Angst im Alltag und Bewältigungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung des Ansatzes der sozialpädagogischen Beratungspraxis


Vordiplomarbeit, 2005
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Angst - Ein Definitionsversuch

3. Formen und Kategorisierung der Angst

4. Ursachen der Angst

5. Angst im Zusammenhang mit der Sozialpädagogischen Beratungspraxis
5.1 Der Beratungsfall
5.2 Der Beratungsprozess

6. Bewältigungsmöglichkeiten
6. 1 Alltagsstrategien
6. 1. 1. Vermeidung
6. 1. 2. Gedankenstrukturierung
6. 2. Verhaltenstherapie
6. 2. 1. Selbstsicherheitstraining
6. 2. 2. Systematische Desensibilisierung

7. Zusammenfassung und Ausblick

8. Eidesstattliche Erklärung

9. Literaturverzeichnis

10. Internetquellen

1. Einleitung

Angst ist zu einer Zeitkrankheit geworden[1], unter der viele Menschen, teils bewusst, meistens jedoch, ohne sich selbst diese Ängste eingestehen zu wollen, leiden. Sie leiden unter der Angst vor Prüfungen oder Berufswechsel, unter der Angst vor ihrem Chef, vor Krankheiten, vor Einsamkeit oder vor Kontakt mit ihrer Umwelt. Angst verliert in diesem Sinnzusammenhang ihren beschützenden natürlichen Charakter[2], Angst macht unfrei und beengt. Angst beeinflusst wichtige Lebensentscheidungen – führt gar zu körperlichen Symptomen[3], die krank machen können. In diesem Sinne ist Angst nicht mehr natürlich sondern stellt ein Hindernis für die individuelle Entfaltung und für das eigene Leben im allgemeinem dar. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, sich seiner Ängste zu stellen, diese zu hinterfragen und zu analysieren. Nach diesem Erkenntnisschritt gibt es verschieden Möglichkeiten Ängste zu behandeln, die es ermöglichen seine Ängste zu besiegen.

Angst ist einerseits zwar ein durchaus nützlicher und natürlicher Bestandteil unseres Lebens, gleichzeitig ist Angst aber auch ein Problemthema der heutigen Zeit, sieht man einerseits wie viele Menschen generell unter ihren Ängsten leiden und andererseits wie viele Menschen krankhafte Ängste haben, die sie zwingen sich in ärztliche Behandlung zu begeben und die sie ernsthaft daran hindern, ein normales Leben zu führen. Somit werden Ängste auch zum Bestandteil der Psychologischen Beratung und der Sozialpädagogischen Beratungspraxis. Davon abgesehen ist Angst ein Thema, das jeden Menschen bewegt. Angst ist Bestandteil eines jeden Lebens und ihre Leugnung ist keinesfalls eine Lösung, um sich der Ängste zu entledigen sondern bringt als Vermeidungsstrategie oder Verdrängungstechnik meist zwar eine kurzfristige Erleichterung mit sich, ist aber auch symptomatisch für manche krankhafte Angstformen. Im Gegenteil birgt die Verdrängung von Ängsten eher Gefahren. Lösungen von Angstproblemen können nur in der konsequenten Auseinandersetzung mit den Ängsten gefunden werden. Wie diese Lösungsstrategien jedoch aussehen und wie sie im Rahmen der sozialpädagogischen Beratungspraxis zum Einsatz kommen, ist die Grundfragestellung dieser Ausarbeitung.

