Diese Arbeit behandelt die Funktion der Körper- und Spiegelmetaphorik in den Sonetten William Shakespeares anhand ausgewählter Beispiele.
Im ersten Teil geht es um den allgemeinen Hintergrund der Sonette als Gedichtform. Es wird kurz auf die Übertragung des Sonetts in den englischsprachigen Kulturraum eingegangen, um danach den Höhepunkt seiner Entwicklung in England am Ende des 16. Jahrhunderts vorzustellen. Shakespeares Sonettzyklus fällt ein wenig aus diesem zeitlichen Rahmen heraus, da seine Gedichte erst 1609 veröffentlicht werden. Auch er arbeitet jedoch mit Bildern und Metaphern, die in der Tradition Petrarcas stehen. Wie aber sehen diese aus? Worin unterscheidet sich Shakespeares Werk möglicherweise von dem seiner Zeitgenossen?
Da mir bei der Durchsicht der Literatur zum Thema Metapher aufgefallen ist, wie schwer sich einzelne Metapherntypen trennen lassen, werde ich in meiner Untersuchung ausgewählter Sonette Shakespeares auf zwei Metapherntypen eingehen.
Als Grundlage hierfür dienten mir die folgenden Monographien: "Speculum, Mirror und Looking-Glass - Kontinuität und Originalität der Spiegelmetapher in den Buchtiteln des Mittelalters und der englischen Literatur des 13. bis 17. Jahrhunderts" von Herbert Grabes und Ernst Robert Curtius' Werk "Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter".
Es geht in diesem zweiten Teil als erstes um die literarische Entwicklung und Verwendung der zwei Metapherntypen vor der elisabethanischen Zeit. Danach werden der Gebrauch und die Weiterentwicklung bei den Schriftstellerkollegen Shakespeares beschrieben, um anschließend den Blick auf drei ausgewählte Sonette des Dichters und Dramatikers zu richten, die auf unterschiedliche Art und Weise mit diesen Metaphern spielen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE ENTWICKLUNG DES SONETTS BIS IN DIE ELISABETHANISCHE ZEIT
2.1. Petrarca und seine ‚Übersetzer’ Wyatt und Surrey
2.2. Der Höhepunkt der Sonettdichtung in England
3. DAS SONETT BEI WILLIAM SHAKESPEARE
3.1. Die Verbindung von Biographie und Werk
3.2. Die Figuren im kompletten Sonettzyklus
4. KÖRPER- UND SPIEGELMETAPHER IN DER LITERATUR
4.1. Ursprünge der Metaphern in der Literatur
4.2. Die Metaphern bei den Zeitgenossen William Shakespeares
5. BETRACHTUNG EINZELNER SONETTE
5.1. Sonett 20
5.2. Sonett 24
5.3. Sonett 130
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion von Körper- und Spiegelmetaphern in ausgewählten Sonetten von William Shakespeare. Dabei wird analysiert, wie diese Metaphern in den literarischen Kontext der Renaissance eingebettet sind, wie sie Shakespeares einzigartige Herangehensweise an Konventionen widerspiegeln und inwieweit sie zur Charakterisierung des lyrischen Ichs sowie der dargestellten Figuren beitragen.
- Literarische Entwicklung und Tradition des Sonetts
- Körper- und Spiegelmetaphorik in der Literatur
- Rolle von Biographie und Werkkontext bei Shakespeare
- Analyse der Figurenkonstellation (Lyrisches Ich, junger Mann, dark lady)
- Methodische Interpretation ausgewählter Sonette (20, 24, 130)
Auszug aus dem Buch
5.2 Sonett 24
Mine eye hath played the painter and hath stelled Thy beauty’s form in table of my heart; My body is the frame wherein ‘tis held, And perspective it is best painter’s art, For through the painter must you see his skill To find where your true image pictured lies, Which in my bosom’s shop is hanging still, That hath his windows glazèd with thine eyes. Now see what good turns eyes for eyes have done: Mine eyes have drawn thy shape, and thine for me Are windows to my breast, wherethrough the sun Delights to peep, to gaze therein on thee. Yet eyes this cunning want to grace their art: They draw but what they see, know not the heart.
