In Zeiten von Globalisierung, zunehmendem Wettbewerbsdruck und hohen Lohnkosten im Inland gewinnen grenzüberschreitende Aktivitäten für inländische Unternehmen immer mehr an Bedeutung und Attraktivität. Versprechen sich manche etwa durch den Aufbau von Organisationsstrukturen für Vertrieb oder Kundendienst im Ausland höhere Absatzzahlen, geht es für andere Unternehmen bei der Erschließung neuer, ausländischer Märkte vielleicht um die Ausweitung ihrer Geschäfte oder die Schaffung einer zusätzlichen Existenzgrundlage. Davon abgesehen stellt die Realisierung möglicher Kostensenkungspotenziale nach wie vor das gewichtigste Argument für ein Auslandsengagement dar, wie eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) über Investitionen im Ausland vom Sommer 2004 zeigt . Demnach entscheiden sich neben den stark exportorientierten Großunternehmen auch zunehmend mittelständische Betriebe dazu, im Ausland geschäftlich aktiv zu werden. Die dabei zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sind vielfältig und können etwa im Export der im Inland hergestellten Erzeugnisse liegen, sich über die Gründung einer Auslandsniederlassung vollziehen oder aber zu Beteiligungen an ausländischen Personen- oder Kapitalgesellschaften führen.
So lohnenswert internationale Geschäftsbeziehungen auch sein mögen, sind diese jedoch oftmals ebenso mit erheblichen Risiken verbunden und erfordern daher immer eine sorgfältige Planung, auch im Hinblick auf steuerliche Aspekte. Neben der Art des Auslandsengagements beeinflusst möglicherweise auch die Rechtsform der Gesellschaft im Inland sowie die Entscheidung über die Verwendung von im Ausland anfallenden Gewinnen die Besteuerung grenzüberschreitender Transaktionen. Zudem stellt sich immer die Frage, ob mit dem Land, in dessen Hoheitsgebiet das Unternehmen tätig werden will, ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht und wie dieses konkret ausgestaltet ist. Die Schwierigkeit einer internationalen, unternehmerischen Steuerplanung besteht somit zum einen darin, die Bedeutung einzelner Einflussfaktoren richtig abzuschätzen, zum anderen, die für das Unternehmen relevanten, steuerlichen Vorschriften zu erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Formen grenzüberschreitender Unternehmenstätigkeit
2.1 Grenzüberschreitende Direktgeschäfte
2.2 Rechtlich abhängige Niederlassung im Ausland
2.3 Beteiligung an ausländischen Personengesellschaften
2.4 Beteiligung an ausländischen Kapitalgesellschaften
3. Grundlagen der Besteuerung bei Aktivitäten im Ausland
3.1 Internationales Steuerrecht
3.1.1 Begriff des internationalen Steuerrechts
3.1.2 Rechtsquellen des internationalen Steuerrechts
3.1.2.1 Nationales Außensteuerrecht
3.1.2.2 Recht aus Doppelbesteuerungsabkommen
3.1.2.3 Steuerrechtliche Regelungen der EU
3.1.2.4 Sonstige Rechtsquellen
3.1.3 Anknüpfungsmerkmale des internationalen Steuerrechts
3.1.3.1 Souveränitätsprinzip
3.1.3.2 Sachliche Steuerpflicht
3.1.3.3 Persönliche Steuerpflicht
3.1.3.4 Steuerpflicht bei internationalen Transaktionen
3.2 Deutsches Außensteuerrecht
3.2.1 Unternehmenssteuern bei Auslandsbeziehungen
3.2.1.1 Einkommensteuer
3.2.1.2 Körperschaftsteuer
3.2.1.3 Gewerbesteuer
3.2.2 Umsatzsteuer bei Auslandsbeziehungen
3.2.2.1 Allgemeines
3.2.2.2 Ausfuhr und Einfuhr außerhalb der EU
3.2.2.3 Ausfuhr und Einfuhr innerhalb der EU
4. Probleme bei der Besteuerung international tätiger Unternehmen
4.1 Problem der Doppelbesteuerung
4.1.1 Begriff der Doppelbesteuerung
4.1.2 Ursachen der Doppelbesteuerung
4.1.3 Konsequenzen der Doppelbesteuerung
4.2 Problem der Minderbesteuerung
4.2.1 Begriff der Minderbesteuerung
4.2.2 Ursachen der Minderbesteuerung
4.2.3 Konsequenzen der Minderbesteuerung
5. Vermeidung bzw. Abschwächung einer internationalen Doppelbesteuerung
5.1 Methoden zur Vermeidung bzw. Abschwächung von Doppelbesteuerung
5.1.1 Freistellungsverfahren
5.1.2 Anrechnungsmethode
5.1.3 Abzugsmethode
5.1.4 Pauschalisierungs- und Erlassmethode
5.2 Doppelbesteuerungsabkommen
5.2.1 Aufbau und Ziele der DBA
5.2.2 Zustandekommen der DBA
5.2.3 Geltungsbereich der DBA
5.2.4 Musterabkommen
6. Vermeidung bzw. Abschwächung einer internationalen Minderbesteuerung
6.1 Nationale Maßnahmen und Zielsetzungen
6.2 Internationale Maßnahmen und Zielsetzungen
7 Zusammenfassung und Betrachtung der Zukunftsperspektiven
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die grundlegenden steuerlichen Probleme, die bei der grenzüberschreitenden Tätigkeit von Unternehmen auftreten, und erarbeitet Lösungsansätze zur Vermeidung oder Milderung von Doppel- und Minderbesteuerungen als Beitrag zur unternehmerischen Steuerplanung.
