Bernhard von Clairvaux. Man kann ihn wohl als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Mittelalters bezeichnen. Wie kaum ein anderer prägte er seine Zeit, die von 1090 bis 1153 reichte, durch theologische, politische und mystische Schriften. Durch seine Leidenschaftlichkeit, sein besonderes Charisma und die Fähigkeit, seine körperliche Hülle in mystischer Meditation verlassen und sich so einen Einblick auf das göttliche Schaffen erhaschen zu können, muss er wohl viele Menschen in seinen Bann gezogen haben. Nicht umsonst wurde er bereits im Jahre 1174 von Papst Alexander III. heilig gesprochen und galt ab 1830 als “Doctor ecclesiae“, als Papst Pius VIII. ihm diesen Titel verlieh.
In dem Begriff, “Bernhardinische Epoche“, den Dinzelbacher verwendete, um die Zeitspanne von Bernhards Wirken zu kennzeichnen, spiegelt sich wohl am besten, wie bedeutend sich die Person und das Schaffen des Abtes von Clairvaux auf das Hochmittelalter ausgewirkt haben muss.
Die Polemik, die seit der Gründung des Templerordens, des ersten geistlichen Ordens, der sowohl mönchische Lebensformen vertrat, als auch das Waffenhandwerk ausübte und somit zwei unvereinbare, strikt getrennte Stände des Mittelalters - den der Betenden und den der Kämpfenden – in einer Symbiose zu vereinen suchte, wieder aufkam, schien zu bestätigen, dass die Verwirklichung der allegorischen Gestalt des miles christianus noch nicht als konkrete Form ausgereift war und einer Legitimierung, ja, man könnte sogar von einer Art Doktrin sprechen, bedurfte. Hierzu trat nun Bernhard von Clairvaux auf, der in seiner Schrift Ad milites Templi. De laude novae militiae den jungen Orden mit allen Künsten der Rhetorik gegen die Zweifler und Kritiker der Gemeinschaft verteidigte.
In den folgenden Abschnitten sollen die Entstehung des Templerordens, das Konzil von Troyes und die bernhardinische Schrift, Ad milites Templi. De laude novae militiae, auf der das Hauptgewicht dieser Arbeit liegen soll, näher betrachtet werden. Abschließend, im letzten Punkt, soll versucht werden zu beleuchten, aus welchen Gründen der Abt von Clairvaux den Orden verteidigte, wie sein plötzlicher Seitenwechsel, vom Antimilitaristen zum Verfechter des Gotteskriegers und im Nachhinein sogar zum leidenschaftlichen Kreuzzugsprediger, zu erklären ist und welche Auswirkungen seine Schriften im Nachhinein auf den Orden haben sollten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
Die “Bernhardinische Epoche“
II. Hauptteil
1. Die Gründung des Templerordens – Die Zeit vor dem Konzil von Troyes
2. Das Konzil von Troyes 1129 und die Regel des Templerordens
3. De laude novae militiae
III. Schlussbetrachtung
Bernhards Motivationsgedanken und die Auswirkungen seines Engagements auf den Templerorden
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Bernhard von Clairvaux bei der Legitimierung und Unterstützung des Templerordens. Im Zentrum steht dabei die Analyse, wie Bernhard seine ursprüngliche Skepsis gegenüber dem militärischen Engagement überwand und durch seine Schrift "Ad milites Templi. De laude novae militiae" eine theologisch fundierte Rechtfertigung für die Symbiose aus mönchischem Leben und dem Kriegsdienst schuf.
- Die historische Genese des Templerordens und die Notwendigkeit seines Schutzes für Pilger.
- Die Bedeutung des Konzils von Troyes für die kirchenrechtliche Anerkennung.
- Die inhaltliche Analyse der Schrift "De laude novae militiae" und ihre rhetorischen Argumentationsstrategien.
- Bernhards persönliche Motivationen und der Einfluss familiärer sowie freundschaftlicher Bindungen.
- Die langfristigen Auswirkungen von Bernhards Einsatz auf die Entwicklung und Privilegierung des Templerordens.
