[...] Im ersten Teil meiner Arbeit möchte ich die SKOS als Institution mit Ihren Zielen und Aufgaben kurz vorstellen sowie oft benutzte Begriffe rund um das Thema erläutern. Im Hauptteil werde ich Bezug nehmen auf Literatur, welche das Schweizerische Sozialhilfesystem vor der Revision der Richtlinien kritisch beleuchtet hat und mit diesen Erkenntnissen den Reformbedarf aufgedeckt und eine Diskussion provoziert hat. Weiter werde ich die wichtigen Änderungen der neuen Richtlinien sowie auch kritische Stimmen dazu vorstellen. Abschliessend möchte ich anhand von Fallbeispielen Exemplarisch aufzeigen, welche konkreten Auswirkungen die Änderungen für Bezüger von Sozialhilfe haben können. Mein Interesse an diesem Thema gründet in meinem Praktikum auf dem Sozialdienst der Gemeinde Hilterfingen im Kanton Bern. Ich gewann während der Praktikumszeit einen Einblick in das Schweizerische Sozialwesen und insbesondere in das System der Sozialhilfe. Da im Sozialhilfegesetz des Kantons Bern die SKOS-Richtlinien für alle Sozialdienste als Verbindlich gelten, waren sie für meine Arbeit ein tägliches Hilfs- und Arbeitsmittel. Aus eigenen Erfahrungen mit Klienten habe ich gewisse kritische Punkte der alten Richtlinien erlebt und bin gespannt, welche Antworten die SKOS in der Revidierten Ausgabe präsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 WAS IST DIE SKOS?
2 BEGRIFFE UND ABKÜRZUNGEN
3 DISKUSSION VOR DEN ÄNDERUNGEN
3.1 ZUSAMMENFASSUNG: KRITIKPUNKTE AN DEN ALTEN RICHTLINIEN
3.2 GERFIN 2004
3.2.1 Untersuchung der Höhe des Grundbedarfs
3.2.2 Untersuchung der Äquivalenzskala
3.2.3 Untersuchung der Anreizwirkung
3.3 MEDIENBERICHTE
4 DIE ÄNDERUNGEN IN DEN NEUEN RICHTLINIEN
4.1 HAUPTZIELE DER TEILREVISION
4.2 DIE REVISIONSPUNKTE
Einkommensfreibetrag statt Erwerbsunkostenpauschale
Integrationszulage statt Grundbedarf 2
Neue Höhe des Grundbedarfs und soziales Existenzminimum
Aufruf zur Schaffung von Integrationsmassnahmen
Sanktionen und Missbrauchsbekämpfung
5 DISKUSSION DER ÄNDERUNGEN
5.1 ZUSAMMENFASSUNG: KRITIK AN DEN NEUEN RICHTLINIEN
5.2 STELLUNGNAHMEN UND KRITIK AN ZU DEN NEUEN RICHTLINIEN
6 EXEMPLARISCHE BUDGETBEISPIELE
6.1 FAZIT
7 ABSCHLIESSENDE ÜBERLEGUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit untersucht die 2005 revidierten SKOS-Richtlinien vor dem Hintergrund vorangegangener kontroverser Diskussionen im Schweizer Sozialwesen. Ziel ist es, den Reformbedarf zu beleuchten, die Änderungen in den neuen Richtlinien darzulegen und deren konkrete Auswirkungen auf Sozialhilfebezüger anhand von Fallbeispielen kritisch zu hinterfragen.
- Kritische Analyse der alten SKOS-Richtlinien
- Evaluation des Gutachtens von Prof. Gerfin (2004)
- Gegenüberstellung der Änderungen in den neuen Richtlinien
- Analyse der Auswirkungen mittels Budget-Fallbeispielen
- Diskussion von Anreizstrukturen und Integrationsmassnahmen
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Untersuchung der Höhe des Grundbedarfs
Die Frage der Höhe des Existenzminimums kann nicht mit der ökonomischen Theorie beantwortet werden, es sind gesellschaftliche Werturteile notwendig dazu. Die Zusammensetzung der Güter im Grundbedarf 1 wird hier aus diesem Grund nicht analysiert, sondern als gegeben akzeptiert. (vgl. Gerfin 2004: 3)
Der Warenkorb für den Grundbedarf 1 definiert, aus welchen Gütern sich der Grundbedarf zusammensetzt. Untersucht wird hier wie bereits betont nicht die Zusammensetzung des Warenkorbs, sondern der Geldbetrag, welcher für die Beschaffung dessen Güter in der Sozialhilfe ausbezahlt werden.
Eine zentrale Aussage der Evaluation ist, dass der Grundbedarf tendenziell zu hoch ausgemessen sei. Der Autor bedient sich verschiedener Methoden um die Höhe des SKOS Grundbedarfs zu beurteilen, wobei alle Methoden zu ähnlichen Resultaten führen. Ich möchte hier eine Methode herausgreifen und kommentieren: Die empirische Analyse des Grundbedarf 1 Warenkorbs anhand der Daten der „Schweizer Einkommens und Verbrauchserhebung EVE 98“.
