Wortbildungsprozesse: Erbwörtliche Wortbildung


Seminararbeit, 2003

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition Erbwort

3. Wortbildungsverfahren
3.1 Derivation
3.1.1 Präfigierung
3.1.1 Suffigierung
3.2 Komposition
3.2.1 Substantivkomposita
3.2.2 Adjektivkomposita
3.2.3 Verbkomposita

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

„Die sprachliche Bewältigung der sich ständig verändernden Umwelt des Menschen fordert einen ununterbrochenen Ausbau des Wortschatzes. Neue Dinge und Erscheinungen des täglichen Lebens müssen bezeichnet werden, neue Gedanken ihre sprachliche Fassung erhalten; neue Termini werden mit dem Fortschreiten der Wissenschaften nötig.“[1]

1. Einleitung

Das Italienische hat sich im Laufe der Jahrhunderte aus der lateinischen Sprache entwickelt. Der Anteil der lateinischen Wörter ist deshalb hier besonders groß. Neben den verschiedenen Verfahren, nach denen neue Worte gebildet werden können, entscheidet jedoch ein weiteres Kriterium über die genaue Struktur eines italienischen Wortes. Dabei ist die Frage nach der Herkunft, der Etymologie eines Wortes entscheidend. Ist es zu einem späteren Zeitpunkt aus dem klassischen Latein entlehnt worden oder hat es sich in vielen Jahren aus einer vulgärlateinischen Ursprungsform zur heutigen italienischen Form entwickelt?

Die hier vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen Wortbildungsverfahren der erbwörtlichen Wortbildung.

Ich werde zunächst eine Definition für Erbwörter erarbeiten, dann einige Wortbildungsverfahren vorstellen und schließlich zwei dieser Verfahren schwerpunktmäßig bearbeiten. Da die vorgestellten Wortbildungsverfahren für den Wortschatz der Buchwörter oder gelehrten Wörter ebenso wichtig sind, ist es notwendig, die Unterschiede zwischen beiden anhand von konkreten Beispielen herauszuarbeiten.

2. Definition Erbwort

Um die verschiedenen Wortbildungsverfahren an Erbwörtern im Italienischen vorstellen zu können und Beispiele aufzuzeigen, muss zunächst eine Erklärung erfolgen, was unter Erbwörtern zu verstehen ist.

Das Italienische zählt, ebenso wie Französisch und Spanisch, zu den romanischen Sprachen und hat sich aus dem Lateinischen entwickelt. Deutlich wird dies an sehr ähnlichen Worten, die mit der gleichen Bedeutung in allen drei Sprachen vorkommen. Als Beispiel möchte ich das vulgärlateinische Wort focus anführen, das noch heute im Italienischen als fuoco, im Spanischen als fuego und im Französischen als feu existiert.[2] Dieses Beispiel soll den lateinischen Ursprung der romanischen Sprachen noch einmal verdeutlichen.

Trotzdem ist es wichtig, bei den Wörtern lateinischen Ursprungs, die im Italienischen sehr häufig zu finden sind, zu differenzieren. So muss zwischen Erbwörtern und Buchwörtern oder so genannten Gelehrten Wörtern unterschieden werden.

Erbwörter sind demnach Wörter, die bereits in der lateinischen Umgangssprache existierten und in der alltäglichen Überlieferung von Generation zu Generation Veränderungsprozessen ausgeliefert waren.[3] Der italienische Begriff für Erbwörter ist voce ereditaria, der französische mot populaire. Dabei ist zu beachten, dass Erbwörter nicht in jedem Fall bei der „ererbten“ Bedeutung bleiben, sondern im Laufe der Zeit semantische Veränderungen zurück zu einer früheren Zeit, beispielsweise der Antike, vornehmen können. Als Beispiel hierfür möchte ich das italienische Wort voce anführen, dessen Bedeutung menschliche Stimme „ererbt“ ist, aber mit den Bedeutungen Ausspruch, Gerücht und Wort ergänzt wurde. Hierbei bediente man sich des Bedeutungsspektrums des lateinischen Wortes vox.

