Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Ursachen, Folgen und Therapieprogramme mit Bewegungsschulung.


Examensarbeit, 2004
146 Seiten, Note: 1,0 (sehr gut)

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 Differenzierung der Begrifflichkeiten
1.2 Ziel der Arbeit

2 DEFINITION UND KLASSIFIKATION DER ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER
2.1 Methoden zur Bestimmung von Übergewicht
2.1.1 Der Body Mass Index
2.1.2 Die Methode nach Broca
2.1.3 Bioelektrische Impedanz-Analyse
2.1.4 Hautfaltendickemessung
2.1.5 Die Taille-Hüft-Relation (WHR)
2.1.6 Weitere Methoden
2.2 Klassifikation

3 URSACHEN UND FAKTOREN ZUR ENTSTEHUNG VON ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER
3.1 Genetische Ursachen
3.2 Ernährung
3.2.1 Energieverbrauch und Stoffwechsel
3.2.2 Wahrnehmung des Hungers
3.2.3 Relation zwischen Nahrung und Körper
3.2.4 Macht Fett wirklich Fett?
3.3 Psychosoziale Faktoren
3.3.1 Der Einfluss der Familie
3.3.1.1 Verwöhnende Erziehung
3.3.1.2 Die fürsorgliche Mutter
3.3.1.3 Rivalität unter Geschwistern
3.3.2 Persönlichkeitsmerkmale
3.3.3 Andere Faktoren
3.4 Bewegung
3.5 Kritische Lebensphasen
3.6 Weitere Theorien

4 FOLGEN UND KONSEQUENZEN VON ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER
4.1 Medizinische Konsequenzen
4.2 Psychosoziale Folgen
4.3 Ökonomische Folgen

5 THERAPIEMÖGLICHKEITEN
5.1 Ernährungstherapie
5.2 Bewegungstherapie
5.3 Verhaltenstherapie
5.4 Weitere Therapiemöglichkeiten
5.4.1 Chirurgische Maßnahmen
5.4.2 Medikamentöse Therapie
5.5 Zusammenfassung

6 THERAPIEPROGRAMME
6.1 Obeldicks Datteln
6.2 ADIFIT Osnabrück
6.3 FITOC Freiburg
6.4 Moby Dick Hamburg
6.5 Weitere Therapieprogramme
6.6 Vergleich der Programme
6.7 Schwerpunkt der Bewegung in den Programmen
6.7.1 Die „offenen Sportgruppen“ beim Obeldicks Programm
6.7.2 Die Bewegungstherapie bei ADIFIT
6.8 Mögliche Nebenwirkungen von Therapieprogrammen

7 KÖRPERLICHE AKTIVITÄT BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN MIT ÜBERGEWICHT UND ADIPOSITAS
7.1 Stand der motorischen Leistungen von Kindern
7.2 Welches Bewegungs- und Sportangebot benötigen Kinder und Jugendliche?
7.3 Was kann der Sportunterricht bzw. der Sporterzieher im Umgang mit Adipositas tun?
7.4 Prävention der Adipositas durch Sport, Bewegung und körperliche Aktivität?
8 STELLUNGNAHME – FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

1 EINLEITUNG

„Übergewicht kostet Menschenleben – alleine in Europa rund 200 000. Und es kostet Geld – 71 Milliarden Euro jährlich nur in Deutschland. Zehntausende Kinder sind auf tödliche Herz-Kreislauf-Krankheiten gleichsam programmiert – eine Tragik, die nach Gegenmaßnahmen schreit. Das Missverhältnis zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch ist oft groß: wer isst wie ein Bergarbeiter, Bewegung aber eher als virtuelles (PC-) Ereignis versteht, ist in Gefahr.“[1]

Dermaßen prägnant und unverblümt bringt es die Neue Osnabrücker Zeitung (vgl. Anhang 1) ihren Lesern auf den morgendlichen Frühstückstisch. Trotz des heutzutage herrschenden Idealbildes junger, sportlicher und schlanker Menschen steigt die Zahl der dicken, übergewichtigen und adipösen Kinder und Jugendlichen deutlich an. Weiterhin ist zu erwarten, dass sich die oben genannten Folgen in den kommenden Jahren noch verschlimmern.

Angesichts der über 800 Millionen unterernährter Menschen auf der Erde ist es nahezu paradox, mit welchen Problemen die westlichen Länder zu kämpfen haben. Aber die Zahl der weltweit eine Milliarde Übergewichtigen spricht eine andere, deutliche Sprache. Ob jedoch von einer Zivilisationskrankheit zu sprechen ist oder nicht: Fakt ist, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO von einer Epidemie spricht, die auch auf Deutschland dramatische Auswirkungen hat - gesellschaftlich und ökonomisch.

Beachtet man, dass bei einer der neuesten und weltweit größten Adipositas-Studien, der Kieler Adipositas Präventionsstudie, aufgezeigt wurde, dass über 20% der Erstklässler zu dick sind und der Anteil bei den Zehnjährigen bereits bei 40% liegt, lässt sich sehr gut nachvollziehen, dass dieses Problem mittlerweile als die „Epidemie des 3. Jahrtausends“ bezeichnet wird.[2]

Es fallen nicht nur bei den Krankenkassen und somit auch beim Staat horrende Summen für Therapie und Pflegekosten an (man rechnet mittlerweile mit 30 Milliarden Euro jährlich), auch die Betroffenen selbst leiden unter ihrer körperlichen Konstitution.

Aber wie kommt es dazu, dass so viele Menschen unter dem Problem des Übergewichts oder gar unter Adipositas leiden, und was ist das überhaupt?

In der folgenden Arbeit werde ich versuchen aufzuzeigen, was Übergewicht und was Adipositas ist, welche Folgen diese „Krankheiten“ haben können und was für Therapiemöglichkeiten und –programme es gibt, um dem wachsenden Problem entgegenzuwirken.

Dazu gehe ich zuerst auf die genetischen, psychischen, sozialen und familiären Ursachen und Faktoren zur Entstehung von Übergewicht und Adipositas ein. Anschließend werden Folgen und Konsequenzen aufgezeigt, die aus Übergewicht oder Adipositas entstehen können, wie z.B. medizinische, psychosoziale oder ökonomische. Davon ausgehend werden Therapiemöglichkeiten und -programme dargestellt.

Es ist heute unbestritten, dass eine frühzeitige Diagnose und darauf folgende Behandlung notwendig ist, um den Verlauf einer gesundheitlichen Schädigung durch die Adipositas zu stoppen. Dafür gibt es in Deutschland mittlerweile mehrere große Therapieprogramme, die sich auf Adipositas spezialisiert haben. Ich werde einige dieser Programme vorstellen und sie im Hinblick auf ihre Arbeit und verschiedenen Schwerpunkte untereinander vergleichen, um einen umfangreichen Überblick über die heutigen Möglichkeiten der Adipositastherapie zu geben.

Besonderes Augenmerk möchte ich dabei auf den Stellenwert der Bewegung legen, da ich im Rahmen meines Sportstudiums durch die Fächer Psychomotorik und Motodiagnostik auf die Notwendigkeit der Bewegung in der kindzentrierten psychomotorischen Entwicklungsförderung aufmerksam geworden bin.

Beim Studium der Literatur fiel mir auf, dass immer noch veraltete oder falsche Begriffe verwendet werden. Daher möchte ich im Folgenden klarstellen, an welche Begrifflichkeit ich mich im Laufe der Arbeit halten werde.

1.1 Differenzierung der Begrifflichkeiten

Dicke Menschen werden heutzutage mit den verschiedensten Begriffen betitelt, wie z.B. Fettsüchtige, Fettleibige, Übergewichtige oder Adipöse. Alle Begriffe beschreiben zwar ungefähr denselben Typ Mensch, nämlich denjenigen, der schwerer ist als andere und / oder vermehrtes Körperfett aufweist, aber Einige implizieren auch eine Diskriminierung.[3]

Dicker zu sein als andere Menschen beinhaltet nicht gleich „süchtig“ zu sein nach Essen. Es gibt die verschiedensten Ursachen und Erklärungen dafür, warum ein Mensch dick ist oder es im Laufe seines Lebens werden kann.

Der Begriff „Fettsucht“ lässt sich hauptsächlich in älterer Literatur finden. Inzwischen wurde aber nachgewiesen, dass er nicht nur diskriminierend sondern auch medizinisch falsch ist, da Adipositas nicht die Kriterien einer Sucht erfüllt, wie Nikotin oder Alkohol. Dennoch wird er auch heutzutage noch rege benutzt.

Auch die Begriffe Übergewicht und Adipositas werden häufig fälschlicherweise als Synonyme verwendet. Übergewicht bezeichnet zunächst einmal völlig wertfrei die Zunahme der Körpermasse. Der Begriff der Körpermasse schließt alle Gewebe, also Fett, Knochen, Muskeln und Organe, mit ein. Der Begriff Adipositas bezieht sich ausschließlich auf einen Überschuss an Körperfett. Auch der Body Mass Index bietet die Möglichkeit zwischen Übergewicht und Adipositas zu unterscheiden, worauf in Kapitel 2.1.1 noch näher eingegangen wird.[4]

Ärzte und Ernährungswissenschaftler sprechen von Übergewicht, wenn das Körperfett eines Menschen höher ist als es seiner Altersnorm entspricht. Für starkes Übergewicht wird der lat. Ausdruck Adipositas (Adepos = Fett) verwendet.[5]

Daher werde ich mich in der Arbeit hauptsächlich an diese beiden Begriffe halten und sie in einem späteren Kapitel noch genauer unterscheiden.

1.2 Ziel der Arbeit

Das Thema Übergewicht war nie zuvor so aktuell und brisant wie in der heutigen Zeit. Durch Zeitungen, oder Nachrichten in Radio und Fernsehen, wird man mit dem Thema konfrontiert. In den Zeitungen stehen alarmierende Artikel über die Gefahren, die unseren Kindern drohen oder dem Gesundheitswesen weltweit. Jeden Tag verspricht uns irgendjemand, mit seiner Diät Wunder zu bewirken. Im Internet wird man mit Werbung bombardiert, in der es um Schlankheitspillen geht. Es ist kaum noch möglich, die Augen vor diesem Problem zu verschließen.

