Sprachliches Handeln in der Bildungsinstitution Schule


Hausarbeit, 2003

24 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Schule als Institution
2.1 Begriffliche Klärung
2.2 Geschichtlicher Abriss
2.3 Zweck und Funktion

3 Funktion der Sprache im Unterricht
3.1 Kommunikation und Bildung
3.2 Kommunikation im Unterricht

4 Besonderheiten der verbalen Kommunikation
4.1 Monolog und Dialog
4.2 Lehrerfrage

5 Fallanalyse Deutsch Klasse 4 (Lesen) „Vielleicht wird alles gut“

6 Zusammenfassung

7 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Kaum ein Gebiet des gesellschaftlichen Handelns erfährt so viel wissenschaftliche Beachtung wie die Schule. So gibt es ganze Wissenschaftsdisziplinen, die sie zum Gegenstand haben: die Pädagogik und Erziehungswissenschaft, die allgemeine Didaktik und Methodik, die Schultheorie. Aber auch verschiedene Teildisziplinen von Psychologie und Soziologie befassen sich auf systematische Weise mit dieser Institution. Sogar bis hin zur Rechts- und Verwaltungswissenschaft erstreckt sich ihre wissenschaftliche Behandlung. All diese Disziplinen thematisieren am Gegenstandsbereich „Schule“ Aspekte ihres Interesses, welches meist auf die Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen, von Reflexion und Legitimation der Lehrertätigkeit bezogen ist.

Obwohl die soeben angesprochene Funktion der Wissensvermittlung ohne die Sprache nicht möglich wäre und die Praxis der Lehrperson aber auch das Handeln des Schülers vorwiegend sprachlich ist, rückte die Kommunikation in der Schule erst recht spät in das Blickfeld der Sprachwissenschaft. Frühere Begegnungen bleiben demgegenüber meist beschränkt auf Versuche im Rahmen der Spracherwerbsforschung sowie syntaktische und semantische Merkmale der Schülersprache. Doch Sprache ist nicht mehr nur im Sinne von Sprachsystem (Langue), sondern im Sinne von Sprachverwendung (Parole), als sprachliches Handeln zu verstehen, welches durch audiovisuelle Aufzeichnung gesprochener Sprache gewonnen wird. Es geht also um Sprechen und Hören, um das sprachliche Handeln der Schüler und Lehrer und darum, welche Strukturen es hat und wie es sich zu den Zwecken der Institutionen verhält. Diese authentische Kommunikation wird durch eigene Verfahren der Linguistik bearbeitet (Transkriptionsmethode) und mit Kategorien und Methoden untersucht, die dem Handlungscharakter von Sprache Rechnung tragen (z.B. Musteranalyse, Analyse der Gesprächskonstitution). Die institutionelle Kommunikation allgemein erfährt somit immer größere Bedeutung. Dies hat insofern seine Berechtigung, als Interaktion und Kommunikation in Institutionen eine herausragende Rolle im täglichen Leben spielen, zumindest in Gesellschaften, wie es unsere eine ist. Besonders die Kommunikation in der Schule ist zur umfassenden Analyse sehr nützlich und wichtig, da sie einen zentralen Ausschnitt aus dem gesamten sprachlichen Handeln, ein Ausschnitt, der die Biographie fast aller Menschen über Jahre hinaus bestimmt, darstellt.

Trotz der steigenden Bedeutung lässt sich eine Literaturvielfalt zum Thema „Sprachliches Handeln in der Bildungsinstitution Schule“ noch nicht verzeichnen, was dadurch eine umfangreiche und zeitgemäße Darstellung des Themas noch nicht ermöglicht.

Die vorliegende Arbeit zum soeben genannten Thema beschäftigt sich speziell mit sprachlicher Kommunikation im Unterricht, also der Mitteilung, Verständigung, Übermittlung von Informationen.

Unter Unterricht versteht man die planmäßige, regelmäßige Vermittlung von Fähigkeiten, Wissen und Fertigkeiten in einem bestimmten Fach oder einen durch ein Bildungsziel geprägten Fächerkanon.“ (http://www.brockhaus.de.28.03.03).

Der Aufbau der Arbeit ist Folgender:

Zuerst soll die Schule als Institution vorgestellt werden. Dabei wird der Begriff Schule näher erläutert, die geschichtliche Entwicklung in einem Abriss kurz dargestellt und auf den Zweck bzw. die Funktion dieser Institution eingegangen.

Der Hauptteil beinhaltet nun die problemorientierte Ausarbeitung zum Thema. Dabei stehen die Funktion der Sprache im Unterricht, Besonderheiten der verbalen Kommunikation sowie das Verhalten der Gesprächspartner und sich daraus ergebene Probleme im Vordergrund. Anhand eines Praxisbeispieles sollen Teile der dargestellten Theorie ihre Anwendung finden.

