Diese Arbeit beschäftigt sich mit sozialen Sicherungssystemen offener Volkswirtschaften und den Auswirkungen der Wanderung von Sozialhilfeempfängern. Wenn Sozialhilfeempfänger denjenigen Wohnort wählen, in dem sie das höchste Nettoeinkommen erhalten, müssen Regierungen dies in ihr Kalkül mit einbeziehen, da eine Erhöhung der Sozialleistungen Nettobegünstigte anzieht. Es wird gezeigt, dass daraus Ineffizienzen entstehen, die durch Politikinstrumente beseitigt werden können. Die verwendete Literatur stammt vorwiegend aus der letzten Dekade und befasst sich hauptsächlich mit den Auswirkungen der Mobilität des Faktors Arbeit. Die Arbeit ist wie folgt gegliedert: In Kapitel 2 wird eine Einführung zu sozialen Sicherungs systemen gegeben, speziell im Hinblick auf die Europäische Union. In Abschnitt 3 wird ein Modell zunächst vorgestellt und analysiert. Im Anschluss daran werden mögliche Erweiterungen besprochen und Literatur vergleichend dargestellt. Die Arbeit endet mit einem Fazit in Kapitel 4.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Soziale Sicherungssysteme
3 Modell
3.1 Beschreibung des Modells
3.2 Normative Analyse
3.3 Positive Analyse
3.3.1 Wohnsitzlandprinzip
3.3.2 Freiwillige Transfers
3.4 Beseitigung von Ineffizienzen
3.4.1 Zentrale Regierung
3.4.2 Ursprungslandprinzip
3.5 Modellerweiterungen
3.6 Bewertung des Modells
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der Mobilität von Arbeitskräften auf soziale Sicherungssysteme in offenen Volkswirtschaften. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob Sozialleistungen auch bei zunehmender Mobilität der Faktoren ausreichend bereitgestellt werden können und welche Politikinstrumente existieren, um Ineffizienzen, die durch Migrationsanreize entstehen, zu beseitigen.
- Analyse der Wohlfahrtswirkungen von Sozialsystemen bei Faktormobilität.
- Untersuchung von Steuer- und Transfermechanismen zur Internalisierung fiskalischer Externalitäten.
- Vergleich von Wohnsitzland- und Ursprungslandprinzip.
- Evaluation der Effizienz dezentraler vs. zentraler Regierungsstrukturen.
- Modellierung der Auswirkungen von Arbeits- und Kapitalmobilität auf das Sozialleistungsniveau.
Auszug aus dem Buch
3.1 Beschreibung des Modells
In einer Föderation, in der zwei gleiche Länder i = f,g existieren, wird das homogene Gut Yi mit einer neoklassischen, linear-homogenen Produktionsfunktion Fi(·) mit den Faktoren Arbeit li und Kapital ki hergestellt. Große Buchstaben bezeichnen im Folgenden exogene Faktorbestände vor Wanderung, kleine Buchstaben die endogenen Bestände nach Wanderung. Bestände nach Wanderung beschreiben somit die Faktoreinsatzmengen der Produktion. Zur Vereinfachung sind sowohl das Kapitalangebot mit K = Summe Ki = Summe ki als auch das Arbeitsangebot mit L = Summe Li = Summe li konstant, da keine langfristige intergenerative, sondern lediglich kurzfristige intragenerative Verteilungseffekte untersucht werden.
Haushalte werden in beiden Regionen in zwei Gruppen aufgeteilt, „reiche“ Beitragszahler und „arme“ Beitragsempfänger. Beitragszahler leisten einen Transfer, der als Sozialleistung interpretiert werden kann, an die Empfänger. Die Transferzahler sind vollständig immobil, beziehen ausschließlich Kapitaleinkommen R = Summe Ri = Summe ri und besitzen einen gleichen Anteil am Gesamteinkommen; Kapital ist ebenfalls immobil. Transferempfänger beziehen ausschließlich ihr Arbeitseinkommen L; wenigstens ein Teil der Empfänger ist im Folgenden unbeschränkt und kostenlos mobil. Zur Vereinfachung wird die Zahl der Transfergeber in jeder Region auf eins normiert, Ri = ri = 1 für i = f,g (vgl. Kolmar, 1999, S. 66-75; Wildasin, 1991, S. 759).
Das Bruttoeinkommen der Transferempfänger, ci, ist der Lohn, der unter Annahme vollständigen Wettbewerbs und eines vollkommenen Arbeitsmarkts dem Grenzprodukt der Arbeit Fi(Ki,li) entspricht. Das Einkommen der Transferzahler yi setzt sich unter Annahme eines vollkommenen Kapitalmarkts aus dem Wert der Produktionsfunktion abzüglich des gezahlten Lohns zusammen, yi = Fi(Ki,li) - li · FiL(Ki,li).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung stellt die Problematik der Wanderung von Sozialhilfeempfängern in offenen Volkswirtschaften vor und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2 Soziale Sicherungssysteme: Das Kapitel definiert soziale Sicherungssysteme in der EU und unterscheidet zwischen intergenerativer und intragenerativer Umverteilung.