Aber sieht es wirklich schon so aus, wie es in einer Ausgabe der Fit For Fun steht:„Alarm in der Schulturnhalle: Unsere Schüler werden immer dicker, die Fitness ständig schlechter. Folgt der Generation X die Generation G = Grobmotorik?“[6]

Das erste Mal wurde ich im Rahmen meines Allgemeinen Schulpraktikums im Fach Sport auf dieses Problem aufmerksam. Hier zeigten sich mir schon gravierende motorische Defizite bei den Schülern. Allerdings erst im Fachpraktikum, als ich selbst Sport unterrichten sollte, konnte ich Erfahrungen machen, dir mir bestätigten, dass die alarmierende Schlagzeile aus der Fit For Fun nicht untertrieben ist.

Es ergab sich für mich das Problem, wie ich mit den Kindern und Jugendlichen umgehen sollte, die unter Übergewicht oder Adipositas leiden. Wie kann ich diese Kinder am Besten in die Gruppe integrieren und wie muss mein Sportunterricht beschaffen sein, damit sie nicht überfordert werden oder sich falsch bewegen? Es geht mir darum, durch diese Arbeit deutlich zu machen, welche Auswirkungen Übergewicht und Adipositas für die Betroffenen haben kann, wie es dazu kommt und was dagegen getan werden kann. Besonders wichtig ist es mir, herauszustellen, wie notwendig die Bewegung für die Therapie der Adipositas ist. Damit ist kein Hochleistungssport oder der tägliche Gang ins Fitnessstudio gemeint, sondern die alltägliche körperliche Aktivität und ein kombiniertes Sportprogramm. Dieses sollte genau auf die Kinder und Jugendlichen zugeschnitten sein, damit sie die Lust am Sport wiedergewinnen oder neu erlernen können.

Durch einen genauen Blick auf Bewegung, Sport und körperliche Aktivität soll deutlich werden, wie wichtig dieses für die Prävention und Therapie der Adipositas ist.

Dafür werden eine Reihe von Therapieprogrammen vorgestellt die nicht nur mit Diäten versuchen, das Problem zu lösen, sondern vor allem eine grundlegende Verhaltensänderung der Kinder und Jugendlichen hinsichtlich ihres Ernährungs- und Bewegungsverhaltens anstreben. Ich werde aufzeigen, nach welchen Prinzipien und Leitlinien diese Programme schulen und welche Vor- und Nachteile sie haben.

Mit der Frage nach der nötigen Bewegung für Kinder und Jugendliche soll dann noch einmal klargestellt werden, welchen Nutzen körperliche Aktivität und Sport für die Gesundheit und das Wohlbefinden hat.

2 DEFINITION UND KLASSIFIKATION DER ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER

Röthig versteht unter Adipositas einen zu großen Fettanteil des Körpers. Die Hauptursache soll in einem fehlerhaften Ernährungsverhalten liegen, bei dem mehr Kalorien aufgenommen als verarbeitet werden. Aber auch Stoffwechselerkrankungen können für Adipositas verantwortlich sein. Im Zusammenhang mit Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus (vorrangig Typ II), Hypertonie (Bluthochdruck), Fettstoffwechselerkrankungen, Gicht, Bewegungsmangel etc. gilt Adipositas als Risikofaktor. Körperliche Aktivität und sportliches Training können positiven Einfluss auf die Prävalenz und Reduzierung der Adipositas nehmen.

Der Fettanteil des Körpers kann durch unterschiedliche Methoden bestimmt werden: Entweder durch Messung der Hautfaltendicke an standardisierten Körperstellen oder durch den B ody M ass I ndex (BMI), der die gängigste Methode zur Feststellung des mit der Adipositas verbundenen Übergewichts ist. Des Weiteren gibt es den Broca-Index zur Bestimmung des Sollgewichts (in kg) als Differenz aus Körperhöhe (in cm) minus 100.[7]

Diese Definition ist allerdings nicht mehr ganz ausreichend, denn Adipositas wird heute als eine chronische Krankheit definiert, die auf einem polygenetischen Hintergrund basiert. Hinzukommt, dass Adipositas das Ergebnis einer Lebensweise ist, die mit einer nicht angepassten überkalorischen Ernährung, einem erheblichen Bewegungsmangel und mit erhöhter Morbidität (Krankheitshäufigkeit innerhalb einer Population) und Mortalität (Sterblichkeit) einhergeht. Daher erfordert sie ein langfristiges und interdisziplinäres Behandlungskonzept.[8]

Wenn aber von Adipositas im Kindes- und Jugendalter gesprochen wird, muss die Definition ein wenig anders gesehen werden. Es ist dabei nicht möglich, sich an

der Morbidität und Mortalität zu orientieren, wie dieses bei den Erwachsenen der Fall ist, weil die durch Adipositas verursachten Krankheiten meist erst im frühen Erwachsenenalter auftreten.

Ein mögliches Maß bietet zwar der relative Fettanteil der Gesamtkörpermasse, aber dieser ändert sich bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum noch sehr rasch. Außerdem ist er stark geschlechtsabhängig und lässt sich mit einfachen Methoden nur sehr unzuverlässig bestimmen.

Wie schon erwähnt ist die Entwicklung des Körperfettanteils bei Mädchen und Jungen während des Wachstums sehr unterschiedlich. Bei Kleinkindern hingegen gibt es noch keine wesentlichen Unterschiede.

Bei Männern wird der Anteil des Fettgewebes mit ca. 15 – 18% angegeben, bei Frauen 20 – 25%, wobei der Durchschnitt mit zunehmendem Alter steigt. Bei Jungen hingegen nimmt der Fettanteil im Alter von 10 bis 15 Jahren von 18% auf 12% ab, während er bei den Mädchen von 17% auf 24% ansteigt. Dabei erfolgt die Zunahme der Körperfettmasse nicht hauptsächlich durch die Größenzunahme der Fettzellen, sondern eher durch die Vermehrung ihrer Anzahl.[9]

Nach Laessle u.a. wird für eine statistische Definition Adipositas mit einer Körpermasse gleichgesetzt, die von einem Durchschnittswert durch Überschreiten festgelegter, normativer Grenzwerte abweicht.[10]

Aber warum ist das so und was sind diese normativen Grenzwerte?

Im folgenden Punkt soll geklärt werden, durch welche Methoden das Übergewicht eines Menschen bestimmt werden kann und wie Übergewicht und Adipositas daraufhin definiert werden können.

2.1 Methoden zur Bestimmung von Übergewicht

Wirth ist der Meinung, dass es keine international akzeptierte Klassifikation zur Bestimmung von Übergewicht und Adipositas gebe, da zu viele Unklarheiten bestünden. Seiner Meinung nach hat sich der BMI zur Definition des Übergewichts durchgesetzt.[11] Auch nach Ansicht vieler Experten hat der BMI die vorher üblichen Methoden abgelöst. Der Broca-Index führt beispielsweise zu Fehleinschätzungen bei sehr kleinen, aber auch sehr großen Menschen, weil er als Normalgewicht den Betrag in Kilogramm definiert, den die Körpergröße in einem Meter übersteigt. Außerdem wird das Normalgewicht scheinbar exakt auf ein Kilogramm festgeschrieben.[12]

Trotzdem soll ein kurzer Überblick darüber geben werden, welche Möglichkeiten es zur Definition von Übergewicht gibt.

Das Körperdepotfett eines Menschen ist nicht nur eine wichtige Energiequelle, sondern es ist auch an den Stoffwechselprozessen bei niedrig intensiven sowie langandauernden Belastungen beteiligt. Dennoch handelt es sich um eine Ballastsubstanz, durch deren Höhe Rückschlüsse gezogen werden können auf den Ernährungszustand (Über-, Untergewicht, Adipositas), den Gesundheitszustand (Herz- Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen) sowie die sportliche Leistungsfähigkeit (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer).[13]

Daher sollte eine klinisch geeignete Messmethode zur Bestimmung des Ausmaßes der Adipositas den Körperfettgehalt erfassen und trotzdem einfach anwendbar sein.[14]

Die Methoden zur Bestimmung des Körperfetts können in drei Bereiche unterteilt werden:

1. Die anthropometrischen Methoden, wie z.B. Körpermasseindex (BMI), Messung der Hautfaltendicke (Kalipermetrie), Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Sonografie, sowie die Ultraschallmessung.
2. Die Labormethoden, wie z.B. eine Dichtemessung (Densitometrie), Körperwasserbestimmung (Hydrometrie) oder die Bestimmung des Körperkaliums (Kaliometrie).
3. Die neueren Methoden, zu denen die bioelektrische Impedanzmessung oder die Infrarotmessung gehört.[15]

Zur Bestimmung des Übergewichts und der Adipositas im Kindes- und Jugendalter wird vornehmlich der BMI benutzt. Daher soll auf die anderen Methoden nur kurz eingegangen werden, um einen Überblick zu bekommen, wie vielfältig und unterschiedlich sie sein können.

Begonnen wird mit der Bestimmung des BMI, da dieser für die weitere Vorgehensweise von besonderer Bedeutung ist.

2.1.1 Der Body Mass Index

Bewährt hat sich zur Messung des Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen der so genannte B ody M ass I ndex (BMI = Körpermasseindex), der nach seinem Erfinder auch Quetelet-Index (1870) genannt wird. Er berechnet sich aus Körpergewicht (in kg) geteilt durch die Körpergröße (in m) zum Quadrat:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daraus ergibt sich folgende Einteilung in einem Gewicht- Längen- Index:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Klassifikation der Gewichtsklassen nach BMI mit festen Grenzwerten[16]

Wie Eingangs erwähnt, muss bei der Beurteilung im Kindes- und Jugendalter berücksichtigt werden, dass die Personen noch im Wachstum sind und es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Daher werden für die Einteilung besondere Kurvensysteme oder Normogramme, so genannte Perzentilen gebraucht (siehe Abb. 2 und 3).

Nach Kromeyer-Hausschild, Wabitsch und Kunze wurden ausgehend von deutschen Kindern und Jugendlichen folgende Perzentilen entwickelt:

Für Mädchen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für Jungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abb. 2 und 3: Referenzwerte und Perzentilkurven für den BMI für deutsche Mädchen und Jungen von 0 – 18 Jahren, vereinfachen die Beurteilung des BMI’s und ermöglichen Verlaufsdokumentationen.[17]

Das 50. Perzentil ist der durchschnittliche BMI für die jeweilige Altersgruppe. Kinder gelten als normalgewichtig, wenn ihr BMI zwischen der 10. und 90. Perzentile liegt. Kinder zwischen der 90. und 97. Perzentile gelten als übergewichtig und bei Werten über der 97. Perzentile als adipös. Kinder mit Werten unter der 10. Perzentile werden als untergewichtig eingestuft.[18]

Bei der Erfassung der Adipositas im Kindes- und Jugendalter hat der BMI den Vorteil, dass ein- und derselbe Parameter für alle Altersgruppen verwendet werden kann.[19]

Zusätzlich befinden sich im Anhang 2 und 3 genaue Tabellen der Perzentilwerte für Jungen und Mädchen im Alter von 0 – 18 Jahren.

