Zur Städtepolitik Heinrichs des Löwen


Hausarbeit, 2004
15 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Quellenlage

2. Sachsen
2.1. Braunschweig
2.2. Lübeck/Bardowick
2.3. Stade

3. Bayern
3.1. München
3.2. Landsberg
3.3. Regensburg

4. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

5. Quellen und Literatur
5.1. Quellen
5.2. Literatur

1. Einführung und Quellenlage

Als Herzog von Bayern und Sachsen besaß Heinrich der Löwe (1129-1195) eine Machtbasis, die die der anderen Reichsfürsten, mit Ausnahme des Kaisers, bei weitem übertraf. Während andere Fürsten mit nur einem Herzogtum belehnt wurden, hatte Heinrich es nach 1156 durch Hartnäckigkeit und ein gutes Verhältnis zu Kaiser Friedrich I. geschafft, auch seine Ansprüche auf Bayern durchzusetzen. Nach langwierigen Verhandlungen wurde der bisherige Herzog Heinrich Jasomirgott (1114-1177) mit einem Teil Bayerns, dem neuentstandenem Herzogtum Österreich, abgefunden. Sachsen gehörte bereits seit 1142 zu Heinrichs anerkanntem Besitz. In diesem Gebiet, im Norden des Reiches, konzentrierte sich auch die welfische Hausmacht, die die Grundlage der Machtposition des Herzogs war. Da Sachsen nicht wie Bayern ausschließlich an christliche Länder grenzte, war außerdem die Möglichkeit gegeben, mithilfe der Missionierung und damit einhergehender Landnahme das eigene Territorium auf Kosten der Slawen zu vergrößern. Allerdings war der Löwe nicht alleiniger Herr in seinen Gebieten. Neben ihm standen die eingesessenen Familien, die besonders in Bayern vergleichbare Autoritäten darstellten. Sich gegen diese Kräfte, geistlich und weltlich, durchzusetzen, war eine der dringenden innenpolitischen Aufgaben, denen sich der Herzog stellen musste. Zur Stärkung der eigenen Position begann Heinrich auf die Städte einzuwirken, die ein Machtfaktor zu werden begannen. Diese Orte waren in mehrfacher Hinsicht interessant. Zum einen brachten sie als Handelsplätze Steuern in Form von Markt- und Brückenzöllen auf, waren also für die finanzielle Grundlage des Herzogtums wichtig. Andererseits konnte mit einer städtischen Burg das Umland sowohl administrativ verwaltet als auch militärisch kontrolliert werden.[1] Dieses alles führte zu einem Autoritätsgewinn, der in der Konkurrenz anderen Herren gegenüber wichtig war, die nicht über derartige Einnahme- und Einflussmöglichkeiten verfügten.

In der folgenden Arbeit soll anhand einiger Beispiele untersucht werden, welchen Einfluss Heinrich der Löwe auf die Städte seiner Länder hatte. Handelt es sich, wie Alois Schmid meint, um eine gezielte Politik, die zur Verbesserung der Machtposition Heinrichs genau da ansetzte, wo sie am sinnvollsten war oder um ein Eingreifen nach Möglichkeit, da für eine tatsächliche Städtepolitik die realen Machtmittel fehlten, wie Karl Jordan behauptet?[2]

Als Hauptquelle für die Beurteilung der Verhältnisse in Sachsen dient der prosächsisch schreibende Helmold von Bosau (ca. 1120 – nach 1177). Als Zeitzeuge verfasste Helmold am Plöner See seine Cronica Slavorum, die sich, beginnend mit Karl dem Großen (747 – 814), besonders mit der Geschichte Sachsens und der angrenzenden Regionen befasst. Neben dieser historiographischen Quelle sind die Urkunden Heinrichs von großer Bedeutung, da sie der direkte Ausdruck der herzoglichen Entscheidungen sind. Für Bayern liefern sie aber keine Informationen, in diesem Fall sind neben der Chronik Ottos von Freising zwei Urkunden Kaiser Friedrichs I. zur Gründung Münchens relevant, in denen der Kaiser den Streit zwischen Heinrich und dem Freisinger Bischof Otto schlichtet.

