Der Frauendienst in Hartmanns von Aue Minneliedern


Hausarbeit, 2003

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Vorwort

II Frauendienst in Hartmann von Aues Liedern
2.1 Lied I : Sît ich den sumer trouc
2.2 Lied II: Swes vröide an guoten wîben stât
2.3 Die umworbene Dame in den Liedern- Hohe Minne als Problemmodell
2.4 Verhältnis zur Dienstminne Friedrich von Hausens
2.5 Lied XV: Maniger grüezet mich alsô-eine Persiflage auf die Hohe Minne

III Literaturverzeichnis
3.1 Quellen
3.2 Darstellungen

I Vorwort

„Es hat sich in der Mediävistik die Gewohnheit eingebürgert, die in der mittelalterlichen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts propagierte Liebesauffassung unabhängig von ihren verschiedenen Erscheinungsformen in der Lyrik und im Roman als ,höfische Liebe’ zu bezeichnen, und dies wird zu der Verwirrung beigetragen haben.“[1]

Um die Verwirrung im voraus zu beseitigen, bietet es sich an, zunächst den Begriff der Hohen Minne von der Minne im Roman abzusetzen und die in der Lyrik übliche Konzeption zu erklären.

Ein grundlegender Unterschied, der das Liebeskonzept beider Gattungen ausmacht ist der, das die Liebe im höfischen Roman in der Regel auf die Ehe beschränkt ist, die in der Lyrik allerdings keine Beachtung findet. Innerhalb dieses Unterschieds differenziert man die dem Roman zugrunde liegende amour courtois von dem Konzept der fin’ amor in der Lyrik.

Die Konzeption der fin’amor ist um ca. 1120 in Frankreich bei den Trobadours aufgekommen und wird in Deutschland ab ca. 1180 übernommen. Sie bietet Grundlage für die Konzeption der Hohen Minne:

Unter der Voraussetzung, dass seine Liebe noch unerfüllt ist, umwirbt ein lyrisches Ich eine gesellschaftlich und daher sittlich über ihm stehende Dame, die quasi Idealbild höfischer Vollkommenheit ist. Indem das Sänger-Ich die Dame zur Minneherrin stilisiert, steht sie gleichsam unerreichbar über ihm. Mit der Distanz, die diese Rollenkonstellation ausmacht sind zwei wichtige Aspekte verbunden: Zum Einen erscheint die Frau nicht mehr als Sexualobjekt, dem man sich hemmungslos bemächtigen kann, zum Anderen hat der Sänger seine triuwe und staete unter Beweis zu stellen.

Der mit dem beständigen Dienen verbundene lôn ist aber nicht gerade das sich Erfüllen der Liebe, sondern besteht vielmehr im hohen muot, also gesellschaftlichem Ansehen.

Diese Rollenkonstellation ist das Paradoxon der Hohen Minne und steht gleichermaßen für ein neues Geschlechterverhältnis: die Erziehung des Mannes durch die Frau.

So unterscheidet sich die Minne im höfischen Roman von ihrer Thematisierung in der Lyrik darin, dass „ der Dienst des Mannes (...) allein der Frau (gilt), und (...) nicht in ritterlichen Bewährungskämpfen (besteht), sondern darin, den Spannungszustand zu bewältigen, der aus unerfülltem Liebesverlangen entsteht.“[2]

Nach dieser recht kurzen und allgemeinen Darstellung der Konzeption der Minne im Allgemeinen, beschäftigt sich diese Arbeit im Folgenden mit der Konzeption des Frauendienstes bei Hartmann von Aue. Die Bereits dem Referat zugrunde gelegten Lieder I und II werden neben dem Lied XV, das quasi als Persiflage auf die Hohe Minne gesehen werden kann und den Schluss der Arbeit bilden wird, auch in dieser Arbeit eine grundlegende Rolle spielen. Nach der Einzelinterpretation der Lieder wird auf einen für Hartmann wichtigen Aspekt eingegangen: auf die Rolle der umworbenen Dame in den Liedern und das Problemmodell der Hohen Minne in diesem Zusammenhang.