2.1.2 Die Methode nach Broca

Nach Broca, einem französischen Chirurgen aus dem letzten Jahrhundert, wird das Normal- bzw. Sollgewicht nach der folgenden einfachen Formel berechnet:

Körpergröße (in cm) – 100 = Normal- bzw. Sollgewicht

Diese Formel gilt für Männer. Bei Frauen werden üblicherweise noch 5 – 10% abgezogen. Bei Kindern kann diese Methode zur Bestimmung des Normal- bzw. Sollgewichtes nicht angewendet werden. Die Vorteile bei der Methode nach Broca liegen darin, dass mit dieser Formel das Über- bzw. Untergewicht leicht berechnet werden kann. Der große Nachteil ist allerdings, dass das Broca-Sollgewicht stark von der Körpergröße abhängt, d.h. bei besonders kleinen oder großen Menschen ist diese Berechnungsformel ungeeignet. Hinzuzufügen ist, dass er auch bezüglich der Vorhersagbarkeit von Komorbiditäten dem BMI unterlegen ist.[20]

2.1.3 Bioelektrische Impedanz-Analyse

Die Bestimmung der Körperfettmasse durch die bioelektrische Impedanz-Analyse (BIA) beruht auf dem Prinzip, dass verschiedene Körpergewebe (Körperfettmasse, Muskulatur, Knochen) bei Stromdurchfluss unterschiedliche Widerstände aufbauen. Aus den Widerstandsmessungen und anderen Größen lässt sich die Körperfettmasse bestimmen. Die verwendeten Stromstärken sind gesundheitlich unbedenklich und nicht spürbar. Bei Personen mit Herzschrittmachern sollte diese Methode allerdings nicht eingesetzt werden. In den letzten Jahren wurde diese Methode häufiger in diversen Fitness-Studios angewandt.

Problematisch ist, dass die Messergebnisse dieser Methode durch verschiedene Störfaktoren, die häufig durch nicht fachkundige Bedienung der Messgeräte verursacht werden, zu falschen Werten der Körperfettmasse führen können.

Vorteile dieser Methode sind ein genaues Maß für Körperfett, unabhängig von Körpergröße und Körperbau. Nachteile dagegen sind die oben genannten Störfaktoren, die Messergebnisse verfälschen können. Außerdem entstehen Kosten, die für die Behandlung des Übergewichts nicht notwendig sind.[21]

2.1.4 Hautfaltendickemessung

Eine weitere Möglichkeit der Diagnostik ist die Messung der Hautfettfaltendicke, die so genannte Kalipermetrie. Gemessen wird dabei mit einem Kaliper, einer Art „Kneifzange“, an vier standardisierten Körperstellen:

1) Bizeps-Mitte (Mitte des Oberarms, Innenseite)
2) Triceps-Mitte (Mitte des Oberarms, Außenseite)
3) Subscapularis (unter der Schulterblattecke)
4) Suprailiacus (über der Darmbeinkante)

Dabei wird eine doppelte Hautfalte durch Abheben der Haut mittels des Zeigefingers und des Daumens gemessen. Ausgangspunkt der Methode ist das nahezu proportionale Verhältnis vom Unterhautfettgewebe zum Gesamtkörperfett des Menschen. Liegt die Hautfettfaltendicke über der 90. Perzentile, wird von Adipositas gesprochen.

Vorteil dieser Methode ist, dass sie kostengünstig und ziemlich genau ist. Außerdem kann sie sowohl im Labor wie auch bei Felduntersuchungen durchgeführt werden.[22] Das Hauptproblem dieser Methode liegt in der Kompression des zu untersuchenden Gewebes. Diese kann bis zu 40% variieren. Ein weiteres Problem besteht darin, dass bei 2/3 aller Adipösen einige Hautfalten nicht korrekt abgehoben werden können.[23]

2.1.5 Die Taille-Hüft-Relation (WHR)

Für die Körperfettverteilung wird der Quotient aus Taillen- und Hüftumfang be- stimmt (WHR = waist/ hip ratio)

Körperfettverteilung WHR = Quotient aus Taillenumfang in cm und Hüftumfang in cm

Der Taillenumfang sollte in der Mitte zwischen dem untersten Rippenbogen und dem Beckenkamm gemessen werden und der Umfang der Hüfte in der Höhe des Trochanter major (der sog. „Große Rollhügel“ am oberen Ende des Oberschenkelknochens). Beide Messungen werden am stehenden Patienten durchgeführt.[24]

Haben Frauen einen WHR > 0,85 und Männer > 1,00 und zusätzlich einen BMI > 30, besteht ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre (Herz und Gefäße betreffende), stoffwechselbedingte und pulmonale (zur Lunge gehörende) Erkrankungen. Hinzu kommt das Fettverteilungsmuster, welches in abdominale und glutaeo-femorale Fettverteilung unterschieden wird.

Die abdominale (stammbetonte, androide, sog. “Apfelform“) Fettverteilung tritt überwiegend bei Männern auf. Die Fettvermehrung bezieht sich auf das Innere des Abdomens (Bauch, Unterleib) und ist mit einem erheblichen Risiko für metabolische (stoffwechselbedingte) Begleiterkrankungen verbunden.

Die glutaeo-femorale (hüftbetonte, gynoide, sog. “Birnenform“) Fettverteilung findet sich häufig bei adipösen Frauen. Hier kommt es zu einer Vermehrung des Fettgewebes an Bauch und Oberschenkeln. Metabolische Begleiterkrankungen sind allerdings bei dieser Form der Fettverteilung nicht häufiger anzutreffen als bei normalgewichtigen Personen.[25]

2.1.6 Weitere Methoden

Nach Wirth gibt es noch einige weitere Methoden und Möglichkeiten, das Übergewicht eines Menschen zu bestimmen.

Mit einer Dichtemessung (Densitometrie) kann aus der Körpermasse und dem Körpervolumen die Körperdichte ermitteln werden, aus der dann auf das Körperfett geschlossenen werden kann.

Außerdem ist es möglich durch eine Duale Photonen- bzw. duale „X- ray- Absorptionsmetrie“ (DPA und DXA) anhand von Strahlen die Körperzusammensetzung untersuchen.

Dieses lässt sich aber auch durch eine Ultraschalluntersuchung oder eine Computer- und Kernspintomographie (CT und MMR) erreichen.[26]

Da die meisten dieser Methoden allerdings sehr aufwändig, teuer oder durch Strahlung gesundheitsschädigend sein können, wird auf diese nicht weiter eingegangen.

Es folgt eine übersichtliche Auflistung der möglichen Methoden, ihre Anschaffungskosten, Genauigkeit, Untersuchungsdauer und Handhabung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Methodenvergleich zur Teilkörpermassenbestimmung [27]

2.2 Klassifikation

Im Gegensatz zur Bulimie und Magersucht, mit denen Adipositas häufig in einem Zusammenhang genannt wird, ist sie keine Ess-Störung, weil ihrer Entstehung grundsätzlich keine psychopathologischen Faktoren zugeordnet werden können. Darum ist sie auch nicht in das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual for Mental Disorders) aufgenommen worden, sondern wird klassifiziert nach der ICD-10 (Internationale Statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision).

Dort ist sie unter „Adipositas und sonstige Überernährung“ im fünften Kapitel unter E65 bis E68 aufgeführt.

Klassifikation nach ICD- 10

Speziell E66 nennt die Adipositas mit den Subkategorien

E66.0 Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr

Exklusive: Dystrophia adipossogenitalis (E23.6)

Lipomatose o.n.A. (E88.2)

Lipomatosis dolorosa [Dercum- Krankheit] (E88.2)

Prader- Willi- Syndrom (Q87.1)

E66.1 Arzneimittelindizierte Adipositas

E66.2 Übermäßige Adipositas mit alveolärer Hypoventilation

(Pickwick- Syndrom)

E66.8 Sonstige Adipositas

Krankhafte Adipositas

E66.9 Adipositas, nicht näher bezeichnet

Einfache Adipositas o.n.A.[28]

Allerdings gibt es seit den letzten Jahren eine Untergruppe der Adipösen, die an einer Essstörung leiden, die so genannten „Binge Eater“ („to binge“, zu deutsch „fressen, saufen“). Diese Extremvariante des gestörten Essverhaltens wurde schließlich doch in die DSM-IV aufgenommen, unter der Kategorie „nicht näher bezeichnete Essstörungen“.[29]

Spezialfall: Binge Eating Disorder

Die „Binge Eating Disorder“ (BED) hat große Ähnlichkeit mit der „Bulimia nervosa“: Ihr Hauptmerkmal sind ebenfalls wiederkehrende Essanfälle. Allerdings fehlt den betroffenen Patienten das für „Bulimia nervosa“ charakteristische Kompensationsverhalten (Erbrechen, Laxantien, Diuretika, exzessiver Sport).

Angesichts der hochkalorischen Nahrungsaufnahme während solcher Essanfälle steigt das Risiko, Übergewicht zu entwickeln, wenn die Kalorienzufuhr nicht durch entsprechendes Verhalten kompensiert wird. BED ist häufig mit weiteren psychischen Störungen wie Depressionen, Angststörungen oder Persönlichkeitsstörungen verbunden.[30]

Während die BED in der Allgemeinbevölkerung mit nur 1 – 3% vertreten ist, lässt sich unter bereits adipösen Menschen mit einem Anteil von 30% finden.

