Kaum ein Thema erregt in der öffentlichen Debatte und im politischen Streit so viel Aufmerksamkeit wie die Bio- und Gentechnik. Der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern geht quer durch alle Parteien, Gesellschaftsschichten und Wissenschaftskreise. Gegner halten die neuen Manipulations- und Eingriffsmöglichkeiten für eines der schlimmsten Vergehen, dessen sich die Menschheit überhaupt schuldig machen kann. Die Befürworter dagegen sehen die neuen Technologien als eine der größten Errungenschaften und Chancen, die der Menschheit je zuteil wurden. Klonen ist die erste Möglichkeit, nicht nur fiktional sondern tatsächlich Leben zu erschaffen. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem stark umstrittenen Thema Gentechnologie und im Speziellen mit der daraus resultierenden Möglichkeit, Menschen zu klonen. Im Vorfeld werden die Prozesse des Klonens dargestellt und erklärt sowie die rechtlichen Voraussetzungen und Bestimmungen in Deutschland und anderen Ländern kurz dargestellt. Die beiden Hauptteile der Arbeit befassen sich mit der Erschaffung künstlicher Menschen durch Gentechnik oder in Form von Künstlicher Intelligenz und der Literatur, die sich über die Jahrhunderte damit beschäftigt hat. Der Mensch befasste sich schon immer mit dem faszinierenden Versuch, sich selbst nachzubilden. Ob verstofflicht anhand von Zeichnungen, in Form von Puppen und Robotern oder rein gedanklich in Filmen, Computerspielen und Büchern - der künstliche Mensch wird immer aufs Neue thematisiert. Beispiele sind Figuren wie der „Terminator“ und „Data“, „Lara Croft“ und „Olimpia“. Künstlichkeit in Verbindung mit Menschsein hat immer die große Frage aufgeworfen, was den Menschen von seinen künstlichen Nachbildungen unterscheidet. Auch dieser Frage soll in Ansätzen nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1. GENTECHNISCHE PROJEKTE IN DER HUMANGENETIK
1.1 Klonen – wie wirklich ist der künstliche Mensch?
1.2 Wann fängt künstliches Leben an?
1.3 Rechtliche Voraussetzungen – ein kurzer Überblick
2. WOHIN GEN WIR?
2.1 Genetik oder Künstliche Intelligenz?
2.2 Genetik und KI versus Religion
2.3 Der Mythos der zweiten Schöpfung
3. DIE LITERATUR DER JAHRHUNDERTE
4. SCHLUSS
6. LITERATURHINWEISE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Fortschritt in der Gentechnologie bzw. Künstlichen Intelligenz und der literarischen Auseinandersetzung mit der Erschaffung künstlicher Menschen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich das menschliche Selbstverständnis durch die Möglichkeit der Selbstnachbildung verändert.
- Möglichkeiten und Prozesse des Klonens
- Rechtliche und ethische Rahmenbedingungen der Gentechnik
- Vergleich von Genetik und Künstlicher Intelligenz
- Mythos der zweiten Schöpfung in Kultur und Geschichte
- Literarische Motive des künstlichen Menschen von der Antike bis zur Gegenwart
Auszug aus dem Buch
2.1 Genetik oder Künstliche Intelligenz?
Wird die Gentechnologie den neuen Menschen schaffen oder die Computertechnologie? Oder etwa eine Mischung aus beidem? „Wegbereiter der Aufklärung (…) definieren den Menschen als letztlich rekonstruierbare Maschine, deren Unvollkommenheit somit wissenschaftlich-technisch zu beheben sei. Unsterblichkeit inklusive“ 5
In Science Fiction Produktionen sehen wir viele künstliche Menschen, die aus Robotern hervorgekommen sind, mit unglaublichen Fähigkeiten. Sie sind laufende PCs, Androiden, die Menschen helfen sollen. Man kann sie in zwei Gruppen unterteilen, einerseits die laufenden Roboter wie R2D2 aus dem „Krieg der Sterne“ oder Data vom „Raumschiff Enterprise“, die eindeutig nicht menschlich sind. Und auf der anderen Seite die künstlichen Nachbildungen von Menschen, die es in Perfektion bisher nur in unserer Phantasie gibt, wie Hadaly von Villiers de L´Isle Adam aus dem 19. Jahrhundert, deren menschenähnlichkeit so groß war, dass sie menschlicher als das Original wirkte, nach dem sie geschaffen wurde. Was nun ist aber menschlich?