In diesem Sonett betrachten das lyrische Ich und der Geliebte sich gegenseitig in den Augen des anderen. Hier hat neben den Anspielungen auf den Körper als Objekt der Betrachtung die Spiegelmetapher einen zentralen Stellenwert. Am Ende wird jedoch auch der Unterschied zwischen den Augen als Spiegel und dem Herz deutlich hervorgehoben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Körper- und Spiegelmetaphern in Shakespeares Sonetten und Darlegung der wissenschaftlichen Vorgehensweise.
2. DIE ENTWICKLUNG DES SONETTS BIS IN DIE ELISABETHANISCHE ZEIT: Überblick über die historische Entwicklung der Sonettform, von Petrarcas Einfluss bis zum Boom der Sonettzyklen in der englischen Renaissance.
3. DAS SONETT BEI WILLIAM SHAKESPEARE: Untersuchung der spezifischen Merkmale von Shakespeares Sonettzyklus sowie der problematischen Verbindung von biographischen Elementen und den literarischen Figuren.
4. KÖRPER- UND SPIEGELMETAPHER IN DER LITERATUR: Analyse der Ursprünge und Funktionen von Körper- und Spiegelbildern in der Literaturgeschichte und bei den Zeitgenossen Shakespeares.
5. BETRACHTUNG EINZELNER SONETTE: Detaillierte philologische Untersuchung und Interpretation der ausgewählten Sonette 20, 24 und 130 unter Berücksichtigung der Metaphernkonzepte.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse, die Shakespeares ambivalentes Verhältnis zu petrarkistischen Konventionen verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Shakespeare, Sonette, Körpermetapher, Spiegelmetapher, Renaissance, Petrarca, Liebesdichtung, Lyrisches Ich, Dark Lady, Konvention, Parodie, Wahrnehmungstheorie, Augenspiegel, Literaturgeschichte, Metapher.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Verwendung und Funktion von Körper- und Spiegelmetaphern in ausgewählten Sonetten von William Shakespeare.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der Sonettform, die Tradition der Metaphorik in der Literatur sowie deren spezifische Anwendung und Abwandlung bei Shakespeare.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie Shakespeare durch die gezielte Nutzung oder Parodie traditioneller Körper- und Spiegelmetaphern sein Werk von Zeitgenossen abhebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf der Grundlage von Monographien zur Metaphorik und einer Textanalyse der ausgewählten Gedichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Sonettform, die Herleitung der Metapherntradition und die detaillierte Interpretation der Sonette 20, 24 und 130.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Shakespeares Sonette, Metaphorik, Renaissance, petrarkistische Konventionen sowie die Analyse von Figuren wie der "Dark Lady".
Welche besondere Rolle spielt das "couple" in den untersuchten Sonetten?
Das "couple" dient oft dazu, den vorherigen Aufbau des Sonetts zu konterkarieren oder eine überraschende Wendung herbeizuführen, was Shakespeares parodistisches Spiel mit Traditionen unterstreicht.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der "Dark Lady" in Sonett 130?
Im Gegensatz zur konventionellen Idealisierung verzichtet Shakespeare hier auf überzogene Vergleiche und beschreibt sie realistisch, wobei er die traditionelle Lobpreisung als Spiegel zur Kontrastierung nutzt.
Warum spielt die Wahrnehmungstheorie für die Spiegelmetapher eine Rolle?
Die Wahrnehmungstheorien (z.B. von Augustinus oder Euklid) begründen das Konzept des Auges als Spiegel, welches Shakespeare nutzt, um die Interaktion zwischen den Liebenden und dem inneren Bild in der Seele zu thematisieren.
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- Stephanie Schnabel (Author), 2005, Körper- und Spiegelmetapher und ihre Funktion in ausgewählten Sonetten William Shakespeares, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40331