Die soziodemographische Entwicklung der nichtdeutschen Bevölkerung der Freien und Hansestadt Hamburg im Zeitraum 1975 - 1999 am Beispiel stark vertretener Ethnien


Hausarbeit, 2002
11 Seiten, Note: 1,50

Leseprobe

Zieldefinition bzw. Grund dieser Hausarbeit

Da ich selbst weder im Familien- noch im näheren Freundes- und Bekanntenkreis Menschen nichtdeutscher Herkunft habe, war es für mich wichtig, dieses Thema zu behandeln. Ich wollte mich so einer für mich bisher unbekannten Materie nähern.

Diese Hausarbeit ist aus meiner persönlichen Ansicht heraus entstanden, dass der Stellenwert der nichtdeutschen Bevölkerung Hamburgs oft falsch eingeschätzt und unzureichend gewürdigt wird. Häufig werden vorschnell irgendwelche Aussagen, meist subjektiv induziert, über Mitbewohner getroffen, die objektiv nicht nachvollziehbar sind. Dabei spielen meist ganz bestimmte Motive und Ideologien eine wesentliche Rolle. Aber auch eigene Ängste und die gesamtwirtschaftliche Lage beeinflussen die Meinungsbildung eines Individuums in Bezug auf nichtdeutsche Mitbewohner. Insofern ist es wichtig, gezielt und entschlossen gegen falsche Bilder vorzugehen. Dies kann meiner Meinung nach nur durch eine Fülle anschaulich vermittelter Zahlen geschehen. Diese Hausarbeit soll nun einige frei zugängliche Daten zusammenfassen und in komprimierter Form wiedergeben.

Methode & damit verbundene Probleme

Nach einer umfassenden Datensammlung, die sowohl im Internet als auch in gedruckt publiziertem Material stattfand, bestand meine Aufgabe ich der Selektion und Bewertung der verschiedenen Aussagen. Ich musste mir Gedanken zu deren sinnvollen Komprimierung und der jeweiligen Sinnhaftigkeit machen. Im Anschluss daran galt es, das selektierte und bewertete Material in aussagekräftige Bilder zu packen und effektiv zu präsentieren. Diese vorliegende Hausarbeit ist insofern der Anhang einer am 10. Januar 2002 an der HWP gehaltenen Präsentation.

Problematisch bei der Datensuche war meiner Ansicht nach besonders, dass es in Hamburg mindestens drei verschiedene Datenquellen gibt. So unterscheiden sich die Zahlen, die aus dem Ausländerzentralregister (AZR) stammen, auf Grund jeweils unterschiedlicher Fehlerquellen oftmals von den Zahlen des Statistischen Landesamtes, die in der Regel aus dem Melderegister und der Fortschreibung der Ergebnisse der Volkszählung von 1987 basieren. In dieser Hausarbeit beziehe ich mich zumeist auf die vom Statistischen Landesamt Hamburg erhobenen Daten.

Der Erste Teil meiner Hausarbeit bezieht sich sehr stark auf das Zahlenmaterial. Der Zweite Teil hingegen besonders auf die Buchquellen und Ergebnisse einer durch das Projekt Integration in Hamburg durchgeführten repräsentativen Studie. Die Untersuchung ’Leben und Wohnen in Hamburg’ wurde im Sommer 1999 postalisch unter 6.000 Personen in der Freien und Hansestadt Hamburg – gefördert durch Mittel der Stadt und der Ausländerbeauftragten - durchgeführt. Dabei wurden insgesamt neun verschiedene Nationalitäten befragt (Deutsche, Türken, BR-Jugoslawen, Polen, Afghanen, Iraner, Portugiesen, Griechen und Ghanaer).