Wir fühlen uns Schöpfungen wie Data und Hadaly überlegen, weil wir ihnen etwas voraushaben: sie sind weder zu Gefühlen fähig, noch zur Fortpflanzung, und viele von ihnen können nicht einmal in den Geschichten unabhängig denken. Letzteres scheint jedoch im Mittelpunkt des Interesses eines ganzen Forschungszweiges zu stehen: der Künstlichen Intelligenz, kurz KI.
Wenn der Computer selbstständig denkt, wird es in manchen Science Fiction Szenarien gefährlich. Beispielsweise in Klassikern wie Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“, in dem Hal, der Bordcomputer, Dinge wahrnimmt wie ein Mensch, und sogar – anders als die meisten seiner „Verwandten“ aus der Branche - Gefühle wie Angst oder Mitleid entwickelt. „Es tut mir leid, Dave“, sagt er mit einfühlsamer Stimme, und verweigert dem Astronauten die Rückkehr ins Raumschiff, damit er ihn nicht abschalten kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Debatte um Bio- und Gentechnik und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich künstlicher Menschen.
1. GENTECHNISCHE PROJEKTE IN DER HUMANGENETIK: Analyse aktueller technischer Möglichkeiten wie Klonen und pränatale Diagnostik sowie deren rechtliche Einordnung.
2. WOHIN GEN WIR?: Diskussion über das Konkurrenz- oder Ergänzungsverhältnis von Gentechnik und Künstlicher Intelligenz im Kontext menschlicher Schöpferphantasien.
3. DIE LITERATUR DER JAHRHUNDERTE: Historischer Abriss literarischer Motive des künstlichen Menschen, von antiken Mythen bis hin zu modernen Science-Fiction-Visionen.
4. SCHLUSS: Reflexion darüber, wie Science Fiction die wissenschaftliche Realität bereits beeinflusst und als Wegbereiter für technologische Entwicklungen fungiert.
6. LITERATURHINWEISE: Verzeichnis der verwendeten Quellen und weiterführenden Medien zum Thema.
Schlüsselwörter
Gentechnik, Humangenetik, Klonen, Künstliche Intelligenz, Ethik, Menschenbild, Literaturgeschichte, Golem, Androiden, Schöpfungsmythos, Evolution, Reproduktionsmedizin, Science Fiction, Bioethik, zweite Schöpfung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Gentechnik und Künstlichen Intelligenz, künstliche Menschen zu erschaffen, und setzt dies in Bezug zu literarischen und mythologischen Vorbildern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ethischen Grenzen des Klonens, die Geschichte des künstlichen Menschen in der Literatur sowie die philosophische Frage, was den Menschen ausmacht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Mensch durch Technik seine Rolle als Geschöpf zugunsten einer Schöpferrolle hinterfragt und welche Ängste und Hoffnungen damit verbunden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse sowie eine Gegenüberstellung von wissenschaftlichen Fakten und literarisch-fiktionalen Darstellungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet gentechnische Prozesse, rechtliche Grundlagen, den Vergleich zwischen Genetik und KI sowie die literarische Traditionslinie des künstlichen Menschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gentechnik, Klonen, Künstliche Intelligenz, Ethik, Schöpfungsmythos und Literatur.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Religion bei diesen Entwicklungen?
Die Autorin weist darauf hin, dass der Mensch durch den Versuch, Leben künstlich zu schaffen, die traditionelle Schöpferrolle Gottes in Frage stellt und damit oft Ängste vor einer Bestrafung (Hybris) auslöst.
Warum wird im Anhang ein Gedicht von Erich Kästner zitiert?
Das Gedicht dient als literarisches Beispiel für die frühe Vision einer "Menschenfabrik" und verdeutlicht auf satirische Weise die Problematik der "Fertigung" von Menschen.
- Quote paper
- Julia Krknjak (Author), 2002, Wohin Gen wir? Die Gentechnik auf dem Weg zur zweiten Schöpfung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40708