3 Modell: Hier wird der theoretische Rahmen zur Untersuchung der Auswirkungen von Faktormobilität auf Sozialsysteme unter verschiedenen Annahmen und Regierungsstrukturen formal hergeleitet.
3.1 Beschreibung des Modells: Dieses Unterkapitel führt die mathematischen Annahmen, die Produktionsfunktion und die Haushaltstypen des Modells ein.
3.2 Normative Analyse: Die Sektion befasst sich mit der Herleitung des sozialen Optimums unter Verwendung von Wohlfahrtsfunktionen und Lagrangeansätzen.
3.3 Positive Analyse: Es wird untersucht, wie sich die Allokation von Arbeit und Sozialleistungen ohne zentrale Koordinierung unter den gewählten Prinzipien verhält.
3.3.1 Wohnsitzlandprinzip: Analyse des Gleichgewichts, wenn keine zentrale Regierung existiert und Sozialleistungen nach dem Wohnort gewährt werden.
3.3.2 Freiwillige Transfers: Untersuchung der Frage, ob freiwillige Transferzahlungen zwischen Ländern zu einer effizienteren Allokation beitragen können.
3.4 Beseitigung von Ineffizienzen: Diskussion von Mechanismen zur Erreichung eines effizienten Sozialhilfeniveaus.
3.4.1 Zentrale Regierung: Modellierung einer zentralen staatlichen Instanz, die Externalitäten durch Steuern und Subventionen internalisiert.
3.4.2 Ursprungslandprinzip: Analyse des Konzepts, bei dem Sozialleistungsansprüche an die Nationalität statt an den Wohnsitz gebunden sind.
3.5 Modellerweiterungen: Dieses Kapitel öffnet das Modell für mobile Kapitalströme und diskutiert Anreize für ineffiziente Steuerpolitik.
3.6 Bewertung des Modells: Eine kritische Würdigung der Modellannahmen, insbesondere hinsichtlich der Mobilität und der Haushaltsgruppen.
4 Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick auf den Handlungsbedarf bei der Schaffung eines einheitlichen europäischen Arbeitsmarktes.
Schlüsselwörter
Soziale Sicherungssysteme, Intragenerative Umverteilung, Faktormobilität, Wohnsitzlandprinzip, Ursprungslandprinzip, Fiskalische Externalität, Wohlfahrtsfunktion, Sozialarbitrage, Steuerwettbewerb, Grenzprodukt der Arbeit, Europäische Union, Sozialpolitik, Arbeitsmarktintegration, Effiziente Allokation, Transferzahlungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie soziale Sicherungssysteme in einer föderalen Struktur funktionieren, wenn Arbeitskräfte zwischen verschiedenen Ländern oder Regionen wandern können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Mobilität von Arbeitskräften und Kapital, den Auswirkungen auf Sozialhilfeempfänger und Beitragszahler sowie der Effizienz verschiedener Umverteilungsprinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Sozialleistungen bei zunehmender Faktormobilität effizient bereitgestellt werden können und welche Politikinstrumente dazu beitragen können, Ineffizienzen abzubauen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf neoklassischen ökonomischen Modellen, die mittels Wohlfahrtsfunktionen und Lagrangeansätzen normativ und positiv analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Modellbeschreibung, die Analyse des Wohnsitzland- und Ursprungslandprinzips, die Untersuchung von freiwilligen Transfers sowie die Erweiterung des Modells um Kapitalmobilität.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind das Wohnsitzlandprinzip, fiskalische Externalitäten, Sozialarbitrage, intragenerative Umverteilung und Faktormobilität.
Warum wird im Modell zwischen „reichen“ Beitragszahlern und „armen“ Empfängern unterschieden?
Diese Vereinfachung dient dazu, die Umverteilungsmechanismen und die Anreizstrukturen innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsgruppen bei Mobilität klarer abgrenzen und modellieren zu können.
Welchen Einfluss hat das Ursprungslandprinzip auf die Mobilität der Bürger?
Da unter dem Ursprungslandprinzip der Anspruch auf Sozialleistungen an die Nationalität gebunden bleibt, entfällt für den Bürger der fiskalische Anreiz, allein aufgrund höherer Sozialleistungen in eine andere Region zu wandern.
Was besagt das Konzept des „Race to the Bottom“ im Zusammenhang mit dieser Arbeit?
Es beschreibt den Anreiz für Regierungen, Sozialleistungen oder Steuern auf Kapital in einem internationalen Wettbewerb so weit zu senken, dass dies langfristig zu einer ineffizienten Unterversorgung mit Sozialleistungen führt.
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- Benjamin von Schenck (Author), 2005, Intragenerative Umverteilung in einer Föderation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39329