Auszug aus dem Buch
3. De laude novae militiae
Zwischen 1130 und 1136 entstand Bernhards von Clairvaux Templerschrift Ad milites Templi. De laude novae militiae. Sie war an Hugo von Payens, den Meister des Templerordens, und seine Mitbrüder gerichtet. Mehrmals, wie aus der Vorrede hervorgeht, soll Hugo Bernhard um eine Predigt, einen exhortationis sermo, für den noch jungen Orden gebeten haben. Daraus kann man schließen, dass sich der Orden zu jenem Zeitpunkt in einer schwierigen Situation befunden haben musste, mitunter auch verursacht durch das Fiasko von Damaskus im Jahre 1129, in dem unzählige Tempelritter – darunter viele neu beworbene– umkamen.
Der Zweck von Bernhards Schrift war, die Templer in ihrer Mission zu ermutigen, sie von den Zweifeln an der Legitimation ihrer Sache zu befreien und ihnen Zuversicht von Seiten Gottes im Kampf "gegen die feindliche Macht der Tyrannen", also der Heiden, zu bestätigen. Schon bei diesem Begriff wird die zweifache Ausrichtung, die sich durch die gesamte Schrift zieht, sichtbar. Der Begriff, "Tyrannen", steht in mittelalterlichen Quellen im Allgemeinen für Dämonen, so wie Moscheen oft als "Teufelshäuser" bezeichnet werden. Somit weist Bernhard auch hierbei auf den doppelten Kampf der neuen Ritterschaft, zum einen gegen die "Ungläubigen" und zum andern gegen die seelischen Laster, hin.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel verortet Bernhard von Clairvaux in der "Bernhardinischen Epoche" und beleuchtet das historische Spannungsfeld des Hochmittelalters sowie den Umbruch durch Reformbewegungen und Kirchenspaltungen.
II. Hauptteil: Die Kapitel untersuchen die Entstehung des Templerordens als Antwort auf die Bedrohung von Pilgern, die formale Anerkennung beim Konzil von Troyes 1129 und die zentrale Rolle von Bernhards Schrift zur geistlichen Legitimierung.
III. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel resümiert die persönlichen Hintergründe von Bernhard von Clairvaux und analysiert, wie sein Engagement den Grundstein für den Aufstieg des Templerordens und die spätere Kreuzzugsbewegung legte.
Schlüsselwörter
Bernhard von Clairvaux, Templerorden, Mittelalter, Konzil von Troyes, De laude novae militiae, miles christianus, Rittertum, Kreuzzüge, Kirchengeschichte, Ordensregel, religiöse Reformbewegungen, Hugo von Payens, Legitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Werdegang des Templerordens im 12. Jahrhundert und der maßgeblichen Rolle, die Bernhard von Clairvaux bei der religiösen Rechtfertigung dieses für die damalige Zeit neuartigen Ordens spielte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Entstehung des Templerordens, die kirchenrechtliche Absicherung durch das Konzil von Troyes und die theologisch-rhetorische Verteidigung der Verbindung von mönchischem Leben und militärischem Dienst.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für den Meinungswechsel von Bernhard von Clairvaux – vom ursprünglichen Antimilitaristen zum Verfechter des "miles christianus" – sowie die Auswirkungen seiner Schriften auf den Orden zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin verwendet eine historisch-analytische Methode, die sich auf die Auswertung zeitgenössischer Quellen, insbesondere Briefe und die Schriften von Bernhard von Clairvaux, stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Gründungsumstände des Ordens, die strukturgebende Bedeutung der Ordensregel von Troyes und die detaillierte Rhetorik in "De laude novae militiae" zur Abgrenzung vom profanen Rittertum.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Templerorden, Bernhard von Clairvaux, Kreuzzüge, Rittertum und geistliche Reformbewegungen definiert.
Warum war der Templerorden zu Beginn seiner Gründung so umstritten?
Der Orden war umstritten, weil er zwei strikt getrennte Stände – den der Betenden (Geistliche) und den der Kämpfenden (Ritter) – in einer Weise miteinander vereinte, die für viele Zeitgenossen als kirchenrechtlich problematisch und geistlich unvereinbar galt.
Welchen Einfluss hatte das Fiasko von Damaskus 1129 auf die Schrift "De laude novae militiae"?
Das militärische Scheitern und der Tod zahlreicher Tempelritter führten zu einer Krise im Orden, die Bernhard dazu bewegte, mit seiner Schrift die moralische und spirituelle Legitimation der Ritter zu stärken und sie für ihre Mission zu ermutigen.
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- Fabienne Meiers (Author), 2004, Bernhard von Clairvaux und die Entstehung des Templerordens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39649