2. Sachsen

2.1. Braunschweig

In Braunschweig hielt sich Heinrich der Löwe öfter und länger als in irgendeiner anderen Stadt seiner Herzogtümer auf. Das belegen das Itinerar, aber auch die Urkunden Heinrichs; von 43 mit Ortsangaben überlieferten Diplomen sind 13 in Braunschweig ausgestellt worden. Am Übergang über die schiffbare Oker bestand bereits vor Heinrich dem Löwen ein Handelsplatz, worauf der Stadtname „Braunschweig“ verweist.[3] Von der Burg Dankwarderode geschützt, entstand unter Heinrich neben dem alten Brunswik eine Hagensiedlung, in der Neusiedler aus Flandern und Friesland die Sümpfe der Umgebung trockenlegten.[4] Die Förderung der Stadt wird auch aus dem Widmungsgedicht zu Heinrichs Evangeliar ersichtlich. Dort heißt es zuerst allgemein, dass die Stadt Braunschweig erhöht wurde: Extulit hanc urbem. Diese Erhöhung erfolgte durch Kirchenstiftungen und Reliquien, weiterhin durch eine Ummauerung der Stadt: Sacris s(an)c(t)orum cu(m) religione bonorum Te(m)plis ornavit ac muris amplificavit.[5] Heinrich hatte 1173 den Bau der Domkirche St. Blasien angeordnet, 1175 verstärkte er die Befestigungsanlagen von Dankwarderode, die in ihren Formen nun an die königliche Pfalz in Goslar erinnerte,[6] 1166 wurden Stadt und Burg mit Wall und Graben umgeben und als sichtbares Zeichen der herzoglichen Präsenz ließ Heinrich auf dem Burgplatz ein bronzenes Löwenstandbild errichten.[7] Ob es Heinrich allerdings bei diesen Vorhaben um die Bildung einer Residenz ging, das heißt eines festen Herrschaftssitzes, an dem sich der Hof dauerhaft aufhalten und von dem aus das Land aus verwaltet werden sollte, bleibt zweifelhaft. Ein derart ausgedehntes Gebiet wie Heinrichs Besitztümer es waren, zudem geteilt in zwei große Herzogtümer, von einem zentralen Punkt aus führen zu wollen, wäre ein nicht zu lösendes Unterfangen gewesen, da Heinrichs Herrschaft nicht überall anerkannt und seine Präsenz vor Ort vielfach erforderlich war.[8] Wahrscheinlicher ist es, dass sich die Konzentration der welfischen Herrschaft auf Braunschweig erst nach der Beschränkung auf Heinrichs Allodialgut entscheidend ausprägte.[9] Die Residenzbildung setzte im Hochmittelalter ein, war aber zur Zeit Heinrichs des Löwen noch nicht abgeschlossen.

