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Der Konflikt in der Krajina 1991-1995

Title: Der Konflikt in der Krajina 1991-1995

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 39 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Arne Friedemann (Author)

Politics - Region: Southeastern Europe
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Summary Excerpt Details

In der Mitte des Jahres 1991 kam es in der früheren jugoslawischen Republik Kroatien zu bewaffneten Konflikten, die schließlich zum Krieg führten. Dieser Krieg war eine der Etappen auf dem Weg zum endgültigen Zerfall der "Föderativen Volksrepublik Jugoslawien". Den Anlaß zum Krieg bildete die ungelöste Frage des Krajina-Gebiets, einer mehrheitlich von Serben bewohnten Region, die insgesamt ungefähr ein Drittel Kroatiens einnimmt.

Der in dieser Arbeit verwendete "Krajina"-Begriff bedarf einer kurzen Erläuterung. Grundsätzlich ist dabei mit "Krajina" nicht nur die geographische Region Krajina im Süden Kroatiens gemeint, sondern ebenso die Regionen West- und Ostslawonien. Die Verwendung eines erweiterten Krajina-Begriffs ist deshalb sinnvoll, weil die Entwicklung aller drei Regionen im beobachteten Zeitraum parallel verlief: Krajina, West- und Ostslawonien befanden sich ursprünglich auf kroatischem Territorium, wiesen aber eine mehrheitlich serbische Bevölkerung (bzw. starke serbische Minderheiten) auf. Infolge dessen wurden alle drei Gebiete nach 1990 sowohl von serbischer als auch von kroatischer Seite für sich beansprucht. Nach Kriegsbeginn wurde die Krajina ebenso wie West- und Ostslawonien von serbischen Einheiten erobert. Wenig später schlossen sich alle drei Gebiete zur "Republika Srbska Krajina" und damit zu einem einheitlichen politischen Gebilde zusammen. Etwa zur selben Zeit wurden in diesem Gebiet drei UNO-Schutzzonen implementiert – der Beginn eines UNO-Blauhelmeinsatzes, der bis 1995 dauern sollte. All diese Gemeinsamkeiten zusammengenommen legen die Verwendung des Begriffs "Krajina" als Sammelbegriff nahe. Das Thema dieser Arbeit "Der Konflikt in der Krajina 1991-1995" bezieht sich dementsprechend auf den Konflikt in allen drei Regionen.

Um den Konflikt in der Krajina verstehen zu können, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden: Hier ist zum ersten die extreme "Gemengelage" zu nennen, die prägend für das gesamte frühere Jugoslawien ist. Denn bis 1991 siedelten Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Sprachen und Konfessionen verstreut auf einem relativ kleinen Territorium. Dieser Umstand führte nach dem Zerfall des Bundesstaats zu einer Vielzahl von Minderheitenproblemen, von denen eines das der serbischen Minderheit in Kroatien ist.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DER KRIEG UM DIE KRAJINA (1991-1995)

