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Der Abfall Mytilenes und die Mytilene-Debatte bei Thukydides

Title: Der Abfall Mytilenes und die Mytilene-Debatte bei Thukydides

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 33 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jan Dreßler (Author)

World History - Early and Ancient History
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Die Insel Lesbos, eines der ersten und wichtigsten Mitglieder des Attisch-Delischen Seebunds, versuchte sich 428 v. Chr. unter der Führung ihrer führenden Stadt Mytilene aus dem Bündnis zu lösen, das, nach den Perserkriegen ursprünglich als Symachie zur Abwehr der Perser gegründet, nunmehr zum Herrschaftsinstrument Athens geworden war. Auch wenn die Abtrünnigen in der besonderen Situation des Peloponnesischen Krieges auf die Unterstützung durch Athens Gegner Sparta zählen konnten, gelang es den Athenern nach längerer Belagerung, die Insel zu bezwingen und als nunmehr deutlich schlechter gestelltes Mitglied wieder in den Seebund einzufügen.
Im Anschluss an die Eroberung der Insel diskutieren die Athener in der bei Thukydides dargestellten Debatte in der Volksversammlung über den Umgang mit den Besiegten, wobei sie auch allgemein Charakter und Methoden ihrer Herrschaft im Seebund reflektieren. Für die beiden Hauptredner, Kleon und Diodotos, steht dabei gleichermaßen das Herrschaftsinteresse Athens im Vordergrund. Während Kleon jedoch für ein hartes Vorgehen zur Abschreckung anderen unzufriedener Seebundsstädte eintritt, empfiehlt Diodotos eine selektive, weniger scharfe Bestrafung, um die Mitglieder des Seebunds Athen nicht zu entfremden und setzt sich schließlich mit seiner Position durch.
Die Arbeit stützt sich auf eine genaue Auswertung der einschlägigen Quellen (Thukydides, Plutarch, Diodor) sowie der Sekundärliteratur und enthält eine ausführliche Literaturliste.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Mytilene vor dem Abfall

1. douleia, autonomia und eleutheria: Die Stellung der Bündner im Seebund

2. Mytilenes Verfassung

II. Die Gründe des Abfalls

1. Der Synoikismos

2. „Der Augenblick ist günstig wie noch nie“

III. Der Abfall

1. Beginn

2. Während der Belagerung

3. Fall der Stadt

IV. Exkurs: Umgang mit Gegnern in der Pentekontaetie

V. Die Mytilene-Debatte

1. Die Rede Kleons

2. Rede Diodotos’

3. Vergleich der Reden

4. Das Schicksal Mytilenes

VI. Der Krieg als „gewaltsamer Lehrer“ in Buch III

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des Peloponnesischen Krieges auf den Attisch-Delischen Seebund unter besonderer Berücksichtigung des Abfalls von Mytilene. Dabei wird analysiert, wie die athenische Reaktion auf diesen Abfall durch kriegsbedingte Zwänge beeinflusst war und welche Rolle das Bewusstsein über die Abhängigkeit von der Herrschaft im Seebund dabei spielte.

  • Entwicklung des Attisch-Delischen Seebundes zum Herrschaftssystem Athens.
  • Ursachen und Kontext des Abfalls von Mytilene während des Peloponnesischen Krieges.
  • Analyse der Mytilene-Debatte und der gegensätzlichen Positionen von Kleon und Diodotos.
  • Historische Einordnung athenischer Strategien im Umgang mit besiegten Bündnern.
  • Der Einfluss des Krieges als „gewaltsamer Lehrer“ auf die politische Kultur.

Auszug aus dem Buch

2. „Der Augenblick ist günstig wie noch nie“

Was bewog die Mytilener dazu, gerade jetzt einen Abfall zu wagen? Sie hatten sich zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt vor dem Peloponnesischen Krieg bereits um Hilfe für einen Abfall an Sparta gewandt, diese aber nicht erhalten. In der Folgezeit hatten sie jedoch Athen als Bündner treu gedient, sich als solcher auch zusammen mit Chios an der Unterdrückung des samischen Aufstandes 440 beteiligt und waren bis zuletzt ihren Bündnisverpflichtungen nachgekommen. Es gab offensichtlich auch keinen Konflikt mit Athen, wie die Überraschung der Athener über den Abfall und die Tatsache, dass Mytilene in Olympia auch keinen Konflikt erwähnt, zeigen.

Die autonomen Verbündeten waren eine wichtige Stütze der athenischen Herrschaft in der Ägäis, auf die die Athener nicht verzichten wollten: Sowohl Lesbos als auch Samos (412) bekamen nach ihrem Abfall (zumindest einen Teil) ihrer Autonomie zurück. Es ist auch vorstellbar, dass die autonomen Verbündeten einen Beitrag zur Legitimierung des Seebundes leisteten – waren sie doch das letzte Überbleibsel der Symmachie gegen die Perser. (Wenn es um die Sicherung der athenischen Herrschaft ging, war man jedoch bereit, auf diese Legitimierung zu verzichten.)