Im Gegensatz zur Bulimie, an der hauptsächlich Frauen erkranken, sind bei dieser Störung mehr als ein Drittel der Betroffenen Männer. Dabei haben Menschen mit BED ein noch geringeres Selbstwertgefühl als nicht essgestörte Adipöse.[31]

Wirth bringt die Symptome der BED auf folgende Punkte:

- „Wiederholte Eßanfälle mit folgender Charakterisierung
- Verschlingen großer Essensmengen in kurzer Zeit
- Kontrollverlust hinsichtlich des Essens
- Essen bis zum Unwohlsein
- Essen ohne Hunger
- Essen ohne Plan (Mahlzeiten)
- Essen ohne Gemeinschaft
- Gefühl der Selbstverachtung und Schuld beim Essen
- Mindestens 2 Eßanfälle pro Woche über 6 Monate
- Kummer wegen der Essanfälle.“[32]

Dennoch lässt sich das Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen nicht ausschließlich durch die Methoden zur Bestimmung von Übergewicht und zur Messung der Fettverteilung festlegen. Hier ist vielmehr eine höchst differenzierte Diagnose notwendig. Denn neben dem Gewicht und dem Fettverteilungsmuster, der Größe, dem Alter und Geschlecht spielen auch die Stoffwechselfunktionen, das Ernährungsverhalten, sowie die psychische und physische Konstitution eine wesentliche Rolle.[33]

Erst durch das Zusammenspiel all dieser Faktoren ist es möglich die Komplexität der Adipositas zu erkennen. Daher wird im folgenden Kapitel näher auf die Ursachen und Faktoren ihrer Entstehung eingegangen.

3 URSACHEN UND FAKTOREN ZUR ENTSTEHUNG VON ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER

Laut des Verbraucherschutzministeriums und der Betriebskrankenkassen liegen die Hauptursachen für Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen an folgenden Faktoren (vgl. Anhang 4):

- zu viele Süßigkeiten (95%)
- zu wenig Bewegung (95%)
- unausgewogene Ernährung (90%)
- zu viel Zeit vor dem Fernseher (86%)
- zu viel Fast Food (80%)
- zu fettes Essen (77%)
- unregelmäßige Essenszeiten (73%)
- zu viel Zeit vor dem PC (73%)
- zu viele Mahlzeiten (40%)
- Krankheit (9%)
- zu viele süße Getränke (5%)
- genetische Veranlagung (4%)[34]

Was aber steckt wirklich hinter diesen Zahlen?

Es ist nachgewiesen, dass Essgewohnheiten, Umwelt- und Lebensbedingungen, menschliches Verhalten und auch genetische Faktoren multifaktoriell an der Entstehung von Übergewicht und Adipositas beteiligt sein können.[35]

Die Suche nach den Ursachen für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas gestaltet sich allerdings schwierig und ist mit vielen Missverständnissen verbunden.

„Als Supermärkte ihre Regale füllten, nahmen Menschen an Gewicht zu. Als Autos und Fernseher, Rolltreppen und Lifts immer weniger Bewegung abforderten, stieg das Körpergewicht.“[36]

Zu diesem verhängnisvollen Irrtum kamen die Wissenschaftler in den 50er Jahren, als sie die Ursachen der Adipositas ergründen wollten. Auf den ersten Blick mochten diese Feststellungen plausibel erscheinen, aber heute ist bekannt, dass diese Gründe nicht ausreichen, um die Entstehung einer Adipositas hinreichend zu erklären. Dennoch ist das Bild übergewichtiger Menschen in unserer Gesellschaft immer noch negativ behaftet. Sie werden als faul, träge und unattraktiv bezeichnet und sie werden für ihr „Leid“ auch noch selbst verantwortlich gemacht. „Sie seien doch selber Schuld“, wird dort behauptet. „Wer zu viel isst und sich dann nicht bewegt, nimmt halt zu“ ist häufig eine Begründung für das Übergewicht.[37]

Aber reicht die Begründung: „Der Adipöse isst zu viel und/ oder bewegt sich zu wenig“?[38]

Diese Vermutung ist zwar nicht grundsätzlich falsch, aber bei weitem nicht ausreichend.

Wie schon erwähnt, spielen bei der Entstehung von Übergewicht und Adipositas viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Bei Kindern und Jugendlichen sind sie ähnlich wie bei Erwachsenen, weil sie mit dem Lebensstil zusammenhängen.

Sie erfahren aber in den verschiedenen Lebensaltern eine unterschiedliche Ausprägung.[39]

Welche aber die Hauptursachen für die Entstehung und Aufrechterhaltung einer Adipositas sind und wie ihre Häufigkeit verteilt ist, soll nun näher erläutert werden.

3.1 Genetische Ursachen

Im Gegensatz zu früheren Jahren wird heute davon ausgegangen, dass der genetische Anteil bei der Entstehung von Übergewicht und Adipositas relativ hoch ist. Es lassen sich allerdings in der Literatur immer noch sehr unterschiedliche Belege dafür finden, wobei die Zahlen zwischen 30 und 70% schwanken. Sicher ist aber, dass es eine erbliche genetische Disposition in der Gewichtsregulierung gibt.[40]

Lange wurde über die Bedeutung der genetischen Faktoren spekuliert, aber erst durch die auffällige familiäre Häufung und entsprechender Untersuchungen an Zwillingen und Adoptionskindern konnte ein sicherer Beweis für die „Schuld der Gene“ gefunden werden.

Die dazu notwendigen Studien wurden schon 1923 zum ersten Mal durchgeführt. Dort legte Davenport (1923) die erste Familienuntersuchung vor. Der Nachteil bei diesen Studien war zwar, dass auf Grund des ähnlichen Umfeldes keine Unterscheidungen zwischen Genetik und Umwelt vorgenommen werden konnten, zumindest waren sie aber ein erster Schritt zur Erforschung der Erbfaktoren.[41]

Nach Laessle u.a. liegt das Risiko eines Kindes, adipös zu werden, bei 80%, wenn beide Eltern übergewichtig sind. Dagegen liegt das Risiko nur bei 20%, wenn beide Elternteile schlank sind. Dieses kann natürlich auch an anderen Einflüssen liegen. Daher sind Zwillings- und Adoptionsstudien aufschlussreicher.[42]

Herangezogen wird dazu häufig die Studie von Stunkard et al. (1986). Durch diese konnte gesichert werden, dass genetische Faktoren für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas verantwortlich gemacht werden können.

Sie untersuchten dafür 540 in frühester Kindheit adoptierte Menschen aus Dänemark und Schweden und verglichen deren BMI mit dem ihrer Adoptiveltern. Dabei kam es zu einem überraschenden Ergebnis: Es konnte keine signifikante Übereinstimmung festgestellt werden. Nachdem Stunkard et al. daraufhin aber die biologischen Eltern der Testpersonen ausfindig machten und auch deren BMI mit ihnen verglich, entstand folgendes Ergebnis:

„Mütter und Väter zeigten einen vergleichbaren BMI zu dem ihrer biologischen Kinder, obschon sie mit diesen Kindern nicht gemeinsam gelebt haben.“[43]

Auch durch Studien an Zwillingspaaren konnte bewiesen werden, dass die Veranlagung zum „guten“ oder „schlechten Futterverwerter“ genetisch kontrolliert ist. Dafür ließ Claude Bouchard (1990) 12 monozygote Zwillinge im Alter zwischen 18 und 26 Jahren über 100 Tage lang, jeden Tag exakt 1.000 kcal mehr verzehren, als sie es gewohnt waren. Weil sie dadurch in den 100 Tagen insgesamt 86.000 kcal mehr zu sich nahmen als zuvor, wäre mit einer Gewichtszunahme von 12,3 kg zu rechnen gewesen (ein Kilogramm Fettgewebe hat einen Brennwert von 7.000 kcal). Doch es ergab sich eine weite Spannbreite der Gewichtszunahme von 4 bis 14 kg.

Die erbidentischen Zwillinge nahmen jedoch annähernd identisch zu, so dass damit die genetische Disposition bewiesen war.[44]

Ein möglicher Mechanismus könnte die unterschiedlich starke Anpassung des Organismus auf die Veränderung der Energiezufuhr sein. Es wird angenommen, dass Übergewichtige andere Enzyme produzieren und deshalb ihr Körper anders auf Fett reagiert, als es bei Normalgewichtigen der Fall ist. Auch Unterschiede in den Enzymen, im Nervensystem oder im Hormonsystem des Körpers sind möglich.[45]

Laessle u.a. zitieren Friedmann et al. (1991), die eine Untersuchung an einer Maus durchführten, welche einen Gendefekt hatte. Dem Tier fehlte das für die Produktion des Hormons Leptin zuständige ob-Gen. Es zeichnete sich durch extremes Übergewicht, Fresssucht und minimale motorische Aktivität aus.

Nachdem ihm Leptin injiziert wurde, reduzierte sich die Fresssucht erheblich, die Aktivität nahm zu und eine starke Gewichtsabnahme erfolgte.

Leider erfüllte dieses Versuchsergebnis nicht die Erwartungen für die Bekämpfung von Adipositas beim Menschen, denn Übergewichtige haben kein Leptindefizit sondern meistens erhöhte Leptinwerte. Daher ist eine Leptintherapie wirkungslos, mit Ausnahme der wenigen Menschen, bei denen wirklich ein Defekt des ob-Gens vorliegt, welcher Auslöser der Adipositas ist. Diese so genannten monogenetischen Adipositasformen sind Einzelfälle; heutzutage werden polygenetische Modelle diskutiert. Nicht ein Gen ist defekt, sondern eine Vielzahl (über 130) der Gene ist mutiert, so dass das Zusammenwirken der einzelnen Mutationen Auslöser der Adipositas sind.[46]

In einer weiteren Studie wurden in Amerika zwei verwandte und damit genetisch ähnliche Indianerstämme (Pima-Indianer) untersucht, die unterschiedlichen Umweltbedingungen unterlegen sind. Der eine Stamm (Arizona, USA) ernährt sich vorwiegend fett- und kalorienreich und übt so gut wie keine körperliche Betätigung aus. In diesem Stamm sind viele Indianer übergewichtig bzw. adipös. Der andere Stamm (Mexiko) hingegen ernährt sich fett- und kalorienarm und setzt sich körperlichen Anstrengungen in Form von Feldarbeit aus. In diesem Stamm tritt Übergewicht bzw. Adipositas nur im Einzelfall auf.[47]

Diese Studie belegt, dass genetische Faktoren nicht alleiniger Grund für eine Adipositas sind, sondern, wie schon erwähnt, mehrer Faktoren zusammenkommen müssen, um die Entstehung von Übergewicht und Adipositas zu beeinflussen.

