Als im Jahr 2004 das “Cortázar-Jahr“ ausgerufen wurde, da durch seinen 20. Todestag und den 80. Geburtstag, den er hätte feiern können, sich in jenem Jahr gleich zwei Termine fanden, diesen Autor zu würdigen und noch einmal in Erinnerung zu rufen, widmete ihm sogar Le Monde diplomatique einen ganzseitigen Artikel. Er selbst habe sich, so wurde er dort zitiert, nur sehr wenige Gedanken über die Menschheit gemacht, bis er El Perseguidor schrieb. Zu just diesem Zeitpunkt war er bereits fünfundvierzig Jahre alt. Die Bedeutung dieses Buchs war in der Rezeption nicht geringer: „Onetti leyó El perseguidor, se fue al cuarto de baño de su casa y rompió el espejo de un puñetazo.”
Der vorliegende Text befasst sich mit jener Erzählung, die im Leben des Autors und offensichtlich auch im Leben anderer Menschen, wie die kleine Episode mit Juan Carlos Onetti zeigt, eine derart große Bedeutung hatte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rahmenhandlung
3 Charaktere
3.1 Erzähler – Bruno
3.2 Johnny Carter
3.3 Die Marquise (Tica)
3.4 Dedée
3.5 Weitere Personen
4 Diskurse
4.1 Raum / Zeit
4.2 Bibel / Gott
4.3 Jazz und Rebellion
5 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert Julio Cortázars Erzählung „El Perseguidor“ und untersucht dabei die metaphysischen Diskurse, das rebellische Potenzial des Jazz sowie die Bedeutung der titelgebenden Figur Johnny Carter als Suchender nach einer neuen Bewusstseinsstufe.
- Analyse der zentralen Charaktere und ihrer Vorbilder
- Untersuchung metaphysischer Diskurse (Raum, Zeit, Bibel/Gott)
- Deutung des Jazz als rebellisches Element und Ausdrucksmittel
- Autobiographische Bezüge zwischen Cortázar und seinem Protagonisten
- Einordnung des Werks als Vorläufer zu „Rayuela“
Auszug aus dem Buch
3.2 Johnny Carter
Johnny Carter ist die eigentliche zentrale Figur der Erzählung, der titelgebende Verfolger. Sie bezieht sich in ihrer Konzeption stark auf den berühmten Altsaxophonisten Charlie Parker. Einige Namen wie auch Handlungsmomente sind dem Leben Parkers entnommen: Lan für Parkers Frau Chan, seine Tochter Pree als Bee, seine Freundin und „Gönnerin“ Baroness Pannonica de Koenigswarter als Marquesa; der Tod seiner Tochter und das anschließende Niederknien vor Bruno, die berühmte und musikgeschichtlich bedeutsame „Lover Man“-Session vom 19. Juli 1946, bei der Parker zusammenbrach, der Brand danach in seinem Hotelzimmer, sein anschließender sechsmonatiger Sanatoriumsaufenthalt im Camarillo State Hospital in Kalifornien und der Bericht über seinen Tod im Alter von 34 Jahren als Folge seines Drogen- und Alkoholkonsums in Nicas Apartment am 12. März 1955.
Cortázar verlängerte allerdings die Aufenthaltszeit in Paris seines Protagonisten im Vergleich zum Leben Parkers, der selbst nur zwei mal kurz in Paris war, und verlegte auch einige Ereignisse wie die „Lover Man“-Session oder den Hotelzimmerbrand nach Paris. Aus Parkers Heroinsucht wurde in El Perseguidor exzessiver Marihuanagenuss.
Zur Zeit seines Parisaufenthalts ist Carter körperlich und seelisch fast am Ende und quasi mittellos. Er ist nicht einmal mehr in der Lage, seine vertraglichen Verpflichtungen einzuhalten. Trotzdem ist er ein überaus genialer Musiker, der es aber nicht schafft, auf sein Saxophon aufzupassen, ein Genie, das zu genial für das schnöde Leben im Mittelmaß der weltlichen Konventionen ist, entsprechend selten auch von seinen Mitmenschen verstanden wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Entstehungsumfeld der Erzählung ein und skizziert die Bedeutung von „El Perseguidor“ für das Werk des Autors.
2 Rahmenhandlung: Dieser Abschnitt beschreibt die Situation des Protagonisten Johnny Carter in Paris kurz vor seinem Tod und die Rolle des Erzählers Bruno.
3 Charaktere: Hier werden die Akteure der Erzählung sowie deren literarische und reale Vorbilder detailliert vorgestellt.
4 Diskurse: Das Hauptkapitel analysiert verschiedene philosophische und kulturelle Bedeutungsebenen wie das Zeitverständnis, biblische Motive und die Verbindung von Jazz und Rebellion.
5 Schlusswort: Das Schlusswort reflektiert die künstlerische Entwicklung Cortázars durch die Figur des Johnny Carter als Vorstufe zum Roman „Rayuela“.
Schlüsselwörter
Julio Cortázar, El Perseguidor, Johnny Carter, Jazz, Bebop, Charlie Parker, Zeitwahrnehmung, Apokalypse, Beat Generation, Transzendenz, Metaphysik, Literaturanalyse, künstlerisches Genie, Rebellion, Rayuela
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Erzählung „El Perseguidor“ von Julio Cortázar, wobei sie den Fokus auf die Hauptfigur Johnny Carter und die darin verhandelten metaphysischen Diskurse legt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Darstellung des Jazz als Medium der Rebellion, die existenzielle Suche nach Transzendenz sowie die Korrelation zwischen Zeitwahrnehmung und musikalischer Genialität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Komplexität der Hauptfigur und die verschiedenen Diskurse (Raum/Zeit, Bibel/Gott) in der Erzählung aufzudecken und deren Bedeutung für das weitere Werk Cortázars aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die textinterne Belege mit biographischen Hintergründen (insbesondere Charlie Parker) und kulturtheoretischen Konzepten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Charaktere, analysiert die metaphysischen Ebenen des Werkes und diskutiert das Verhältnis von Literatur und Jazz aus kulturwissenschaftlicher Perspektive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie El Perseguidor, Jazz, Transzendenz, Zeitwahrnehmung und Julio Cortázar charakterisieren.
Inwieweit spielt die Biografie von Charlie Parker für den Protagonisten eine Rolle?
Die Figur des Johnny Carter ist stark an das Leben des Saxophonisten Charlie Parker angelehnt, wobei Cortázar reale Ereignisse aus dessen Leben in den fiktionalen Kontext von Paris überträgt.
Warum wird Johnny Carter als „Suchender“ oder „Verfolger“ bezeichnet?
Der Begriff bezieht sich auf Johnnys Streben nach einer neuen Bewusstseinsstufe und einer anderen Realität, die er durch seine Musik und intuitive Erkenntnis zu erreichen versucht.
Wie verhält sich das Werk zu Cortázars späterem Roman „Rayuela“?
„El Perseguidor“ wird als literarischer Vorläufer betrachtet, in dem der Autor erstmals den Schritt unternahm, konventionelle erzählerische Grenzen zu überschreiten.
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- Mario Tibussek (Author), 2005, Zu: Julio Cortázar - "Der Verfolger", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39573