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Der Frauendienst in Hartmanns von Aue Minneliedern

Title: Der Frauendienst in Hartmanns von Aue Minneliedern

Term Paper , 2003 , 16 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Steffi Rothmund (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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„Es hat sich in der Mediävistik die Gewohnheit eingebürgert, die in der mittelalterlichen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts propagierte Liebesauffassung unabhängig von ihren verschiedenen Erscheinungsformen in der Lyrik und im Roman als ,höfische Liebe’ zu bezeichnen, und dies wird zu der Verwirrung beigetragen haben.“

Um die Verwirrung im voraus zu beseitigen, bietet es sich an, zunächst den Begriff der Hohen Minne von der Minne im Roman abzusetzen und die in der Lyrik übliche Konzeption zu erklären.

Ein grundlegender Unterschied, der das Liebeskonzept beider Gattungen ausmacht ist der, das die Liebe im höfischen Roman in der Regel auf die Ehe beschränkt ist, die in der Lyrik allerdings keine Beachtung findet. Innerhalb dieses Unterschieds differenziert man die dem Roman zugrunde liegende amour courtois von dem Konzept der fin’ amor in der Lyrik. Die Konzeption der fin’amor ist um ca. 1120 in Frankreich bei den Trobadours aufgekommen und wird in Deutschland ab ca. 1180 übernommen. Sie bietet Grundlage für die Konzeption der Hohen Minne:

Unter der Voraussetzung, dass seine Liebe noch unerfüllt ist, umwirbt ein lyrisches Ich eine gesellschaftlich und daher sittlich über ihm stehende Dame, die quasi Idealbild höfischer Vollkommenheit ist. Indem das Sänger-Ich die Dame zur Minneherrin stilisiert, steht sie gleichsam unerreichbar über ihm. Mit der Distanz, die diese Rollenkonstellation ausmacht sind zwei wichtige Aspekte verbunden: Zum Einen erscheint die Frau nicht mehr als Sexualobjekt, dem man sich hemmungslos bemächtigen kann, zum Anderen hat der Sänger seine triuwe und staete unter Beweis zu stellen.

Der mit dem beständigen Dienen verbundene lôn ist aber nicht gerade das sich Erfüllen der Liebe, sondern besteht vielmehr im hohen muot, also gesellschaftlichem Ansehen. Diese Rollenkonstellation ist das Paradoxon der Hohen Minne und steht gleichermaßen für ein neues Geschlechterverhältnis: die Erziehung des Mannes durch die Frau.

So unterscheidet sich die Minne im höfischen Roman vo n ihrer Thematisierung in der Lyrik darin, dass „ der Dienst des Mannes (...) allein der Frau (gilt), und (...) nicht in ritterlichen Bewährungskämpfen (besteht), sondern darin, den Spannungszustand zu bewältigen, der aus unerfülltem Liebesverlangen entsteht.“ [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Vorwort

II Frauendienst in Hartmann von Aues Liedern

2.1 Lied I : Sît ich den sumer trouc

2.2 Lied II: Swes vröide an guoten wîben stât

2.3 Die umworbene Dame in den Liedern- Hohe Minne als Problemmodell

2.4 Verhältnis zur Dienstminne Friedrich von Hausens

2.5 Lied XV: Maniger grüezet mich alsô-eine Persiflage auf die Hohe Minne

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzeption des Frauendienstes in ausgewählten Liedern von Hartmann von Aue. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Hartmann von Aue das Ideal der Hohen Minne problematisiert, welche Rolle die umworbene Dame einnimmt und wie sich seine Auffassung zur Dienstminne von Friedrich von Hausen abgrenzt, insbesondere im Hinblick auf das Prinzip der Gegenseitigkeit der Liebe.

  • Analyse der Minnekonzeption in Lied I und Lied II
  • Die Rolle der umworbenen Dame als literarisches Motiv
  • Vergleich der Dienstminne bei Hartmann von Aue und Friedrich von Hausen
  • Untersuchung von Lied XV als kritische Persiflage auf die Hohe Minne
  • Das Prinzip der Leistungsethik und Gegenseitigkeit der Liebe

Auszug aus dem Buch

2.3 Die umworbene Dame in den Liedern- Hohe Minne als Problemmodell

„Minnelieder sind Werbelyrik handeln vom Begehren, von Sehnsucht, Hoffnung auf Erhörung, von Selbstzweifeln, (...)“, den Anlass hierzu gibt stets die Dame, deren Rolle Grund zu verschiedenen Reflexionen bietet. Wichtig ist selbstverständlich auch der Aspekt, dass sich die Frauen nicht „durch Selbstaussage (..) darstellen, sondern sich nun vom lyrischen Ich aus gesehen sind, sich nur indirekt in ihren Wirkungen auf dieses abzeichnen“.

Jedenfalls ist das Glück des Sängers von der Dame abhängig, das in der Regel übliche Ausbleiben macht den Sänger unglücklich, was ihn schließlich zu einer Reflexion zwingt, die zugleich seine anhaltende Dienstbereitschaft zeigen soll.

