Vielen Menschen erscheint noch immer Frankreich als das klassische Land des Absolutismus, Ludwig XIV. als der Prototyp des absoluten Herrschers, der, unabhängig von menschlichen Gesetzen, alle Macht im Staate in seinen Händen vereint. Dass die Regierungsfreiheit dieses Königs in vielen Fällen durch ständische Elemente eingeschränkt war, wird dabei häufig übersehen.
Ihre „absolute“ Stellung im Land mussten sich alle europäischen Monarchen über längere Zeiträume hinweg erkämpfen und nicht immer hatte der Anspruch legibus solutus eine reale Grundlage.
Eine Ausnahme bildet Dänemark. Bis ins 17. Jahrhundert hinein war Dänemark der politisch bedeutsamste Staat im Ostseeraum. Die Regierung teilte sich der König mit einem Reichsrat, der aus Mitgliedern der einflussreichsten Familien bestand. Durch die Kontrolle des Sundes und die damit verbundenen Zölle standen der Krone umfangreiche Finanzquellen zur Verfügung. Auch territorial war Dänemark ein bedeutender Machtfaktor. Das Königreich Norwegen war mit Dänemark verbunden, Gotland und Ösel gehörten ebenso zum Reich wie die wirtschaftlich bedeutenden Heringsmärkte im heutigen Südschweden. Durch außenpolitische Niederlagen wurde das Reich schwer erschüttert. Die Mehrheit der sich 1660 in Kopenhagen einfindenden Ständevertreter war der Ansicht, dass eine dauerhafte Konsolidierung des Staates nur durch eine entscheidende Machtverschiebung zugunsten des Königs zu erreichen sei. Mit dem Königsgesetz (Lex Regia) wurde König Friedrich III. alle Gewalt im Staate übertragen und der Absolutismus, einmalig in der historischen Entwicklung, offiziell eingeführt.
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, wie Dänemark nach einer Zeit des außenpolitischen Machtverfalls den Weg von einem Wahlreich, in dem sich der König die Macht mit den Ständen teilte, zu einer Erbmonarchie fand, in der alle Herrschaft dem König zufiel. Welche Gründe sprachen für oder gegen die Übertragung der Staatsgewalten auf den Monarchen, wie setzte sich der Absolutismus im Land durch und wie war es möglich, dass das Staatsgrundgesetz der Lex Regia fast 300 Jahre Gültigkeit besaß?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die dänische Großmacht bis zum Frieden von Roskilde 1658
3. Theoretische Grundlagen – Jean Bodin und Thomas Hobbes
4. Die Erb- und Alleinherrschaftsakte von 1661
5. Die Lex Regia von 1665
6. Ergebnis und Ausblick
7. Quellen und Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den historischen Übergang Dänemarks im 17. Jahrhundert von einem ständisch geprägten Wahlreich hin zu einer absolutistischen Erbmonarchie, wobei die Ursachen für diesen Machtwechsel und die langfristige Wirksamkeit der verfassungsrechtlichen Grundlagen analysiert werden.
- Analyse der außenpolitischen Krisen Dänemarks und deren Einfluss auf die innenpolitische Machtverschiebung.
- Untersuchung der theoretischen Legitimationsgrundlagen durch Jean Bodin und Thomas Hobbes.
- Darstellung der politischen Prozesse, die zur Erb- und Alleinherrschaftsakte von 1661 führten.
- Erläuterung der zentralen Bestimmungen und Auswirkungen der Lex Regia von 1665.
- Bewertung der Transformation zum modernen Steuerstaat und der verfassungsrechtlichen Beständigkeit.
Auszug aus dem Buch
3. Theoretische Grundlagen – Jean Bodin und Thomas Hobbes
Die Übertragung der Souveränität auf König Friedrich III. war ein Akt ohne Vorbild in der Geschichte. Trotzdem waren die Ideen, die diesem Akt zugrunde lagen, nicht neu.
Jean Bodin (1530-1596) beschrieb Mitte des 16. Jahrhunderts in seinem Hauptwerk Les six livres de la République ein Staatswesen, das von einem Souverän geleitet wird, der über den menschlichen Gesetzen steht und der von seinen Untertanen unbedingten Gehorsam verlangen kann.
