Der Begriff „Pragmatische Grundlagen der Semantik“ benennt ein umfangreiches Themengebiet, das im Rahmen einer Seminararbeit nicht umfassend und angemessen behandelt werden kann. Deshalb möchte ich mich in meiner Arbeit auf einen Unterpunkt Thematik, auf die kommunikative Funktion einer sprachlichen Äußerung, konzentrieren. Die kommunikative Funktion einer sprachlichen Äußerung ist es, von der abhängt, ob die Kommunikation gelingt oder nicht. Insofern ist sie nicht nur zentraler Bestandteil des übergeordneten Themas, sondern auch ein Aspekt sprachlicher Äußerungen, dem in der Realität des alltäglichen Lebens eine besondere Bedeutung zukommt. Um diesem Bezug zur Realität des täglichen Lebens auch methodisch Rechnung zu tragen, habe ich mich darum bemüht, die verschiedenen sprachwissenschaftlichen Ansätze, Erklärungen und Definitionen, auf die ich mich beziehe, an konkreten Beispielen zu erläutern. Die pragmatischen Grundlagen der Semantik wie auch die kommunikative Funktionen sprachlicher Äußerungen sind oft unterschiedlich bewertet und mit den verschiedensten Begriffen bedacht worden. Um Irritationen weitgehend zu vermeiden, beziehe ich mich im Wesentlichen auf das pragmatische Kommunikationsmodell1, das von Hannappel und Melenk in Alltagsprache2 dargestellt wird und versuche mit dessen Hilfe und in Abgrenzung zu anderen Modellen (Searle, Wunderlich) zu erläutern, inwiefern die kommunikative Funktion einer sprachlichen Äußerung ein wichtiger Bestandteil der Interaktion ist, und ihr Verstehen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Kommunikation ist. Dazu sollen zunächst die Faktoren, die die kommunikative Funktion beeinflussen, analysiert und bewertet werden. 1 s. Anhang A 2 Hannappel/Melenk: Alltagssprache. (1979)
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. KLÄRUNG UND ABGRENZUNG DER BEGRIFFE
2.1. Semantik und Pragmatik
2.2. Kommunikative Funktion einer Äußerung
3. DAS PRAGMATISCHE KOMMUNIKATIONSMODELL VON HANNAPPEL UND MELENK
3.1. Intention
3.2. Situation
3.3. Partnerhypothese
3.4. Strategie
3.5. Das Aufeinanderwirken der Faktoren
4. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pragmatischen Grundlagen der Semantik mit besonderem Fokus auf die kommunikative Funktion sprachlicher Äußerungen. Ziel ist es, anhand des Kommunikationsmodells von Hannappel und Melenk zu erläutern, wie die Intention des Sprechers, die situativen Rahmenbedingungen, die Partnerhypothesen und die gewählte Strategie das Zustandekommen und Verstehen einer erfolgreichen Kommunikation maßgeblich beeinflussen.
- Unterscheidung zwischen Semantik und Pragmatik
- Die kommunikative Funktion als zentraler Handlungsaspekt
- Analyse des Kommunikationsmodells von Hannappel und Melenk
- Bedeutung von Sprecherintentionen (Um-zu- vs. Weil-Motive)
- Wechselwirkung von Situationswahrnehmung und Partnerhypothesen
Auszug aus dem Buch
3.1. Intention
Zum besseren Verständnis sei hier zunächst darauf hingewiesen, dass Hannappel und Melenk das als Intention bezeichnen, was von anderen Autoren als Motiv benannt wird. Hannappel und Melenk fassen dagegen den Begriff Motiv oder Motivation weiter, insofern sie darunter das Zusammenwirken verschiedener Faktoren, zu denen auch die Intention gehört (s.o.) fassen. Bei der Beschreibung der Intention als eines Faktors, der die Motive eines Sprechers und damit die kommunikative Funktion einer Äußerung nachhaltig bestimmt, beziehen sich Hannappel und Melenk grundlegend auf Alfred Schütz, der in seiner Theorie, in Anlehnung an Weber, ein Motiv als „Sinnzusammenhang“ bezeichnet, „welcher dem Handelnden selbst als sinnhafter Grund eines Verhalten erscheint.“ Er unterscheidet des weiteren zwischen den „Um-zu-Motiven“ und den „Weil-Motiven“.