2. Angst - Ein Definitionsversuch

Die Grundbedeutung von Angst war ursprünglich Enge oder Beklemmung und ist urverwandt mit dem lateinischen Wort „angustus“, das „eng“ bedeutet. Man kann Angst folgendermaßen definieren:

„Angst ist ein unlustbetonter, mit Beklemmung, Bedrückung, Erregung, oft quälender Verzweiflung einhergehender Gefühlszustand oder Affekt, reaktiv entstehend auf jede real erlebte oder auch bloß vorgestellte, häufig nicht einmal voll bewusste Lebensbeeinträchtigung oder – Bedrohung. Dabei erscheint das, wovor die Angst sich ängstigt, zwar unbestimmt, aber dennoch total ausgeweitet und sich ausweitend, im Gegensatz zur stets auf das Gegenständliche, Partikulare bezogenen Furcht, von der gesprochen wird, wenn auf eine auch anderen Menschen rational verständliche Weise durch Flucht oder Aggression bzw. Gegenwehr einer bestimmten Gefahr begegnet wird. Demgegenüber wird einen durch Angst provozierte Handlung wegen ihrer prinzipiellen Ungerichtetheit nicht als ein sinnvolles Mittel zur Erreichung eines bestimmten Zwecks verstehbar. Angst kann je nach Anlage, Charakter und Temperament des Menschen mehr oder weniger unterschiedlich, insbesondere in bezug auf ihre Intensität, durchlebt werden, in extremer Form bis hin zum Gefühl der Todesangst. Wie jeder starke Affekt ist die Angst von auffallenden körperlichen Symptomen (erhöhte Pulsfrequenz, Atemnot, Schweißausbruch, Zittern) begleitet, verbunden mit einer Minderung oder Aufhebung der willens- und verstandesmäßigen Kontrolle der Person über sich selbst. Gerade die vegetativen Begleiterscheinungen der Angst sprechen gegen eine Auslegung der Angst ausschließlich als Gefahrenschutzmechanismus, da sie sich in bestimmten Situationen auch nachteilig für den Menschen auswirken kann. Anders hat die Entwicklungs- und Reifungsangst des Kindes als Ängstlichkeit der noch unreifen, starken seelischen Belastungen noch nicht gewachsenen Seele eine bloße Abwehrfunktion und kann als natürliche Begleiterscheinung im Prozess des Heranwachsens und des Zu- sich- selbst- kommens in späteren Entwicklungsphasen leicht überwunden werden.“[4] Schlussfolgernd wird deutlich, dass Angst durchaus unterschiedliche Interpretationen erfährt. So differenziert man zwischen Angst und Furcht, obwohl Angst als Oberbegriff für Furcht gelten kann. Allen Definitionen gemein ist die Auswirkung von Ängsten auf das vegetative Nervensystem sowie die grundsätzliche mit der Angst verbundene Abneigung gegenüber dem Angstobjekt.

3. Formen und Kategorisierung der Angst

Die verschiedenen Formen der Angstbewältigung, die in der Psychologie, Politikwissenschaft und Pädagogik erörtert werden, reichen entsprechend dem unterschiedlichen Charakter und der unterschiedlichen Intensität der Angst vom Einsichtigmachen eines bislang Undurchschauten über die Umorientierung der Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes bis hin zum speziellen Verhaltenstraining hinsichtlich bestimmter Angstobjekte und zu Übungen zur persönlichen Identitätsfindung und Identitätsstabilisierung.“[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kategorisierung der verschiedenen Angstformen[6]

Angst scheint sich grundsätzlich selbst als lebensdienliche Warnung vor Gefahr zu verstehen[7]. Doch wie bereits in dem vorangegangen Kapitel kurz eingeführt ist Angst nicht gleich Angst. Sie kann vielmehr nach ihren unterschiedlichen Symptomen untergliedert werden. Grundsätzlich ist dies auch für den weiteren Umgang mit der Thematik absolut notwendig. Nur richtig erkannte Angst kann auch entsprechend behandelt werden[8] und nicht jede Angstform sondern im Gegenteil viele Angstformen sind insofern mutiert als dass sie ihren Charakter verloren haben. Dies bedeutet gleichzeitig, dass nicht jede Angstform durch den Betroffenen selbst behandelt werden darf[9], da sonst die Gefahr besteht, dass sich der meist krankhafte Zustand weiter verschlimmert. Bei vielen Angstformen ist oftmals zur Bewältigung der Angstproblematik Hilfe von außen notwendig. Je nach Ausprägung der Angst kann sinnvolle Hilfe dabei durchaus im Rahmen einer sozialpädagogischen Beratung geleistet werden. Manche, insbesondere psychotische Angstformen, sollten hingegen im Rahmen einer psychologischen Therapie behandelt werden.