2 Schule als Institution

2.1 Begriffliche Klärung

Die Schule (lat.: schola: Unterrichts (stätte), „Muße“, „Ruhe“; griech.: scholé: „Innehalten (bei der Arbeit)“) ist eine „Einrichtung zur Erziehung und Bildung der heranwachsenden Generation einer Gesellschaft.“ (Meyers Neues Lexikon 1964, S. 359). Ihre Aufgabe ist es allen „Kindern und Jugendlichen (im weiten Sinn auch Erwachsenen) durch planmäßigen Unterricht Wissen, Erkenntnis, Einsicht und die Fähigkeit zu begründetem Urteil zu vermitteln“, welches ihnen eine selbständige Lebensführung ermöglichen soll (www.brockhaus.de.28.03.03). Als Träger dieser Institution Schule fungieren der Staat (öffentliche Einrichtung) oder gesellschaftliche Gruppen (z.B. Kirche) bzw. Stiftungen und Privatpersonen (Privatschule). Die Schule ist politischen und sozialen Einflüssen unterworfen, die eine Anpassung der Heranwachsenden an die herrschenden Wertvorstellungen fordern, um eine Erhaltung des gesellschaftlichen Systems zu gewährleisten

(Reproduktion). „SCHULE als dauerhaft gesetzte INSTITUTION, mit professionellen LEHRERN, einem fixierten LEHRPLAN und einem von LEISTUNGSSTANDARDS bestimmten LEHRGANG, wird zunächst für die QUALIFIZIERUNG von Spezialisten eingereicht. ® (SCHULE ALS PRIVILEG)

SCHULE heute ist zu einer staatlich-öffentlichen kontrollierten Veranstaltung für alle Heranwachsenden einer Generation geworden (SCHULPFLICHT).

Aus dem klassenspezifisch geprägten Bildungssystem des 19. Jahrhunderts ist eine offene Einrichtung allgemeiner Bildung und ein universeller Mechanismus der Konstruktion von Lebensabläufen geworden.“ (http://www.tu-bs.de/institute/schulpaedagogik/folien/2-1_Schule_als_Institution.pdf.28.03.03).

2.2 Geschichtlicher Abriss

Die Entwicklungslinie der Institution Schule kann auf das 3. Jahrtausend v. Chr. zurückgeführt werden. So entstanden im Zuge des kulturellen und sozialen Wandels die ersten Schulen (Haus der Täfelchen) in Mesopotamien, um den stark gewachsenen Bedarf an Schreiber zu befriedigen. Bereits in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. wurden nicht mehr nur die Kulturtechniken (Rechnen, Lesen, Schreiben) gelehrt, sondern Wissen, Fähigkeiten und Bildung ihrer Zeit (z.B. Musik, Literatur, Grammatik) kamen hinzu. Die Schulen waren in Tempeln und Palästen untergebracht. Auch in Ägypten kam es zum Aufstieg einzelner Schreiber zu hohen Ämtern. Sie gehörten nun dem angesehenen Beamtenstamm an.

Antike Schulen machten im 5. Jahrhundert v. Chr. den Anfang der Hochschulkultur in Griechenland, aufgrund der beginnenden Demokratisierung des öffentlichen Lebens. Insbesondere in Athen hat der ökonomische und politische Strukturwandel dazu geführt, dass die freigeborenen Knaben und Jünglinge ein notwendiges Maß an Sachkenntnissen erhielten und ihnen die Fertigkeiten des Sprachgebrauchs, des Lesens und des Schreibens durch einen Privatlehrer gelehrt wurden. Ältere Knaben erhielten in einem Gymnasium neben musisch-literarischem Unterricht (Grammatik, Dichtung, Rhetorik, Didaktik, Musiktheorie etc.) eine sportlich-militärische Ausbildung. Durch den Niedergang der Stadtkultur und die zunehmende Christianisierung des Abendlandes in der Spätantike verschwanden die antiken Schulen immer mehr.

Die Kloster- und Domschulen in Europa waren Einrichtungen des Mittelalters für eine standesspezifische Berufsausbildung des Klerikernachwuchses, aber auch für Kinder aus höfischen Kreisen. Sie vermittelten eine grundlegende Beherrschung der lateinischen Sprachen, in der die geistlichen Schriften des Mittelalters verfasst waren. Die Bildung lag fest in den Händen der Kirche.

Die aufkommende Schriftlichkeit im Handelsverkehr veränderte im 13. Jahrhundert die soziale Stellung der Kaufleute und Handwerker aufblühender Städtewesen. Neben den Lateinschulen wurden nun stadteigene und private „deutsche“ Schulen gegründet, in denen der Mitglieder der Handwerkszünfte und Kaufmannsgilden Kenntnisse und Fähigkeiten im Lesen, Rechnen und Schreiben in der Muttersprache vermittelt wurden. Es kam mehr und mehr zur Verweltlichung der Schule.

