Die Globalisierung des Wissens: Chancen und Risiken für die Gesellschaft


Seminararbeit, 2003

25 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Thema und Problemstellung.
1.2 Begriffsdefinitionen
1.2.1 „Globalisierung“
1.2.2 „Wissen“

2. Globalisierung als Entstehungsfaktor von Wissen und Nichtwissen
2.1 Historischer Kontext
2.2 Ökonomische, kulturelle u. politische Dimensionen d. Globalisierung..
2.2.1 Die Chancen der Globalisierung
2.2.2 Die Kritik an der Globalisierung
2.3 Globalisierung als Motor der Wissenschaft.
2.4 Globalisierung als Ursache steigenden Wissens und Nicht- Wissens.

3. Globalisierung des Wissens als Chance und Risiko für die Gesellschaft
3.1 Bedeutung des Internet für die Verbreitung von Wissen
3.2 Rolle der Massenmedien.
3.3 „Digitale Kluft“: Auswirkungen des Globalisierungsprozesses auf Medieninhalte und das Wissen in der Dritten Welt..

4. Schlussbemerkung
4.1 Zusammenfassung: Risiken und Chancen globalisierten Wissens.
4.2 Resümee und Ausblick.

Literatur- und Quellenverzeichnis..

1. Einleitung

1.1 Thema und Problemstellung

Mit der Globalisierung und Ausdehnung weltweiter Marktbeziehungen und Medienmärkte ist auch der Wert der Ware „Wissen" gestiegen. Die Globalisierung bringt einerseits einen enormen Wissenszuwachs mit sich, der aber andererseits mit einer wesentlich größeren Menge an Unwissenheit verbunden scheint:

Einerseits werden mit jeder wissenschaftlichen Erkenntnis in der Regel auch neue Forschungsfragen aufgeworfen, d.h., eine Erkenntnis bringt eine Vielzahl von ungelösten Problemen mit sich: Erkanntes Nichtwissen nimmt in der Folge tendenziell schneller zu als Wissen. Somit ist die Zunahme der Unwissenheit vor allem eine Konsequenz des Zuwachses an Wissen. Während wir auf der einen Seite tatsächlich dahin steuern, eine „globalisierte Wissensgesellschaft" zu werden, werden wir gleichzeitig immer unwissender.[1]

Andererseits scheint ein Großteil der Erdbevölkerung vom weltweiten Wissens- und Informationsfluss überhaupt dauerhaft ausgeschlossen zu bleiben: Ein geschätztes Drittel der Erdbevölkerung hat in ihrem Leben noch kein einziges Mal ein Telefon benutzt...

Mich interessiert in diesem Zusammenhang daher vor allem die Frage, ob die zunehmende Vermarktung des Wissens – die u.a. durch Medienkonzentration hervorgerufen wird und deren Folge der Ausschluss ganzer Gesellschaftsschichten von jeglichem Wissensfluss sein kann - zwangsläufig auch zu einer relativen Abnahme des öffentlich zugänglichen Wissens führt.

1.2 Begriffsdefinitionen

1.2.1 „Globalisierung“:

Seit Mitte der 90er Jahre wird in der sozialwissenschaftlichen Literatur das Thema Globalisierung umfassend diskutiert. Der Terminus Globalisierung ist zu dem Modewort einer im Wandel begriffenen modernen Gesellschaft geworden, die weltweit vernetzt ist. Eine klare Definition des Begriffs ist jedoch schwierig. Es handelt sich dabei um ein Schlagwort der Politik, Ökonomie und Soziologie, welches die internationale Vernetzung der Systeme, Gesellschaften und Märkte bezeichnet.