2.1. Vorgeschichte. Die Ursachen des Konfliktes

2.1.1. Die Erosion Jugoslawiens

2.1.2. Die serbische Minderheit in Kroatien

2.1.3. Die Positionen der Regierungen zu Beginn des Konflikts

2.2. Krieg in drei Phasen

2.2.1. Phase 1: "Heißer" Krieg (Juli 1991-Januar 1992)

2.2.2. Phase 2: Weder Krieg noch Frieden (1992-1995)

2.2.3. Phase 3: Die kroatischen "Rückeroberungen" (Mai/August 1995)

2.3. Der spezifische Charakter des Krieges: Chaos und "ethnische Säuberungen"

2.4. Der Krieg in Kroatien – ein "ethnischer Konflikt"?

3. DIE EINMISCHUNG DER "INTERNATIONALEN GEMEINSCHAFT"

3.1. Die Interessen der Interventionsmächte

3.2. Die voreilige Anerkennung Kroatiens

4. UNPROFOR – DER BLAUHELMEINSATZ IN KROATIEN

4.1. Exkurs: Geschichte und Wesen von UNO-Friedensmissionen

4.2. Die UNO-Mission in der Krajina (1992-1995)

4.3. Das Scheitern von UNPROFOR

4.4. Scheiterte UNPROFOR am Defensiv-Grundsatz?

4.5. Die wahren Gründe für das Scheitern von UNPROFOR

4.6. Westliche Militärhilfe für Kroatien

4.7. Fazit: Die UNO-Mission in der Krajina – Einseitige Unterstützung großkroatischer Ambitionen

4.8. Was ist von "humanitären Motiven" zu halten?

SCHLUSSBEMERKUNG: DER KONFLIKT IN DER KRAJINA UND DIE DURCHSETZUNG EINER NEUEN WELTORDNUNG

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Konflikt in der Krajina zwischen 1991 und 1995 unter besonderer Berücksichtigung des internationalen Engagements. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Blauhelmtruppe UNPROFOR scheiterte und welche tatsächlichen Interessen die Interventionsmächte in der Region verfolgten, wobei die Arbeit die Hypothese einer einseitigen Unterstützung großkroatischer Ambitionen durch den Westen beleuchtet.

  • Analyse der Ursachen des Konflikts und des Zerfalls Jugoslawiens
  • Untersuchung des Blauhelmeinsatzes UNPROFOR und dessen Scheitern
  • Kritische Hinterfragung der Rolle der "Internationalen Gemeinschaft"
  • Bewertung von "humanitären Motiven" in der internationalen Außenpolitik
  • Einordnung des Konflikts in die Entwicklung einer neuen Weltordnung nach dem Kalten Krieg

Auszug aus dem Buch

2.4. Der Krieg in Kroatien – ein "ethnischer Konflikt"?

War der Krieg in Kroatien, waren die anderen Konflikte in Ex-Jugoslawien "ethnische Konflikte"? Zur Beantwortung dieser Frage muß man sich zunächst vor Augen führen, welche Implikationen der Begriff "ethnischer Konflikt" beinhaltet.

Zunächst einmal fällt auf, daß der Begriff "Ethnie" immer dann fällt, wenn erklärt werden soll, wieso es in einer bestimmten Region zur Krise gekommen ist (und auch dann nur, wenn diese Region nicht im Westen liegt). Und das nicht ohne Grund: Denn durch die Problematisierung von angeblich "ethnischen" Unterschieden zwischen Bevölkerungsgruppen wird auch die Erklärung der komplexesten Krisensituation plötzlich kinderleicht: Anscheinend ist es lediglich die kulturelle, religiöse, sprachliche (eben "ethnische") Verschiedenheit der Menschen, die die Ursache für den jeweiligen Konflikt darstellt.

Doch wenn man diesen Ansatz einmal anhand des jugoslawischen Beispiels überprüft, stellt sich schnell heraus, wie wenig stichhaltig eine "ethnische" Argumentationsschiene ist. Denn erstens geht die Konzeption von "ethnischen Konflikten" von der irrtümlichen Annahme aus, daß in diesen Konflikten die "Ethnien" (also die Bevölkerungen) den Startschuß zum Kampf geben würden. Tatsächlich werden Kriege aber immer von Eliten initiiert, wobei die "Ethnien" lediglich als Material dienen. Davon abgesehen stellt sich die Frage: Wenn diese "Ethnien" (z.B. Kroaten und Serben) grundsätzlich nicht zusammenleben können, warum ist es dann trotz der großen Durchmischtheit Jugoslawiens nicht früher zum Konflikt gekommen? Wie war es dann möglich, daß Serben und Kroaten von 1945 bis 1991, also über 45 Jahre, friedlich miteinander lebten (eine Tatsache die von vielen ehemaligen "Jugoslawen" immer wieder bestätigt wird)? Und: Wie erklärt es sich, daß es noch auf dem Höhepunkt des Konfliktes zu einer Vielzahl "inter-ethnischer" Bündnisse kam?

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik des Krajina-Konflikts, Definition des Begriffs Krajina und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.