3.2 Ernährung

In der Gesellschaft hält sich das hartnäckige Vorurteil, dass übergewichtige Menschen ständig nur essen und dabei dazu auch noch das Falsche (nämlich zu fett- und zuckerreich). „Dabei führt zuckerreiche Nahrung in eine Essfalle: Kurzfristig steigt der Blutzuckerspiegel, fällt dann schnell ab, und schon überfällt den Menschen Heißhunger auf den nächsten Happen – obwohl er gerade jede Menge Energie zu sich genommen hat.“[48]

Aber welche Bedeutung kommt der Ernährung bei der Entstehung von Übergewicht und Adipositas zu und welche Faktoren spielen beim Essverhalten eine Rolle? Dieses soll im Folgenden geklärt werden.

3.2.1 Energieverbrauch und Stoffwechsel

Bei der Regulation des Körpergewichts kommt dem Energiestoffwechsel und dem Energieverbrauch eine zentrale Rolle zu. Wenn der Energieverbrauch die Energiezufuhr unterschreitet, wie beim Fasten oder Diätieren, reduziert sich das Körpergewicht. Überschreitet aber die Energiezufuhr den Energieverbrauch (Überernährung), kommt es zu einer Gewichtszunahme.

Die Energieaufnahme liegt also bei „dicken“ Menschen stark über dem Bereich des Energieverbrauchs Aber obwohl klar ist, dass der Energiestoffwechsel dieser Menschen für die Gewichtsregulation zuständig ist, ist es schwierig, ein genaues Bild ihrer Energiebilanz zu bekommen.[49]

Um diesem Problem näher auf den Grund gehen zu können, soll zunächst einmal der Energiestoffwechsel in seinen Einzelkomponenten beleuchtet werden.

Der Energieverbrauch des Menschen lässt sich in drei Komponenten unterteilen: den Grundumsatz, die Thermogenese und die körperliche Aktivität.

„Als Grundumsatz bezeichnet man den basalen Energieumsatz bei körperlicher Ruhe (liegend) und bei Indifferenztemperatur („Behaglichkeitstemperatur“) sowie im nüchternen Zustand (seit 12 Stunden keine Nahrungsaufnahme) am Morgen.“[50] Mit Grundumsatz ist also die Energie gemeint, die notwendig ist, um unsere lebensnotwendigen vitalen Funktionen (z. B. Atmung, Herzschlag, Körpertemperatur, Organfunktionen) aufrecht zu erhalten. Dafür werden ca. 70% der gesamten Energie verbraucht.[51]

Da der Energiestoffwechsel größtenteils in der Muskulatur und den Organen abläuft - und nicht im Körperfett - ist klar, dass Menschen mit übermäßigem Fettanteil und geringer fettfreier Körpermasse einen niedrigeren Grundumsatz haben als Normalgewichtige. Die meisten Adipösen haben jedoch einen recht normalen Grundumsatz, da sie auf Grund ihres hohen Gewichts auch einen entsprechend großen Anteil an fettfreier Körpermasse haben.[52]

Die zweite Komponente bezeichnet die Energie, welche für die Aufnahme und den Stoffwechsel von Nahrung benötigt wird. Die so genannte diätinduzierte Thermogenese benötigt ca. 10 – 15% des gesamten Energiehaushalts. Je nach Nahrungsmittel ist der Energiebedarf sehr unterschiedlich. Für die Eiweißaufnahme besteht der höchste Energiebedarf, der geringste für die Fettaufnahme.[53]

Als letzte Komponente ist die aktivitätsinduzierte Thermogenese zu nennen, die 15 – 50% der körpereigenen Energie in Anspruch nimmt. Dieser Wert differiert deshalb so stark, weil bei aktiven Sportlern natürlich ein wesentlich höherer Energieverbrauch vorliegt als bei Menschen, die Bewegung weitgehend vermeiden.[54]

3.2.2 Wahrnehmung des Hungers

Ein anderes Problem ist, dass viele Übergewichtige Schwierigkeiten haben, Hunger von anderen Körperempfindungen (z. B. Kälte, Hitze, Stress, Müdigkeit ...) zu unterscheiden. Wenn sie beispielsweise frierend in ihrer Wohnung sitzen, kann es geschehen, dass sie das Gefühl Kälte nicht identifizieren können. Um das Unwohlsein zu kompensieren, beginnen viele Übergewichtige dann zu essen. Das gleiche Symptom kann auch bei Müdigkeit auftreten. Wenn sie z.B. nach einem anstrengenden Arbeits- bzw. Schultag nach Hause kommen, empfinden sie oftmals ein Gefühl des Unbehagens. Da aber die übliche Uhrzeit des Schlafengehens noch nicht gekommen ist, identifizieren viele Betroffene diese Symptome als Hunger und beginnen zu essen, da diese Tätigkeit in jedem Fall eine kurze Erleichterung mit sich bringt. Die Unfähigkeit zur differenzierten Gefühlswahrnehmung bleibt häufig nicht auf den Körper allein beschränkt. Andere Gefühle, wie z. B. Ärger, Wut, Depressionen, aber auch Hoffnung und Freude, werden oftmals nur verschwommen wahrgenommen und als Hunger interpretiert.

Durch den ewigen Konflikt, in den Übergewichtige und Adipöse zwangsläufig geraten, Gefühle zu erkennen und diese auch richtig zu interpretieren, geraten viele in eine quälende Entscheidungslosigkeit.

Um der Entscheidung zu entgehen, was sie denn gerne als nächstes tun würden, beginnen viele zu essen, da ihnen dieses die Entscheidung fürs erste abnimmt.[55]

3.2.3 Relation zwischen Nahrung und Körper

Jeder Mensch hat eine bestimmte Vorstellung von seinem Körper, und ist mit diesem entweder zufrieden oder aber nicht. Wie Übergewichtige zu ihrem Körperbild stehen, hängt meist davon ab, wann sie dick geworden sind. Eine eher realistische Einschätzung ihres Körpers haben diejenigen, die erst im Erwachsenenalter stark zugenommen haben. Dagegen nehmen Menschen, die schon als Kinder dick waren, ihren Körper häufig falsch war. Diese unrealistische Einschätzung des Körpers ist eng verbunden mit der Einschätzung ihres Hungergefühls. Gleichgültig, wie viel Übergewichtige essen, ihrem Gefühl nach reicht es selten aus. Vielen ist es nicht bewusst, wie viele Kalorien sie wirklich zu sich nehmen bzw. ihr Körper benötigt. Andere leiden so sehr unter ihrem Aussehen und der Kritik, der sie täglich ausgesetzt sind, dass sie ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie Essbares bloß ansehen. Sie äußern dann Sätze wie: ,,Ich muss ein Stück Kuchen nur ansehen, schon werde ich dick!". Einige Menschen, die unter ihrer Krankheit leiden, bilden sich Alibis. Sie denken, dass sie nicht dick werden können, wenn sie heimlich Nahrung zu sich nehmen![56]

3.2.4 Macht Fett wirklich Fett?

Der heutige Lebensstil, der eine energie- und fettreiche Ernährung bevorzugt und auf der anderen Seite an Bewegungsmangel krankt, ist eine weitere Komponente die in Bezug auf die Entstehung von Übergewicht und Adipositas untersucht werden muss. Heutzutage werden Kinder häufig gezwungen, ihre Mahlzeiten außer Haus zu sich zu nehmen, da beide Elternteile berufstätig sind. Diese Mahlzeiten fallen in der Regel fetthaltiger und süßer aus als solche, die zu Hause zubereitet werden.[57]

Aber ist diese fettreiche Ernährung wirklich schuld am Übergewicht?

Dem Fett wird bei der Ernährung oft eine vorausbestimmende Rolle in Bezug auf eine hohe Energiezufuhr zugeschrieben, weil es eine hohe Energiedichte hat, aber nur einen schwachen Sättigungseffekt. Außerdem wird Fett schneller im Fettgewebe gespeichert. Um jetzt beweisen zu können, dass das Fett wirklich Schuld ist am Übergewicht, sind Langzeitstudien erforderlich. In der so genannten DONALD Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study), werden seit 1985 eine Vielzahl an Verzehrdaten von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen erhoben. An der Studie nehmen etwa 500 Familien teil (ca. 630 Kinder). Diese Kinder werden in regelmäßigen Abständen untersucht. Dabei werden von ihnen anthropometrische Daten erhoben, wie z.B. ihre Größe, ihr Gewicht und ihre Hautfaltendicke. Außerdem werden ihnen Fragen zu ihrem Gesundheitsverhalten gestellt. Zusätzlich müssen die teilnehmenden Kinder jährlich ein 3 Tage-Wiege-Ernährungsprotokoll erstellen, was bedeutet, dass sie an drei aufeinander folgenden Tage ihre gesamten verzehrten Lebensmittel und Getränke abwiegen müssen. Sollte das nicht möglich sein, müssen sie nach Haushaltsmaßen (Stück, Tasse, Esslöffel) geschätzt werden. Dadurch wurden bis heute mehr als 8800 Ernährungsprotokolle gesammelt und mit der institutseigenen Datenbank auf die Zufuhr an Energie und Nährstoffen berechnet.

Es muss berücksichtigt werden, dass schon eine kleine Störung der Energiebilanz mittelfristig zu einer Gewichtszunahme führen kann. Solche geringfügigen

Differenzen zwischen Energiezufuhr und –verbrauch sind mit herkömmlichen Erhebungsinstrumenten nur schwer zu entdecken, da Übergewichtige dazu neigen, in Ernährungsprotokollen zu wenig anzugeben, sei es dass sie sich schämen oder selber nicht richtig einschätzen können. Ihre Energiezufuhr wird daher unterschätzt.

Bei der Auswertung wurden 228 Studienteilnehmer anhand der Ergebnisse von mindestens zehn ihrer Ernährungsprotokolle (die im Alter von 2 bis 18 Jahren erhoben wurden) in Gruppen mit unterschiedlicher Höhe des Fettverzehrs eingeteilt.

Es ergab sich dabei kein positiver Zusammenhang zwischen dem Fettanteil an der Energiezufuhr und dem BMI während und am Ende der Studienteilnahme.

Auch durch andere Studien ließ sich kein Zusammenhang zwischen kontinuierlicher Fettzufuhr und der Entstehung einer Adipositas feststellen. Somit wäre also das Vorurteil, das Fett wäre Schuld am Übergewicht, weitestgehend widerlegt.[58]

Daher müssen bei der Zunahme von Übergewicht auch andere Faktoren eine Rolle spielen, wie z.B. die Abnahme des Energieverbrauchs durch eine Verringerung der körperlichen Aktivität oder durch ein falsches Ernährungsverhalten.

