Ist die Zeitmaschine von H.G.Wells ein utopischer Roman oder ist er eher in der Science Fiction anzusiedeln? Das soll die zentrale Fragestellung dieser Arbeit sein. Aufgrund der oft dargestellten technischen Hilfsmittel, die der Reisende für seine Zeitreise nutzt und der Überlegungen zu den Dimensionen und ob Zeitreisen physikalisch möglich seien, liegt die Betrachtungsweise nahe, dass die Zeitmaschine in die Science Fiction-Literatur einzuordnen ist. Andererseits ist der Roman eine Zukunftsvision, die die Entwicklung der bestehenden Gesellschaft darstellt und daher zumindest in den Bereich der Dystopien eingeordnet werden kann. In der Sekundärliteratur ist jedoch nicht genau definiert, welchem Genre der Roman zuzuordnen ist. Ich werde den Roman deshalb auf die Merkmale der Utopie bzw. Anti-Utopie sowie auf die Merkmale der Science Fiction analysieren. Um diese Analyse vertiefen zu können, werde ich einen Text zum Vergleich heranziehen, der ganz klar der Utopie zugeordnet ist. Dafür habe ich Neu Atlantis von Francis Bacon gewählt. In 2.1 und 2.2 werde ich die Merkmale von Utopie und Science Fiction herausarbeiten und darstellen. Dabei werde ich vor allem auf die Punkte Entstehung und Entwicklung von Utopie/Science Fiction, die inhaltlich-strukturelle Definition, Themenbereiche und Grenzen der Gattungen eingehen. In 2.3 folgt eine kurze inhaltliche und formale Analyse des Vergleichstextes. Danach werde ich in 3.1 die Zeitmaschine inhaltlich kurz zusammenfassen und in 3.2 auf die erarbeiteten Gattungsmerkmale analysieren und mit dem Beispieltext vergleichen. Teil 4 präsentiert das abschließende Ergebnis. Bei der Analyse werde ich mich an folgenden Fragen orientieren: Welche Passagen sind für welche Gattungsmerkmale markant? Woran kann man das ausmachen? Welche Passagen des Vergleichstextes können dazu herangezogen werden? Welche gattungsrelevanten Passagen des Vergleichstextes fehlen im Roman?
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Hintergründe
2.1) Utopie
2.1.1) Entstehung und Entwicklung der Gattung
2.1.2) Inhaltliche und formale Struktur
2.1.3) Die Grenzen der Gattung
2.2) Science Fiction
2.2.1) Entstehung und Entwicklung
2.2.2) Inhaltliche und formale Struktur
2.2.3) die Grenzen der Gattung
2.3) Neu Atlantis – ein kurzer inhaltlicher Abriss
3) Die Zeitmaschine
3.1) Inhaltsangabe
3.2) Textanalyse
4) Ergebnisse
5) Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gattungszugehörigkeit von H.G. Wells' Roman "Die Zeitmaschine". Ziel ist es zu klären, ob das Werk primär als utopischer Roman oder als Science-Fiction-Literatur einzustufen ist, indem Merkmale beider Genres analysiert und mit Francis Bacons "Neu Atlantis" als Vergleichstext kontrastiert werden.
- Theoretische Grundlagen und Abgrenzung von Utopie und Science Fiction
- Strukturelle und inhaltliche Analyse von Bacons "Neu Atlantis"
- Zusammenfassung und inhaltliche Betrachtung von "Die Zeitmaschine"
- Vergleichende Analyse der Gattungsmerkmale in Wells' Roman
- Diskussion der soziopolitischen und wissenschaftlichen Aspekte
Auszug aus dem Buch
3.2.) Analyse:
Die Zeitmaschine ist eindeutig eine negative Zukunftsvision. Sie lässt sich jedoch nur schwer in den Bereich der Science Fiction oder der Utopie/Anti-Utopie einordnen, da sie von beiden Gattungen spezifische Merkmale enthält. Außerdem ist sie mit ihrem Erscheinungsjahr 1887 zu einer Zeit veröffentlicht worden, in der sich Utopie und Science Fiction immer stärker zu verbinden begannen und seitdem kaum noch zu unterscheiden sind.
Der Roman von Herbert George Wells gehört jedoch eindeutig in den Bereich der fiktionalen Prosa-Literatur. Der Text ist in erster Linie eine Geschichte und kein Staatsentwurf, bei dem, wie bei Neu-Atlantis, die Story nur schmückendes Ornament ist.
