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Die Eignung von Ethiken als Begründung für das kompetente Handeln in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern

Title: Die Eignung von Ethiken als Begründung für das kompetente Handeln in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern

Examination Thesis , 1998 , 150 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Dr. Alexander Nolle (Author)

Social Work
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Die allgemeine Institutionalisierung und Professionalisierung der Sozialpädagogik in den 1990er Jahren blieb nicht ohne erkennbare Auswirkungen auf die öffentliche Meinung hinsichtlich der Qualifikationen des pädagogischen Personals.

Handlungskompetenzen und Schlüsselqualifikationen von pädagogisch tätigen Menschen sind in dieser Zeit vor allem im Rahmen der Professionalisierungsdebatte thematisiert worden, die bisher keineswegs als abgeschlossen gelten kann. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff der Professionalität erfolgte mit unterschiedlichsten Intentionen und Herangehensweisen: Einerseits befanden sich die fachlichen Kompetenzen, ihre Vermittlung und somit die Bildung, Ausbildung und Laufbahnen des Personals im Fokus quantitativer Forschung. Die unterschiedlichen Qualifikationsstrukturen des Lehrpersonals wurden unter anderem hinsichtlich der Zugangsqualifikationen untersucht. Darunter wurde primär der Abschluss der Ausbildung verstanden. Eine weitere Differenzierung der Qualifikationen wurde bezüglich der Studiengänge, der studierten Fächer und der abgeschlossenen Berufsausbildungen getroffen. Von anderer Seite her wurden eher qualitativ Handlungskompetenzen untersucht, die nicht allein Folge einer schulischen Ausbildung sein können. Letztlich stand auch die normative Orientierung der Handelnden im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses.

Ethische Erwägungen, theoretisches Fachwissen und praktische Handlungsfähigkeit sind in helfenden Berufen eng miteinander verknüpft. Fachlichkeit - konkreter die Versachlichung und Verberuflichung - und die ethische Orientierung können sich gegenseitig in ungünstiger Weise beeinflussen.

Ziel des vorliegenden Buches ist es, moralphilosophische Ansätze aufzuzeigen, die geeignet sind, die ethische Orientierung ebenso angemessen zu berücksichtigen, wie die in der Ausbildung zum Sozialpädagogen vermittelten Fach- und Methodenkenntnisse. Aber auch die Alltagstauglichkeit in der sozialpädagogischen Praxis stellt ein wesentliches Kriterium dar.

Besonders möchte ich die Ansätze der Diskursethik und der advokatorischen Ethik eingehender betrachten, wobei ich explizit auf ihre Gemeinsamkeiten und Widersprüchlichkeiten eingehe. Beide Theorien befassen sich ursprünglicher als die Pädagogik mit den Themen der normativen Sittlichkeit und der Ethik.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen und Begrifflichkeiten

3. In Pädagogik und Psychologie begründete Handlungskompetenzen des Sozialpädagogen

3.1 Reflexivität

3.1.1 Reflexivität als Bestandteil der Selbstreferenz

3.1.2 Selbstreferenz vs. Objektivität

3.1.3 Die Beobachtung des Beobachters beim Beobachten

3.2 Kommunikative Kompetenz

3.3 Humanistisch begründete Kompetenzen

3.3.1 Authentizität

3.3.2 Empathie

3.3.3 Wertschätzung

3.4 Kritik- und Konfliktfähigkeit

3.5 Mitleid

3.5.1 Der Mitleidsbegriff bei Thiersch

3.5.2 Der Mitleidsbegriff bei Nietzsche

3.6 Resümee

4. Die ethische Grundhaltung - eine Vermittlungsmöglichkeit von sozialpädagogischer Handlungskompetenz?

4.1 Das Problem der Operationalisierbarkeit

4.1.1 Operationalisierung von Handlungskompetenzen

4.1.2 Operationalisierung von Grundhaltungen

4.2 Voraussetzungen und Ziele des sozialpädagogischen Handelns

4.2.1 Ethik als Bestandteil sozialpädagogischer Professionalität

4.2.2 Zentrale Ziele der modernen Sozialpädagogik

4.3 Zur Relevanz einer ethischen Kasuistik der Sozialpädagogik

4.4 Die Diskursethik

4.4.1 Ansätze und Ziele der Diskursethik

4.4.2 Grenzen der Diskursethik in der Sozialpädagogik

4.4.3 Das Advokatorische der Diskursethik

4.4.4 Kritik an der Diskursethik

4.4.4.1 Der virtuelle Diskursteilnehmer

4.4.5 Resümee

4.5 Die advokatorische Ethik

4.5.1 Ansätze und Ziele der advokatorischen Ethik

4.5.2 Grenzen der advokatorischen Ethik in der Sozialpädagogik

4.5.3 Kritik an der advokatorischen Ethik

4.5.4 Resümee

5. Kritische Analyse der Moralphilosophien hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit in der Sozialpädagogik