Der These des falschen Ernährungsverhaltens und anderer psychosozialer Einflussfaktoren soll im nächsten Kapitel auf den Grund gegangen werden.

3.3 Psychosoziale Faktoren

Heutzutage wird davon ausgegangen, dass sowohl die Häufigkeit von Mahlzeiten als auch die Kalorienaufnahme bei einer Mahlzeit in einem hohen Maße durch emotionale Faktoren und Lernprozesse beeinflusst werden. Diese können schon im Kindes- und Jugendalter zum Tragen kommen. Daher spielen Faktoren wie die Familie, Persönlichkeitsmerkmale, Stress oder das Verhalten eine wichtige Rolle.

3.3.1 Der Einfluss der Familie

Eltern stellen durch ihr Verhalten Modelle für die Kinder dar. Von ihnen übernehmen die Kinder schon früh das Ess-, Trink-, und Bewegungsverhalten.

Wenn Eltern ihren Kindern immer dann Nahrung anbieten, sobald diese Probleme haben, kann es sehr schnell zu einer Störung in der Energiebilanz kommen. Dieses könnte nämlich dazu führen, dass Nahrung bald nicht mehr nur bei Hunger, sondern bei allen Zuständen, die in der Lerngeschichte mit Nahrungsaufnahme verbunden waren, eingenommen würde.[59]

3.3.1.1 Verwöhnende Erziehung

Aufgabe der Mutter ist es, dem hilflosen Säugling Nahrung und Geborgenheit zu spenden. Wird der Schützling älter, so sollte er dazu erzogen werden, anderen Menschen auch etwas dafür zurückzugeben und gleichzeitig von anderen zu lernen. Ist die Entwicklung des Kindes bis dahin normal verlaufen, so ist es dem/der Kleinen ein Bedürfnis, dieses Spiel von Geben und Nehmen auch mitzuspielen.

Im Idealfall tritt die Erziehungsperson nicht ausschließlich als „Lehrperson“ auf, sondern lässt den Schützling auch aus Fehlern und Misserfolgen lernen. Der Erwachsene sollte dem Kind nicht nur immer helfen, sondern es zu eigenständigen Taten anleiten und es bei Misserfolgen ermutigen, das Missglückte erneut zu versuchen. Auf diese Weise lernen Kinder und Jugendliche, Aufgaben selbst zu bewältigen und vor Problemen nicht gleich zurückzuschrecken.

In unserer heutigen Gesellschaft ist dieses allerdings eher ein Ausnahmefall - der Großteil der Bevölkerung wurde im Kindesalter weder zur Selbstständigkeit noch zur Konfrontation mit Problemen erzogen. Ein großer Fehler vieler Erziehender ist es, ihre Schützlinge zu bevormunden. Oftmals wird die Bevormundung gar nicht als solche empfunden - vielmehr als „Verwöhnen“. Dem Kind wird alles abgenommen, was es selbst schon längst hätte erledigen können.

Anstatt zu kooperieren lernt der Nachkomme eher, ohne Gegenleistung zu nehmen und dadurch andere auszunutzen.[60]

3.3.1.2 Die fürsorgliche Mutter

Eine der größten Sorgen der Mütter ist es, ihr Kind hungrig zu sehen. Für viele Familien zeugt reichhaltiges Essen noch immer von Reichtum und Prestige. So wird dem Zögling von Kindesalter an eine große Auswahl an Nahrung angeboten; herausragende Leistungen werden mit Süßigkeiten belohnt, Kummer wird mit gutem Essen beseitigt. So steht die Ernährung meist im Vordergrund, während andere Bedürfnisse des Zöglings häufig vernachlässigt oder missinterpretiert werden. Durch diese Haltung wird das Kind hilflos und ängstlich; gleichzeitig entwickelt sich eine große Anspruchshaltung: Sobald das Kind eine gewisse Unsicherheit bemerkt, möchte es die Verantwortung auf andere abschieben, da es nie gelernt hat, mit Problemen umzugehen. Oftmals werden Eltern diesen Ansprüchen auch nicht gerecht, wodurch sich ein grausamer Kreislauf entwickeln kann: Entsteht für den Schützling ein Problem, so gibt er dieses an die Eltern weiter.

Diese fühlen sich allerdings in dieser Rolle oftmals genauso überfordert wie ihr Schützling. Als einzigen Ausweg sehen sie, ihrem Liebling ein kleines „Trostpflaster“ zu gönnen - Essen! Häufig werden aber auch Gefühlsäußerungen der Kinder einfach missverstanden, da viele Mütter zu sehr auf den Nahrungskonsum fixiert sind. So kann es z. B. vorkommen, dass ein Schützling eine Verhaltensweise der Mutter beanstandet. Da es ohnehin selten zu konstruktiven Auseinandersetzungen über Probleme kommt, kann es geschehen, dass die Mutter dieses „abnorme Verhalten“ als einen Ausdruck tiefen Hungers interpretiert und daher ihr Kind erneut zum Essen auffordert![61]

3.3.1.3 Rivalität unter Geschwistern

Unter mehreren Geschwistern kann häufig beobachtet werden, wie um die führende Position bei den Eltern oder in der Familie gekämpft wird. Jedes Kind will von den Eltern anerkannt und geachtet sein und bedient sich dabei etwa der Rolle des unartigen Kindes oder versucht es mit häufigen Krankheiten (wie z.B. mit einer Essstörung). Nach Aliabadi kann das dann wie folgt aussehen: „In seinem starken Verlangen nach Geltung kann das Kind dann leicht in die Rolle des ’Unartigen’ gelangen, was dann auch noch durch ungeschickte Erzieher begünstigt werden kann, wenn diese ihm das brave Kind, den Liebling der Familie, als leuchtendes Beispiel vorhalten.“[62]

So kann durch eine ungünstige Konstellation unter Geschwistern eine Essstörung forciert werden und, durch die daraus entstehenden Hänseleien, ein immerwährender Kreislauf entstehen.[63]

Aus den bisherigen Punkten kann leicht der Schluss gezogen werden, dass alleine die Erzieher schuld seien am Übergewicht ihrer Kinder. Sie tragen aber nur eine Teilschuld, und es muss ihnen zugute gehalten werden, dass sie ihrem Kind nicht absichtlich schaden wollen. Sie tun dieses bloß unbewusst, indem sie versuchen, ihm beim Lösen seiner Probleme zu helfen.

3.3.2 Persönlichkeitsmerkmale

Viele sind immer noch der Überzeugung, dass Adipositas auf bestimmte Eigenschaften der Persönlichkeit zurückzuführen ist. Anhänger dieser Theorie meinen, dass emotionale und psychische Probleme für die Entstehung einer Adipositas verantwortlich sind. Persönlichkeitsstörungen und bewusste oder unbewusste emotionale Konflikte, wie Stress, Angst, Ärger, Lärm, Langeweile oder Einsamkeit, werden als grundlegend angesehen. Jedoch gibt es nur wenige empirische Belege dafür zu finden.

Gegner dieser Theorie sind der Meinung, dass Adipöse keineswegs abnorm oder neurotisch sind. Es ist eher so, dass auffälliges Verhalten bei Adipösen und Übergewichtigen nicht mehr als Ursache sondern als Folge der Diskriminierungen gesehen werden muss. Wirth zitiert dazu Stunkard und Wadden (1992), die diese Erkenntnis wie folgt auf den Punkt bringen:

„From viewing psychopathology as a cause of obesity, we now see it as a result – of living in a society that derogates obesity and obese persons.“[64]

Daraus folgert Wirth: „Adipöse sind psychisch grundsätzlich nicht mehr und nicht weniger auffällig als Normalgewichtige.“[65]

3.3.3 Andere Faktoren

Auch der sozioökonomische Status kann ein Faktor der Adipositas im Kindes- und Jugendalter sein. Kinder von Eltern mit einem niedrigen sozialen Status und / oder einem nicht harmonischen Familienleben sind häufiger übergewichtig bzw. adipös als Kinder, die einem höheren Lebensstandard unterliegen und in einem zufriedenen Umfeld leben.[66]

Genauso verhält es sich bei Stress. Stressoren wie Ärger, Konflikten, Arbeit, Prüfungen, Lärm aber auch Einsamkeit, Langeweile und Trauer können in negativer und positiver Art das Essverhalten eines Menschen beeinflussen.[67]

Gerade Kinder und Jugendliche, bei denen diese Stressoren durch Schule, den ersten Freund / die erste Freundin, Konflikte im Elternhaus oder mangelnde Akzeptanz durch Gleichaltrige enorm forciert werden, neigen dazu, sich in ein abnormes Essverhalten zu flüchten.

Sollte es dadurch zu einem Übergewicht kommen, schämen sich die „dicken“ Kinder häufig für ihre Figur, werden von Mitschülern erst recht gehänselt und beschimpft und kapseln sich in Folge dessen von gleichaltrigen Kindern und ihrer Umwelt ab. Möglicherweise unterstützt diese Situation der sozialen Zurückgezogenheit die ungesunde Ernährung und fehlende Bewegung aufs Neue.

Es wird somit deutlich, dass auch im psychosozialen Bereich nach Ursachen geforscht werden sollte, damit eine wirkungsvolle Behandlung folgen kann.

3.4 Bewegung

Ob mangelnde Bewegung eine Ursache für Übergewicht und Adipositas sein kann, ist noch nicht ganz geklärt. Dieses verdeutlicht die Frage: „Wird man dick, weil man sich so wenig bewegt oder bewegt man sich so wenig, weil man dick ist?“

Fest steht, dass fehlende Bewegungsangebote das Bewegungsverhalten der Kinder und Jugendlichen negativ beeinflusst. Die daraus entstehende Inaktivität regt

gleichzeitig zum Verzehr energiereicher Lebensmittel an und treibt die Kinder und Jugendlichen zu immer mehr sitzenden Tätigkeiten, wie fernsehen oder Computer spielen. Reinehr, Dobe und Kersting zitieren Gortmaker (1996), der bewiesen hat, dass das Ausmaß des Fernseh- und Computerkonsums mit dem Ausmaß der Adipositas korreliert.[68]

Aber auch die Freizeitaktivitäten der Eltern stehen in engem Zusammenhang mit denen ihrer Kinder. Im Rahmen der CHILT-Studie (Children`s Health Interventional- Trial) wurde festgestellt, dass die Eltern, die keinen oder nur unregelmäßigen Sport betrieben, den höchsten BMI hatten. Leider betrieben auch die Kinder dieser Eltern keinen oder nur wenig Sport und wiesen ebenfalls einen erhöhten BMI auf. Dagegen hatten die Kinder, deren Väter in einem Verein spielten und / oder regelmäßig aktiv waren, dass niedrigste Gewicht bzw. den niedrigsten BMI. Diese Ergebnisse zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen dem aktiven Freizeitverhalten der Eltern und der Kinder, aber auch zwischen der körperlichen Aktivität und dem Körpergewicht bzw. dem BMI besteht.[69]

Wichtig ist noch, dass im Unterschied zur Ernährung bei körperlicher Aktivität davon ausgegangen wird, dass sie in erster Linie vererbt ist.[70]

Da die Bewegung in Kapitel 7 noch ausführlicher beleuchtet werden soll, wird in diesem Punkt nicht weiter darauf eingegangen.

