Die Auswirkungen von interkultureller Zusammenarbeit werden in der Literatur aus verschiedenen Perspektiven mit unterschiedlichen
Zielsetzungen erforscht. Insgesamt kann zwischen den folgenden drei Forschungsrichtungen unterschieden werden: • Erforschung von interkulturellen Verhandlungen (z.B. kulturtypische Argumentationsstile) • Kulturvergleichende Managementforschung (z.B. Kulturdimensionen nach Hofstede) • Expatriate-Forschung (z.B. Anpassungsgeschehen, Kulturschock) Basierend auf theoretischen Kenntnissen der kulturvergleichenden Management-Forschung soll in dieser Arbeit das kulturelle Spannungsfeld eines Entsandten aufgezeigt und die daraus für ihn resultierenden Problemfelder sowie Handlungsstrategien zur Bewältigung und deren Bewältigungserfolg auf Basis empirischer Untersuchungen zum Länderbeispiel Japan analysiert werden. Dieses Länderbeispiel wurde gewählt, da Japan einerseits eine hohe kulturelle Distanz zu Deutschland aufweist und anderseits Deutschlands wichtigster Wirtschafts- und Handelspartner in Asien darstellt. Um Lösungsansätze für die analysierten Probleme zu finden, soll dann eine stresstheoretische Perspektive für Entsendungsgestaltung gewählt
werden. Dazu sollen zunächst die Ähnlichkeiten zwischen dem Anpassungsgeschehen und Konzepten der Stressbewältigung aufgezeigt werden. Aufbauend auf dem transaktionalen Stressmodell von R. S. Lazarus sollen die Bewertungsvorgänge einer Situation verdeutlicht und mögliche Bewältigungsressourcen analysiert werden, die dann mit den kritischen Faktoren der Entsendungsgestaltung verbunden werden. Aus diesen Ergebnissen sollen Handlungsempfehlungen für das Unternehmen zur Erhöhung des Entsendungserfolges abgeleitet werden. Diese Arbeit verbindet somit Erkenntnisse aus der kulturvergleichenden Managementforschung und der Expatriate-Forschung. Kapitel zwei der Arbeit gibt einen allgemeinen theoretischen Überblick über die Auslandsentsendung von Mitarbeitern. Vorgestellt werden die Entsendungsziele von Unternehmen und die Entsendungsmotive des Mitarbeiters. Außerdem werden die unterschiedlichen Entsendungsformen, die sich nach Aufenthaltsdauer und vertraglichen Grundlagen unterscheiden, und der eigentliche Entsendungsprozess vorgestellt, der sich in vier Phasen unterteilen lässt. Im nächsten Kapitel wird das kulturelle Spannungsfeld, dem der Entsandte ausgesetzt ist, anhand des Länderbeispiels Japan thematisiert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Auslandsentsendung von Führungskräften
2.1 Entsendung aus Sicht des Unternehmens
2.1.1 Entsendungsziele
2.1.2 Entsendungsstrategien
2.2 Entsendung aus Sicht des Mitarbeiters
2.2.1 Entsendungsmotive
2.2.2 Phänomen Auslandsmüdigkeit
2.3 Formen der Auslandsentsendung
2.4 Der Entsendungsprozess
2.4.1 Auswahl
2.4.2 Vorbereitung
2.4.3 Entsendungsphase
2.4.4 Reintegration
2.5 Zusammenfassung
3. Die Führungskraft im Spannungsfeld der Kulturen (Länderbeispiel Japan)
3.1 Der Kulturbegriff
3.1.1 Eingrenzung des Kulturbegriffs
3.1.2 Schichten von Kulturen
3.2 Kulturdimensionen nach Hofstede
3.2.1 Machtdistanz
3.2.2 Individualismus versus Kollektivismus
3.2.3 Unsicherheitsvermeidung
3.2.4 Maskulinität versus Femininität
3.2.5 Kurzfristige versus langfristige Orientierung
3.3 Zentrale Problemfelder der Auslandsentsendung
3.3.1 Berufliche Problembereiche
3.3.2 Problembereiche der Entsendung
3.3.3 Zeitliche Entwicklung der Problemklassen
3.4 Problembewältigung
3.4.1 Bewältigungsformen
3.4.2 Bewältigungserfolg
3.5 Zusammenfassung
4. Stresstheoretische Perspektive der Auslandsentsendung
4.1 Anpassungsgeschehen
4.1.1 Anpassungsprozess
