Nach dem Spielkonzept von Crozier und Friedberg ist eine Organisation – eine „Gesamtheit miteinander verzahnter Spiele, die kontingente, d.h. relativ autonome menschliche Konstrukte darstellen und durch ihre formalen und informellen Spielregeln eine direkte Integration der konfligierenden Machtstrategien der Organisationsmitglieder bewirken“ . Das heißt, eine Organisation ist ein in sich geschlossenes System. Wie wird dann ein, zum Beispiel externer Berater, zu einem erfolgreichen „Mitspieler“, der es schafft zu intervenieren und die Organisation zum Veränderungsprozeß zu bringen?
In dieser Arbeit möchte ich die Rolle des Organisationsberaters im systemischen Organisationsberatungsprozeß genauer untersuchen. Dafür erläutere ich zuerst die Grundlagen der systemischen Organisationsberatung, dann die Grundlagen des Spielansatzes von Crozier/Friedberg. Dann, aufgrund eines Fallbeispiels, möchte ich auf die Rolle des Beraters aus der Sicht des Spielansatzes schauen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Grundlagen der systemischen Organisationsberatung.
1. Vier Erklärungsmodelle des menschlichen Handelns.
2. Soziale Systeme.
3. Der Systembegriff in der systemischen Organisationsberatung.
4. Problemlösung aus systemischer Sicht.
5. Das Menschenbild systemischer Organisationsberatung.
6. Beratungsmodelle.
II. „Strategische Organisationsanalyse“ nach Crozier/Friedberg.
1. Der Akteur und seine Strategie.
2. Macht als Grundlage organisierten Handelns.
3. Kontrollierte Ungewißheitszonen.
4. Macht und Organisation.
5. Typen von Macht in Organisationen.
6. Organisation als Problem.
7. Grundlegende Dynamik der Machtbeziehungen.
8. Das Spiel als Instrument organisierten Handelns.
III. Fallbeispiel – „Krankenhaus“.
1. Übersicht.
2. Der Beratungsauftrag.
3. Beratung der Sub-Projektgruppen.
3.1. Kommunikationsprobleme.
3.2. Das Stationskollektiv.
4. Zusammenfassung.
IV. Rolle des Beraters aus der Sicht des Spielansatzes von Crozier/Friedberg.
V. Zusammenfassung.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Organisationsberaters im systemischen Beratungsprozess, indem sie theoretische Grundlagen mit dem „Spielansatz“ von Crozier und Friedberg verknüpft und anhand eines Fallbeispiels aus einem Krankenhaus kritisch analysiert.
- Systemtheoretische Grundlagen der Beratung
- Spieltheoretische Analyse organisationaler Machtstrukturen
- Die Rolle des Beraters als „Meta-Spieler“
- Transferprobleme moderner Managementkonzepte in Transformationsgesellschaften
Auszug aus dem Buch
1. Der Akteur und seine Strategie.
Die menschlichen Verhaltensweisen in der Organisation sind sehr komplex und spielen eine entscheidende Rolle. Der Mensch, selbst in den extremsten Lagen, bewahrt immer ein Minimum an Freiheit und nutzt diese Freiheit um dem System zu widerstehen. Organisation ist folglich ein Reich von Machtbeziehungen, von Einflußnahme, Feilschen und Berechnung. Für viele Menschen ist sie ein Mittel, sich bemerkbar zu machen und auf das System und auf ihre Gegenspieler Druck auszuüben. Das menschliche Verhalten ist immer Ausdruck und Verwirklichung einer Freiheit. Alle Akteure haben nur eine beschränkte Freiheit und sind dementsprechend nur zu einer begrenzten Rationalität fähig. Daher ist das Verhalten auch niemals völlig voraussehbar.
Strategie als autonome Handlungsorientierung steuert das konkrete soziale Handeln und die Interaktionen der Akteure als Ausfluß der Rekonstruktion der Rationalität und des Zusammenhanges konkret beobachteter Handlungen. Der Bergriff „Strategie“ resultiert sich aus folgenden Überlegungen:
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Spielkonzept von Crozier und Friedberg und Formulierung der Forschungsfrage zur Rolle des Beraters.
I. Grundlagen der systemischen Organisationsberatung.: Darstellung der theoretischen Modelle menschlichen Handelns sowie der Merkmale und Problemlösungsansätze sozialer Systeme.
II. „Strategische Organisationsanalyse“ nach Crozier/Friedberg.: Vertiefung der Spieltheorie, Machtbegriffe, Ungewissheitszonen und der Organisation als dynamisches Gebilde von Machtbeziehungen.
III. Fallbeispiel – „Krankenhaus“.: Analyse eines Beratungsprozesses in einem ostdeutschen Krankenhaus unter Berücksichtigung von Widerständen und Kommunikationsproblemen.
IV. Rolle des Beraters aus der Sicht des Spielansatzes von Crozier/Friedberg.: Diskussion des Beraters als Meta-Spieler, der durch Strategie und Macht die Spielregeln beeinflussen kann.
V. Zusammenfassung.: Fazit zur Notwendigkeit der Berücksichtigung existierender Machtstrukturen für den Erfolg systemischer Beratung.
Schlüsselwörter
Systemische Organisationsberatung, Spielansatz, Crozier, Friedberg, Macht, Organisation, Ungewissheitszone, Strategie, Fallbeispiel, Krankenhaus, Organisationsentwicklung, Meta-Spieler, Machtbeziehungen, Transformationsprozess, Interaktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle von externen Beratern in systemischen Organisationsprozessen auf Basis des Spielansatzes von Crozier und Friedberg.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert auf systemische Beratung, Machtstrukturen in Organisationen und die Dynamik zwischen Akteuren in Transformationsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu erörtern, wie ein Berater trotz komplexer, vorbestehender Machtspiele erfolgreich intervenieren kann, ohne durch das System neutralisiert zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine theoretische Fundierung durch systemtheoretische und spieltheoretische Ansätze gewählt, die durch eine Fallstudienanalyse eines Krankenhauses angewendet wird.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Ausarbeitung der Machttheorie nach Crozier/Friedberg sowie der praktischen Anwendung auf das Fallbeispiel Krankenhaus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Macht, Ungewissheitszone, Meta-Spieler und die Dualität von Struktur und Handlungsfreiheit.
Warum scheiterte die Beratung im Krankenhaus-Fallbeispiel?
Die Berater unterschätzten die spezifischen kognitiven Interpretationsmuster und die historisch gewachsenen Machtstrukturen der ostdeutschen Organisation nach der Wende.
Was zeichnet die Rolle des Beraters als „Meta-Spieler“ aus?
Ein Meta-Spieler steht außerhalb der geltenden Regeln, erkennt diese als kontingent an und versucht, durch gezielte Interventionen neue Spielräume und Aushandlungsoptionen zu eröffnen.
- Quote paper
- Anna Shkonda (Author), 2005, Rolle des Beraters im systemischen Organisationsberatungsprozeß aus der Sicht des Spielansatzes von Crozier/Friedberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39449