Die zentralen Fragestellungen beziehen sich auf die Zufriedenheit der Lehrlinge mit ihrer Berufswahl und ihrer Lehre nach dem 1. Ausbildungsjahr. Die Arbeit ist in drei Hauptteile gegliedert: Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen der Forschungsarbeit dargestellt. Im zweiten Teil werden methodische Überlegungen und Grundlagen vorgestellt und im dritten Teil werden die Ergebnisse der Untersuchung diskutiert. Im ersten Teil der Arbeit wird in acht Kapiteln der theoretische Hintergrund der Studie dargelegt. Dabei wird in einem ersten Kapitel versucht, den Bedeutungsgehalt von Erwerbsarbeit von Jugendlichen aus entwicklungspsychologischer Sicht zusammenzufassen. Es wird hauptsächlich auf die Identitätsentwicklung und die Sozialisation, insbesondere auf die der beruflichen, eingegangen. Des Weiteren wird aufgezeigt, welche unterstützenden Funktionen die Herkunftsfamilie und die Gleichaltrigen beim Berufswahlprozess innehaben können und welche Relevanz Arbeit und Beruf in den Lebenskonzepten der Jugendlichen haben. In einem nächsten Kapitel werden die Geschlechterunterschiede bezüglich der beruflichen Identität und der Berufsfindung von Kindern und Jugendlichen erklärt. Im darauf folgenden Kapitel werden Risiken und Chancen beim Übergang von der Schule ins Erwerbsleben beschrieben. Nach einer Deskription des Zürcher Bildungssystems wird der komplexe Berufswahlprozess thematisiert, wobei verschiedene Berufswahltheorien diskutiert und die Phasen der Berufwahl vorgestellt werden. Wie die Lehrstellensituation im Kanton Zürich gegenwärtig aussieht, welche Berufssektoren von den SchulabgängerInnen gewählt und bevorzugt werden und was für Möglichkeiten für Jugendliche besteht, die nach der obligatorischen Schulzeit keine Anschlusslösung haben, werden im zweitletzten Kapitel dargelegt. Im letzten grösseren Kapitel wird die Ausbildungssituation aus der Perspektive von Lehrlingen diskutiert. Insbesondere wird auf den Ausbildungsabbruch der gewählten Ausbildung und die Faktoren, welche die Arbeitszufriedenheit positiv beeinflussen, näher eingegangen. Im zweiten Teil dieser Lizentiatsarbeit werden der Begründungszusammenhang und die Forschungsmethode dargestellt: Es stellte sich anfangs die Frage, ob der qualitative oder der quantitative Forschungszugang gewählt werden sollte. Der Entscheid fiel auf die quantitative Forschungsmethode. Mit Fragebogen werden die Daten erhoben, da diese Resultate für den Rahmen der vorliegenden Arbeit präziser erscheinen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einleitende Überlegungen und Forschungsinteresse
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Theorie
2.1 Die Bedeutung von Erwerbsarbeit von Jugendlichen aus sozialisationstheoretischer Sicht
2.1.1 Identität und Sozialisation
2.1.2 Theoretischer Bezugsrahmen für die Analyse beruflicher Sozialisation
2.1.2.1 Sozialisation für und durch den Beruf
2.1.3 Familie, Peers und Berufswahl
2.1.3.1 Berufswahl als Teil des Sozialisationsprozesses
2.1.3.2 Familiale Einflüsse bei der Berufswahl
2.1.3.3 Einflüsse der Peer-Groups
2.1.4 Arbeit und Beruf in den Lebenskonzepten von Jugendlichen
2.2 Geschlechterunterschiede
2.2.1 Entwicklung einer beruflichen Identität in der Kindheit
2.2.2 Geschlechtsspezifische Berufsfindung im Jugendalter
2.3 Risiken und Chancen beim Übergang von Schule ins Erwerbsleben
2.3.1 Junge Erwachsene und die Biografisierung von Übergängen
2.3.2 Jugendliche an der Schwelle des Übergangs von der Schul- in die Berufsausbildung
2.3.3 Soziale Differenzierung und Individualisierung von Statuspassagen
2.3.4 Soziale Benachteiligung und Probleme beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt
2.3.4.1 Zugangschancen zu bestimmten nach-obligatorischen Ausbildungen