4.1.2 Verhaltensstrategien
4.1.3 Entsendung als Stresssituation
4.2 Transaktionales Stressmodell nach Lazarus
4.2.1 Primäre Bewertung
4.2.2 Sekundäre Bewertung
4.2.3 Neubewertung
4.3 Bewältigungsressourcen
4.3.1 Personenbezogene Bewältigungsressourcen
4.3.2 Situationsbezogene Bewältigungsressourcen
4.4 Kriterien des Entsendungserfolges
4.4.1 Persönlichkeitsbezogene Kriterien
4.4.2 Familienbezogene Faktoren
4.4.3 Unternehmensbezogene Faktoren
4.4.4 Gastlandbezogene Faktoren
4.4.5 Schlussfolgerungen
4.5 Zusammenfassung
5. Maßnahmen zur Erhöhung des Entsendungserfolges
5.1 Auswahl
5.1.1 Internationale Handlungskompetenz
5.1.2 Auswahlkriterien
5.1.3 Interkulturelles Assessment Center
5.2 Vorbereitung
5.2.1 Ziele interkultureller Trainings
5.2.2 Trainingsmethoden
5.2.3 Kultur-Assimilator-Training
5.3 Betreuung
5.3.1 Fachliche Betreuung
5.3.2 Administrative Betreuung
5.3.3 Psychologische Betreuung
5.4 Reintegration
5.4.1 Reintegrations-Kulturschock
5.4.2 Maßnahmen zur Reintegration
5.5 Zusammenfassung
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den internationalen Einsatz von Führungskräften aus einer stresstheoretischen Perspektive, um Lösungsansätze für die häufig lückenhafte Entsendungsgestaltung zu finden. Ziel ist es, durch die Analyse der Problematiken und Bewältigungsstrategien von Auslandsentsandten – beispielhaft am Länderkontext Japan aufgezeigt – Handlungsempfehlungen für Unternehmen abzuleiten, die den Entsendungserfolg steigern können.
- Stresstheoretische Analyse des Entsendungsprozesses basierend auf dem Modell von Lazarus.
- Kulturvergleichende Untersuchung der Spannungsfelder und Problemklassen deutscher Führungskräfte in Japan.
- Evaluation von Bewältigungsstrategien und deren Erfolg bei Auslandsaufenthalten.
- Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung der Auswahl, Vorbereitung, Betreuung und Reintegration.
- Integration der Familie und Sicherung der langfristigen Loyalität als kritische Erfolgsfaktoren.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Schichten von Kulturen
Die Vielschichtigkeit von Kulturen lässt sich anschaulich durch das abgebildete Zwiebelmodell von Hofstede darstellen: In der obersten Zwiebelschicht befinden sich die Symbole. Diese zählen zu den direkt wahrnehmbaren Zeichen einer Kultur, die Einsicht in bedeutsame Werte, Normen und Grundannahmen einer Kultur geben. Beispiele hierfür sind z.B. Wörter, Gesten, Architektur oder Mode. Im Ländervergleich geben z.B. deutsche und japanische Büros folgende Hinweise auf der Artefakte-Ebene der Unternehmenskultur: Während deutsche Führungskräfte in der Regel über einen eigenen deutlich abgetrennten Arbeitsplatz verfügen und oftmals hinter verschlossener Tür tätig sind, arbeiten japanische Führungskräfte in Großraumbüros mit Glasfenstern, wodurch sie leichter ansprechbar für ihre Mitarbeiter sind. Deutsche Führungskräfte in Japan beschweren sich dementsprechend oftmals über mangelnde Privatsphäre, während japanische Entsandte in Deutschland die fehlende Möglichkeit informeller Kommunikation beklagen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Globalisierung und die daraus resultierende Notwendigkeit der Entsendung von Führungskräften ein, benennt das hohe Scheiterungsrisiko von Auslandseinsätzen und skizziert die methodische Verbindung von Managementforschung und Stresstheorie.
2. Auslandsentsendung von Führungskräften: Dieses Kapitel erläutert die Ziele und Strategien von Unternehmen bei Entsendungen, beleuchtet die Motive der Mitarbeiter sowie das Phänomen der Auslandsmüdigkeit und definiert verschiedene Entsendungsformen sowie den Prozessablauf.