1. Demographie – gegenläufige Entwicklungen

1.1. Entwicklung des Ausländeranteils

Laut der Zählung des Statischen Landesamtes Hamburg betrug der Anteil Hamburgs nichtdeutscher Bevölkerung, also Menschen, die über keinen deutschen Pass verfügen, 1975 6,78% der Gesamtbevölkerung. Dies entsprach damals 116.396 Menschen. Dem gegenüber stehen im Jahre 1999 15,36% oder 261.871 Personen. Zieht man jedoch das Melderegister zu Rate, so ergeben sich andere Zahlen. Hier wird 1975 von 7,22% oder 124.075 bzw. 1999 von 15,90% oder 273.086 gesprochen. Zum Vergleich: Die Stadt Frankfurt am Main hatte Ende 1997 einen Ausländeranteil von rund 30 Prozent. Bemerkenswert ist, dass der Ausländeranteil in Hamburg in den genannten 25 Jahren kontinuierlich, zumeist im mittleren einstelligen Prozentbereich, gestiegen ist.[1]

Dem gegenüber haben sich die Zahlen der deutschen Bevölkerung konträr entwickelt. So sank die Zahl der Deutschen in Hamburg von 1.600.987 (1975) auf 1.442.864 (1999). Lediglich Ende der achtziger Jahre kam es kurzzeitig zu einer gegenläufigen Bewegung. Die gesamte Entwicklung lässt sich jedoch relativ einfach mit dem Begriff der ’Umlandmigration’ erklären. D.h., die Menschen arbeiten zwar in der Metropole, leben allerdings in Gebieten, die der Stadt nicht direkt zugerechnet werden. Gründe sind z.B. geringere Lebenshaltungskosten und eine andere Lebensqualität.

Der eklatante Unterschied der Entwicklung zwischen deutscher und nichtdeutscher Bevölkerung hängt jedoch auch mit etwas Anderem zusammen.[2] Die Zahl der lebendgeborenen nichtdeutschen Kinder lag in der Vergangenheit meist über der Sterberate der Nichtdeutschen; d.h., deren Reproduktionsrate ist höher, als die der deutschen Bevölkerung. So ergibt sich schon ein positiver Saldo, der 1997 bei 2.932 lag. Bei den Deutschen hingegen gibt es seit vielen Jahren einen negativen Saldo. Dieser lag 1997 bei 5.290 Personen. Allein durch Geburts- und Sterbefälle ergab also sich eine nicht unbedeutende kontinuierliche Steigerung des Ausländeranteils.

Auch im Verhältnis zwischen Frauen und Männern ist eine Veränderung zu beobachten. Wurden 1975 noch sehr ungleich, 920.108 Frauen und 797.275 Männer registriert, so sind es ein Vierteljahrhundert später bereits 880.049 Frauen zu 824.686. Männern. Hierbei fallen besonders starke Schwankungen innerhalb des beobachteten Zeitraumes auf.

1.2. Herkunft

Betrachtet man nun die nichtdeutsche Bevölkerung Hamburgs unter dem Aspekt der Herkunft, dann zeigt sich auch hier ein gespaltenes Bild. Zum einen gibt es eine große Vielfalt an unterschiedlichen Herkunftsnationen[3], zum anderen aber eine klare Polarisierung auf einige wenige Schwerpunktländer bzw. –regionen. So lebten im Jahr 2000 in Hamburg besonders viele Menschen aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, Polen, Afghanistan, dem Iran, Portugal, Griechenland und Italien. Diese Schwerpunkte hatten sich im Laufe des beobachteten Zeitraumes von 1975 bis 1999 allerdings immer wieder geändert. Gründe hierfür waren meist die typischen Migrationsbeweggründe.

Unter den Nichtdeutschen stellen türkische Staatsbürger mit 67.387 Menschen die größte Minorität (24,68% der Nichtdeutschen; 3,95% der Gesamtbevölkerung). Zum Vergleich: Im gesamten Bundesgebiet lebten Ende 1997 rund 2,107 Mio. türkische Staatsbürger; in Hamburg (1997: 71.426) lebten demzufolge also 3,39% aller in Deutschland lebenden Türkinnen und Türken.