2.3.4.2 Ausbildungsabsichten und deren Realisierungsgewissheit
2.4 Das Zürcher Bildungssystem
2.5 Berufswahlprozess
2.5.1 Diskussion der Berufswahltheorien
2.5.2 Phasen der Berufswahl
2.6 Lehrstellensituation
2.6.1 Entwicklung der Lehrstellensituation im Kanton Zürich
2.6.2 Sektoren der Ausbildungswahl
2.6.2.1 Berufssektoren der SchulabgängerInnen im Sommer 2003
2.6.2.2 Jugendliche ohne Anschlusslösung und Jugendarbeitslosigkeit
2.6.3 Massnahmen und Hilfen für Jugendliche ohne Anschlusslösung
2.6.3.1 Beispiel “Task Force Lehrstellen 2003“
2.6.3.2 Beispiel im Kanton Zürich “Projekt Nahtstelle“
2.6.4 Fazit
2.7 Ausbildungssituation aus der Perspektive von Lehrlingen
2.7.1 Ausbildungsabbruch
2.7.2 Zufriedenheit mit der gewählten Berufsausbildung
2.7.2.1 Arbeitsklima
2.7.2.2 Arbeitsfreude
2.7.2.3 Wohlbefinden im privaten und sozialen Kontext in Bezug zur Arbeit
2.8 Einbettung der Fragestellung/Hypothese in die Theorie
3. Methode
3.1 Untersuchungsablauf
3.1.1 Fragebogen
3.1.1.1 Zufriedenheit mit Berufswahl
3.1.1.2 Ausbildungszufriedenheit
3.1.1.3 Allgemeines Wohlbefinden
3.1.1.4 Demographische Faktoren
3.2 Durchführung
3.3 Auswertungsverfahren
4. Ergebnisse
4.1 Stichprobe
4.2 Zufriedenheit mit der Berufswahl
4.2.1 Durchschnittliche Zufriedenheit mit der Berufswahl
4.2.2 Korrelationen zwischen den Prädiktoren und der Berufswahlzufriedenheit
4.2.3 Die prädiktive Bedeutung der demographischen Faktoren und des allgemeinen Wohlbefindens mit der Berufswahlzufriedenheit
4.3 Zufriedenheit der Lehrlinge mit ihrer Ausbildungssituation
4.3.1 Durchschnittliche Ausbildungszufriedenheit der Lehrlinge
4.3.2 Korrelation zwischen den Erwartungen und der Realität (Soll/Ist-Differenz) der Lehre
4.3.3 Korrelation zwischen den Prädiktoren und der Ausbildungszufriedenheit
4.3.4 Die prädiktive Bedeutung der demographischen Faktoren und des allgemeinen Wohlbefindens mit der Ausbildungszufriedenheit
4.4 Durchschnittswerte des allgemeinen Wohlbefindens
4.5 Zusammenhang zwischen der Berufswahl- und der Ausbildungszufriedenheit
5. Diskussion der Ergebnisse
5.1 Zufriedenheit der Zürcher Lehrlinge mit ihrer Berufswahl
5.1.1 Allgemeine Berufswahlzufriedenheit
5.1.2 Bedeutung der demographischen Faktoren
5.2 Zufriedenheit der Zürcher Lehrlinge mit ihrer Ausbildung
5.2.1 Erwartungshaltungen versus Realität
5.2.2 Allgemeine Ausbildungszufriedenheit
5.2.3 Bedeutung der demographischen Faktoren
5.2.4 Zusammenfassung der Ergebnisse zur Ausbildungszufriedenheit
5.3 Bedeutung des allgemeinen Wohlbefindens bezüglich Berufswahl und Ausbildungszufriedenheit
5.4 Zusammenhang der Berufswahl- und Ausbildungszufriedenheit
6. Schlusswort
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Lizentiatsarbeit untersucht die Zufriedenheit von Zürcher Lehrlingen im ersten Lehrjahr mit ihrer Berufswahl sowie ihrem Ausbildungsplatz. Das primäre Ziel der Studie ist eine Standortbestimmung, wobei der Einfluss demografischer Faktoren sowie das allgemeine Wohlbefinden der Jugendlichen auf die berufliche Zufriedenheit analysiert werden, um die hohe Lehrabbruchquote in diesem Kontext besser zu verstehen.
- Berufswahlprozess und Identitätsentwicklung bei Jugendlichen
- Einflussfaktoren wie Familie, Peers und Bildungssystem auf die Berufswahl
- Analyse der Ausbildungszufriedenheit und deren Einfluss auf den Ausbildungsabbruch
- Bedeutung des allgemeinen Wohlbefindens für die berufliche Zufriedenheit
- Untersuchung von demografischen Unterschieden (Geschlecht, Nationalität, Schultypus)
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Familie, Peers und Berufswahl
In diesem Kapitel wird auf die Herkunftsfamilie, die Gleichaltrigengruppe und deren Einflüsse auf den einzelnen Jugendlichen näher eingegangen - nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit dem Berufswahlprozess.
