Das Naturrecht bei Cicero


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Das Naturrecht bei Cicero
2.1 ,Vorbemerkungen’
2.2 Der Naturrechtsgedanke in De officiis 19b-32
2.3 ,Fazit’

3. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Das Naturrecht bei Cicero ist ein überaus spannendes Thema, da es Philosophie und Staatstheorie miteinander verbindet. Zerlegt man das Wort „Naturrecht“ in seine substantivischen Einzelteile, gehört das Wort „Natur“ auf die Seite der Philosophie, das Wort „Recht“ zum großen Thema der Staatstheorie.

So ist es mir wichtig, nicht nur das Naturrecht in dem philosophischen Werk De officiis zu betrachten, sondern auch ein staatstheoretisches Werk hinzuzuziehen. Hierfür eignet sich besonders das im Jahr 51 v.Chr. veröffentlichte Werk De re publica, wenngleich das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf den Paragraphen 19b-32 im dritten Buch der De officiis liegen soll.

Diese Arbeit will versuchen, einen Überblick über das Thema Naturrecht bei Cicero zu geben. Nach einigen Vorbemerkungen über die Herkunft Ciceros Naturrechtsauffassung und deren Niederschlag in De re publica, werden die oben genannten Textstellen in De officiis analysiert.

Es folgen am Schluss dieser Arbeit noch Reflexionen zu diesem Thema, die vor allem die oft vorgebrachte Kritik in der Sekundärliteratur aufgreifen.

2. Das Naturrecht bei Cicero

2.1 ,Vorbemerkungen’

Um die Textstelle besser später in ihrer ganzen Bedeutung erfassen zu können, ist es wichtig, einigen Aspekten vorab nachzugehen. In Ciceros Naturrechtsauffassung mischen sich stoische und platonische Elemente.[1] So ist das Naturrecht einerseits nach stoischer Auffassung „nicht nur Norm, sondern tätige Ursache alles Geschehens“[2], andererseits aber erscheint das Naturrecht bei Cicero „doch auch als zeitlose, und ideale Rechtsnorm im platonischen Sinn, und in diesem Falle“, so erklärt Flückiger „dient die Idee des natürlichen Rechts nicht mehr zur Rechtfertigung des Bestehenden, sondern als Urbild und ideale Form des gerechten Staates.“[3] Die Idee einer zeitlosen und unveränderlichen Rechtsvorstellung lehnt also an platonisches Gedankengut an, dass „diese <Rechts>idee der Natur >>eingesenkt<< sei“[4] an stoisches Gedankengut. Auch auf die Stoa zurückzuführen ist das secundum naturam vivere, ohne das keine Gerechtigkeit möglich sei:[5] Es bedeutet in jeder Hinsicht nach der vollkommenen Natur des Menschen zu leben, zu welcher neben dem Leib auch die Vernunft gehört.[6] So ist gemäß der Stoa „alles, was nicht der Vernunft entspringt, der Menschennatur zuwider“[7], da sich das naturgemäße Leben ausschließlich am Vernunftgesetz orientiert. Für Cicero aber muss sowohl die natürliche Triebhaftigkeit als auch die sittliche Tugend unter dem Aspekt des Nutzens übereinstimmen.[8]

Hierzu bleibt zu sagen, dass der Begriff des Nutzens bei Cicero stets auf das Wohlergehen des Gemeinwesens zu beziehen ist.[9]

Einer strengen Unterscheidung bedürfen die Begriffe ius naturale und lex naturae, die die stoische Philosophie nicht macht. Wichtig vor einer Unterscheidung beider Begriffe ist zunächst der doppelte Aspekt der lex naturae: Das Naturgesetz „ist als Vernunftgesetz dem Menschen erkennbar und insofern Verhaltensnorm, aber es ist zugleich und sogar primär die der Natur immanente Wirkursache, welche alle Lebewesen zum naturgemäßen Handeln bewegt.“[10] Das Naturgesetz treibt also alles an und lenkt alles in einer bestimmten Richtung. Flückiger führt hier als Beispiele naturgesetzliche Triebe an, wie beispielsweise den Selbsterhaltungstrieb, aus denen sich freilich auch ein Recht, nämlich das Recht auf Selbsterhaltung ergeben. So sieht der Autor im Naturgesetz „die der Natur inkorporierte Rechtsnorm“[11], im Naturrecht die „sich daraus ergebende positive Rechtsforderung“[12].