2.2. Lübeck/Bardowick

Die Stadtwerdung Lübecks ist eng mit dem Niedergang Bardowicks verbunden, weswegen beide Städte an dieser Stelle in einem Punkt zusammengefasst werden. Bardowick, vom 10. bis zum 12. Jahrhundert eine wichtige Zollstätte des Reiches, lag bis zur Eroberung Mecklenburgs an der Außengrenze Sachsens. An diesem wichtigen Handelsplatz ging der Warenverkehr einerseits entlang der Linie Stade-Bardowick-Harz, andererseits über die Elbe in die slawischen Länder.[10] Die Stadt gehörte zum Besitz Heinrichs des Löwen, ebenso die nahegelegene Saline Lüneburg. Im angrenzenden Wagrien hatte 1143 Graf Adolf II. von Schauenburg die Ortschaft Lübeck gegründet. Eine Vorgängersiedlung hatte bereits früher bestanden, war aber in innerslawischen Machtkämpfen 1138 vom Fürsten Race zerstört worden. Lübeck, mit der Saline Oldesloe, hatte einen direkten Zugang zur See und war daher günstiger für den Fernhandel als das binnenländische Bardowick. Besonders der Salzhandel hatte eine große Bedeutung, da Lebensmittel schnell verdarben und nur schlecht gelagert werden konnten, während sie in gesalzenem Zustand für längere Zeit haltbar waren. Der wirtschaftliche Erfolg, den die gräfliche Stadt bald nach ihrer Gründung hatte, schmälerte in großem Maße den Erfolg des welfischen Bardowick, auch verringerte sich die Einwohnerzahl, da die Kaufleute nach Lübeck umzogen.[11] Heinrich fühlte sich übergangen und machte seine Ansprüche deutlich, als Lehnsherr Adolfs hatte er eine günstigere Ausgangsposition.[12] Helmold berichtet ausführlich über den Verlauf der Ereignisse. Zuerst forderte Heinrich die Hälfte Lübecks und der Saline als Entschädigung. Sollte Adolf sich weigern, drohte er, den Markt in Lübeck zu verbieten, ein Recht, das Heinrich aufgrund seiner Herzogswürde beanspruchte. Da der Schauenburger nicht nachgab, verbot Heinrich daraufhin bis auf den Lebensmittelhandel jede Transaktion, bemächtigte sich der Lübecker Waren, die nach Bardowick überführt wurden und schüttete die Oldesloer Saline zu.[13] Es war also ein Gewaltstreich, mit dem sich der Herzog gegenüber seinem Gegner durchsetzte. Das Ziel war die Erhaltung der Wirtschaftskraft und Finanzstärke der eigenen Besitzungen. Als 1157 ein Feuer Lübeck zerstörte, wandten sich die Bürger an Heinrich mit der Bitte, ihnen Land für eine neue Stadt zuzuweisen. Graf Adolf wird von Helmold in diesem Zusammenhang nicht erwähnt, im Verständnis der Bürger war nunmehr Heinrich zum entscheidenden Machtfaktor für die Belange der Stadt geworden. Der Herzog verlangte hieraufhin von Graf Adolf Gebiete, um eine neue Stadt zu gründen. Als dieser Vorschlag abgelehnt wurde, gründete Heinrich wakenitzaufwärts, wahrscheinlich auf seinem Eigenbesitz, die Löwenstadt.[14] Der Platz war ungünstig gewählt, nur kleine Schiffe konnten den Hafen aufsuchen. Erneut nahm Heinrich Verhandlungen mit Adolf auf, versprach ihm eine Abfindung und diesmal gab Adolf nach.[15] Lübeck war nunmehr eine welfische Stadt. Nach der Zerstörung Schleswigs in den dänischen Thronkämpfen 1156, an denen sich auch Heinrich beteiligte, war eine weitere Konkurrentin im Fernhandel ausgeschaltet.[16] Heinrich erkannte die Vorteile, die die neue Siedlung mit sich brachte und schickte Boten nach Skandinavien und Russland, um für Lübeck zu werben und Händler anzulocken. Zu den

[...]


[1] Diestelkamp, Bernhard: König und Städte in Salischer und Staufischer Zeit. – Regnum Teutonicum. In: Vittinghoff, Friedrich (Hrsg.): Stadt und Herrschaft. Römische Kaiserzeit und Hohes Mittelalter (HZ, Beiheft 7 Neue Folge) München 1982, S. 264.

[2] Schmid, Alois: Heinrich der Löwe als Herzog von Bayern. In: Luckhardt, Jochen; Niehoff, Franz (Hrsg.): Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125-1235. Katalog der Ausstellung. Braunschweig 1995. Bd. 2, S. 177; Jordan, Karl: Heinrich der Löwe. Eine Biographie. München 1979. S. 134; so auch Kraus, Andreas: Heinrich der Löwe und Bayern. In: Mohrmann, Wolf-Dieter (Hrsg.): Heinrich der Löwe (Veröffentlichungen der niedersächsischen Archivverwaltung 39) Göttingen 1980, S. 210.

[3] Moderhack, Richard: Geschichte der Städte. In: Moderhack, Richard (Hrsg.): Braunschweigische Landesgeschichte im Überblick (Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Geschichte 23) Braunschweig ²1977, S. 153. Der zweite Teil des Wortes Braunschweig (Brunswik), Wik, bezeichnet häufig einen Stapelplatz für Waren.