Es gibt schier eine unendliche Vielfalt möglicher Ängste, Neurosen und ähnlicher verwandter Zustände. Grundsätzlich gilt sogar, dass jede Angst individuell anders ist, es demnach also niemals ein und dieselbe Angst bei zwei Menschen geben kann. Um in der Psychologie aber dennoch Therapien entwickeln zu können, um vielleicht auch eher allgemeine Verarbeitungsvorschläge unterbreiten zu können, ist es unerlässlich die unterschiedlichen Ängste zusammenzufassen und zu kategorisieren. Hierbei ergeben sich, nach Riemann, vier Grundformen der Angst. Diese stellen sich in einem Quadrat dar, da sie sich jeweils paarweise gegenseitig ausschließen. Die Anforderung an das Individuum besteht, drin sich möglichst in einem ausgewogenen Mittelpunkt dieses Quadrats zu stehen.

1. Die erste dieser Ecken des Quadrats wird symbolisiert durch die Angst davor, aus der Gesellschaft herauszufallen, Angst vor Isolation und Vereinsamung[10]. Positiv formuliert beinhaltet diese Angst den Wunsch in der Gruppe, in der Gesellschaft anerkannt zu werden.
2. Dem gegenüber steht die Angst, das eigene Ich zu verlieren, abhängig zu werden[11]. Wir möchten als individuelle, eigenständige Menschen verstanden werden, die nicht austauschbar sind.
3. Die dritte Form der Angst ist die Angst vor dem Neuem, vor der Veränderung. Damit verbunden ist gleichfalls der Wunsch nach Beständigkeit[12].
4. Der Gegensatz dieser Angst manifestiert sich in der Furcht zu sehr durch Regeln und Stillstand eingeengt zu werden. Anders ausgedrückt findet sich hier auch der Freiheitsdrang wieder, der Wunsch nach Veränderung[13].

Um Ängste und Phobien zu bewältigen, gibt es viele Wege. Jeder Mensch hat, bewusst oder unbewusst, seinen eigenen „Mix“ aus Bewältigungsstrategien, mit denen er seine eigenen, persönlichen Ängste versucht, unter Kontrolle zu halten oder zu bekommen (z.B. Vermeidung, Verdrängung, oder Verleugnung). Schafft er es nicht, so ist der teilweise persönlich schwierige Schritt zu einem professionellen Berater oder Therapeuten erforderlich. „Was normale oder krankhafte Angst ist, entscheiden [allerdings] keine objektiven Kriterien, mögen auch psychiatrische Diagnosetabellen diesen Anschein erwecken“.[14]

[...]


[1] Vgl. Hennenhofer, G., S. 5

[2] Vgl. Hennenhofer, G., S. 11

[3] Vgl. Knapp, G., S. 189

[4] Vgl. Meyers, S. 218

[5] Vgl. F. A. Brockhaus Verlag, S. 585ff

[6] Vgl. Knapp, G., S. 9

[7] Vgl. Knapp, G., S. 9f

[8] Vgl. Seipp, B., S. 23

[9] Vgl. Hennenhofer, G., S. 54ff

[10] Vgl. Riemann, F.; S. 13

[11] Vgl. Riemann, F., S. 13

[12] Vgl. Riemann, F., S.14

[13] Vgl. Riemann, F., S.15

[14] Vgl. Richter, H.-E., S. 15

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Angst im Alltag und Bewältigungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung des Ansatzes der sozialpädagogischen Beratungspraxis
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V40654
ISBN (eBook)
9783638391221
Dateigröße
748 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Angst, Alltag, Bewältigungsmöglichkeiten, Berücksichtigung, Ansatzes, Beratungspraxis
Arbeit zitieren
Elfriede Tillmann (Autor), 2005, Angst im Alltag und Bewältigungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung des Ansatzes der sozialpädagogischen Beratungspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40654

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