohen Anteil an Frauen- und Kinderarbeit, die als billige Arbeitskräfte schlechter entlohnt wurden.

Welche Rolle spielte die betriebliche Sozialpolitik?

Sie diente einerseits der Fürsorge bei Notlagen, war jedoch primär ein Instrument der Unternehmensführung zur Bindung und Disziplinierung der Belegschaft.

Wie wirkten sich Wohnverhältnisse auf das Armutsrisiko aus?

Die Überfüllung, mangelnde Hygiene und das Schlafgängerwesen verschlechterten den Gesundheitszustand und die Lebensqualität massiv, was wiederum die Arbeitsfähigkeit und damit die Existenzgrundlage gefährdete.

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Details

Title
Soziale und materielle Armut - Arbeit und Armut im 19. Jahrhundert
College
Otto-von-Guericke-University Magdeburg  (Institut für Geschichte)
Course
Armut in der Vormoderne. Fürsorge, Verwaltung und Ausgrenzung (16.-19.Jh.)
Grade
2
Author
Sebastian Knobbe (Author)
Publication Year
2003
Pages
36
Catalog Number
V39299
ISBN (eBook)
9783638381062
ISBN (Book)
9783638654913
Language
German
Tags
Soziale Armut Arbeit Armut Jahrhundert Armut Vormoderne Fürsorge Verwaltung Ausgrenzung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Knobbe (Author), 2003, Soziale und materielle Armut - Arbeit und Armut im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39299
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