Es wird die Geschichte des Zeitreisenden in Form eines Reiseberichts erzählt. Dabei stehen seine Abenteuer im Vordergrund. Die Überlegungen zu sozialer und politischer Entwicklung und die damit verbundene Gesellschaftskritik sind sehr unterhaltend verpackt.
Francis Bacon hingegen nutzt den Reisebericht nur, um den Leser an die Idee seines alternativen Staatsentwurfs heranzuführen. Er beschreibt nur knapp, was die Seefahrer auf der Insel erleben und geht viel mehr auf die Bräuche und Gesetze der Einheimischen ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einleitung definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit, ob "Die Zeitmaschine" als utopischer Roman oder als Science-Fiction-Werk zu klassifizieren ist, und skizziert das methodische Vorgehen.
2) Hintergründe: In diesem Kapitel werden die Entstehung, Entwicklung und inhaltlich-formalen Strukturen der Gattungen Utopie und Science Fiction erarbeitet sowie ein inhaltlicher Abriss von "Neu Atlantis" gegeben.
3) Die Zeitmaschine: Dieses Kapitel liefert zunächst eine inhaltliche Zusammenfassung von H.G. Wells' Roman und analysiert diesen anschließend im Hinblick auf die zuvor definierten Gattungsmerkmale.
4) Ergebnisse: Hier werden die Resultate der Analyse zusammengeführt, wobei festgestellt wird, dass sich das Werk nicht eindeutig einem Genre zuordnen lässt, sondern Merkmale beider Sparten vereint.
5) Anhang: Der Anhang enthält die Anmerkungen sowie die Literaturliste der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Die Zeitmaschine, H.G. Wells, Utopie, Dystopie, Science Fiction, Gattungsmerkmale, Gesellschaftskritik, Neu Atlantis, Francis Bacon, Staatsentwurf, Literaturanalyse, Zukunftsvision, Genredefinition, technische Entwicklung, Zeitreise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, welcher literarischen Gattung H.G. Wells' Roman "Die Zeitmaschine" angehört und ob er eher als klassische Utopie oder als Science Fiction einzuordnen ist.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Analyse?
Im Zentrum stehen die Begriffsbestimmungen von Utopie und Science Fiction, deren Abgrenzung voneinander sowie die Untersuchung, wie Wells' Roman gesellschaftliche und wissenschaftliche Elemente miteinander verknüpft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Klärung der Gattungszugehörigkeit des Romans, wobei insbesondere geprüft wird, inwiefern der Roman einen alternativen Staatsentwurf darstellt oder primär fiktionale Unterhaltungsliteratur ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende Analyse, indem sie die Merkmale von "Die Zeitmaschine" mit den klassischen Gattungskriterien von Utopie und Science Fiction abgleicht und zusätzlich den Vergleichstext "Neu Atlantis" von Francis Bacon heranzieht.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu den Gattungen, eine inhaltliche Vorstellung der "Zeitmaschine" und eine tiefgehende Analyse, die untersucht, wie Wells soziale Kritik und wissenschaftliche Spekulationen in seiner Erzählung verarbeitet.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika der Arbeit liegen in der Untersuchung von Gattungsgrenzen, Gesellschaftskritik, Zukunftsentwürfen sowie der Verschränkung von naturwissenschaftlichen und sozialen Diskursen in der Literatur.
Inwiefern unterscheidet sich Wells' Roman von Bacons "Neu Atlantis"?
Während "Neu Atlantis" den Reisebericht als Vehikel für einen detaillierten, ausformulierten Staatsentwurf nutzt, steht in Wells' "Die Zeitmaschine" das erzählerische Abenteuer im Vordergrund, während die gesellschaftskritischen Aspekte unterhaltend verpackt sind.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der Gattungsfrage?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass "Die Zeitmaschine" keine klassische Utopie ist, sondern am ehesten als technisch-utopischer Roman oder Zukunftsliteratur einzustufen ist, da eine klare Trennung zwischen Utopie, Dystopie und Science Fiction nicht mehr möglich ist.
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- Diana Schumann (Author), 2003, Die Zeitmaschine von H.G.Wells: Sience Fiction oder Utopie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39350