3.5 Kritische Lebensphasen

Als kritische Lebensphasen für die Entwicklung der Adipositas bei Kindern und Jugendlichen werden die pränatale Phase, das erste Lebensjahr, die Zeit vom 5. bis 8. Lebensjahr und die Pubertät angesehen.

Kommt es in der Schwangerschaft zu einer hohen Gewichtszunahme, erhöht sich auch das Geburtsgewicht des Kindes. Dieses kann ebenfalls bei Schwangeren mit Diabetes oder Glukoseintoleranz der Fall sein. So beginnt die erste Risikophase für Übergewicht bereits bei der Geburt. Daher sollten sowohl Babys mit sehr niedrigem wie auch mit sehr hohem Geburtsgewicht von ihren Eltern in ihrer Gewichtsentwicklung beobachtet werden. Mit etwa drei Jahren sollte der Babyspeck bei Kindern verschwunden sein.[71]

Ein weiterer möglicher Faktor zur Entstehung von Übergewicht und Adipositas ist, ob das Kind nach der Geburt gestillt wird. Nachgewiesen wurde, dass „gestillte“ Kinder weniger wiegen. Ob dabei die Ernährung die Hauptrolle spielt oder psychosoziale Faktoren, ist noch nicht geklärt.[72]

Eine besonders kritische Zeit ist bei Kindern auch die Zeit vom 5. bis 8. Lebensjahr, weil sich in dieser Zeit Vorlieben entwickeln und Gewohnheiten festigen. Gleichzeitig zum Essverhalten werden auch die Fettzellen festgelegt. Hinzu kommt der Schulbeginn, der bei vielen ein einschneidendes Erlebnis ist: Der Tagesablauf ändert sich und durch die neuen Anforderungen können Kinder überfordert werden. Essen wird für viele zum Ventil.[73]

Wie schon Eingangs erwähnt, verlieren die Jungen während der Pubertät ca. 40% ihres Körperfetts, wohingegen Mädchen ca. 20% zunehmen und wonach ca. 20% der Mädchen es nicht schaffen, dieses wieder abzubauen. Außerdem erhöht eine frühe Menstruation bei den Mädchen das Risiko einer Adipositas um das Doppelte.[74] Dieses geschieht oft durch die hormonelle Umstellung des Körpers, einer seelischen Unausgeglichenheit, den Kampf um die neue Rolle, die körperliche Entwicklung und durch den „Schuss“ in die Höhe.[75]

3.6 Weitere Theorien

Im Folgenden noch einige Theorien, die das Entstehen von Übergewicht und Adipositas erklären können.

Insulin- Theorie:

Da zwei Drittel aller Diabetiker Übergewicht haben, kamen Forscher zu der Annahme, dass eine Insulinüberproduktion bestehen könnte und diese zu einer Unempfindlichkeit gegenüber diesem Hormon kommen könnte. Eine Überproduktion des „Dickmacher-Hormons“ führt nach dieser Annahme zu mehr Nahrungsaufnahme.[76]

Neurologische Theorie:

Diese Theorie befasst sich mit dem Regulationssystems des Körpers. Es wird angenommen, dass im Hypothalamus Hungersignale umgesetzt werden. Störungen in der Hungerregulation sind Ursache für Übergewicht.[77]

Aktuelle Ursachen:

Aktuelle Ursachen können (außerdem) Frustration, chronische soziale Unzufriedenheit, sich Belohnen für wiederholte berufliche Anstrengungen sowie übermäßiges Essensangebot durch die aktuellen geänderten Lebensverhältnisse (Partner, Geschäftsessen, Fast- Food- Angebot usw.) sein.

In den vorangegangenen Punkten konnte festgestellt werden, dass Übergewicht und Adipositas nicht nur eine Ursache haben, sondern dass es immer ein Zusammenspiel mehrere Faktoren ist. Pudel bringt dieses auf den Punkt, indem er sagt: „Adipositas entsteht als Interaktion von evolutionsbiologischen, genetischen Dispositionen und Umweltbedingungen, zu denen eingeschränkter Bewegungsumsatz und Verzehr von fettreicher, kohlenhydratarmer Kost zählen.“[78]

Dass sich daraus Folgen und Konsequenzen ergeben, liegt auf der Hand. Daher wird im nächsten Kapitel dargestellt, wie sich die Ursachen und Faktoren zur Entstehung von Adipositas auswirken können.

4 FOLGEN UND KONSEQUENZEN VON ADIPOSITAS IM KINDES- UND JUGENDALTER

Nicht nur Erwachsene können auf Grund ihres Übergewichts organisch krank werden oder an psychosozialen Nachteilen leiden, immer öfter sind auch schon Kinder und Jugendliche davon betroffen. Die Risiken der Adipositas im Kindes- und Jugendalter sind im Allgemeinen allerdings schwerer absehbar, da sie in der Regel erst jenseits des jugendlichen Alters, bei schwersten Formen im beginnenden Erwachsenenalter auftreten. Am ehesten belastet Kinder und Jugendliche das Aussehen, das Ausgelachtwerden oder - in extremen Fällen - die soziale Ausgrenzung. Dadurch können schwere Schäden für das ganze Leben gesetzt werden. Die eigentlichen Risiken der Adipositas liegen aber beim so genannten “metabolischen Syndrom“ und anderen körperlichen Folgeerkrankungen. Unter “metabolischem Syndrom“ versteht man eine Adipositas, kombiniert mit einer gestörten Verarbeitung der Glukose (Zucker) sowie eine Fettstoffwechselstörung und einen Bluthochdruck. Kombiniert sind häufig noch andere Störungen wie Fettleber, Gicht, Nierenausscheidungs- und Blutgerinnungsstörungen. Jede der vier Hauptstörungen ist wiederum ein eigener Risikofaktor für Herzerkrankungen, Gallensteinleiden, Schlaganfall, aber auch Verstopfung (Obstipation), Gelenkbeschwerden, Störungen des Soziallebens, und ein erhöhtes Risiko bei Operationen.[79] Ein großes Problem stellt auch die Tatsache dar, dass Übergewicht selbst wieder zu einer Einschränkung der Körperbeweglichkeit führt, wodurch der Kalorienverbrauch vermindert wird und bei gleicher Ernährung das Gewicht weiter zunimmt.

Um die Folgen und Konsequenzen etwas genauer zu beschreiben, werden sie im Folgenden in medizinische, psychosoziale und ökonomische Folgen und Konsequenzen eingeteilt.

4.1 Medizinische Konsequenzen

Zu den unmittelbaren Konsequenzen einer Adipositas zählt unter anderem die Insulinresistenz. Darunter wird die verminderte Wirksamkeit von Insulin am Zielorgan verstanden. Hauptsächlich sind davon die Organe Leber, Skelettmuskulatur und Fettgewebe betroffen. Dabei hat das Insulin eine reduzierte Wirkung beim Glukosestoffwechsel, indem es die zugeführte Glukoserate nicht genügend abbauen kann.[80]

Es gilt heute als gesichert, dass die Insulinresistenz ein Bindeglied zwischen Adipositas und Diabetes mellitus ist.

Begleitet wird eine Insulinresistenz in der Regel von einer Hyperlipidaemie (erhöhte Bluttfette). Zusätzlich sind auch noch die Triglycerid-, Cholesterin- und LDL-Cholesterinwerte erhöht. Dieses kann zur Folge haben, dass es im weiteren Verlauf der Entwicklung zu kardiovaskulären Erkrankungen kommen kann.

Des Weiteren leiden schon heute viele Kinder unter einer Fettleber, die in Einzelfällen sogar in eine Fibrose (Vermehrung des Bindegewebes) bzw. Zirrhose (Bindegewebewucherung) übergehen kann. Das Risiko für die Entwicklung von Gallensteinen wird erhöht, es kann zu Einschränkungen der Lungenfunktion kommen. Eine verminderte Atmung (Hypoventilation), eine reduzierte Sauerstoffsättigung des Blutes und schwere Anomalien des Schlafmusters (Schlafapnoe) können zu deutlichen Einschränkungen der Lern- und Gedächtnisfunktionen führen. Außerdem weisen schon ¼ der übergewichtigen Kinder zwischen 5 und 11 Jahren einen erhöhten systolischen bzw. diastolischen Blutdruck aus.[81]

Zu den organmedizinischen Erkrankungen kommen dann häufig noch orthopädische Komplikationen, wie Hüft- oder Knieschmerzen, eine verminderte Beweglichkeit des Hüftgelenks, sowie ein Knicksenkfuß.

Deutlich seltenere Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind dagegen Gallenblasenerkrankungen, endokrinologische Störungen oder ein Pseudotumor cerebri.[82]

Ein großes Problem der Adipositas im Kindes- und Jugendalter ist, dass diese bei ca. 70% der Kinder bis ins Erwachsenenalter hin fortbesteht und so leicht zu einer lebenslangen Adipositas führen kann. Es steht fest, dass einjährige adipöse Kinder im Gegensatz zu schlanken Kindern ein doppelt so hohes Risiko haben, adipös zu bleiben. Bei den 7-Jährigen ist das Risiko schon viermal so groß und bei den 10 – 13-Jährigen sogar 8- bis 18-mal so hoch.[83]

Bei Studien hinsichtlich der Mortalität (Sterblichkeit) wurde festgestellt, dass vor allem durch die kardiovaskulären Begleitkrankheiten der Adipositas im Kindes- und Jugendalter eine erhöhte Sterblichkeit im Erwachsenenalter zu verzeichnen ist.

