Im Rahmen vorliegender Arbeit soll die Existenz von, von der klassischen Kapitalmarkttheorie abweichenden, Kapitalmarkt-Kursbewegungen aufgezeigt werden. Insbesondere solche die als Preis- und somit Renditetrends subsumiert werden können. Auf Basis dessen soll ein technisches Anlagekonzept entwickelt werden. Dieses Anlagekonzept ist so zu konstruieren, dass es gezielt die unten zu erarbeitenden, systematischen Ineffizienzen, speziell des Aktienmarktes, ausbeuten und so potentiell einen dauerhaften, über der Marktrendite liegenden Profit erwirtschaften kann. Die Nullhypothese ist hierbei, dass es möglich ist, mit einer rein technischen Anlagestrategie eine Überrendite zu erzielen. Ziel vorliegender Arbeit ist es, die Nullhypothese anhand eines ausgewählten Wertpapiers zu überprüfen. Das Ziel ist erreicht, wenn diese entweder bestätigt oder verworfen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG
1.2 ZIELSETZUNG
1.3 VORGEHENSWEISE
2 GRUNDLAGEN
2.1 THEORIE DER EFFIZIENTEN MÄRKTE
2.1.1 Informationseffizienz
2.1.2 Theorie der effizienten Märkte aus statistischer Sicht
2.1.2.1 Gleichgewichtsmodell
2.1.2.1.1 Random-Walk
3 KRITIK AN DER THEORIE DER EFFIZIENTEN MÄRKTE
3.1 THEORETISCHE KRITIK
3.2 EMPIRISCHE KRITIK
3.2.1 Zeitreihenanalyse
3.2.1.1 Lineare stochastische Prozesse
3.2.1.1.1 Moving-Average-Prozesse
3.2.1.1.2 Autoregressive Prozesse
3.2.1.2 Nicht-lineare stochastische Prozesse
3.2.1.3 Zusammenfassung
4 MARKTANOMALIEN
4.1 TECHNISCHE ANLAGESTRATEGIEN
4.1.1 Momentum-Strategie
4.1.2 Contrarian-Strategie
4.2 UNTER- UND ÜBERREAKTION
4.3 SPEKULATIVE BLASEN
4.4 MEAN REVERSION
4.5 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNG
5 ERKLÄRUNGSANSÄTZE
5.1 QUASI-RATIONALITÄT
5.1.1 Noise-Trading
5.1.1.1 Herding
5.1.1.2 Fads
5.2 BEHAVIORAL-FINANCE
5.2.1 Forschungsergebnisse der Behavioral-Finance
5.2.1.1 Heuristiken
5.2.1.1.1 Heuristiken zur Komplexitätsreduzierung
5.2.1.1.2 Repräsentativitätsheuristik
5.2.1.1.3 Regretaversion
5.2.1.1.4 Kontrollverlust-Phänomene
5.2.1.1.5 Conservatism
5.2.1.1.6 Anchoring
5.2.1.1.7 Dispositionseffekt
5.3 DIE MARKTAKTEURE
5.3.1 Private Akteure
5.3.2 Fondsmanager
5.3.2.1 Agency Probleme
5.3.2.1.1 Short-Terminism
5.4 MEDIEN
5.5 ZUSAMMENFASSUNG
6 ERKLÄRUNG DER MARKTANOMALIEN
6.1 RATIONALE ERKLÄRUNG
6.1.1 Rationale Blasen
6.1.2 Konsumgestützte Erklärung von Mean Reversion
6.2 FEHLERELIMINIERUNG
6.2.1 Disziplinierungskraft des Marktes
6.2.2 Aggregationseffekt
6.2.3 Ausleseprozess
6.3 IRRATIONALE VARIATION
6.3.1 Trends
6.3.2 Trendwenden
6.3.3 Schlussfolgerung
7 UNTERSUCHUNG DER ZEITREIHE
7.1 DAS WERTPAPIER
7.2 DIE DATEN
7.3 NULLHYPOTHESE
7.3.1 Beobachtungszeiträume
7.3.2 Schlussfolgerung
7.4 STICHPROBEN
7.5 UNTERSUCHUNG DER BEOBACHTUNGSZEITRÄUME
7.5.1 Untersuchung der Korrelogramme
7.5.2 Test auf Normalverteilung
7.5.3 Ergebnis der Zeitreihenuntersuchung
8 DIE MARKTRENDITE
8.1 JAHRESRENDITEN
8.1.1 Sharpe-Ratio
8.1.2 Renditen
9 DAS ANLAGESYSTEM
9.1 ANFORDERUNGEN
9.2 SYSTEMDESIGN
9.2.1 Probleme von Anlagesystemen
9.2.2 Regelwerk
9.2.2.1 Einstieg
9.2.2.2 Ausstieg und Risikokontrolle
9.2.2.2.1 Stops
9.2.2.2.2 Ausstieg und Stops
9.2.2.3 Orders
9.2.2.4 Zusammenfassung