Der Autor zieht zum Vergleich 3 verschiedene Gruppen von Einpersonen Haushalten bei: Alle Einpersonen Haushalte (Gruppe 1); Einpersonen Haushalte deren verfügbares Einkommen zu den niedrigsten 20% der Einkommen gehört (unterstes Einkommensquintil) (Gruppe 2), sowie Einpersonen Haushalte derer Verfügbares Einkommen zu den niedrigsten 10% der Einkommen gehört (unterstes Einkommensdezil) (Gruppe 3). Es geht dabei darum zu untersuchen, wie viel diese Haushalte für den Warenkorb des Grundbedarf 1 ausgeben und diesen Wert mit dem SKOS Grundbedarf 1 und der Summe von Grundbedarf 1 und Grundbedarf 2 zu vergleichen. Resultat des Vergleichs ist, dass sich die Richtlinien durchschnittlich am untersten Quintil der Einkommen orientieren und dass Sozialhilfebeziehende verglichen mit dem untersten Einkommensdezil allein mit dem Grundbedarf 1 rund 7% mehr finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Erweitert man die Analyse um den Grundbedarf 2, dann ändert sich nichts am qualitativen Ergebnis. Der SKOS Grundbedarf übertrifft dann das unterste Einkommensdezil um rund 11%. (vgl. Gerfin 2004: 6ff)
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik des Sozialhilfewesens und Vorstellung der Forschungsfragen sowie des persönlichen Interesses des Autors an der Thematik.
2 BEGRIFFE UND ABKÜRZUNGEN: Definition zentraler Begriffe wie Grundbedarf 1 und 2 im Kontext der Sozialhilfe.
3 DISKUSSION VOR DEN ÄNDERUNGEN: Kritische Auseinandersetzung mit der Ausgangslage und den Schwachstellen der alten Richtlinien, basierend auf dem Gutachten von Gerfin und Medienberichten.
4 DIE ÄNDERUNGEN IN DEN NEUEN RICHTLINIEN: Detaillierte Darstellung der Ziele der Teilrevision und der spezifischen Neuerungen, wie der Integrationszulage und des Einkommensfreibetrags.
5 DISKUSSION DER ÄNDERUNGEN: Kritische Analyse der neuen Richtlinien unter Einbeziehung von Stellungnahmen und Fachdiskussionen.
6 EXEMPLARISCHE BUDGETBEISPIELE: Anwendung der Richtlinien auf verschiedene Falltypen, um die Auswirkungen der Revision an konkreten Budgets aufzuzeigen.
7 ABSCHLIESSENDE ÜBERLEGUNGEN: Reflexion über die Wirksamkeit der Revision und die grundlegende Frage, ob die Probleme des Sozialwesens durch diese Massnahmen gelöst werden können.
Schlüsselwörter
SKOS-Richtlinien, Sozialhilfe, Grundbedarf, Existenzminimum, Teilrevision, Anreizprinzip, Integrationszulage, Einkommensfreibetrag, Sozialwesen, Armutsfalle, Reformbedarf, Erwerbstätigkeit, Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe, Budgetbeispiele
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Revision der SKOS-Richtlinien im Jahr 2005 und analysiert die Hintergründe, Ziele und Auswirkungen dieser Änderungen auf die Schweizerische Sozialhilfe.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Kritik an den alten Richtlinien, die ökonomischen Gutachten zur Reform, die neuen Anreizinstrumente sowie die Auswirkungen auf Sozialhilfebezüger.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Gründe für die Revision aufzuzeigen, die neuen Massnahmen zu erläutern und zu untersuchen, wie diese die Lebenssituation von Sozialhilfebezügern beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse kombiniert mit einer exemplarischen Falltypen-Methodik, bei der Budgetrechnungen verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion der alten Richtlinien, die detaillierte Beschreibung der neuen Punkte (wie Integrationszulage) und eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Neuerungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit charakterisiert sich durch Begriffe wie SKOS-Richtlinien, Existenzminimum, Anreizprinzip und Sozialhilfe-Reform.
Wie unterscheidet sich die neue Integrationszulage vom alten Grundbedarf 2?
Im Gegensatz zum alten Grundbedarf 2, der teilweise ohne spezifische Anforderung ausgezahlt wurde, ist die neue Integrationszulage an eine Mindest-Gegenleistung gebunden.
Wie beurteilt der Autor den Einfluss der wirtschaftlichen Situation auf die Sozialhilfe?
Der Autor sieht ein Problem darin, dass der Sozialhilfe strukturelle Aufgaben delegiert wurden, für die sie nicht geeignet ist, insbesondere aufgrund der begrenzten Anzahl an Arbeitsplätzen.
Was ist die zentrale Erkenntnis aus den Fallbeispielen im Anhang?
Die Beispiele zeigen, dass Erwerbstätige durch die neuen Richtlinien profitieren, während Personen, die keine Integrationsangebote wahrnehmen oder wahrnehmen können, tendenziell finanziell schlechter gestellt sind.
- Quote paper
- Philipp Jordi (Author), 2005, SKOS Richtlinien Revision 2005, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40726