Was Cicero in seinem Werk De re publica über das Thema Naturrecht zu sagen hat, unterscheidet sich in seinem Kern zwar nicht von den Aussagen zum Thema in seinem Werk De officiis, dennoch wird in einem anderen Rahmen über das Thema gesprochen, da es sich mit De officiis um ein philosophisches Werk handelt, bei De re publica allerdings um ein staatstheoretisches. Und wie im Vorwort angesprochen, ist es wichtig das Thema Naturrecht von beiden Seiten zu untersuchen: von der philosophischen Seite aber auch von der staatstheoretischen.

Im dritten Buch seines Werkes De re publica definiert Cicero:

„Est quidem vera lex recta ratio, naturae congruens, diffusa in omnis, constans sempiterna, quae vocet ad officium iubendo, vetando a fraude deterreat, quae tamen neque probos frustra iubet aut vetat, nec improbos iubendo aut vetando movet. Huic legi nec abrogari fas est(…). (…) et omnes gentes et omni tempore una lex et sempiterna et inmutabilis continebit, unusque erit communis quasi magister et imperator omnium deus. (…) cui qui non parebit, ipse se fugiet ac naturam hominis aspernatus (…).“[13]

Mit diesen Worten bringt Cicero ganz klar zum Ausdruck, dass es nur ein wahres Gesetz und ein sich daraus ergebendes wahres Recht gibt : Es ist in der Natur zu finden und gilt zu allen Zeiten und bei allen Völkern. Auch hier findet sich deutlich die Anlehnung an Plato, mit seiner Idee des Zeitlosen und Allgemeingültigen. Außerdem finden sich Parallelen zu den dieser Arbeit hauptsächlich zu Grunde liegenden Stellen 19b-32 im dritten Buch der De officiis. Cicero spricht dort in Paragraph 28 davon, dass die societas communis generis humanis die gesamte Menschheit meint und wer das anders sieht oder gegen diese societas handelt, pflichtvergessen gegenüber den Göttern ist, da diese die societas gegründet haben und es Pflicht des Menschen ist, sie mit ganzer Kraft zu erhalten. In dem Textauszug von De re publica haben wir nun einen ähnlichen Gedanken: Wer dem Naturrecht nicht gehorcht, entflieht sich selbst und verleugnet das Menschengeschlecht.

[...]


[1] vgl. Flückiger,F.: Geschichte des Naturrechts.Bd.1.Basel 1954.S.221f

[2] Flückiger, S.222

[3] Flückiger, S.222

[4] Flückiger, S.222

[5] vgl. Flückiger, S.192

[6] Flückiger, S.236

[7] Flückiger, S.193

[8] vgl. Cicero,M.T.: De officiis.Stuttgart 2003. III,35: „nihil tam secundum naturam quam utilitas

[9] vgl.Flückiger, S.229

[10] Flückiger, S.203

[11] Flückiger, S..222

[12] Flückiger, S.222

[13] Cicero,M.T. : De re publica. Stuttgart 2001. III,22

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Naturrecht bei Cicero
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Klassische Philologie)
Veranstaltung
Cicero und das Naturrecht
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V39999
ISBN (eBook)
9783638386319
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Naturrecht, Cicero, Thema Cicero
Arbeit zitieren
Steffi Rothmund (Autor), 2004, Das Naturrecht bei Cicero, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39999

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