Das Republikmodell der Niederlande im 16./17 Jahrhundert war – abgesehen von der Schweiz und Venedig – beispiellos in Europa. Die Provinzen stemmten sich im 80-jährigen Krieg nicht nur gegen die Spanische Oberherrschaft, die mit dem Frieden von Münster 1648 endgültig endete, sondern schufen auch ein Regierungssystem, das sich von dem der Nachbarstaaten wie Frankreich unterschied. Doch war diese „Republik“ wirklich so revolutionär zu nennen, wie es auf den ersten Blick erscheint? Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Aufbau der Republik und der Entwicklung der Niederlande im „Golden Eeuw“, vor allem während der Zeit der Statthalter Friedrich Heinrich von Oranien (1625 bis 1647) und Wilhelm II. von Oranien (1647 bis 1650). Es gilt zu klären, wer nun in der jungen Republik die Herrschaft ausübte.
Am Anfang der Arbeit steht ein kurzer Überblick über die „Geburt“ der Republik Ende des 16. Jahrhunderts. Eine turbulente Entwicklung, an deren Ende nicht unbedingt die Republik hätte stehen sollen. Daran anschließend werden der Aufbau und die verschiedenen Gremien, die in die Verfassung eingebunden waren, vorgestellt. Dabei geht es vor allem um die Zeit nach 1588, denn die Institutionen als solche sind teilweise wesentlich älter. Die Generalsstaaten stellten die Regierung dar, daneben hatten die Statthalter eine immense Bedeutung. Hierbei wird ein Blick vor allem auf die beiden oben genannten Oranier geworfen. Während Friedrich Heinrich vor allem durch militärisch Erfolge auf sich aufmerksam machte und eine große Machtfülle anhäufte, war seinem Nachfolger weniger Glück beschieden. Wilhelm II. sah sich schnell mit einer starken Opposition konfrontiert und ließ sich später zu einem Feldzug gegen Amsterdam hinreißen. Nach seinem plötzlichen Tod folgte sogar eine statthalterlose Phase bis 1672.
Zum Abschluss steht eine Bewertung der Republik an. Bestimmten in den Niederlanden wirklich die Bürger über die Politik oder stellte die Republik nicht doch eine verkappte Monarchie dar? Wie ausgeprägt waren die demokratischen Strukturen der Republik?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die „Geburt“ der Republik
- Der Aufbau der Republik
- Die Generalstaaten
- Der Statthalter
- Staatsrat und Ratspensionär
- Zusammenfassung und Bewertung
- Anhang
- Quellen- und Literaturnachweise
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Entstehung und Entwicklung der Niederländischen Republik im 16. und 17. Jahrhundert, insbesondere im „Golden Eeuw“. Dabei wird untersucht, ob die Republik tatsächlich eine Bürgerherrschaft darstellte oder doch eher eine verkappte Monarchie, und welche Rolle die Statthalter Friedrich Heinrich und Wilhelm II. von Oranien in diesem Prozess spielten.
- Die „Geburt“ der Republik aus den Aufständen gegen die spanische Oberherrschaft
- Die Rolle des Provinz-Partikularismus und der Einfluss der Generalstaaten
- Die Machtbefugnisse der Statthalter und ihre Bedeutung für die Staatsführung
- Die Entwicklung und Bedeutung der Institutionen der Republik
- Die Frage, ob die Republik eine echte Bürgerherrschaft oder eine verkappte Monarchie war
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Frage nach der Natur der Niederländischen Republik und erläutert den Fokus der Arbeit auf die Entwicklung der Republik im "Golden Eeuw", insbesondere während der Amtszeit von Friedrich Heinrich und Wilhelm II. von Oranien.
- Die „Geburt“ der Republik: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung der Republik aus den Aufständen gegen die spanische Herrschaft im 16. Jahrhundert. Es beleuchtet die verschiedenen Akteure und ihre Ziele, darunter die städtischen Honoratiorenschichten, die Zünfte und die unterbürgerlichen Schichten. Die "Union von Utrecht" 1579 und die Unabhängigkeitserklärung der Generalstaaten 1581 werden als entscheidende Schritte in der Entstehung der Republik dargestellt.
- Der Aufbau der Republik: Dieses Kapitel befasst sich mit dem Aufbau der Institutionen der Republik, wie den Generalstaaten, dem Statthalter und dem Staatsrat. Es analysiert die Rolle der verschiedenen Gremien und die Machtstrukturen innerhalb der Republik. Der Fokus liegt dabei auf den beiden Statthaltern Friedrich Heinrich und Wilhelm II. von Oranien und ihren unterschiedlichen Einflüssen auf die Politik der Republik.
Schlüsselwörter
Niederländische Republik, Freiheitskampf, Statthalter, Oranier, Generalstaaten, Provinz-Partikularismus, "Golden Eeuw", Bürgerherrschaft, Monarchie, "Union von Utrecht", Westfälischer Frieden, Unabhängigkeit, Glaubensfreiheit.
- Quote paper
- Manuel Praest (Author), 2003, Die Niederländische Republik: Bürgerherrschaft oder verkappte Monarchie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40174