In Abgrenzung zu den Erbwörtern werde ich auch eine Definition für Buchwörter geben. Im Gegensatz zu den erstgenannten sind dies Wörter, die von Kennern der lateinischen Sprache zu einem späteren Zeitpunkt aus dem Lateinischen entlehnt wurden. Ihr Wortstamm blieb demnach unverändert, lediglich die Wortendung wurde dem jeweiligen einheimischen System angepasst.[4] Sie werden im Italienischen mit voce dotta, im Französischen mit mot savant bezeichnet. Das Lateinische ist also nicht nur die Sprache, auf die die Erbwörter zurückgehen, sondern auch die Sprache, aus der die übergroße Mehrheit des übrigen Wortschatzes stammt.

Alle Wörter wurden allerdings nach den unterschiedlichsten Wortbildungsverfahren gebildet, auf die ich im Folgenden etwas genauer eingehen werde.

3. Wortbildungsverfahren

Unter Wortbildungsverfahren sind solche Verfahren zu verstehen, die dazu dienen, Wörter zu bilden. Zu ihnen zählen sowohl die Derivation (Wortableitung) als auch die Komposition (Wortzusammensetzung) auf die ich in diesem Kapitel genauer eingehen möchte.[5]

Neben diesen beiden im Italienischen sehr häufig vorzufindenden Wortbildungsverfahren gibt es jedoch generell betrachtet weitere. Dazu zählt zum Beispiel die Konversion, bei der ein Wortartwechsel ohne Hinzufügen eines weiteren Morphems[6] vorgenommen wird.[7]

Ich werde im Folgenden die beiden häufigsten Wortbildungsverfahren im Italienischen, Derivation und Komposition, im Einzelnen erarbeiten und in diesem Zusammenhang Beispiele für diese beiden Verfahren anhand von Erbwörtern liefern.

3.1 Derivation

Die Derivation oder Wortableitung besteht daraus, dass sich ein Basislexem[8], oft auch als Wortstamm bezeichnet, mit einem oder mehreren Affixen verbindet und eine neue Einheit des Wortschatzes bildet. Affixe sind gebundene Wortbildungselemente, die entweder als Präfix vor den Wortstamm gestellt oder als Suffix an den Wortstamm angehängt werden. Daneben existieren Infixe, die in dem Basislexem vorkommen. Die genaue Bezeichnung eines Affixes richtet sich also nach seiner Position in Bezug auf das Basislexem. Präfixe, Suffixe und Infixe sind demnach Untergliederungen des Oberbegriffs Affix.

Während Präfixe die Wortart des Basislexems nicht verändern, aber die semantische Ebene des Wortes, also die Bedeutung, verändern können, gibt es unter den Suffixe solche, die die Wortart des Basislexems verändern und solche, die sie nicht verändern. Suffixe verändern jedoch die Grundbedeutung des Wortes nicht.

[...]


[1] Fleischer, 1982, S. 9

[2] Geckeler/ Kattenbusch, 1992, S. 110

[3] Kattenbusch, 1999, S. 40

[4] Lüdtke, 1968, S. 103

[5] Geckeler/ Kattenbusch, 1992, S. 80

[6] Kattenbusch, 1999, S. 44: „ Ein Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit eines

Sprachsystems.“

[7] Kattenbusch, 1999, S. 56

[8] Einheit des Wortschatzes, die die begriffliche Bedeutung trägt. (Duden)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wortbildungsprozesse: Erbwörtliche Wortbildung
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die italienische Linguistik II
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V40799
ISBN (eBook)
9783638392266
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die hier vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen Wortbildungsverfahren der erbwörtlichen Wortbildung. Ich werde zunächst eine Definition für Erbwörter erarbeiten, dann einige Wortbildungsverfahren vorstellen und schließlich zwei dieser Verfahren schwerpunktmäßig bearbeiten.
Schlagworte
Wortbildungsprozesse, Erbwörtliche, Wortbildung, Proseminar, Einführung, Linguistik
Arbeit zitieren
Susann Karstädt (Autor), 2003, Wortbildungsprozesse: Erbwörtliche Wortbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40799

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