Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, Cinthio und sein Werk Gli Hecatommithi kurz vorzustellen, um anschließend die als Vorlage für Othello dienende 7. Erzählung der dritten Dekade mit Shakespeares Drama zu vergleichen.
Zunächst wird kurz auf den Autor der Quelle und sein Werk im Allgemeinen eingegangen. Im Anschluss werden die von Shakespeare im Vergleich zur Vorlage vorgenommenen Veränderungen erläutert. Anhand dieser soll abschließend die Leistung Shakespeares bei der Verarbeitung der Hecatommithi thematisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
Cinthios Gli Hecatommithi als Vorlage für Shakespeares Othello
Einleitung
1. Cinthio und sein Werk Gli Hecatommithi
2. Shakespeares Verwendung der Gli Hecatommithi
Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, die Novellensammlung "Gli Hecatommithi" von Cinthio als literarische Quelle für William Shakespeares Drama "Othello" zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie Shakespeare die Vorlage adaptierte, welche inhaltlichen und charakterlichen Modifikationen er vornahm und wie diese Veränderungen die psychologische Tiefe sowie die dramatische Struktur seines Werkes im Vergleich zur Novelle beeinflussen.
- Biografischer und literarischer Kontext zu Giovanni Battista Giraldi Cinthio und "Gli Hecatommithi"
- Vergleichende Analyse der Charakterzeichnung und Motivation der Figuren
- Untersuchung der strukturellen und inhaltlichen Erweiterungen durch Shakespeare
- Analyse der dramatischen Zeitebenen ("short time" vs. "long time")
- Bewertung der sprachlichen und dramaturgischen Transformation vom Quellentext zum Drama
Auszug aus dem Buch
2. Shakespeares Verwendung der Gli Hecatommithi
Es lässt sich nicht definitiv sagen, ob Shakespeare bei der Verwendung von Cinthios Erzählung als Vorlage für sein Drama Othello das italienische Original von 1566 oder die französische Übersetzung des Autors Gabriel Chappuys von 1584 verwendete, da sprachliche Hinweise für beide Fassungen vorliegen. Möglicherweise existierte auch eine englische Übersetzung, die auf der französischen und der italienischen Ausgabe basierte, heute jedoch nicht mehr erhalten ist.
Beim Vergleich der Erzählung mit dem Drama Othello wird offensichtlich, dass Shakespeare inhaltlich große Teile von Cinthio übernommen hat. Weitaus interessanter sind jedoch die vorgenommenen Veränderungen und die sich daraus ergebenden Folgen für die Handlung.
Bei der Lektüre der Tragödie fallen insbesondere einige inhaltliche Differenzen zu Cinthios Erzählung auf, von denen im Folgenden die markantesten erläutert werden.
Den Charakteren in Othello wurden im Gegensatz zu denen der Hecatommithi eigene Namen gegeben. Bei Cinthio war nur Disdemona direkt benannt, die Kennzeichnung der restlichen Figuren erfolgte durch Nennung ihres Dienstgrads oder Berufs. Dementsprechend war der Maure der capitano moro, Cassio ein capo di squadra, was übersetzt soviel bedeutet wie „Offizier“, und Iago hieß lediglich alfiero, also „Leutnant“. Die Individualisierung der Figuren bei Shakespeare zeigt sich nicht nur in der Namengebung, sondern vor allem in ihren persönlichen Motivationen. Bei Cinthio ist es ausschließlich die Eifersucht, die den Leutnant zu seinen Intrigen treibt. Er liebt Disdemona, richtet seine Aggressionen aufgrund der unerfüllten Liebe gegen ihren Mann und will aus Neid das Glück ihrer Ehe zerstören. In Othello ist Iagos Motivation weitaus komplexerer Natur. Sein Hass sitzt bereits zu Beginn der Handlung tief und scheint fester Bestandteil seiner düsteren Persönlichkeit zu sein. Als Auslöser seiner Intrigen nennt er die Beförderung Cassios, die er zu erhalten erhoffte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Aufgabenstellung ein, das Werk von Cinthio kurz vorzustellen und dessen Bedeutung als zentrale Quelle für Shakespeares "Othello" darzulegen.
1. Cinthio und sein Werk Gli Hecatommithi: Hier wird der Autor G. B. Giraldi Cinthio biografisch verortet und sein Werk hinsichtlich der moralisierenden Absichten sowie der thematischen Struktur analysiert.
2. Shakespeares Verwendung der Gli Hecatommithi: Dieses Kapitel vergleicht die Novelle mit dem Drama, wobei besonders die Charakterindividualisierung, die erzählerische Erweiterung und die dramatische Zeitgestaltung thematisiert werden.
Schluss: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass der Quellenvergleich für eine tiefergehende Interpretation des Dramas unerlässlich ist, um zentrale Phänomene wie die dramatische Zeitgestaltung besser zu verstehen.
Schlüsselwörter
Shakespeare, Othello, Cinthio, Gli Hecatommithi, Quellenvergleich, Literaturadaption, Dramentheorie, Renaissance, Eifersucht, Iago, Charakterentwicklung, literarische Quelle, Novelle, dramatische Spannung, Zeitebenen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Novelle "Gli Hecatommithi" von Cinthio und William Shakespeares berühmter Tragödie "Othello".
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der Vergleich der Quellentexte, die Evolution der Charakterzeichnungen, die psychologische Motivation der Antagonisten sowie die dramaturgische Weiterentwicklung der Handlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Shakespeares schöpferische Leistung bei der Adaption des Stoffes aufzuzeigen, indem die spezifischen inhaltlichen Veränderungen und deren dramatische Konsequenzen herausgearbeitet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative Literaturanalyse angewandt, die den Originaltext mit dem adaptierten Drama gegenüberstellt, um Unterschiede und künstlerische Transformationen zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Autors und seines Werkes sowie die detaillierte Gegenüberstellung der beiden Werke hinsichtlich Handlung, Figurenpsychologie und zeitlicher Struktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Literaturadaption, Charakterentwicklung, dramatische Spannung, Quellenvergleich und die spezifische "Short time"-Technik.
Wie unterscheidet sich Iagos Charakter in der Novelle von dem im Drama?
Bei Cinthio ist Iago primär durch Eifersucht motiviert, während Shakespeare seine Motivation durch psychologische Komplexität und den Groll über eine ausgebliebene Beförderung deutlich tiefer anlegt.
Welche Bedeutung hat die Zeitgestaltung in "Othello"?
Shakespeare nutzt zwei verschiedene Zeitskalen ("short time" und "long time"), um trotz der dramatischen Komprimierung auf zwei Tage auf Zypern genügend Raum für die Handlungsinformationen zu schaffen.
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- Rebecca Blum (Author), 2001, Cinthios Gli Hecatommithi als Vorlage für Shakespeares Othello, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39773