Eine neue und größere Bedeutung erhielt die Schule mit der Entstehung der Territorialstaaten im 17. und 18. Jahrhundert, die durch ein abgegrenztes Staatsgebiet und eine zentrale Verwaltung gekennzeichnet sind. Durch die Entmachtung der traditionellen Herrschaftsstände Adel und Klerus entstehen die absolutistischen Herrschaftssysteme des 18. Jahrhunderts. Sie sind an der Sicherung der Herrschaft und der Steigerung der Wirtschaftskraft interessiert. Die Schule soll den tüchtigen Untertanen hervorbringen. Neben ersten kommunalen und territorialen Schulordnungen wurde die allgemeine Schulpflicht für alle, die den nötigen Unterricht nicht zu Hause erhielten, eingeführt. Am Ende des 18. Jahrhunderts führte die stärker werdende bürgerliche Aufklärungsbewegung und die in dieser Zeit entstehende pädagogische Wissenschaft zu einer neuen Sicht der Schule als Institution allgemeiner und umfassender Menschenbildung im Sinne menschlicher Vervollkommnung und vernunftorientierter Selbstbestimmung. Die Feudalgesellschaft mit ihrer ausgeprägten städtischen Struktur und einem standesspezifisch ausgerichteten Schulsystem wandelte sich zur bürgerlichen Gesellschaft, in der die Berufs- und Lebenschancen der Menschen über ihre soziale Herkunft hinaus erweitert wurden, Wachsende berufliche Arbeitsteilung und zunehmend wissenschaftliche Differenzierung machten die schulische Förderung und Entwicklung spezieller Fähigkeiten und Fertigkeiten notwendig. Die Bedeutung des Schulwesens für das Gemeinwesen nahm im 19. Jahrhundert also zu. So forderte man (Pestalozzi, Humboldt, Herbart u.a.) eine grundlegende Bildung. Um die Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrern zu steigern kam es neben dem Aufblühen der Fachliteratur ansatzweise zur Professionalisierung der Lehrer/innen durch Seminarausbildung. Ende des 19. Jahrhunderts kam verstärkt Schulkritik von einer sich zu dieser Zeit gebildeten pädagogischen Reformbewegung auf, mit der Begründung, dass der Staat als Schulträger nur an der Reproduktion seiner Struktur und Funktionen interessiert sein und wegen der daraus folgenden Schülerselektion nach dem Leistungsprinzip das pädagogische Verständnis, das sich an der bestmöglichen Förderung jedes einzelnen Heranwachsenden orientiert, zerstöre. Man forderte also eine größere Unabhängigkeit der Schulen und eine primäre Orientierung am Kind.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu mehreren Neuerungen im Schulsystem, wie z. B. zur Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht (8 Jahre) umfassende Volksschule (Klassen 1-4 ® Einheitsschule; Klassen 5-8 ® Fortbildungsschule), zum Ausbau geschlechtsspezifisch orientierter Mädchenbildung, zur Erweiterung höherer Schulen durch das Abitur zu Deutschen Oberschulen, zur Einführung der Berufsschule und zur Einführung der staatlichen Schulaufsicht, welche die Kirche als Oberhaupt zurückdrängte.

Ende der 60er Jahre erfuhr die Bildung weitere Reformen. So wurden unter anderem die Volksschule durch die Grund- und Hauptschule mit einer insgesamt neun bis zehn jährigen Schulpflicht ersetzt und die Orientierungsstufe eingeführt (vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon 1977, S. 301f.).

2.3 Zweck und Funktion

Gesellschaften erhalten sich durch ihre Kulturen, d.h. mit einem komplex verschiedener Auffassungen, Meinungen und Fähigkeiten und deren Weitergabe. Dabei haben Bildung und Erziehung in allen Gesellschaften die Funktion der kulturellen Überlieferung. Demnach hat Schule eine gesellschaftliche Funktion. Sie soll dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche in die Gesellschaft integriert werden, denn die Sozialisation in der Familie allein reicht nicht mehr aus, um unsere Kinder ausreichend auf ein Leben in der Erwachsenenwelt vorzubereiten. So können die Eltern auf der einen Seite ihren Kindern oft nicht alle Fähigkeiten und Fertigkeiten vermitteln, die in unserer modernen, technisierten Gesellschaft notwendig sind und auf der anderen Seite lernen die Kinder nicht die Leistungsanforderungen in der Familie kennen, auf der die Gesellschaft aufbaut (vgl. http://www.larsperle.de/Verzeichnis/PS-Docs/Fend-Schultheorie.pdf.28.03.03).

Nach der soeben genannten Sozialfunktion der Schule, dargestellt von Talcott Parsons, stellte Helmut Fend 1981 in seinem Buch „Theorie der Schule“ drei gesellschaftliche Funktionen der Schule vor: die Qualifikationsfunktion, die Selektions- bzw. Allokationsfunktion und die Legitimations- bzw. Integrationsfunktion. Dabei umfassen die Qualifikations- und Legitimationsfunktion die von Parsons genannte Sozialisationsfunktion. Im Gegensatz zur Pädagogik betrachtet Fend nur die gesellschaftliche Bedeutung von Schule.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Sprachliches Handeln in der Bildungsinstitution Schule
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Sprache in Institutionen
Note
1,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V40676
ISBN (eBook)
9783638391344
ISBN (Buch)
9783638655620
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachliches, Handeln, Bildungsinstitution, Schule, Sprache, Institutionen
Arbeit zitieren
Susan Grüßner (Autor), 2003, Sprachliches Handeln in der Bildungsinstitution Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40676

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