Die vorliegende empirische Studie ”Flow beim Lesen“ wurde an 13 Klassen der Klassenstufe 7 des Gymnasiums durchgeführt. Anhand eines Fragebogens wurde retrospektiv das Erleben der Kinder beim Lesen und verschiedene, das Leseverhalten beeinflussende Variablen (Lesekompetenz, Lesevergnügen, Lesehäufigkeit, Modellverhalten der Eltern, Unterrichtsgestaltung) erfasst und explorativ untersucht. Die theoretische Aufspaltung des Flow-Konzepts in verschiedene Subfacetten wurde mittels einer konfirmatorischen Faktorenanalyse überprüft. Die postulierte Modellstruktur des Flow ließ sich empirisch nicht zeigen. Es wird eine neue Operationalisierung für Flow vorgeschlagen. Flow tritt beim Lesen im Kindesalter auf. Es findet sich kein Einfluss der Lesekompetenz auf
das Flow-Erleben. Eine Flow-Typologie bezüglich der Aspekte Flow-Intensität und -Häufigkeit wurde entwickelt. Die gefundenen Flow-Typen unterscheiden sich quantitativ, aber nicht qualitativ. Es wurden Profile für die Flow-Typen herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Theorie
1.1 Flow
1.2 Flow und Lesen
1.3 Untersuchungsgegenstand
2 Methoden
2.1 Operationalisierung
2.2 Vorgehen
2.3 Stichprobe
2.4 Überprüfung der Flow-Struktur
2.4.1 Schulerstichprobe
2.4.2 Validierungsstichprobe
2.4.3 Flow-Kurzskala
2.5 Skalenkonstruktion
2.5.1 Flow-Intensität
2.5.2 Flow-Häufigkeit
2.5.3 Autotelische Erfahrung
2.5.4 Interesse am Lesen
2.5.5 Lesevergnugen
2.5.6 Aktivität
2.5.7 Offenheit für Erfahrungen
2.5.8 Einfühlungsvermögen
2.5.9 Lesekompetenz
3 Ergebnisse
3.1 Flow und Lesen
3.1.1 Leseverhalten der Kinder
3.1.2 Leseverhalten der Eltern
3.1.3 Einfluss der Unterrichtsgestaltung
3.1.4 Geschlechtervergleich
3.1.5 Schulvergleich
3.2 Flow-Erleben
3.3 Flow-Typologie
3.4 Flow und Lesekompetenz
4 Diskussion
4.1 Flow beim Lesen
4.2 Geschlechtervergleich
4.3 Flow-Typologie
4.4 Flow und Lesekompetenz
5 Conclusio
Zielsetzung und Themen
Die Studie untersucht explorativ das Erleben von Flow beim Lesen bei Schülern der 7. Klasse und analysiert den Zusammenhang zwischen diesem Flow-Erleben und verschiedenen Einflussfaktoren wie Lesekompetenz, Leseverhalten und elterlichem Modellverhalten.
- Erfassung des Flow-Erlebens beim Lesen im Kindesalter.
- Untersuchung von geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Flow-Intensität und -Häufigkeit.
- Analyse des Einflusses von Leseverhalten, Elternverhalten und Unterrichtsgestaltung auf das Flow-Erleben.
- Prüfung des Zusammenhangs zwischen Lesekompetenz und Flow-Erleben.
- Entwicklung und Validierung einer neuen Operationalisierung bzw. Kurzskala für Flow beim Lesen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Flow
Flow ist ein Zustand, in dem ein Mensch bei voller Kapazitätsauslastung ganz in einer Tätigkeit aufgeht und dies als sehr beglückend erlebt (Csikszentmihalyi, 1992). Die Erforschung des Flow-Erlebens durch Csikszentmihalyi erfolgte nach einem stark phänomenologischen Ansatz. Er interviewte und beobachtete Menschen bei verschiedenen Aktivitäten wie zum Beispiel Bergsteigen, Tanzen oder Schachspielen und erkannte, dass unterschiedliche Tätigkeiten sehr ähnlich beschrieben wurden, wenn sie besonders erfolgreich abliefen. „Offensichtlich fühlte sich ein Langstreckenschwimmer bei der Durchquerung des Ärmelkanals fast genauso wie ein Schachspieler bei einem Turnier... . Sämtliche Gefühle wurden in wichtigen Einzelheiten von den Befragten geteilt...“ (Csikszentmihalyi, 1992; S. 73). Diese verschiedenen, immer wieder beschriebenen Facetten des Erlebens während des Flow-Zustands fasste er zu 7 Erfahrungsbereichen zusammen.