2. DER KRIEG UM DIE KRAJINA (1991-1995): Darstellung der Ursachen des Konflikts, des Zerfalls Jugoslawiens und der Phasen des Krieges bis hin zu den kroatischen Rückeroberungen.

3. DIE EINMISCHUNG DER "INTERNATIONALEN GEMEINSCHAFT": Analyse der Interessen der westlichen Mächte und der Rolle der voreiligen Anerkennung Kroatiens als Auslöser für eine Eskalation.

4. UNPROFOR – DER BLAUHELMEINSATZ IN KROATIEN: Detaillierte Untersuchung des Blauhelmeinsatzes, der Gründe für sein Scheitern und der verdeckten militärischen Unterstützung Kroatiens durch den Westen.

SCHLUSSBEMERKUNG: DER KONFLIKT IN DER KRAJINA UND DIE DURCHSETZUNG EINER NEUEN WELTORDNUNG: Synthese der Ergebnisse mit der Schlussfolgerung, dass das internationale Handeln primär machtpolitischen Interessen folgte und den Weg für eine neue globale Ordnung ebnete.

Schlüsselwörter

Krajina, Jugoslawien, Kroatien, UNPROFOR, Blauhelme, Ethnische Säuberungen, Internationale Gemeinschaft, Nationalismus, Weltordnung, Kalter Krieg, Ethnische Konflikte, Humanitäre Motive, Franjo Tudman, Slobodan Miloševic, Sezession.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Konflikt in der Krajina von 1991 bis 1995 und beleuchtet dabei kritisch das Verhalten der internationalen Akteure, insbesondere die Rolle der UNPROFOR-Blauhelmtruppe.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind der Zerfall Jugoslawiens, die Genese des Krajina-Konflikts, die Rolle des Nationalismus sowie die kritische Auseinandersetzung mit der westlichen Interventionspolitik unter dem Deckmantel humanitärer Motive.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass das internationale Engagement keineswegs neutral war, sondern gezielt großkroatische Ambitionen unterstützte und das Scheitern von UNPROFOR in Kauf nahm oder gar beabsichtigte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, gestützt auf eine kritische Auswertung von Fachliteratur, Berichten internationaler Beobachter und Medienberichten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Kriegsverlaufs, die Rolle der internationalen Gemeinschaft bei der Anerkennung Kroatiens, eine detaillierte Analyse der UNPROFOR-Mission und die Aufdeckung westlicher Militärhilfe für Kroatien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Krajina, Jugoslawien, UNPROFOR, Ethnische Säuberungen, Internationale Gemeinschaft, Geopolitik.

Was impliziert der Begriff "ethnischer Konflikt" nach Ansicht des Autors?

Der Autor kritisiert den Begriff als irreführend, da Konflikte primär von Eliten initiiert werden, um Nationalismus als Herrschaftsinstrument zur Durchsetzung eigener politischer und wirtschaftlicher Interessen zu nutzen.

Welchen Einfluss hatte der Westen auf die kroatischen Streitkräfte?

Der Autor führt aus, dass die kroatische Armee durch technisches Training, Ratschläge von US-Pensionären und vermutlich auch durch Waffenlieferungen aus ehemaligen Beständen der NVA signifikant gestärkt wurde.

Wie bewertet der Autor die "humanitären Motive" der Weltmächte?

Er betrachtet sie als bloße Propagandainstrumente oder "Abfallprodukte", die zur Legitimation von Machtpolitik dienen, während die tatsächlichen Ziele die Sicherung von Einflusssphären sind.

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Details

Title
Der Konflikt in der Krajina 1991-1995
College
Free University of Berlin  (Otto Suhr-Institut)
Course
HS "Konflikte und internationales Konfliktmanagement in Südosteuropa"
Grade
1,0
Author
Arne Friedemann (Author)
Publication Year
1999
Pages
39
Catalog Number
V40020
ISBN (eBook)
9783638386449
Language
German
Tags
Konflikt Krajina Konflikte Konfliktmanagement Südosteuropa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Arne Friedemann (Author), 1999, Der Konflikt in der Krajina 1991-1995, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40020
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