Die Studie der „Metropolitan Life Insurance Company“ stellt dabei wohl die zuverlässigste Untersuchung dar. Sie untersuchten 8422 Männer im Alter von 40 – 64 Jahren mit einem durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von 8,6 Jahren. Das Ergebnis war eindeutig: Personen mit einem BMI von 40 kg/m² liegen mit der höchsten Mortalitätsrate klar vorn. Die niedrigste Sterblichkeit ist bei einem BMI von 22 – 23 kg/m² festgestellt worden.[84]

„Die WHO warnt, bald stürben erstmals ebenso viele Menschen an den Folgen von Überernährung und Bewegungsmangel wie an denen von Hunger; britische Fettforscher wagen gar die These, die jetzige Generation sei die erste, die weniger Jahre zu leben habe als ihre Eltern – Kriegstote und Katastrophenopfer ausgenommen.[85]

4.2 Psychosoziale Folgen

Nicht nur, dass Übergewichte und Adipöse unter einer Reihe von physischen Folgen zu leiden haben, am meisten machen ihnen wohl die psychischen Belastungen zu schaffen. Reinehr behauptet sogar, dass alle Erkrankungen selbst nicht zu einem Leidensdruck führen würden, wohl aber die psychosozialen Belastungen.[86]

[...]


[1] Böckermann, Tobias: Gewichtig. In: Neue Osnabrücker Zeitung vom 18. Juni 2004, S. 2.

[2] vgl. Ziroli, Sergio: Mehr Sportunterricht – weniger Gewichtsprobleme? Zur Prävalenz von Übergewicht und Adipositas an sport- und bewegungsorientierten Primarschulen. In: Haltung & Bewegung Bd. 23 (2003) H. 3, S. 27.

[3] vgl. Wirth, Alfred: Adipositas. Epidemiologie, Ätiologie, Folgekrankheiten, Therapie. 2., überar

beitete und erweiterte Auflage. Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag 2000, S. 3.

[4] vgl. www.easyway.de/inhalt/wissenschaft/adipositas.html vom 20.07.2004

[5] vgl. aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V.: Leichter, aktiver, gesünder. Tipps für Ernährung und Sport bei Babyspeck und mehr. 2., überarbeitete Auflage 2004, S. 7.

[6] vgl. Brammen, Cornelia; Hatje, Tobias: Lassen wir unsere Kinder hängen? In: Fit For Fun (2002) H. 9, S. 43.

[7] vgl. Röthig, Peter u.a. (Hrsg.): Sportwissenschaftliches Lexikon. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Schorndorf: Verlag Karl Hofmann 1992, S. 14f.

[8] vgl. Hauner, Hans; Berg, Aloys: Körperliche Bewegung zur Prävention und Behandlung der Adipositas. In: Deutsches Ärzteblatt Bd. 97 (2000) H. 12, S. 768.

[9] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 307.

[10] vgl. Laessle, Reinhold G.; Lehrke, Sonja; Wurmser, Harald; Pirke, Karl-Martin: Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Basiswissen und Therapie. Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag 2001, S. 3.

[11] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 307f.

[12] vgl. Pudel, Volker: Adipositas. Fortschritte der Psychotherapie. Göttingen, Bern, Toronto, Seattle: Hogrefe-Verlag 2003, S. 3.

[13] Herm, Klaus-Peter: Methoden der Körperfettbestimmung. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin Bd. 54 (2003) H. 5, S. 153f.

[14] vgl. Wabitsch, Martin: Adipositas im Kindes- und Jugendalter: Empfehlungen einer

US-amerikanischen Expertengruppe zur Diagnostik und Therapie. In: Klinische Pädiatrie (2000) H. 212. Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York, S. 287.

[15] vgl. Herm, Methoden 2003, S. 153.

[16] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 6.

[17] vgl. Kromeyer-Hausschild, Katrin u.a.: Perzentile für den Body Mass Index für das Kindes- und Jugendalter unter Heranziehung verschiedener deutscher Stichproben. In: Monatszeitschrift Kinderheilkunde Bd. 149 (2001) H. 8, S. 808.

[18] vgl. Ziroli, Mehr Sportunterricht – weniger Gewichtsprobleme? 2003, S. 34.

[19] vgl. Wabitsch, Adipositas. Empfehlungen 2000, S. 287.

[20] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 20.

[21] vgl. a.a.O., S. 25ff.

[22] vgl. Herm, Methoden 2003, S. 153.

[23] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 22.

[24] vgl. Pudel, Adipositas 2003, S. 4.

[25] vgl. www.easyway.de/inhalt/wissenschaft/adipositas.html vom 20.07.2004

[26] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 23ff.

[27] vgl. Herm, Methoden 2003, S. 154.

[28] vgl. Pudel, Adipositas 2003, S. 3.

[29] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 90.

[30] vgl. Pudel, Adipositas 2003, S. 13.

[31] vgl. Herpertz, Stephan: Psychotherapie der Adipositas. In: Deutsches Ärzteblatt Bd. 100 (2003) H. 20, S. 274.

[32] Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 90.

[33] vgl. Koinzer, Klaus: Sport zur Gesunderhaltung im Schulalter. Teil 4: Prävention der Adipositas. In: Körpererziehung Bd. 47 (1997) H. 2, S. 70ff.

[34] vgl. AFP/ dpa/ AP: Jedes fünfte Kind viel zu dick. In: Neue Osnabrücker Zeitung vom 18. Juni 2004, S. 2.

[35] vgl. Reinehr, Thomas, Dobe, Michael, Kersting, Mathilde: Therapie der Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Das Adipositas- Schulungsprogramm OBELDICKS. Göttingen, Bern, Toronto, Seattle: Hogrefe-Verlag 2003, S. 8.

[36] Pudel, Adipositas 2003, S. 14.

[37] vgl. ebd.

[38] ebd.

[39] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 308f.

[40] vgl. Laessle u.a., Adipositas. Basiswissen 2001, S. 9.

[41] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 58.

[42] vgl. Laessle u.a., Adipositas. Basiswissen 2001, S. 9.

[43] vgl. Stunkard, Albert J. et al.: An adoption study of human obesity. In: New England Journal of Medicine (1986) H. 314, S. 193ff.

[44] vgl. Bouchard, Claude; Tremblay, A.; Despres, Jean-Pierre: The response to long-term overfeeding in identical twins. In: New England Journal of Medicine (1990) H. 322, S. 1477ff.

[45] vgl. Reinehr, Dobe, Kersting, Therapie der Adipositas 2003, S. 8.

[46] vgl. Laessle u.a., Adipositas. Basiswissen 2001, S.9f.

[47] vgl. a.a.O., S. 12.

[48] Thimm, Katja: Bewegte Kindheit. In: Spiegel (2004) H. 40, S. 178.

[49] vgl. ebd.

[50] Röthig, Sportwissenschaftliches Lexikon 1992, S. 189.

[51] Laessle u.a., Adipositas. Basiswissen 2001, S. 13.

[52] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 98f.

[53] vgl. Laessle u.a., Adipositas. Basiswissen 2001, S. 14.

[54] vgl. ebd.

[55] vgl. Aliabadi, Christiane; Lehnig, Wolfgang: Wenn Essen zur Sucht wird: Ursachen,

Erscheinungsformen und Therapie von Essstörungen. 4. Auflage- München: Kösel- Verlag 1986, S. 38f.

[56] vgl. ebd.

[57] vgl. Sportjugend im LandesSportBund NRW e.V. (Hrsg.): Übergewichtige Kinder in Bewegung, Spiel und Sport. Praktische Hilfestellung für Übungsleiter/innen und Sportvereine. Duisburg, Januar 2004, S. 8.

[58] vgl. Alexy, Ute: Ist das Fett schuld am Übergewicht von Kindern und Jugendlichen? Ergebnisse der DONALD Studie. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin Bd. 54 (2003) H. 11, S. 333.

[59] vgl. Laessle u.a., Adipositas. Basiswissen 2001, S. 16f.

[60] vgl. Aliabadi, Lehnig, Essen 1986, S. 54ff.

[61] vgl. a.a.O., S. 49ff.

[62] a.a.O., S. 69.

[63] vgl. a.a.O., S. 68f.

[64] Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 88f.

[65] ebd.

[66] vgl. Sportjugend im LandesSportBund NRW e.V. (Hrsg.), Übergewichtige Kinder 2004, S. 8.

[67] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 88.

[68] vgl. Reinehr, Dobe, Kersting, Therapie der Adipositas 2003, S. 9.

[69] vgl. Graf, Christine u.a.: Prävention von Adipositas durch körperliche Aktivität – eine familiäre Aufgabe. In: Deutsches Ärzteblatt Bd. 100 (2003) H. 47, S. 3110.

[70] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 309.

[71] vgl. aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V.: Leichter, aktiver, gesünder 2004, S. 15.

[72] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 309.

[73] vgl. aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V.: Leichter, aktiver, gesünder 2004, S. 15.

[74] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 309.

[75] vgl. aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V.: Leichter, aktiver, gesünder 2004, S. 15.

[76] vgl. www.dge.de/Pages/navigation/fach_infos/dge_info/2004/fkp0304.html vom 03.08.2004

[77] vgl. www.dge.de/Pages/navigation/fach_infos/dge_info/2002/fkp0202.html vom 03.08.2004

[78] Pudel, Adipositas 2003, S. 23.

[79] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 142ff.

[80] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 143.

[81] vgl. Laessle u.a., Adipositas. Basiswissen 2001, S. 5ff.

[82] vgl. Wabitsch, Adipositas. Empfehlungen 2000, S. 290.

[83] vgl. Laessle u.a., Adipositas. Basiswissen 2001, S. 6.

[84] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 42.

[85] Thimm, Bewegte Kindheit 2004, S. 175.

[86] vgl. Reinehr, Dobe, Kersting, Therapie der Adipositas 2003, S. 10.

Ende der Leseprobe aus 146 Seiten

Details

Titel
Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Ursachen, Folgen und Therapieprogramme mit Bewegungsschulung.
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0 (sehr gut)
Autor
Jahr
2004
Seiten
146
Katalognummer
V40889
ISBN (eBook)
9783638392907
Dateigröße
3243 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Sehr ausführlich, gut strukturierter und logischer Aufbau"
Schlagworte
Adipositas, Kindes-, Jugendalter, Ursachen, Folgen, Therapieprogramme, Berücksichtigung, Bewegung
Arbeit zitieren
Christian Knoll (Autor), 2004, Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Ursachen, Folgen und Therapieprogramme mit Bewegungsschulung., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40889

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