5.1 Allgemeine Anwendbarkeit von Ethiken in der Sozialpädagogik

5.2 Sozialpädagogische Ethik und Handlungskompetenz

5.3 Resümee

6. Einordnung der analysierten Moralphilosophien in einen sozialpädagogisch-praktischen Begründungszusammenhang

6.1 Die juristische Perspektive

6.1.1 Das Grundgesetz

6.1.2 Das Kinder- und Jugendhilfegesetz

6.1.3 Andere relevante Gesetze

6.2 Die Jugendhilfe

6.3 Die Familienpädagogik

6.4 Resümee

7. Fazit

7.1 Konklusion - von der Ethik zur Handlungsvoraussetzung

7.2 Grenzen der Verwertbarkeit der Erkenntnisse in der Sozialpädagogik

7.3 Zusammenfassung

7.4 Tendenzen, Ausblick und weitergehende Fragestellungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die moralphilosophische Begründbarkeit sozialpädagogischer Handlungskompetenzen, um zu klären, inwieweit ethische Ansätze geeignet sind, das professionelle Handeln in diesem Feld zu fundieren und zu leiten.

  • Handlungskompetenzen in der Sozialpädagogik
  • Ethische Begründungsansätze (Diskursethik und advokatorische Ethik)
  • Verhältnis von Ethik, Professionalität und Handlungsfähigkeit
  • Analyse gesetzlicher Rahmenbedingungen (KJHG, GG)
  • Möglichkeiten und Grenzen der ethischen Legitimation in der Praxis

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Selbstreferenz versus Objektivität

Das Gebiet des Beobachtens spielt sicherlich auch außerhalb physikalisch technischer Anwendungsbereiche - etwa in pädagogischen Arbeitsfeldern, bei psychologischen Tests oder bei soziologischen Untersuchungen - eine große Rolle. Führt man eine Beobachtung, einen Test oder eine Erhebung durch, so gelten dafür - in jedem Arbeitsfeld - in der Regel die drei Gütekriterien Reliabilität, Validität und Objektivität. Objektivität verlangt, daß die Beobachtung ihrerseits keinen Effekt auf das beobachtete Ergebnis hat. Der Beobachter hat seinen Einfluß auf die beobachtete Situation auszuschließen.

Diese Form der Objektivität zu gewährleisten, stellt den Beobachter in der Praxis vor einige Probleme und zwar unabhängig davon, ob er als Psychologe einen Test mit Versuchspersonen durchführt, sich als Sozialpädagoge ein Bild vom Alltagsleben eines Klienten macht oder als Physiker die Temperatur einer Flüssigkeit messen will. So wie das Thermometer, das eine eigene Temperatur besitzt, die zu messende Temperatur der Flüssigkeit durch die Berührung mit ihr verändert, beeinflußt ein Psychologe das Testergebnis, wenn sich die Testperson der Testsituation bewußt wird und so unter Umständen in eine unrealistische Streßsituation gelangt. Ebenso beeinflußt der Sozialpädagoge das Verhalten des beobachteten Klientels schon allein durch seine Anwesenheit.

Innerhalb eines kybernetischen Systems soll ein bestimmter, klar definierter Einfluß auf die zu regulierende Sache ausgeübt werden. Wenn jedoch das regulierende System bereits durch die Beobachtung der Sache (z. B. durch einen Meßvorgang) die Sache selbst beeinflußt, dann kann eine korrekte Beeinflussung in die gewünschte Richtung nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden. Übertragen auf ein sozialpädagogisches Arbeitsfeld bedeutet dies wiederum, daß eine bewußte Beeinflussung des Klientels schon dadurch erschwert wird, daß das Klientel sich durch die Beobachtung anders verhält, als es ohne eine Beobachtung der Fall wäre.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Professionalisierung der Sozialpädagogik und die Frage, inwieweit ethische Orientierungen für kompetentes Handeln erforderlich sind.