Niemals wird allerdings eine Verhaltensänderung der Dame gefordert, stets ist es das Sänger–Ich, das sich die Schuld an der hoffnungslosen Situation gibt.

Es geht also um die Erfüllung einer Liebe, die eigentlich unerfüllt bleiben muss, da sich der Sänger sonst nicht mehr im Genre des Minnesangs befinden würde.

In den Liedern Hartmann von Aues ist die Dame in der Regel weniger Objekt der Sympathie als Trägerin objektiver Werte, weshalb sie meist anonym und konturenlos bleibt, zumindest preist Hartmann „die Dame indes selten und geht über die alten, einfachen Attribute nicht hinaus“.

Zusammenfassung der Kapitel

I Vorwort: Es wird die notwendige Differenzierung zwischen dem höfischen Roman und der Lyrik vorgenommen, um das spezifische Konzept der Hohen Minne und dessen Paradoxien einzuführen.

II Frauendienst in Hartmann von Aues Liedern: Dieses Hauptkapitel analysiert exemplarische Lieder Hartmanns, um die Leistungsethik, die Rolle der Dame und die kritische Distanz des Autors zum Minnedienst aufzuzeigen.

2.1 Lied I : Sît ich den sumer trouc: Die Analyse zeigt, wie das Sänger-Ich die eigene Erfolglosigkeit durch ein Schuldbekenntnis aufgrund von Unbeständigkeit (wandel) im Dienst erklärt.

2.2 Lied II: Swes vröide an guoten wîben stât: Hier wird der Minnesang als öffentliches Medium reflektiert, wobei die Distanz zwischen Sänger und Dame die Hoffnungslosigkeit der Werbung unterstreicht.

2.3 Die umworbene Dame in den Liedern- Hohe Minne als Problemmodell: Die Dame fungiert hier primär als literarisches Motiv und Hypostasierung einer Idee, nicht als reale historische Person.

2.4 Verhältnis zur Dienstminne Friedrich von Hausens: Hartmann orientiert sich an Hausens Konzept, weicht aber durch seine Betonung der Gegenseitigkeit der Liebe und das Fehlen einer Hypertrophierung der Frau ab.

2.5 Lied XV: Maniger grüezet mich alsô-eine Persiflage auf die Hohe Minne: Dieses Lied stellt eine Zäsur dar, da Hartmann hier offen die Konventionen kritisiert und das Ideal der Hohen Minne als Farce entlarvt.

Schlüsselwörter

Hartmann von Aue, Minnesang, Hohe Minne, Frauendienst, Dienstminne, Friedrich von Hausen, Liebeskonzeption, Leistungsethik, Unmutslied, Mittelalterliche Literatur, Fin' amor, Schuldsuche, Gegenseitigkeit, Minneklage, Literaturgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Verständnis des Frauendienstes bei Hartmann von Aue und wie dieser seine Lieder nutzt, um die Konventionen der Hohen Minne kritisch zu hinterfragen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Dienst und Lohn, das Spannungsverhältnis zwischen Leistungsethik und unerfülltem Liebesverlangen sowie die Rolle der Dame als Idealfigur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hartmann von Aue durch eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Minnedienst zu einer kritischen Haltung gegenüber der Hohen Minne gelangt, die schließlich in der Forderung nach Gegenseitigkeit mündet.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Verfasserin?

Die Arbeit nutzt die Methode der literaturwissenschaftlichen Einzelinterpretation ausgewählter Lieder sowie den komparativen Vergleich mit dem Minnesang Friedrich von Hausens.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation der Lieder I, II und XV sowie eine übergreifende Reflexion über das Rollenmodell der Dame und den Vergleich zu Friedrich von Hausen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Minnesang, Hohe Minne, Leistungsethik, Dienstminne und die kritische Distanz zu herkömmlichen Gattungskonventionen charakterisieren.

Inwiefern unterscheidet sich Hartmanns Sichtweise von der seines Zeitgenossen Friedrich von Hausen?

Während bei Hausen der Lobpreis dominiert, liegt bei Hartmann der Schwerpunkt auf dem Schuldbekenntnis des Sängers und der Problematisierung einer einseitigen Leistungsethik.

Warum wird Lied XV als "Persiflage" auf die Hohe Minne bezeichnet?

Lied XV bricht mit den gewohnten Motivgrenzen und kritisiert das Ideal der unerreichbaren Dame, indem es stattdessen die Gegenseitigkeit der Liebe bei sogenannten "einfachen Frauen" als erstrebenswerter darstellt.

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Details

Title
Der Frauendienst in Hartmanns von Aue Minneliedern
College
University of Freiburg  (Ältere Deutsche Literatur)
Course
Die sogenannte Hohe Minne
Grade
1,7
Author
Steffi Rothmund (Author)
Publication Year
2003
Pages
16
Catalog Number
V39996
ISBN (eBook)
9783638386289
Language
German
Tags
Frauendienst Hartmanns Minneliedern Hohe Minne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Steffi Rothmund (Author), 2003, Der Frauendienst in Hartmanns von Aue Minneliedern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39996
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