Die zweitgrößte Minderheit stellen die Bewohner des ehemaligen Jugoslawien. Ihre Zahl liegt 1999 bei 35.922; das sind 13,15% der Nichtdeutschen bzw. 2,11% aller Bewohner Hamburgs. Zum Vergleich: In ganz Deutschland waren 1997 721.029 Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Demzufolge lebten in Hamburg (24.567) rund 3,41% aller Menschen dieser Region in Deutschland.

Die Zahl der Polinnen und Polen, die drittgrößte Bevölkerungsminderheit stellen, lag 1999 bei 19.072. Bezogen auf alle 273.086 Nichtdeutschen ergibt sich ein Anteil von 6,98% bzw. von 1,12% an der Gesamtbevölkerung. Von den in Deutschland lebenden 283.312 polnischen Einwohnern lebten 1997 somit ca. 6,77% in Hamburg (19.189).

Der größte Teil Hamburgs nichtdeutscher Bevölkerung stammt aus Ländern Europas. So kamen Ende 1997 194.021 der insgesamt 272.738 Nichtdeutschen von dort. Dies entspricht einem Anteil von 71,14% innerhalb der nichtdeutschen Bevölkerung bzw. 11,38% in Bezug auf die Gesamtbevölkerung. Aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union stammten 52.115 Menschen (19,11%/3,06%), aus Asien 49.718 (18,23%/2,92), aus Afrika 15.984 (5,86%/0,94%), aus Nord-, Mittel- und Südamerika 10.014 (3,67%/0,59%) und aus Australien 1.078 (0,40%/0,06). Die Zahl der Nichtdeutschen, die staatenlos, ohne nähere Angaben und ungeklärter Herkunft sind, beläuft sich auf 3.846 (1,41%/0,23) Einwohner. (Die Addition dieser Zahlen ergibt eine Anzahl von 274.661; die Abweichung zu der eigentlichen Zahl von 272.738 hängt mit der verzögerten Datenerhebung im Melderegister zusammen, da ausgereiste Nichtdeutsche, zum Teil ohne Abmeldung, das Land verlassen.)[4]

1.3. Altersstruktur

Der Anteil der Nichtdeutschen an der Gesamtbevölkerung lag in Hamburg Ende 1999 bei rund 15,90% (s.o.). Dieser Wert bezieht sich auf die im Melderegister angegebenen Einwohnerzahlen von 273.086 bzw. 1.717.383. Innerhalb dieses Bevölkerungsteils lassen sich, wie in der Gesamtbevölkerung auch, mindestens drei große Gruppen ausmachen. Zum einen die 58.264 Minderjährigen von 0 – 18 Jahren, die 22,25% (bei Deutschen 15,01%) der Gesamtgruppe ausmachen.

[...]


[1] Siehe vergleichende Grafik in der Präsentation

[2] Quelle: die Ausländerbeauftragte des Senats – Zahlenmaterial

[3] am 31.12.1997 waren es laut Melderegister 184 Nationen; siehe Anhang

[4] Quelle: Ausländerbeauftragte - Zahlenmaterial

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die soziodemographische Entwicklung der nichtdeutschen Bevölkerung der Freien und Hansestadt Hamburg im Zeitraum 1975 - 1999 am Beispiel stark vertretener Ethnien
Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)
Veranstaltung
Migrationssoziologie
Note
1,50
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V40197
ISBN (eBook)
9783638387705
ISBN (Buch)
9783640184309
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Bevölkerung, Hamburg, Zeitraum, Beispiel, Ethnien, Migrationssoziologie
Arbeit zitieren
Michael A. Braun (Autor), 2002, Die soziodemographische Entwicklung der nichtdeutschen Bevölkerung der Freien und Hansestadt Hamburg im Zeitraum 1975 - 1999 am Beispiel stark vertretener Ethnien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40197

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