Die Entwicklung zu einem „Vereinigten Europa“ ist noch längst nicht abgeschlossen – und wird es vielleicht auch nie sein. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich eine weitreichende Entwicklung vollzogen, die in dem Euro als wahrscheinlich für die meisten Menschen deutlichsten Zeichen der Integration gipfelte. Die heutige EU blickt mit der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) auf ein reines Wirtschaftsbündnis als Ursprung zurück. Allerdings blieb die europäische Integration nicht allein auf den wirtschaftlichen Sektor beschränkt. Doch der Weg der gewollten politischen Vereinigung war wesentlich steiniger und endete zwischenzeitlich mehrfach in der Sackgasse. Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik als Thema dieser Arbeit ist dafür ein gutes Beispiel.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung bis zum Vertrag von Maastricht
2.1 Erste Schritte – die Anfänge bis zum Scheitern der EVG
2.2 Die EPZ als „echter“ Vorläufer
3. Die GASP
3.1 Der Vertrag von Maastricht
3.2 Die Reformen von Amsterdam und Nizza
3.3. Probleme und Schwächen
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der historischen Genese und der strukturellen Entwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der Europäischen Union. Ziel der Untersuchung ist es, die Handlungsfähigkeit der EU in außenpolitischen Krisen zu analysieren, die Effizienz der geschaffenen Institutionen zu bewerten und kritisch zu prüfen, ob die bisherigen Reformschritte ausreichen, um die EU als globalen politischen Akteur zu etablieren.
- Die Anfänge europäischer politischer Zusammenarbeit (EVG und EPZ).
- Die Etablierung der GASP durch den Vertrag von Maastricht und deren Weiterentwicklung.
- Die Analyse zentraler Instrumente der GASP sowie der Akteurskonstellationen.
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen nationaler Souveränität und europäischer Integration.
- Perspektiven für eine zukünftige Verschmelzung von GASP und ESVP zur Stärkung der europäischen Handlungsfähigkeit.
Auszug aus dem Buch
2.1 Erste Schritte – die Anfänge bis zum Scheitern der EVG
Die ersten Gedanken über eine politische Zusammenarbeit zwischen den Staaten Westeuropas kamen bereits nach dem zweiten Weltkrieg zur Diskussion. Zunächst aber stand eine wirtschaftliche Annäherung im Vordergrund. Der erste erfolgreiche Schritt erfolgte dann auch zunächst auf wirtschaftlichem Sektor mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) 1951. Deutschland unter Adenauer war ein Verfechter der Westintegration und unterstützte die Entwicklung eines „zusammenrückenden“ Europas. Bereits im Oktober 1945 hatte sich der spätere deutsche Kanzler Gedanken über einen starken westlichen Block als Gegenstück zum von Russland regierten Osten Europas gemacht. Mit dem Eintritt Deutschlands in den Europarat 1949 und zwei Jahre später in die EGKS sah Adenauer die Bundesrepublik auf dem richtigen Weg.
Doch so schnell sich die Staaten zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit durchringen konnten, so beschwerlich war der Weg in die Richtung einer politischen Zusammenarbeit. In der Forschung ist die Diskussion über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG), die Anfang der 50er Jahre hohe Wellen schlug, bislang eher vernachlässigt worden. In vielen historischen Werken wird sie nicht erwähnt. Selbst in Arbeiten, die sich mit der Entwicklung der GASP befassen, wird die Problematik der EVG oftmals nur angeschnitten. Gleiches gilt für die Internetseiten der Europäischen Union, auf denen kaum Hinweise auf die EVG zu finden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der europäischen Integration ein und umreißt den Werdegang von einer reinen Wirtschaftsgemeinschaft hin zur GASP.
2. Die Entwicklung bis zum Vertrag von Maastricht: Das Kapitel beleuchtet die historischen Vorläufer der GASP, insbesondere das Scheitern der EVG und die Rolle der EPZ als erste intergouvernementale Kooperationsform.
3. Die GASP: Hier werden die vertragliche Verankerung der GASP in Maastricht sowie die darauf folgenden Reformen von Amsterdam und Nizza detailliert analysiert.
4. Fazit und Ausblick: Das Kapitel bewertet den aktuellen Stand der GASP kritisch und diskutiert zukünftige Herausforderungen wie die EU-Erweiterung und den Ausbau der ESVP.
Schlüsselwörter
Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, GASP, Europäische Union, Europäische Verteidigungsgemeinschaft, EVG, Europäische Politische Zusammenarbeit, EPZ, Vertrag von Maastricht, Integration, Intergouvernementalität, Souveränität, Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik, ESVP, Krisenbewältigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den historischen Werdegang und die strukturelle Entwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der Europäischen Union.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Vorläufermodelle der Integration, die GASP-Verträge (Maastricht, Amsterdam, Nizza), das Zusammenspiel der EU-Institutionen sowie die Problematik des Souveränitätsdenkens der Mitgliedstaaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit der EU in der Außenpolitik zu hinterfragen und zu prüfen, ob die institutionellen Strukturen den gewachsenen Ansprüchen an die EU als internationaler Akteur genügen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung primärer Vertragstexte sowie historischer Berichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entwicklung von der EVG über die EPZ bis hin zur GASP, inklusive der spezifischen Instrumente wie Gemeinsame Standpunkte und Aktionen sowie der Rolle wichtiger Akteure.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen GASP, Intergouvernementalität, Souveränität, Europäische Integration und ESVP.
Warum wird die EVG in der Arbeit als so wichtig erachtet?
Die EVG wird als der erste gescheiterte Versuch gewertet, politische und militärische Zusammenarbeit über den wirtschaftlichen Sektor hinaus zu etablieren, was für das Verständnis der späteren Entwicklung der GASP essenziell ist.
Welchen Stellenwert nimmt das "Souveränitätsdenken" ein?
Das Souveränitätsdenken der Mitgliedstaaten wird als das Haupthindernis für eine effiziente und handlungsfähige europäische Außenpolitik identifiziert, da es eine supranationale Integration in diesem Bereich erschwert.
- Quote paper
- Manuel Praest (Author), 2003, Die Entwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik in Europa (GASP), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40022