- Formen grenzüberschreitender Unternehmenstätigkeit (Direktgeschäfte, Niederlassungen, Beteiligungen)
- Grundlagen des internationalen Steuerrechts und die Anknüpfungsmerkmale der Steuerpflicht
- Problematiken bei der internationalen Doppel- und Minderbesteuerung
- Methoden und Instrumente zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen (insb. DBA)
- Nationale und internationale Maßnahmen gegen internationale Minderbesteuerung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Begriff des internationalen Steuerrechts
Geprägt von wissenschaftlichen Kontroversen im Hinblick auf die zutreffende Begriffsbildung sowie der Frage, ob ein internationales Steuerrecht überhaupt existiert, wird in der Literatur darunter im allgemeinen die Gesamtheit aller Normen verstanden, welche einem Staat die Abgrenzung seiner Steuergewalt gegenüber dem Ausland ermöglicht. Diese Normen können in bezug auf ihre Wirkungsweise einerseits belastender Natur sein, andererseits auch entlastenden Charakter haben und lassen sich somit dementsprechend in zwei Kategorien einteilen:
(1) Belastende Normen dienen der Regelung von Steueransprüchen des Staates gegenüber Steuerpflichtigen im Inland, die im Ausland Einkünfte erzielen bzw. gegenüber im Ausland ansässigen Steuerpflichtigen, die im Inland Einkünfte realisieren.
(2) Entlastende Normen sollen eine Reduzierung der aus grenzüberschreitender Unternehmenstätigkeit entstehenden Steueransprüche bewirken und so zur Vermeidung einer steuerlichen Mehrfachbelastung beitragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die zunehmende Bedeutung grenzüberschreitender Unternehmenstätigkeit und die damit verbundenen komplexen steuerlichen Herausforderungen.
2. Formen grenzüberschreitender Unternehmenstätigkeit: Es werden die verschiedenen Handlungsoptionen wie Direktgeschäfte, feste Niederlassungen und Beteiligungen an ausländischen Gesellschaften erläutert.
3. Grundlagen der Besteuerung bei Aktivitäten im Ausland: Dieses Kapitel legt die theoretischen Fundamente des internationalen Steuerrechts, inklusive Rechtsquellen und Anknüpfungsmerkmale, dar.
4. Probleme bei der Besteuerung international tätiger Unternehmen: Hier werden die Ursachen und Konsequenzen internationaler Doppel- sowie Minderbesteuerung detailliert untersucht.
5. Vermeidung bzw. Abschwächung einer internationalen Doppelbesteuerung: Es werden unilaterale und bilaterale Methoden sowie die Rolle von Doppelbesteuerungsabkommen zur Entlastung diskutiert.
6. Vermeidung bzw. Abschwächung einer internationalen Minderbesteuerung: Das Kapitel betrachtet nationale und internationale Maßnahmen, um einer übermäßigen Ausnutzung von Steuergefällen entgegenzuwirken.
7 Zusammenfassung und Betrachtung der Zukunftsperspektiven: Die Ergebnisse werden resümiert und zukünftige Trends, insbesondere innerhalb der EU, betrachtet.
Schlüsselwörter
Internationales Steuerrecht, Doppelbesteuerung, Minderbesteuerung, Doppelbesteuerungsabkommen, Außensteuerrecht, Betriebsstätte, Direktinvestition, Steuerpflicht, Steuerplanung, Steuerbelastung, Territorialprinzip, Universalitätsprinzip, Verrechnungspreise, Unternehmensbesteuerung, Steuerharmonisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die steuerrechtlichen Probleme, die bei der grenzüberschreitenden Tätigkeit inländischer Unternehmen entstehen, insbesondere im Kontext von Doppel- und Minderbesteuerung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Zentrum stehen die Formen grenzüberschreitender Betätigung, die Grundlagen des internationalen Steuerrechts sowie Methoden zur Vermeidung steuerlicher Mehr- oder Minderbelastungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über steuerliche Problematiken zu geben und praktische Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Unternehmen steuerliche Belastungen im Rahmen der internationalen Steuerplanung steuern oder vermeiden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine systematische theoretische Analyse der steuerrechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Auswertung nationaler und internationaler Rechtsnormen und Literatur.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Doppelbesteuerung (und deren Vermeidung durch Methoden wie Freistellung oder Anrechnung) sowie der Minderbesteuerung (inklusive nationaler Schutzmaßnahmen wie das AStG).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Internationales Steuerrecht, Doppelbesteuerungsabkommen, Betriebsstätte, Steuerpflicht, Universalitätsprinzip und Außensteuerrecht.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Doppel- und Minderbesteuerung?
Die Arbeit definiert die Doppelbesteuerung als eine mehrfache Erfassung desselben Objekts bei verschiedenen Steuerhoheiten und die Minderbesteuerung als das Gegenteil, bei dem aufgrund unterschiedlicher Normen eine zu geringe steuerliche Erfassung vorliegt.
Welche Rolle spielen Doppelbesteuerungsabkommen für den Autor?
Der Autor ordnet DBA eine zentrale Rolle bei der bilateralen Vermeidung von Doppelbesteuerungen zu und erläutert detailliert deren Aufbau, Zustandekommen und Funktion.
- Quote paper
- Bernd Haupenthal (Author), 2005, Die Probleme der Besteuerung grenzüberschreitender Unternehmenstätigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39661