Diese Facetten des Flow sind jedoch nicht einheitlich in der Literatur zu finden. Die Angaben über Anzahl, Bedeutung und Benennung schwanken in gewisser Weise zwischen den verschiedenen Autoren, die sich mit dem Konstrukt beschäftigt haben (Rheinberg, 2004; Remy, 2000; Bellebaum & Muth, 1996; Csikszentmihalyi, 1992; Csikszentmihalyi, 1999; Csikszentmihalyi, 2002). Die 6 im Folgenden beschriebenen Facetten wurden konsistent in der Literatur erwähnt. Zur besseren semantischen Abgrenzbarkeit und Präzisierung wurden diese in der vorliegenden Untersuchung mit neuen Bezeichnungen versehen. Das Flow-Erleben ist demnach wie folgt zu beschreiben:
1. Flow scheint nur dann aufzutreten, wenn eine Aufgabe im Bereich der Leistungsfähigkeit des Ausführenden liegt. Der Handelnde erlebt das Gefühl optimal beansprucht zu sein und trotz hoher Anforderungen das Geschehen gut unter Kontrolle zu haben. Er erfährt eine Balance zwischen der Anforderung und seinen Fähigkeiten. Dieser Aspekt wird von Csikszentmihalyi als der bedeutsamste für die Bestimmung von Flow genannt (Csikszentmihalyi zit. in Rheinberg, 2004).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Theorie: Dieses Kapitel definiert das Konstrukt Flow und diskutiert den aktuellen Forschungsstand zum Thema Flow beim Lesen sowie den spezifischen Untersuchungsgegenstand.
2 Methoden: Hier wird die Vorgehensweise der empirischen Studie beschrieben, einschließlich der Operationalisierung der Konstrukte, der Stichprobenbeschreibung sowie der Skalenkonstruktion.
3 Ergebnisse: Dieser Abschnitt präsentiert die empirischen Daten zur Analyse des Leseverhaltens, des Flow-Erlebens und der Zusammenhänge mit verschiedenen Einflussvariablen.
4 Diskussion: Hier werden die gewonnenen Ergebnisse kritisch reflektiert, theoretisch eingeordnet und Einschränkungen sowie Potenziale für zukünftige Studien diskutiert.
5 Conclusio: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Studie zusammen und betont den Beitrag zur empirischen Forschung über Flow beim Lesen.
Schlüsselwörter
Flow, Lesen, Leseglück, Lesekompetenz, Leseverhalten, Lesevergnügen, empirische Studie, Kindesalter, Flow-Intensität, Flow-Häufigkeit, autotelische Erfahrung, Clusteranalyse, Unterrichtsgestaltung, Modellverhalten der Eltern, Flow-Typologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Kinder beim Lesen Flow erleben können, welche Faktoren dieses Erleben beeinflussen und ob ein Zusammenhang mit der Lesekompetenz besteht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Flow-Konstrukt, Lesesozialisation, Leseglück sowie die Erfassung von Lesekompetenz und Lesevergnügen bei Kindern der Klassenstufe 7.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob Kinder Flow beim Lesen erleben, wie sich dieses Erlebnis operationalisieren lässt und welche Zusammenhänge zwischen Flow und Faktoren wie dem Geschlecht, dem Leseverhalten oder der elterlichen Vorbildfunktion bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine empirische Studie, die Fragebögen verwendet, quantitative Daten erhebt und diese mittels Faktorenanalysen, Korrelationsrechnungen, Clusteranalysen und Varianzanalysen auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Theorie (Definitionen), Methoden (Fragebogenerstellung, Stichprobenbeschreibung), Ergebnisse (detaillierte statistische Analyse) und Diskussion (Interpretation der Befunde).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören Flow, Lesen, Lesekompetenz, Lesevergnügen, empirische Studie und Flow-Typologie.
Warum wurde eine neue Operationalisierung von Flow vorgeschlagen?
Da sich die theoretisch postulierten 6 Flow-Subfacetten in der Untersuchung empirisch nicht bestätigen ließen, wurde eine neue, ökonomischere Operationalisierung in Form eines Kurzfragebogens für künftige Erhebungen entwickelt.
Gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Flow und Lesekompetenz?
Nein, in der vorliegenden Studie konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Intensität bzw. Häufigkeit des Flow-Erlebens und der gemessenen Lesekompetenz der Schüler gefunden werden.
- Quote paper
- Christiane Fiege (Author), Claudia Raschdorf (Author), Martin Hecht (Author), 2005, Flow beim Lesen - Eine empirische Studie an Kindern der Klassenstufe 7, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40168