Einleitung und Problemstellung
Die Aufgabenstellung war den Film „Das große Fressen“ in einer Arbeit zu behandeln. Dieser Film hat bereits Essen mit dem Wort „Fressen“ in seinem Namen. Dies wird noch unterstrichen durch groß, denn es handelt sich um das „große Fressen“ – nicht irgendein. Wir haben uns bei der Beschäftigung mit diesem Film, der zumindest oberflächlich weit bekannt ist, gefragt, welcher Zusammenhang zum Karneval (der ausgelassensten Zeit mit viel „Speis und Trank“) besteht. Diese Fragestellung haben wir anhand einer Literaturrecherche und vor allem einer intensiven Beschäftigung zuerst mit dem Film (unzähliges gemeinsames Ansehen) und anschließend in ausgelassenen Diskussionen, die meist in den frühen Morgenstunden endeten und meist nicht nur dem Thema dieser Arbeit dienten. An dieser Stelle sei unseren Freunden ein Dank ausgesprochen, die uns nicht nur mit diesem Thema ertragen mußten sondern auch noch zur Ehre kamen, mit uns darüber zu diskutieren – ohne ihre Beiträge und Gedanken, wäre diese Arbeit so nicht möglich gewesen.
Zuerst beschäftigen wir uns mit dem Film „Das große Fressen“ vor allem mit den Charakteren, um im Anschluß den Begriff des „Karnevals“ näher zu beleuchten. Das dritte Kapitel führt die zwei Begriffe zusammen und beschäftigt sich mit der Fragestellung dieser Arbeit, ob ein Zusammenhang zwischen dem Film und Karneval besteht.
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Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung und Problemstellung
3. Der Film „Das große Fressen“
3.1. Der Film
3.2. Die Charaktere
4. Der Karneval
4.1. Worterklärung
4.2. Das Dionysische des Karnevals
4.3. Die germanische Mythologie und die Verschmelzung zum Karneval
4.4. Karneval und Feste bei Bachtin und Nietzsche
4.5. Ist der Karneval subversiv oder revolutionär?
5. „Das große Fressen“ und der Karneval
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Film „Das große Fressen“ und dem Phänomen des Karnevals. Ziel ist es, durch eine filmische und theoretische Analyse herauszuarbeiten, ob der Film als eine moderne, destruktive Ausprägung karnevalesker Prinzipien verstanden werden kann, bei der Lebenslust in den Tod umschlägt.
- Analyse der Handlung und Charakterkonstellationen des Films „Das große Fressen“
- Historische und mythologische Herleitung des Karnevals als Lückenbüßer und Ausnahmezustand
- Vergleich der Fest-Konzeptionen bei Bachtin und Nietzsche
- Untersuchung von dionysischen Elementen, Rausch und der Maskierung als Schutz gegen den Tod
- Synthese der Begriffe Film und Karneval in Bezug auf Subversivität und Todessehnsucht
Auszug aus dem Buch
4.2. Das Dionysische des Karnevals
Das alte Fest der Griechen nahm oft eine sehr grausame Gestalt an. „Auch den Geißlerzügen wären diese Reigen wohl zu vergleichen, mit Dolchen und versteckten Lanzenspitzen ritzten sie sich; Plutarch berichtet vom Dionysos-Fest der arkadischen Agrionen, mit gezücktem Messer habe der Priester des Gotts dem Mänaden nachlaufen müssen und welche er erreichte niedergestoßen. Humanität schlägt zurück in kannibalischen Blutdurst; dem Publikum [...] scheint nicht unglaubhaft, daß die Bürgerinnen Thebens [...] beim mänadischen Schweifen wie Metzgerhunde eine Rinderkoppel anfallen [...].Das Schauspiel der Wirklichkeit war nicht gelindert: aus zahlreichen Zeugnissen steht fest, daß die Frauen dem Opfer-Tier [...] das Fleisch mit den Zähnen heruntergerissen haben; [...] Man blieb nicht beim Tier: diese Weiber, selbst Mütter zerrissen kleine Kinder, Glied um Glied, und fraßen sie langsam auf.“ (Rang, S. 14 f.)
Ein Übergehen der dionysischen Berauschung würde alles vernichten. Das Dionysische kämpft gegen den Nihilismus, doch es ist eine Balance gefragt. Diese Balance kann nur die Vernunft und die Weisheit des Apoll schaffen. Diese Weisheit und Vernunft berechtigt die Menschen, die moralischen Feinde zu bekämpfen und neue Werte zu schaffen. Somit sind es beide, Vernunft und Wille, die zerstören.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Ein kurzer organisatorischer Überblick über den Entstehungskontext der Arbeit im Rahmen einer universitären Übung.
2. Einleitung und Problemstellung: Vorstellung der Forschungsfrage, inwieweit zwischen dem Film „Das große Fressen“ und dem Karneval ein inhaltlicher Zusammenhang besteht.
3. Der Film „Das große Fressen“: Darstellung der filmischen Hintergründe sowie eine detaillierte Charakterisierung der vier Hauptprotagonisten und ihrer Beweggründe.
4. Der Karneval: Theoretische Fundierung des Karnevalsbegriffs unter Einbeziehung mythologischer, philosophischer und historischer Perspektiven.
5. „Das große Fressen“ und der Karneval: Zusammenführung der Ergebnisse zur Beantwortung der Ausgangsfrage, wobei der Film als radikales, todbringendes Fest interpretiert wird.
Schlüsselwörter
Das große Fressen, Karneval, Dionysisch, Bachtin, Nietzsche, Film, Sinnlichkeit, Tod, Mythologie, Wotan, Freya, Maskierung, Subversivität, Gastronomisches Seminar, Körperlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den inhaltlichen und philosophischen Zusammenhang zwischen dem Film „Das große Fressen“ von Marco Ferreri und dem historischen Phänomen des Karnevals.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der filmischen Handlung, der Untersuchung der Charaktere sowie der theoretischen Auseinandersetzung mit Festen, Rausch und karnevalesken Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Film „Das große Fressen“ als eine spezielle, destruktive Form des Karnevals interpretiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine Kombination aus Literaturrecherche, philosophischer Einordnung (Bachtin, Nietzsche) und einer intensiven inhaltlichen Filmanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Charaktere, die Herleitung des Karnevalsbegriffs aus Mythologie und Geschichte sowie die finale Synopse der beiden Themenfelder.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind das Dionysische, die Körperlichkeit, der Rausch, Subversivität und das Spannungsfeld zwischen Lebenslust und Todessehnsucht.
Wie interpretieren die Autoren das „Gastronomische Seminar“ im Film?
Es wird als ein Akt der totalen Selbstzerstörung gedeutet, bei dem das Fest nicht dem Leben, sondern dem Tod dient.
Welche Rolle spielt die Maskierung im Karneval und im Film?
Die Maskierung dient im Karneval dazu, Dämonen zu verjagen oder sich vor ihnen zu schützen; im Kontext des Films wird sie als Mittel zur Flucht vor der persönlichen Geschichte und Identität interpretiert.
- Quote paper
- MMag. Philipp Kaufmann (Author), Maya Shanker (Author), 1999, ´Das große Fressen´ und der Karneval, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4023