Cinthios Gli Hecatommithi als Vorlage für Shakespeares Othello


Referat (Ausarbeitung), 2001
7 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Cinthio und sein Werk Gli Hecatommithi

2. Shakespeares Verwendung der Gli Hecatommithi

Schluss

Einleitung

From the standpoint of sources Othello is unique. […] it uses one brief central source – the rest is Shakespeare; so that laying source and play side by side we may feel the full power of the transforming hand. The source is a novella by Giovanbattista Giraldi Cinthio, the seventh story of the third Decade of his Hecatommithi.[1]

Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, Cinthio und sein Werk Gli Hecatommithi kurz vorzustellen, um anschließend die als Vorlage für Othello dienende 7. Erzählung der dritten Dekade mit Shakespeares Drama zu vergleichen.

Zunächst wird kurz auf den Autor der Quelle und sein Werk im Allgemeinen eingegangen. Im Anschluss werden die von Shakespeare im Vergleich zur Vorlage vorgenommenen Veränderungen erläutert. Anhand dieser soll abschließend die Leistung Shakespeares bei der Verarbeitung der Hecatommithi thematisiert werden.

1. Cinthio und sein Werk Gli Hecatommithi

Der italienische Dichter Giovanni Battista Giraldi Cinthio wurde 1504 in Ferrara geboren. Nachdem er einen Großteil seines Lebens in Mondovi, Turin und Pavia verbracht hatte, kehrte er 1541 nach Ferrara zurück, wo er bis 1562 an der Universität Rhetorik, Medizin und Philosophie lehrte und 1571 starb. 1566 veröffentlichte er die Novellensammlung Gli Hecatommithi.[2]

Inhaltlich setzen sich die Erzählungen mit Themen wie Liebe, Heirat, Ehe und, eng verknüpft damit, mit Intrigen, Schicksalsschlägen und Ehebrüchen auseinander. Cinthio verfolgte mit seinem Werk in erster Linie eine moralisierende Absicht; sündhaftes Verhalten sollte verurteilt, Tugend und Religiosität als vorbildlich dargestellt werden. „My work [...] is wholly directed, with much variety of examples, to censure vicious actions and to praise honest ones, - to make men fly from vice and embrace virtue.”[3]

Die Novellen sind in Anlehnung an das 1353 erschienene Decamerone von Boccaccio in eine Rahmenhandlung eingebettet, in welcher fünf Männer und fünf Frauen aufgrund der furchtbaren Plünderung Roms 1527[4] auf einem Schiff nach Marseilles flüchten. Zum Zeitvertreib erzählen sie sich während der Überfahrt Geschichten, denen an jedem Tag ein bestimmtes Thema zugrunde liegt.[5] Der Titel des Werks suggeriert, dass es sich insgesamt um 100[6], in Dekaden unterteilte, Novellen handeln soll, tatsächlich sind es jedoch 112[7].

Die dritte Dekade, deren siebte Erzählung die Vorlage für Shakespeares Othello darstellt, beschäftigt sich inhaltlich hauptsächlich mit der Untreue verheirateter Männer und Frauen.[8]

2. Shakespeares Verwendung der Gli Hecatommithi

Es lässt sich nicht definitiv sagen, ob Shakespeare bei der Verwendung von Cinthios Erzählung als Vorlage für sein Drama Othello das italienische Original von 1566 oder die französische Übersetzung des Autors Gabriel Chappuys von 1584 verwendete, da sprachliche Hinweise für beide Fassungen vorliegen. Möglicherweise existierte auch eine englische Übersetzung, die auf der französischen und der italienischen Ausgabe basierte, heute jedoch nicht mehr erhalten ist.[9]

Beim Vergleich der Erzählung mit dem Drama Othello wird offensichtlich, dass Shakespeare inhaltlich große Teile von Cinthio übernommen hat. Weitaus interessanter sind jedoch die vorgenommenen Veränderungen und die sich daraus ergebenden Folgen für die Handlung.

[...]


[1] Satin, Joseph. Shakespeare and his Sources. Boston, 1966, 427.

[2] Vgl. Ford, J.D.M.. “Giovanni Battista Giraldi.” Catholic Encyclopedia. 04. Januar 2002. <www.newadvent.org/cathen/06586b.htm>

[3] Zitiert nach: Taylor, John Edward. The Moor of Venice. Cinthio’s Tale and Shakespeare’s Tragedy. London, 1855. 04. Januar 2002. <www.webincunabula.com/html/ta/taylor.htm : 4>

[4] Nachdem Karl V. 1527 Rom erobert hatte, plünderten seine Truppen die Stadt („Sacco di Roma“). Vgl. hierzu genauer: www.uni-essen.de/geschichte/162-bram.htm, 12 Februar 2002.

[5] Vgl. Bullough, Geoffrey. Narrative and Dramatic Sources of Shakespeare. London, 1973, 194f..

[6] Der Begriff Hecatommithi setzt sich aus der griechischen Zahl hekaton („hundert“) und dem Plural des griechischen Begriffs mythos („Erzählung“) zusammen. Hinzu kommt der Artikel gli. Gli Hecatommithi bedeutet dementsprechend „Die hundert Erzählungen“. Vgl. Langenscheidt: Großwörterbuch Griechisch-Deutsch, ed. Menge, Hermann. Berlin, 1979, 215; 462.

[7] Vgl. Ford, “Giovanni Battista Giraldi”.

[8] Vgl. Shakespeare, William. Othello, ed. Honigmann, Ernest A.J.. The Arden Shakespeare, Third Series. Walton-on-Thames, 1997, 369.

[9] Vgl. hierzu detaillierter: Muir, Kenneth. The Sources of Shakespeare’s Plays. London, 1977, 182ff..

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Cinthios Gli Hecatommithi als Vorlage für Shakespeares Othello
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Anglistisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V39773
ISBN (eBook)
9783638384629
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis
Schlagworte
Hecatommithi, Vorlage, Othello, Shakespeare, Cinthio, Quelle, Stoff
Arbeit zitieren
Rebecca Blum (Autor), 2001, Cinthios Gli Hecatommithi als Vorlage für Shakespeares Othello, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39773

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Cinthios Gli Hecatommithi als Vorlage für Shakespeares Othello


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden