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Vormoderne Arbeit - Konzeptionen, Realitäten und wesentliche Impulse für die Moderne

Title: Vormoderne Arbeit - Konzeptionen, Realitäten und wesentliche Impulse für die Moderne

Seminar Paper , 2005 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alexander Pillris (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Was ist Arbeit? Der mit diesem Begriff konfrontierte Durchschnitts-Europäer assoziiert sofort Erwerb, Beruf, Selbstverwirklichung auf der einen Seite, und drohende Arbeitslosigkeit und die „schmerzhafte Erfahrung“ von Fremdbestimmung und Ausbeutung auf der anderen Seite. Arbeit erscheint dennoch als erstrebenswert, „die Menschen ´sind´ durch das, was sie [Anm.: durch die Berufsausübung] repräsentieren.“ Ohne Arbeit fehlt eine wichtige - vielleicht die einzige -Möglichkeit, sich selbst als soziales Wesen zu definieren. Sie ist damit also eine zentrale Kategorie der heutigen Zeit.

Aus soziologischer Sicht trägt Berufsarbeit eine „doppelte Zweckstruktur“ in sich: Arbeit müsse die „Eigenprobleme der Arbeitenden selbst“ lösen (Individualsicht) - daneben diene Arbeit als „objektiver Teil der gesellschaftlichen Problemlösung“ (Globalsicht). [...]

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Inhaltsverzeichnis

A Einführung

I. Der moderne Arbeitsbegriff

II. Erkenntnisziel, Fragestellungen und Methodik

B Die Klassik: philosophierende Bürger – der „arbeitende Rest“

I. Die Sklavenhaltergesellschaft des klassischen Athen

II. Aristoteles: Die klassische Arbeitskonzeption als normative Rechtfertigung

C Das frühe Christentum: Arbeit als gottgewolltes und notwendiges Übel

I. Die Agrargesellschaft und das intellektuelle Monopol des Mönchtums

II. Die Transzendentalisierung der Mühsal „Arbeit“

D Das Hochmittelalter: Spannung zwischen Weltlichkeit und Kirchlichkeit

I. Die Verstädterung und „Vergewerblichung“

II. von Aquin: Die geistliche Arbeit als höchste Arbeitsform

E Das späte Mittelalter: Die sowohl positive, als auch positivierte Arbeit

I. Die Ökonomisierung der Arbeit und die Pflicht zur Armutsvermeidung

II. Luther: Die reformatorische Anpassung der Geistlichkeit

F Grundlinien der Entwicklung – Impulse für die Moderne

I. Vorbemerkung

II. Individualisierung

III. Erhöhung der Arbeit

IV. Universalisierung

V. Rationalisierung

VI. Wandel zur Diesseitsorientierung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung des Arbeitsbegriffs von der Antike bis zur Reformation zu analysieren, um vormoderne Vorstellungen zu identifizieren, die den heutigen modernen Arbeitsbegriff prägen. Dabei wird untersucht, wie sich gesellschaftliche Realitäten und normative Konzeptionen gegenseitig bedingten.

  • Historische Evolution der Arbeitsauffassung (Antike bis Reformation)
  • Wechselverhältnis zwischen gesellschaftlicher Realität und Arbeitskonzeption
  • Die Rolle der Religion (Christentum, Scholastik, Protestantismus)
  • Entwicklungslinien wie Individualisierung, Universalisierung und Rationalisierung
  • Identifikation vormoderner Wurzeln im modernen Max-Weber-Basiswertesystem

Auszug aus dem Buch

II. Aristoteles: klassische Arbeitskonzeption als normative Rechtfertigung

Aristoteles (384 v.Chr. – 322 v.Chr.) bestimmte das Gute („agathon“) als Ursache, Ziel, Sinn und Zweck einer „polis“ zugleich. Das „Gute“ als Zielpunkt allen bürgerlichen Strebens manifestiere sich nun in den Handlungen guter Menschen. Aristoteles differenzierte an dieser Stelle den topos „Handeln“ nach seiner Dienlichkeit für das Gute:

Das bessere Handeln sei die „praxis“, das vollendete Tätigsein, das selbst kein Mittel für die Erreichung eines Zwischenziels mehr sei, sondern das Gute bereits in sich trage. Aristoteles nannte hier als Beispiele: Das auf die „polis“ bezogene politische Handeln, den Kriegsdienst und die wissenschaftliche Tätigkeit.

Das schlechtere Handeln hingegen sei die „poiesis“, das auf die Schaffung eines Werkes angelegte Herstellungs-Handeln, das somit – wenn überhaupt - nur mittelbar zum Guten beitrage: „Das Hervorbringen hat ein Ziel außerhalb seiner selbst, das Handeln nicht. Denn das gute Handeln ist selbst ein Ziel.“ Beispiele hierfür wären insbesondere alle landwirtschaftlichen Tätigkeiten, das Handwerk und auch das Kaufmannswesen.