Bodin entwirft einen Katalog von Merkmalen der Souveränität, wobei die Gesetzgebung die wichtigste ist, aus der sich alle anderen ableiten. Das erste Kennzeichen ist die Fähigkeit, allen Menschen Gesetze vorzuschreiben, ohne von der Zustimmung anderer abhängig zu sein (c’est la puissance de donner le loy à tous en general & à chaqun en particulier).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des europäischen Absolutismus unter besonderer Berücksichtigung der dänischen Sonderentwicklung vom Wahlreich zum absolutistischen Staat.
2. Die dänische Großmacht bis zum Frieden von Roskilde 1658: Analyse der militärischen und wirtschaftlichen Rückschläge Dänemarks, die zur Schwächung der adligen Machtstellung und zum Umbruch führten.
3. Theoretische Grundlagen – Jean Bodin und Thomas Hobbes: Vorstellung der staatstheoretischen Konzepte von Bodin und Hobbes als ideologische Rechtfertigung für die absolute Souveränität.
4. Die Erb- und Alleinherrschaftsakte von 1661: Schilderung der politischen Verhandlungen auf dem Reichstag, die unter dem Druck finanzieller Krisen zur Anerkennung der erblichen Monarchie führten.
5. Die Lex Regia von 1665: Untersuchung der formalen Konstituierung der königlichen Souveränität und der rechtlichen Neugestaltung des dänischen Staates.
6. Ergebnis und Ausblick: Fazit zur dauerhaften Wirksamkeit der Lex Regia und zu den Auswirkungen auf die dänische Staatsverwaltung sowie das Steuersystem.
7. Quellen und Literatur: Verzeichnis der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Absolutismus, Dänemark, Lex Regia, Friedrich III., Souveränität, Erbmonarchie, Jean Bodin, Thomas Hobbes, Ständegesellschaft, Steuerstaat, Staatsverfassung, Machtverschiebung, politische Transformation, Staatsverwaltung, Wahlreich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die historische Transformation Dänemarks vom 17. Jahrhundert an, bei der das Land sein System eines ständisch geprägten Wahlreichs zugunsten eines gefestigten, absolutistischen Herrschaftssystems aufgab.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die außenpolitischen Krisen, der Einfluss staatstheoretischer Modelle auf die politische Praxis sowie die spezifischen verfassungsrechtlichen Dokumente wie die Erb- und Alleinherrschaftsakte und die Lex Regia.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Dänemark nach einer Phase des außenpolitischen Machtverfalls den Weg zur Erbmonarchie fand und welche Faktoren zur Durchsetzung der absoluten königlichen Gewalt beitrugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen und einschlägiger historischer Fachliteratur zur Theorie und Praxis des europäischen Absolutismus basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Machtverfalls des Adels durch Kriege, die theoretische Unterfütterung durch Bodin und Hobbes sowie die detaillierte Analyse des verfassungsrechtlichen Umbruchs in den Jahren 1660 bis 1665.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem zentralen Begriff des Absolutismus sind Souveränität, Erbmonarchie, Staatsstreich und die Lex Regia als prägende Schlagworte für den Inhalt der Arbeit anzusehen.
Welche Rolle spielte die Lex Regia für die Stabilität Dänemarks?
Die Lex Regia fungierte fast 300 Jahre lang als Staatsgrundgesetz und garantierte durch ihre Unabänderlichkeit eine hohe Kontinuität in der Herrschaftsausübung, was Dänemark zu einem der stabilsten absolutistischen Staaten machte.
Warum wird Bodins Theorie im Zusammenhang mit der Lex Regia genannt?
Bodin lieferte den theoretischen Katalog der Souveränitätsmerkmale, von denen viele direkt in die dänische Lex Regia einflossen, insbesondere die ungeteilte Gesetzgebungsgewalt des Monarchen.
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- M.A. Carl Christian Wahrmann (Author), 2004, Absolutismus in Dänemark, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39490