[4] ebd. S. 154.

[5] Das Evangeliar Heinrichs des Löwen. Erläutert von Elisabeth Klamm. Frankfurt a. Main 1988. S. 36.; vgl. Schmidt, Paul Gerhardt: Das Widmungsgedicht im Herimann-Evangeliar. In: Gosebruch, Martin; Steigerwald, Frank N. (Hrsg.): Helmarshausen und das Evangeliar Heinrichs des Löwen (Schriftenreihe der Kommission für Niedersächsische Bau- und Kunstgeschichte bei der Braunnschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft) Göttingen 1992, S. 207. Schmidt datiert das Evangeliar in die Zeit von 1172 bis 1189.

[6] Jordan 1979, S. 134.

[7] Oexle, Gerhard Otto: Fama und Memoria. Legitimationen fürstlicher Herrschaft im 12. Jahrhundert. In: Luckhardt, Niehoff 1995, S. 63. Oexle sieht in dem Bronzelöwen vor allem einen bewussten Ausdruck von Memoria, der die Erinnerung an Heinrich für eine lange Zeit wachhalten sollte.

[8] Heydel, Johannes: Das Itinerar Heinrichs des Löwen. In: Niedersächsisches Jahrbuch 1929, S. 119ff. Ein wichtiges Kriterium einer Residenz, der ständige Aufenthalt des Fürsten, ist bei Heinrich nicht gegeben, da er einen Großteil der Zeit auf Reisen verbrachte.

[9] Arnold 2,22; vgl. Schneidmüller, Bernd (Hrsg.): Die Welfen und ihr Braunschweiger Hof im hohen Mittelalter (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 7) Wiesbaden 1995, S. 9; Hüttebräuker , Lotte: Das Erbe Heinrichs des Löwen. Die territorialen Grundlagen des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg von 1235 (Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas von Niedersachsen 9) Göttingen 1927, S. 3.

[10] Reinhardt, Uta: Bardowick-Lüneburg-Lübeck. In: Ahlers, O. [u.a.] (Hrsg.): Lübeck 1226. Reichsfreiheit und frühe Stadt. Lübeck 1976, S. 212.; ebenso Hüttebräuker 1927, S. 36.

[11] Helmold 76: [...] eo quod mercatores omnes eo commigrent.

[12] Jordan 1979, S. 23. Graf Adolf war 1138 durch Albrecht den Bären vertrieben worden, Heinrich der Löwe setzte ihn wieder als Graf in Holstein ein.

[13] Helmold 76: Et iussit mercimonia transferri Bardewich [...] Sed et fontes salis qui erat Thodeslo ipso tempore obturari fecit.

[14] Bärmann, Johannes: Die Städtegründungen Heinrichs des Löwen und die Stadtverfassung im 12. Jahrhundert: rechtsgeschichtliche Untersuchung (Forschungen zur deutschen Rechtsgeschichte 1) Köln, Graz 1961, S. 6.

[15] Helmold 86: Tandem victus comes fecit quod necessitas imperarat [...] Aus dieser Formulierung ist ersichtlich, dass sich Adolf nicht ohne Zwang von dem Gebiet trennte, allerdings zwang ihn die (Geld-) Not zu diesem Zugeständnis an Heinrich.

[16] Jordan, Karl: Lübeck unter Graf Adolf II. von Holstein und Heinrich dem Löwen. In: Ahlers 1976, S. 150. Jordan vermutet, dass Heinrich während des Feldzuges in Dänemark Kontakte zu Schleswiger Kaufleuten knüpfte, die im Anschluss an die Zerstörung ihrer Stadt nach Lübeck zogen, wodurch die Ähnlichkeiten im Schleswiger und Lübecker Stadtrecht erklären werden können.

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Details

Titel
Zur Städtepolitik Heinrichs des Löwen
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,4
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V39489
ISBN (eBook)
9783638382403
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Städtepolitik, Heinrichs, Löwen
Arbeit zitieren
M.A. Carl Christian Wahrmann (Autor), 2004, Zur Städtepolitik Heinrichs des Löwen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39489

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