Ein weiterer Aspekt bildet auch die Dienstminne bei Friedrich von Hausen- es gilt zu untersuchen, inwieweit sich Hartmann von Aue an dieser Konzeption orientiert.

Vorweg gilt es nun noch zu sagen, dass das Augenmerk dieser Arbeit allein auf den oben angeführten Liedern liegen wird, an denen exemplarisch die Konzeption des Frauendienstes bei Hartmann von Aue aufgezeigt wird.

II Frauendienst in Hartmann von Aues Liedern

2.1 Lied I : Sît ich den sumer trouc

Die Minnekanzone besteht aus fünf Strophen mit fünf-hebigen Versen und dem Reimschema ab ab bc cc. Das Lied ist programmatisch für die Hohe Minne, da es sich um eine Klage über das erfolglose Werben um die Gunst einer Dame handelt, die aber nicht die Adressatin ist Genauer gesagt geht es um die Liebe zu einer Frau innerhalb einer Reflexion über die Wertsetzungen und Kategorien der Hohen Minne, nicht aber um eine intime Selbstreflexion.[3]

Die erste Strophe führt in die Thematik des Liedes ein, indem das Sänger–Ich zunächst seine Situation schildert.

Zur Verbildlichung seines Leids dient die Jahreszeitenmetaphorik:

wenn er im Sommer schon so viel Leid und Unglück (MFMT 205,1: „riuwe unde klagen“) durch das Desinteresse der Dame erfahren musste, wie soll dann erst der Winter werden. Auf die Erfolglosigkeit seiner Minne, die er zwar erst im Abgesang feststellt, wird allerdings schon in Vers drei angespielt. Wenn er dort von senender muot spricht, so steht dies doch sicherlich für die bisherige Unerfülltheit der Liebe. Zugleich weist das Wort sanc in derselben Zeile auf die anhaltende Dienstbereitschaft hin, die sich „im Klagen über das erfolglose Werben, in der Minnereflexion des Singens selbst“[4] zeigt.

Nach dieser kurzen, aber eindrücklichen Situationsbeschreibung, wird im Abgesang schließlich die bisherige Erfolglosigkeit seines Dienstes festgestellt.

Anknüpfend an diesen Gedanken, handelt die zweite Strophe von der Ursache des Misserfolgs. Das Sänger–Ich gibt sich am Desinteresse der Dame die Schuld, obwohl es das Paradox der Hohen Minne verbietet, dass „die richtige Werbung zwangsläufig zum Erfolg führe, (...) weil sie mit der Erhörung den Wert verlöre, der für die Werbung motivierend ist (...)“[5].So zieht es einen fatalen Kausalschluss: ausgehend davon, dass auf richtigen Dienst Lohn folgen muss, dieser aber offensichtlich ausbleibt, muss er als Dienender allein an seiner hoffnungslosen Situation die Schuld tragen, da er seiner Dame nicht richtig gedient hat .[6]

Seine Schuld schließlich sieht er allein im wandel, in seinem unbeständigen Dienen. Auf diese Weise definiert er das Paradox der Hohen Minne und löst es gleichzeitig, indem er sich selbst an seiner Situation die Schuld gibt.

[...]


[1] Kasten, Ingrid (1): Frauendienst bei Trobadours und Minnesängern im 12.Jahrhundert. Zur Entwicklung und Adaption eines literarischen Konzepts, Heidelberg 1986.S.10.

[2] Kasten (1), S. 11

[3] Vgl., Cormeau, Christoph und Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche- Werk- Wirkung. 2., neubearbeitete Auflage, München 1985. S.82

[4] Cormeau/Störmer , S.82

[5] Cormeau/Störmer, S.83

[6] Vgl., Cormeau/Störmer, S.83

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Frauendienst in Hartmanns von Aue Minneliedern
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Ältere Deutsche Literatur)
Veranstaltung
Die sogenannte Hohe Minne
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V39996
ISBN (eBook)
9783638386289
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauendienst, Hartmanns, Minneliedern, Hohe, Minne
Arbeit zitieren
Steffi Rothmund (Autor), 2003, Der Frauendienst in Hartmanns von Aue Minneliedern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39996

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