Diese Unterscheidung zwischen „praxis“ und „poiesis“ definierte gleichzeitig die soziale Hierarchie der „polis“. Zuoberst stehe der Vollbürger. Er zeichne sich dadurch aus, dass er als „Herr“ in seinen Möglichkeiten uneingeschränkt sei. Diese Freiheit sei zugleich conditio sine qua non für „praktisches“ Handeln – und „praktisch“ handle der Bürger nun auch zwangsläufig, da in ihm bereits das Streben nach dem Guten angelegt sei. Damit führe er ein tugendhaftes und glückliches Leben, und verwirkliche damit das höchste Ziel der „polis“ bereits in seinem Handeln.

Zusammenfassung der Kapitel

A Einführung: Definition des modernen Arbeitsbegriffs nach Max Weber und Darlegung der forschungsleitenden Fragestellungen sowie der methodischen Herangehensweise.

B Die Klassik: philosophierende Bürger – der „arbeitende Rest“: Analyse der antiken athenischen Sklavenhaltergesellschaft, in der körperliche Arbeit als unwürdig galt und Aristoteles eine strikte Trennung von „praxis“ und „poiesis“ etablierte.

C Das frühe Christentum: Arbeit als gottgewolltes und notwendiges Übel: Darstellung der frühchristlichen Sichtweise, in der Arbeit zwar als Mühsal, aber als gottgewolltes Gebot zur Sündenfall-Erinnerung angesehen wurde.

D Das Hochmittelalter: Spannung zwischen Weltlichkeit und Kirchlichkeit: Untersuchung der sozioökonomischen Veränderungen durch Verstädterung und der Versuche von Thomas von Aquin, Arbeit in eine zweckorientierte Hierarchie einzubetten.

E Das späte Mittelalter: Die sowohl positive, als auch positivierte Arbeit: Erläuterung der ökonomischen Transformation durch Welthandel und des von Martin Luther geprägten neuen Arbeitsbegriffs, der Arbeit als göttliche Berufung rehabilitierte.

F Grundlinien der Entwicklung – Impulse für die Moderne: Fazit und Analyse der Entwicklungslinien wie Individualisierung, Rationalisierung und Diesseitsorientierung, die als vormoderne Impulse in das moderne Verständnis von Arbeit einflossen.

Schlüsselwörter

Arbeit, Arbeitsbegriff, Vormoderne, Moderne, Aristoteles, Christentum, Scholastik, Reformation, Martin Luther, Individualisierung, Rationalisierung, Arbeitsethik, Arbeitskonzeption, Gesellschaft, Zweckstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Arbeitsbegriffs und seiner Konzeptionen in der Vormoderne, um zu verstehen, welche dieser Vorstellungen bis heute in den modernen Arbeitsbegriff hineinwirken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die gesellschaftlichen und philosophischen Arbeitskonzeptionen von der griechischen Antike, über das frühe und hohe Mittelalter bis hin zur Reformation durch Martin Luther.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den historischen Wandel von Arbeitskonzeptionen aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit vormoderne Vorstellungen Bestandteil unseres heutigen, durch Max Weber geprägten Arbeitsbegriffs sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor wählt einen begriffsgeschichtlichen Ansatz und stellt theoretische Konzeptionen den jeweiligen gesellschaftlichen Realitäten gegenüber, um die Wechselwirkungen zwischen Denken über Arbeit und gesellschaftlichen Veränderungen aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Kapitel Klassik, frühes Christentum, Hochmittelalter und spätes Mittelalter, wobei jeweils die Konzeptionen und die sozioökonomische Realität analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Arbeitskonzeption, Individualisierung, Rationalisierung, Berufsethik, Aristoteles, Scholastik und Martin Luther charakterisiert.

Warum spielt Aristoteles eine so zentrale Rolle in der Arbeit?

Aristoteles wird analysiert, weil er durch die strikte Abwertung körperlicher Arbeit und deren Gleichsetzung mit Unfreiheit die theoretischen Grundlagen legte, gegen die sich spätere Konzeptionen (insbesondere durch das Christentum und Luther) abgrenzen mussten.

Welche Rolle spielt Martin Luther bei der Ausbildung des modernen Arbeitsbegriffs?

Luther bildet die Nahtstelle zur Moderne, indem er die scholastische Arbeitshierarchie ablehnte, Arbeit zur göttlichen Berufung erhob und damit eine prinzipielle Gleichsetzung ehrlicher Arbeit einleitete.

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Details

Title
Vormoderne Arbeit - Konzeptionen, Realitäten und wesentliche Impulse für die Moderne
College
University of the Federal Armed Forces München  (allgemeine Soziologie)
Course
Arbeit und Ungleichheit in modernen Gesellschaften
Grade
1,0
Author
Alexander Pillris (Author)
Publication Year
2005
Pages
28
Catalog Number
V40411
ISBN (eBook)
9783638389273
Language
German
Tags
Vormoderne Arbeit Konzeptionen Realitäten Impulse Moderne Arbeit Ungleichheit Gesellschaften
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Pillris (Author), 2005, Vormoderne Arbeit - Konzeptionen, Realitäten und wesentliche Impulse für die Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40411
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