2. Definitionen und Begrifflichkeiten: Es erfolgt eine Klärung zentraler Begriffe wie Ethik, Moral, Kompetenz und Qualifikation, um das begriffliche Fundament für die weitere Untersuchung zu legen.

3. In Pädagogik und Psychologie begründete Handlungskompetenzen des Sozialpädagogen: Verschiedene Persönlichkeitsmerkmale wie Reflexivität, kommunikative Kompetenz und Empathie werden auf ihre Bedeutung für das sozialpädagogische Handeln analysiert.

4. Die ethische Grundhaltung - eine Vermittlungsmöglichkeit von sozialpädagogischer Handlungskompetenz?: Hier wird untersucht, ob ethische Ansätze wie die Diskursethik oder advokatorische Ethik als Basis für die Vermittlung und Legitimation von Handlungskompetenzen dienen können.

5. Kritische Analyse der Moralphilosophien hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit in der Sozialpädagogik: Die vorgestellten ethischen Theorien werden auf ihre Alltagstauglichkeit und praktische Relevanz in der Sozialpädagogik hin geprüft.

6. Einordnung der analysierten Moralphilosophien in einen sozialpädagogisch-praktischen Begründungszusammenhang: Die Theorien werden exemplarisch anhand gesetzlicher Grundlagen (GG, KJHG) sowie der Arbeitsfelder Jugendhilfe und Familienpädagogik verortet.

7. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei Grenzen der ethischen Legitimation aufgezeigt und Tendenzen für die Ausbildungspraxis diskutiert werden.

Schlüsselwörter

Sozialpädagogik, Handlungskompetenz, Berufsethos, Diskursethik, Advokatorische Ethik, Professionalisierung, Lebensweltorientierung, Reflexivität, Empathie, Hilfe zur Selbsthilfe, Kinder- und Jugendhilfegesetz, Personwerdung, Erziehung, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von ethischen Begründungsansätzen und der Entwicklung von Handlungskompetenzen in der Sozialpädagogik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zu den Schwerpunkten zählen die professionelle Handlungskompetenz, die Bedeutung moralphilosophischer Theorien wie Diskursethik und advokatorische Ethik sowie deren Anwendbarkeit auf die Praxis sozialpädagogischer Arbeitsfelder.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?

Das Hauptziel besteht darin zu klären, ob und wie ethische Grundhaltungen als Voraussetzung für professionelles Handeln in der Sozialpädagogik dienen können und ob diese empirisch oder theoretisch begründbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich primär um eine theoretische Analyse und Literaturstudie, die philosophische Ansätze mit sozialpädagogischen Konzepten verknüpft und auf ihre Praxistauglichkeit prüft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Analyse von Handlungskompetenzen, der kritischen Prüfung ethischer Theorien und deren Einordnung in den rechtlichen und praktischen Kontext der Jugendhilfe und Familienpädagogik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sozialpädagogik, Handlungskompetenz, Diskursethik, advokatorische Ethik, Professionalisierung und Lebensweltorientierung beschreiben.

Wie bewertet der Autor das Konzept der advokatorischen Ethik für die Sozialpädagogik?

Der Autor sieht in der advokatorischen Ethik einen interessanten Ansatz zur Rechtfertigung von Zielen (wie der Hilfe zur Mündigwerdung), weist aber kritisch darauf hin, dass sie keine befriedigenden Antworten für konkrete Handlungsweisen bei mündigen Klienten bietet.

Warum ist eine rein juristische Betrachtung für den Autor nicht ausreichend?

Aus Sicht des Autors liefert das Recht zwar formale Rahmenbedingungen, bietet jedoch keine tiefergehende rationale Begründung für die pädagogische Notwendigkeit bestimmter Interventionen oder für das ethische Fundament professionellen Handelns.

Excerpt out of 150 pages  - scroll top

Details

Title
Die Eignung von Ethiken als Begründung für das kompetente Handeln in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern
College
University of Dortmund  (Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Pädagogik der frühen Kindheit)
Grade
1,7
Author
Dr. Alexander Nolle (Author)
Publication Year
1998
Pages
150
Catalog Number
V39606
ISBN (eBook)
9783638383332
ISBN (Book)
9783638705998
Language
German
Tags
Eignung Ethiken Begründung Handeln Arbeitsfeldern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Alexander Nolle (Author), 1998, Die Eignung von Ethiken als Begründung für das kompetente Handeln in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39606
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