In der Rede, die die Mytilener in Olympia halten, um in das Bündnis der Spartaner und ihrer Verbündeten aufgenommen zu werden, betonen sie hauptsächlich ihre Furcht vor den Athenern, die angeblich nur darauf warteten, sie zu Untertanen zu machen und ihre Autonomie zu beseitigen: Da „es aber bei ihnen steht, jeden Augenblick anzugreifen, muß es auch bei uns stehen, uns rechtzeitig zu wehren.“ Allerdings gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Athener solches planten. Erst als Mytilene die athenische Herrschaft in Frage stellte, griff Athen an.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Transformation des ursprünglich defensiven Seebundes zum athenischen Herrschaftssystem und definiert das Ziel der Arbeit, die Rolle des Krieges beim Abfall Mytilenes zu beleuchten.

I. Mytilene vor dem Abfall: Das Kapitel analysiert die Sonderstellung Mytilenes als autonomer Bündner innerhalb der athenischen Herrschaftsstruktur und beleuchtet die oligarchische Verfassung der Stadt.

II. Die Gründe des Abfalls: Hier werden der geplante Synoikismos der lesbischen Poleis und die strategische Ausnutzung der athenischen Schwäche während des Krieges als primäre Ursachen für den Abfall identifiziert.

III. Der Abfall: Dieses Kapitel beschreibt den Verlauf der Vorbereitungen, den Ausbruch des Konflikts, die Belagerung Mytilenes durch Athen und das Scheitern der spartanischen Unterstützung.

IV. Exkurs: Umgang mit Gegnern in der Pentekontaetie: Der Exkurs untersucht historische Präzedenzfälle athenischer Politik, um die Argumentationen in der Mytilene-Debatte in einen breiteren Kontext einzuordnen.

V. Die Mytilene-Debatte: Dieses Kapitel vergleicht die Reden von Kleon und Diodotos, ihre rhetorischen Strategien und ihre Argumente hinsichtlich des Nutzens für den athenischen Staat.

VI. Der Krieg als „gewaltsamer Lehrer“ in Buch III: Eine Analyse des Gesamtsinns von Buch III bei Thukydides, wobei die Darstellung der Sittenverwilderung kritisch beleuchtet wird.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass machtpolitische Überlegungen und militärische Zwänge für das Handeln aller Beteiligten ausschlaggebend waren, während moralische Aspekte von untergeordneter Bedeutung blieben.

Schlüsselwörter

Peloponnesischer Krieg, Attisch-Delischer Seebund, Mytilene, Thukydides, Kleon, Diodotos, Autonomie, Herrschaftssystem, Seemacht, Symmachie, arché, Synoikismos, athenische Demokratie, Machtpolitik, Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Abfall von Mytilene vom Attisch-Delischen Seebund während des Peloponnesischen Krieges und die daraus resultierende politische Debatte in Athen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf den Herrschaftsstrukturen Athens, den Gründen für den Abfall Mytilenes, der rhetorischen Auseinandersetzung zwischen Kleon und Diodotos sowie den historischen Traditionen athenischer Interventionspolitik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu untersuchen, wie der Peloponnesische Krieg die Stabilität des Seebundes beeinträchtigte und wie Athen seine Reaktion auf den Abfall strategisch rechtfertigte, um die Herrschaftssicherung zu priorisieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden historischen Quellenanalyse der Schriften des Thukydides, ergänzt durch moderne politikwissenschaftliche und historische Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Ausgangslage, die detaillierte Beschreibung des Abfalls, einen Exkurs zur athenischen Geschichte sowie eine eingehende Untersuchung der Mytilene-Debatte.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Autonomie, Herrschaftsbildung (arché), der Peloponnesische Krieg, das „Recht des Stärkeren“ und die Rolle der Demagogen in der athenischen Demokratie.

Warum war der Synoikismos ein kritischer Faktor für den Abfall?

Der Synoikismos zielte auf eine Machtkonzentration auf Lesbos unter Mytilenes Führung ab, was Athen als Bedrohung seiner hegemonialen Interessen betrachtete und somit als Akt des Abfalls interpretierte.

Welche unterschiedlichen Strategien verfolgten Kleon und Diodotos in ihren Reden?

Kleon forderte ein hartes Durchgreifen und die Auslöschung Mytilenes als abschreckendes Exempel, während Diodotos für ein moderates Vorgehen plädierte, um die Bündner ökonomisch und politisch für Athen nutzbar zu erhalten.

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Details

Title
Der Abfall Mytilenes und die Mytilene-Debatte bei Thukydides
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Course
Die athenische Demokratie im Peloponnesischen Krieg
Grade
1,3
Author
Jan Dreßler (Author)
Publication Year
2005
Pages
33
Catalog Number
V39601
ISBN (eBook)
9783638383301
ISBN (Book)
9783638655026
Language
German
Tags
Abfall Mytilenes Mytilene-Debatte Thukydides Demokratie Peloponnesischen Krieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Dreßler (Author), 2005, Der Abfall Mytilenes und die Mytilene-Debatte bei Thukydides, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39601
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