9.3 SYSTEMPROGRAMMIERUNG
10 ERGEBNISSE DES ANLAGESYSTEMS
10.1 RENDITE
10.2 DIE TRANSAKTIONEN
10.3 BEWERTUNG DER ERGEBNISSE
10.4 URSACHEN DES SCHEITERNS
11 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNG
12 AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Existenz von Marktanomalien, die von der klassischen Kapitalmarkttheorie abweichen, insbesondere Preis- und Renditetrends. Das primäre Ziel besteht darin, ein technisches Anlagesystem zu entwickeln, welches diese systematischen Ineffizienzen ausnutzt, um eine dauerhafte Überrendite gegenüber der Marktrendite zu erzielen. Die Forschungsfrage ist, ob eine rein technische Anlagestrategie in der Lage ist, eine solche Überrendite zu erwirtschaften.
- Analyse der Theorie effizienter Märkte und deren theoretischer sowie empirischer Kritik.
- Untersuchung von Marktanomalien wie spekulativen Blasen, Unter- und Überreaktionen sowie Mean-Reversion.
- Erklärung irrationalen Marktverhaltens durch Ansätze der Quasi-Rationalität und Behavioral Finance.
- Zeitreihenanalyse und empirische Überprüfung von Renditetrends am Beispiel der Daimler-Chrysler AG Aktie.
- Entwicklung und Performance-Bewertung eines trendfolgenden Handelssystems.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Kapitalmärkten kommt in der Volks- und Betriebswirtschaft eine zentrale Bedeutung zu. Sie sollen neben der Finanzierung von Investitionen Risiken verteilen und somit mindern.
Auf dem Sekundärmarkt des Aktienmarktes werden Ansprüche auf künftige Zahlungen in Form von Dividenden und Eigentum an Unternehmen gehandelt. Um der Funktion der effizienten Risikoallokation gerecht zu werden müssen Aktienpreise ihrem inneren Wert, ihrem realwirtschaftlich begründeten Fair-Value, entsprechen. Weichen Aktienpreise dagegen temporär signifikant von ihrem inneren Wert ab führt dies zu erhöhter Volatilität, die als Ausdruck des Risikos eines Engagement in einem Finanz-Aktiva angesehen wird. Anstatt Risiken zu minimieren wendet sich der Aktienmarkt in dem Fall gegen sein ursprüngliches Ziel.
Die Kapitalmarkttheorie fußt auf der Hypothese effizienter Märkte, wobei sich der Begriff der Effizienz auf Informationseffizienz bezieht. In einer Welt informationseffizienter Märkte fließen ausschließlich und vollständig realwirtschaftliche Informationen in die Aktienpreisbildung ein, sodass die Funktion effizienter Risikoallokation gewährleistet ist.
In der Realität sind an Finanzmärkten jedoch zahlreiche empirische Beobachtungen zu machen, die darauf hindeuten, dass die Marktteilnehmer ihre Handlungsentscheidungen nicht immer rational treffen und somit die Preise deutlich vom fundamental gerechtfertigten Preis abweichen können.
Ist es möglich, Muster im Rendite- beziehungsweise Kursverlauf von Aktien zu identifizieren, ist die Effizienzmarkthypothese stark in Frage zu stellen. Solche Muster könnten mittels eines Anlagesystems ausgebeutet werden, womit bei Profitabilität eines solchen Systems ein Hinweis auf ineffiziente Preisbildung erbracht würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Marktanomalien und Formulierung der Forschungsfrage sowie Vorgehensweise.