3. Die Führungskraft im Spannungsfeld der Kulturen (Länderbeispiel Japan): Dieses Kapitel analysiert das kulturelle Spannungsfeld für Expatriates anhand des Länderbeispiels Japan, nutzt Hofstedes Kulturdimensionen zur Veranschaulichung und identifiziert spezifische berufliche sowie private Problemfelder und deren Bewältigung.
4. Stresstheoretische Perspektive der Auslandsentsendung: Dieses Kapitel überträgt das transaktionale Stressmodell von Lazarus auf den Auslandseinsatz, analysiert das Anpassungsgeschehen als Stressprozess und leitet Bewältigungsressourcen sowie Kriterien für den Entsendungserfolg ab.
5. Maßnahmen zur Erhöhung des Entsendungserfolges: Dieses Kapitel entwickelt konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen, die den gesamten Entsendungsprozess von der Auswahl über interkulturelle Trainingsmethoden bis hin zur Betreuung und erfolgreichen Reintegration umfassen.
6. Fazit und Ausblick: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen, unterstreicht die Bedeutung der stresstheoretischen Perspektive für ein erfolgreiches internationales Personalmanagement und weist auf den weiteren Forschungsbedarf hin.
Schlüsselwörter
Auslandsentsendung, Führungskräfte, Interkulturelle Kompetenz, Stresstheorie, Transaktionales Stressmodell, Anpassungsprozess, Kulturschock, Entsendungserfolg, Japan, Personalmanagement, Reintegration, Hofstede, Bewältigungsstrategien, Internationalisierung, Auslandsmüdigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den internationalen Einsatz von Führungskräften durch deutsche Unternehmen unter Anwendung einer stresstheoretischen Perspektive, um zu analysieren, warum viele Entsendungen scheitern und wie der Entsendungserfolg gesteigert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Entsendung, die Analyse kultureller Spannungsfelder am Beispiel Japans, die Anwendung des transaktionalen Stressmodells nach Lazarus sowie konkrete personalpolitische Maßnahmen zur Verbesserung des Entsendungserfolges.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Lösungsansätze zur verbesserten Gestaltung von Auslandsentsendungen zu finden, indem das Anpassungsgeschehen als Stressphänomen verstanden und daraus Handlungsempfehlungen für das Unternehmen abgeleitet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine umfassende Literaturanalyse zur kulturvergleichenden Managementforschung mit einer stresstheoretischen Analyse des Anpassungsprozesses, ergänzt durch die Auswertung empirischer Studien zu Entsendungsproblemen und Bewältigungsstrategien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Entsendung, eine detaillierte Betrachtung des kulturellen Spannungsfeldes (Japan), die wissenschaftliche Fundierung durch ein Stressmodell und die praktische Ableitung von Maßnahmen zur Auswahl, Vorbereitung, Betreuung und Reintegration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Auslandsentsendung, interkulturelle Kompetenz, Stresstheorie, transaktionales Stressmodell, Entsendungserfolg, Kulturschock und Reintegration.
Warum wird Japan als Länderbeispiel gewählt?
Japan wird gewählt, da es einerseits eine hohe kulturelle Distanz zu Deutschland aufweist und andererseits Deutschlands wichtigsten Wirtschafts- und Handelspartner in Asien darstellt, was es zu einem prädestinierten Untersuchungsobjekt für interkulturelle Konflikte macht.
Was unterscheidet das transaktionale Stressmodell nach Lazarus von anderen Ansätzen?
Im Gegensatz zu reiz- oder reaktionszentrierten Modellen betont der transaktionale Ansatz, dass sich Person und Umwelt fortlaufend beeinflussen, wobei Bewertungsvorgänge und Bewältigungshandlungen darüber entscheiden, ob ein Reiz als stressig empfunden wird oder nicht.
Welche Rolle spielt der Ehepartner für den Entsendungserfolg?
Der Ehepartner wird als kritische Ressource identifiziert; eine schlechte Anpassung des Partners kann den Entsendungserfolg gefährden, während ein unterstützender Partner wesentlich zur Bewältigung von Stress im Ausland beiträgt.
Warum ist die Reintegration nach der Rückkehr oft so schwierig?
Die Reintegration ist oft mit einem zweiten Kulturschock verbunden, da Rückkehrer fälschlicherweise erwarten, in eine ihnen bekannte Umgebung zurückzukehren, während sich sowohl der Mitarbeiter als auch das Unternehmen in der Zwischenzeit verändert haben.
- Quote paper
- Hella Ennen (Author), 2004, Der internationale Einsatz von Führungskräften - eine stresstheoretische Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39583