Globalisierung kann daher als ein Prozess der Zunahme und Beschleunigung weltumspannender Kommunikation und Interaktion, der zum Entstehen gemeinsamer Kulturen und Institutionen führt, begriffen werden, wobei sich dieser Prozess in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen abspielt: In alten und neuen Medien, in der Kultur, der Wirtschaft, der Migration, der Politik und dem Bildungswesen.[2]

Wirtschaftstheoretisch meint Globalisierung u.a. „ ...die transnationale Vernetzung von Unternehmen, Märkten, Gesellschaften und Kulturen durch den Weltmarkt, die Finanzmärkte und das Internet. Das heißt zum Beispiel, dass es kaum noch national begrenzte Konzerne gibt, die nur in einem Land Produktionsstätten besitzen. Zur Produktionsmaximierung wird auf günstigere Märkte im Ausland ausgewichen, wodurch in den heutigen Industrienationen immer mehr Arbeitsplätze verloren gehen und in den billigeren Ländern unter menschenunwürdigen Bedingungen Kinderarbeit, Ungleichheit und der Zerfall sozialer Strukturen gefördert wird.“[3]

Mit Globalisierung verbunden ist aber auch die kritische Auseinandersetzung mit den sozialen und politischen Veränderungen, die sich durch den Globalisierungsprozess ergeben.[4]

Der Soziologe Wilhelm Beck definiert Globalisierung demnach wie folgt: „ Soziologisch gesehen bedeutet Globalisierung: Gemeinsam handeln, zusammen leben über Distanzen hinweg. Dies schafft Orte ohne Gemeinschaft und Gemeinschaft ohne Orte. Eine Folge von Globalisierung ist, dass der Nationalstaat an Souveränität einbüßt. Seine finanziellen Ressourcen, seine politische Gestaltungsmacht, die Möglichkeiten seiner Informations- und Kulturpolitik schwinden im gleichen Maße wie die Identifikation seiner Bürger.“[5]

1.2.2 „Wissen“:

Wissen lässt sich als der Inbegriff von (in erster Linie rationalen, übergreifenden) Kenntnissen definieren, wobei auch das Innewerden einer spezifischen Gewissheit (Weisheit) gemeint ist.

Philosophisch betrachtet meint Wissen v.a. die begründete und begründbare Erkenntnis (griechisch: episteme), im Unterschied zur Vermutung und Meinung (griech.: doxa) oder zum Glauben. Als Glaubensgewissheit lässt es sich aber auch ein die Endlichkeit übersteigendes irrationales Wissen definieren, das im vertieften Grad als Verbundenheit mit dem höchsten Sein steht (unio mystica).

Wissen kann sich primär durch zufällige Beobachtung, systematische Erfahrung (Experiment) oder deduzierende Erkenntnis bilden, sekundär durch lernendes Aneignen von Wissensstoff. Das Feld der systematischen Wissenserwerbung als Forschung innerhalb abgegrenzter Bereiche ist die Wissenschaft.

Da Wissen Voraussetzung und Mittel für Einfluss, Geltung oder Macht sein kann, war es lange Zeit Privileg bestimmter Gruppen, Stände oder Schichten. Dadurch besitzt es auch eine sozialpolitische Dimension: einerseits um Sinne des Grundrechts der Garantie des gleichen Zugangs zu Wissen für jeden, andererseits als Voraussetzung für ein verantwortungsbewusstes politisches Verhalten und damit für das Funktionieren einer Demokratie überhaupt. Pädagogisch wird W. in meist institutionalisiertem, fortdauerndem Bildungs- und Übertragungsvorgang vermittelt. Angesichts der Zunahme des positiven Sachwissens erscheint heute jedes Streben nach enzyklopädische Vollständigkeit, wie es bis über das 18. Jahrhundert hinaus Geltung hatte, als unhaltbar. Neben einem allgemeinen Orientierungswissen gilt deswegen vor allem die Vermittlung von Kategorien und Techniken für ein lebenslanges Weiter- und Umlernen („Lernen des Lernens") als entscheidend.[6]

Wissen ist ein ganz besonderer Stoff, dessen Besonderheiten sich bei allen Vorkommen bemerkbar machen: gegenständlich verhaltensmäßig, ordnungstheoretisch und –politisch. Zu den gegenständlichen Besonderheiten zählt seine reduzierte Stofflichkeit.(...)“[7]

Wissen lässt sich laut Prof. Stehr auch als „(...) Fähigkeit zum sozialen Handeln (bzw. Handlungsvermögen) definieren, als die Möglichkeit, etwas „in Gang zu setzen“. Wissen als ein symbolisches System strukturiert die Realität. Wissen ist ein Modell für die Wirklichkeit. Wissen illuminiert. Es ist potentiell in der Lage, die Realität zu verändern. (...)“[8] Im Sinne dieser Definition ist Wissen (...) ein universales Phänomen oder eine konstante anthropologische Größe.“[9]

Wissen wird im Kontext der Globalisierung laut Weltbank 1999 immer mehr zu einem entscheidenden Standortvorteil im internationalen Wettbewerb: Publiziertes Wissen gilt zwar als öffentliches Gut, viele ärmere Länder besitzen jedoch nicht die wissenschaftliche Kapazität, international verfügbares Wissen zu absorbieren und für ihre Zwecke auszunutzen.