Die Um-zu-Motive lassen sich in Äußerungen wie in dem folgenden Beispiel auch als solche formulieren: Die Mutter sagt zu ihrer Tochter: „Trag dir den Termin bei der Berufsberatung doch in den Kalender ein.“ (um ihn nicht zu vergessen). Um-zu-Motive beeinflussen die Handlung dahingehend, dass der Sprecher einen Entschluss fasst, den er in die Tat umsetzen will. Die einzelnen Schritte bis zum Erlangen des Ziels sind dann nur noch Mittel zum Zweck: Die Mutter will, dass die Tochter den Termin wahrnimmt, deshalb will sie sicherstellen, dass die Tochter den Termin nicht vergisst, deshalb fordert sie sie auf, den Termin zu notieren. Insofern ist die Äußerung beim Um-zu-Motiv ein kleiner Schritt auf den Weg zum Ziel, das in der nahen oder fernen Zukunft liegt. Der Sprecher handelt (verbale Aufforderung der Mutter an die Tochter) um seinen Plan zu verfolgen (Erinnerungshilfen geben) und sein angestrebtes Ziel (Tochter lässt sich beraten) zu erreichen.
Weil-Motive lassen sich dagegen nicht in ein Um-zu-Struktur umformen. Sie sind vornehmlich durch Erfahrungen beeinflusst, die die entsprechende Person in der Vergangenheit gemacht hat. Bezogen auf das o.g. Beispiel sind das die Erfahrungen, die die Mutter in der Vergangenheit mit ihrer Tochter gemacht hat. So hat sie vielleicht feststellen müssen, dass ihre Tochter unliebsame Entscheidungen gerne vor sich herschiebt, auch dazu tendiert, Termine zu verschlampen und deshalb oft einen Anstoß und Erinnerungsstützen braucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung steckt das Themengebiet ab und definiert die Konzentration auf die kommunikative Funktion sprachlicher Äußerungen als zentrales Forschungsobjekt.
2. KLÄRUNG UND ABGRENZUNG DER BEGRIFFE: Dieses Kapitel differenziert zwischen Semantik als Lehre der wörtlichen Bedeutung und Pragmatik als Untersuchung der handlungsleitenden kommunikativen Funktion.
3. DAS PRAGMATISCHE KOMMUNIKATIONSMODELL VON HANNAPPEL UND MELENK: Das Hauptkapitel erläutert das vierstufige Modell, bestehend aus Intention, Situation, Partnerhypothese und Strategie, das den Erfolg von Interaktionen erklärt.
4. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine gelungene Interaktion von der korrekten Analyse der Sprecherfaktoren durch den Hörer abhängig ist und betont den Prozesscharakter der Kommunikation.
Schlüsselwörter
Semantik, Pragmatik, Kommunikative Funktion, Kommunikationsmodell, Sprechakt, Intention, Um-zu-Motiv, Weil-Motiv, Situation, Partnerhypothese, Strategie, Interaktion, Handlungsdimension, Hannappel, Melenk
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die pragmatischen Grundlagen der Semantik, insbesondere wie sprachliche Äußerungen als Handlungen verstanden werden können, die über ihre bloße wörtliche Bedeutung hinausgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Semantik und Pragmatik, die Analyse von Sprechakten sowie die Funktionsweise zwischenmenschlicher Kommunikation unter Berücksichtigung von Kontextfaktoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, anhand des Modells von Hannappel und Melenk zu zeigen, wie das Verständnis der kommunikativen Funktion einer Äußerung zur Voraussetzung für eine gelungene Kommunikation wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die theoretische Analyse sprachwissenschaftlicher Modelle sowie die Anwendung dieser Modelle auf konkrete Alltagsbeispiele und literarische Zitate zur Veranschaulichung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die vier Faktoren des Kommunikationsmodells: Intention, Situation, Partnerhypothese und Strategie, und beleuchtet deren wechselseitiges Zusammenspiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Pragmatik, Kommunikative Funktion, Intention, Sprechakt und Situationskontext geprägt.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Um-zu- und Weil-Motiven?
Um-zu-Motive sind zukunftsorientierte Handlungspläne zur Zielerreichung, während Weil-Motive auf vergangenheitsbasierte Erfahrungen zurückgreifen, die das aktuelle Handeln konstituieren.
Welche Rolle spielt die "Partnerhypothese" im Modell?
Die Partnerhypothese bezeichnet die Einschätzung, die ein Gesprächspartner über das Gegenüber sowie über dessen Sicht auf die Beziehung und die Situation vornimmt, was das jeweilige Kommunikationsverhalten steuert.
Warum wird das Modell in der Schlussbetrachtung kritisiert?
Der Autor kritisiert, dass das Modell zwar die Perspektive des Sprechers gut verdeutlicht, aber die Wechselseitigkeit und den fließenden Rollenwechsel zwischen Sprecher und Hörer im Prozesscharakter eines Gesprächs nur unzureichend abbildet.
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- Lea Gregor (Author), 2000, Pragmatische Grundlagen der Semantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40452