Gestützt auf die 13. Shell Jugendstudie kann einleitend gesagt werden, dass (deutsche) Jugendliche ihre Eltern mehrheitlich als sehr unterstützend und beratend erleben. Die Eltern werden also, übrigens sehr viel häufiger und früher, als Vertrauenspersonen wahrgenommen. Elterliches Zutrauen begünstigt jene Persönlichkeitsressourcen, die gute Voraussetzungen für eine gelingende Lebensbewältigung bieten. Diese „Ressource“ kann bei der Berufswahl eines Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen, und die Herkunftsfamilie stellt somit einen bedeutenden Rückhalt während des ganzen Berufsfindungsprozesses dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Forschungsinteresse ein, thematisiert die Herausforderungen beim Übergang von der Schule in die Berufswelt und legt die zentrale Hypothese sowie den Aufbau der Arbeit dar.
2. Theorie: Hier werden die sozialisationstheoretischen und entwicklungspsychologischen Grundlagen erarbeitet, der Berufswahlprozess diskutiert und die Lehrstellensituation sowie die Ausbildungssituation aus Sicht der Lehrlinge beleuchtet.
3. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt den Untersuchungsablauf, die Konstruktion des Fragebogens, die Durchführung der Befragung an Zürcher Berufsschulen sowie das gewählte Auswertungsverfahren.
4. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Daten zur Stichprobe und die statistischen Auswertungen bezüglich der Berufswahl- und Ausbildungszufriedenheit sowie deren Korrelation mit dem allgemeinen Wohlbefinden.
5. Diskussion der Ergebnisse: Hier werden die erhobenen Daten interpretiert, die Hypothesen überprüft und kritisch im Kontext der bestehenden Forschung und Bildungssituation im Kanton Zürich diskutiert.
6. Schlusswort: Das Kapitel bietet eine abschließende Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse und gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Forschung und sozialpädagogische Interventionsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Berufswahl, Ausbildungszufriedenheit, Lehrlinge, Sozialisation, Identitätsentwicklung, Kanton Zürich, Lehrabbruch, Wohlbefinden, Übergang Schule-Beruf, Berufsfindungsprozess, Jugendliche, Arbeitsklima, Arbeitsfreude, Erwerbsarbeit, Berufsbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Lizentiatsarbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Zufriedenheit von Zürcher Lehrlingen im ersten Lehrjahr hinsichtlich ihrer getroffenen Berufswahl und ihrer aktuellen Ausbildungssituation.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Prozessen der Identitätsbildung, der Bedeutung sozialer Instanzen wie Familie und Peers, den Risiken beim Übergang in das Erwerbsleben sowie den Faktoren, die die Arbeitszufriedenheit beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist eine Standortbestimmung der Zufriedenheit von Lehrlingen, um zu prüfen, ob die Hypothese zutrifft, dass diese mit ihrer Ausbildung am Ende des ersten Lehrjahrs unzufrieden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein quantitativer Forschungszugang gewählt. Die Daten wurden mittels standardisierter Fragebögen erhoben, die an Zürcher Berufsschulen unter 129 Lehrlingen aus sieben Berufsgruppen verteilt wurden.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der beruflichen Sozialisation, eine detaillierte Analyse der Lehrstellensituation im Kanton Zürich sowie die Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse zur Zufriedenheit.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die zentralen Schlagworte sind Berufswahl, Ausbildungszufriedenheit, Lehrlinge, Lehrabbruch, Identitätsentwicklung und Wohlbefinden.
Warum wird die Rolle der Eltern im Berufswahlprozess so hervorgehoben?
Die Studie identifiziert die Eltern als zentrale Ressource. Ein unterstützendes Elternhaus begünstigt die Persönlichkeitsressourcen des Jugendlichen, was den gesamten Berufsfindungsprozess stabilisieren kann.
Welche Rolle spielt die Nationalität für die Ausbildungszufriedenheit?
Die Ergebnisse zeigen einen negativen Zusammenhang zwischen der Nationalität und der Ausbildungszufriedenheit auf, was bedeutet, dass ausländische Jugendliche tendenziell unzufriedener mit ihrer Ausbildung sind, was im Kontext der Arbeit durch Faktoren wie sozioökonomische Benachteiligung diskutiert wird.
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- Lic phil I Fränzi Meili (Author), Sarah Neininger (Author), 2004, Zufriedenheit mit der Berufswahl und dem Ausbildungsplatz im Kanton Zürich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40216