Nur Länder, die über genügend ausgebildetes Humankapital und effektive Wissenschaftssysteme verfügen, können von der Globalisierung letztendlich auch profitieren. Damit wird die Hochschulausbildung zu einer notwendigen Grundausbildung in der Informations- und Wissensgesellschaft.[10]

2. Globalisierung als Entstehungsfaktor von Wissen und Nichtwissen

2.1 Historischer Kontext

Unter Globalisierung versteht man die Zunahme weltweiter Interdependenzverhältnisse. Globalisierung ist nicht allein ein Phänomen der Gegenwart. Vereinzelte Kontakte, wie sie z.B. durch die Reisen Marco Polos zustande kamen, oder die weitgespannten Handelsnetzwerke der frühen Neuzeit waren noch zu unbedeutend, um als Anzeichen globaler systemischer Verflechtung dienen zu können.

Seit dem 19. Jahrhundert allerdings brachten mit der industriellen Revolution einhergehende Neuerungen wie Massenproduktion, Dampfschifffahrt, Eisenbahn und Telegraphie eine qualitative Veränderung mit sich: Es gab nun erstmals global integrierte Güter- und Kapitalmärkte, ein weltpolitisch denkender Imperialismus bewertete Macht im globalen Maßstab und die in Europa entstandene Vorstellung einer Welt souveräner Nationalstaaten, die im Verhalten gegenüber Bürgern, Fremden und anderen Staaten einem bestimmten „Zivilisationsstandard“ zu genügen hatten, wurde prägend auch für die außereuropäische Welt.[11]

[...]


[1] vgl.: Evers in: http://home.t-online.de/home/hdevers/Papers/Entwicklungsexperten-Weltgesellschaft.htm

[2] vgl.: Reimann 2002, S. 173

[3] http://www.zeitdenken.de/artikel/11 am 6.12.2002

[4] vgl.: Biedermann 2001, S.8

[5] Beck, Ulrich 1991: Politik in der Risikogesellschaft in: Biedermann 2001, S. 10

[6] vgl.: dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden 1988 in: http://www.awb.tu-berlin.de/Studium/Lehrunterlagen_und_Pruefungsleistungen/Neue_Arbeitsformen/WS1999_Arbeit_in_der_Industrie-_und_Wissensgesellschaft/Definition/Wissen/Definitionen_Inhalt.html

[7] Spinner, Helmut F. : Ordnungen des Wissens in: Ohly 2000, S. 3

[8] Stehr 2000, S.81

[9] ebd., S. 81

[10] vgl.: Evers in: http://home.t-online.de/home/hdevers/Papers/Entwicklungsexperten-Weltgesellschaft.htm

[11] Petersson in: http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Tutorium/Themenkomplexe/Grundlagen/Forschungsrichtungen/Globalisierung/hauptteil_globalisierung.html

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Details

Titel
Die Globalisierung des Wissens: Chancen und Risiken für die Gesellschaft
Hochschule
Universität Wien  (Publizistik- u. Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Kommunikationswissenschaftliches Seminarm, WS 2002/03
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V40776
ISBN (eBook)
9783638392082
ISBN (Buch)
9783638655699
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit der Globalisierung und Ausdehnung weltweiter Marktbeziehungen und Medienmärkte ist auch der Wert der Ware 'Wissen" gestiegen. Die Globalisierung bringt einerseits einen enormen Wissenszuwachs mit sich, der aber andererseits mit einer wesentlich größeren Menge an Unwissenheit verbunden scheint...
Schlagworte
Globalisierung, Wissens, Chancen, Risiken, Gesellschaft, Kommunikationswissenschaftliches, Seminarm
Arbeit zitieren
Mag.phil. Christoph Ramberger (Autor), 2003, Die Globalisierung des Wissens: Chancen und Risiken für die Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40776

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