2 GRUNDLAGEN: Darstellung der Theorie effizienter Märkte und des statistischen Modells des Random-Walks.
3 KRITIK AN DER THEORIE DER EFFIZIENTEN MÄRKTE: Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Fiktion der Informationseffizienz und empirische Kritik anhand von Zeitreihenanalysen.
4 MARKTANOMALIEN: Definition und Kategorisierung von Kursverläufen, die nicht mit Fundamentaldaten erklärbar sind.
5 ERKLÄRUNGSANSÄTZE: Untersuchung psychologischer und soziologischer Faktoren, die irrationales Verhalten und Marktineffizienzen begründen.
6 ERKLÄRUNG DER MARKTANOMALIEN: Analyse der Ursachen für Trends und deren Umkehr aus rationaler und irrationaler Sicht.
7 UNTERSUCHUNG DER ZEITREIHE: Empirische Überprüfung des Renditeverlaufs der Daimler-Chrysler AG Aktie auf lineare Strukturen.
8 DIE MARKTRENDITE: Ermittlung und Analyse der Benchmark-Rendite des betrachteten Wertpapiers.
9 DAS ANLAGESYSTEM: Konzeption und technisches Regelwerk für die Handelsstrategie.
10 ERGEBNISSE DES ANLAGESYSTEMS: Darstellung und kritische Bewertung der erzielten Performance des entwickelten Systems.
11 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNG: Fazit der Arbeit hinsichtlich der Widerlegung der Nullhypothese.
12 AUSBLICK: Diskussion über Möglichkeiten zur weiteren Stabilitätsprüfung und Diversifizierung der Strategie.
Schlüsselwörter
Effizienzhypothese, Marktanomalien, Trendfolge, Behavioral Finance, Noise-Trading, Renditetrend, Volatilität, Aktienmarkt, Zeitreihenanalyse, Informationsparadoxon, Handelsstrategie, Diversifizierung, Überreaktion, Mean-Reversion, Systemdesign.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Existenz von Renditetrends an Aktienmärkten und testet die Möglichkeit, diese durch ein systematisches, technisches Handelskonzept profitabel auszunutzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die klassische Kapitalmarkttheorie, empirische Kritik an der Effizienzmarkthypothese, psychologische Erklärungsmodelle für Marktverhalten sowie die praktische Konstruktion eines Anlagesystems.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Überprüfung der Nullhypothese, ob es möglich ist, mit einer rein technischen Anlagestrategie eine Überrendite gegenüber der Marktrendite zu erwirtschaften.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine Literaturanalyse zur Theorie und Kritik von Marktanomalien, kombiniert mit einer quantitativen Zeitreihenuntersuchung historischer Kursdaten der Daimler-Chrysler AG.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Marktanomalien wie spekulative Blasen und Momentum-Effekte, erörtert psychologische Ursachen (Behavioral Finance) und beschreibt den Aufbau sowie das Scheitern eines spezifischen technischen Handelssystems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Effizienzhypothese, Marktanomalien, Trendfolge, Behavioral Finance, Noise-Trading, Volatilität und Zeitreihenanalyse.
Warum konnte das Anlagesystem die Marktrendite nicht schlagen?
Die Analyse zeigt, dass hohe Transaktionskosten und unzureichend begrenzte Verluste bei unprofitablen Trades das Gesamtergebnis negativ beeinflusst haben.
Welche Rolle spielen die Medien laut der Untersuchung?
Medien dienen als Katalysator für Feed-Back-Prozesse, die Herdenverhalten und Stimmungsschwankungen verstärken können, was wiederum die Preisbildung beeinflusst.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Nullhypothese?
Die Nullhypothese, dass durch das entwickelte System eine Überrendite erzielbar ist, wird nach den Ergebnissen des Tests verworfen.
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- Michael Barth (Author), 2005, Untersuchung des trendfolgenden Börsenhandelsansatzes auf Profitabilität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40895