„Der Euro ist eine der stärksten Währungen der Welt. Wir haben jetzt mehr Chancen und mehr Hoffnung.“ 1 Dieses Einschätzung des Euro stammt von Kostas Simitis, dem griechischen Ministerpräsidenten. Ist der Euro jedoch wirklich eine der stärksten Währungen oder spielt er nur eine Nebenrolle im Konzert der großen Währungen dieser Welt? Die Rolle des Euro im Weltwährungsgefüge ist der Betrachtungsgegenstand dieser Hausarbeit. Was muß Europa tun, damit der Euro eine entscheidende Rolle im Weltwährungsgefüge spielt? Um für die Beantwortung dieser Frage die Grundlagen zu schaffen werde ich zunächst auf die verschiedenen Wechselkurssysteme eingehen, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Neben der theoretischen Betrachtung werden die Vor- und Nachteile des jeweiligen Systems im Vordergrund der Betrachtung stehen. Im dritten Punkt wird der europäische Währungsraum in den Mittelpunkt gerückt. Warum hat sich die EZB für einen freien Wechselkurs entschieden? Näher betrachten möchte ich in diesem Zusammenhang dann auch die tatsächlich betriebene Wechselkurspolitik der EZB gegenüber Drittwährungen und den sogenannten „Pre-Ins“. Im vierten Punkt werden die Voraussetzungen geklärt, außerdem welche Funktionen eine internationale Währung erfüllen muß, um damit im abschließenden Teil der Arbeit die Rolle des Euro insbesondere gegenüber der dominanten Stellung des US-Dollars zu klären. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Währungssysteme
2.1 Feste Wechselkurse
2.2 Feste, aber anpassungsfähige Wechselkurse
2.3 Flexible Wechselkurse
3. „Wechselkurspolitik“ der EZB
3.1 Entscheidung für den freien Wechselkurs
3.2 Wechselkurspolitik gegenüber Drittwährungen
3.3 Wechselkurspolitik gegenüber „Pre-Ins“
4. Funktionen des Euro als internationale Währung
4.1 Voraussetzungen einer internationalen Währung
4.2 Die privaten Verwendungsfunktionen einer internationalen Währung
4.3 Die öffentlichen Verwendungsfunktionen einer internationalen Währung
5. Der EURO als neue Weltleitwährung?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die internationale Rolle des Euro im globalen Währungsgefüge und analysiert, welche Faktoren und politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, damit der Euro eine bedeutende Funktion neben dem US-Dollar einnehmen kann.
- Analyse verschiedener Währungssysteme und deren Auswirkungen auf die Geldpolitik.
- Untersuchung der Wechselkurspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).
- Bewertung der Voraussetzungen für den Euro als internationale Reserve- und Anlagewährung.
- Vergleich der Euro-Funktionen mit dem US-Dollar als dominierendem Benchmark.
- Diskussion der Perspektiven des Euro als potenzielle Weltleitwährung.
Auszug aus dem Buch
2. Währungssysteme
Grundsätzlich kann man sagen, dass die internationale Währungsordnung eine Rahmenbedingung für die nationale Geldpolitik darstellt. So galten für die Epoche der Goldwährung die „Spielregeln des Goldautomatismus“2, hinter der die Verfolgung der binnenwirtschaftlichen Ziele der Geldpolitik zurückstehen mussten.3 Nach dem zweiten Weltkrieg wurde mit dem Bretton Woods - Abkommen ein neues Weltwährungssystem geschaffen, welches auf einem System fester Wechselkurse basierte. Jeder Währung der teilnehmenden Länder wurde eine Parität in einem bestimmten Goldgewicht oder in US-Dollar zugeordnet; gleichzeitig wurde eine Bandbreite in Höhe von +-1% um die Parität fixiert, innerhalb derer der Wechselkurs des jeweiligen Landes schwanken durfte. Diese Bandbreite wurde Ende 1971 auf +-2,25% erweitert.
Die Notenbanken der beteiligten Länder waren verpflichtet, auf dem Devisenmarkt zu intervenieren, sobald der Wechselkurs ihrer Währung diese Bandbreite verließ.4 Im März 1973 brach das Bretton Woods System jedoch mit dem Übergang der wichtigsten Währungen zum Floating zusammen. „Eine Abänderung des entsprechenden Artikels IV in den Statuten des Internationalen Währungsfonds trägt der neuen Lage Rechnung: Mittlerweile ist es jedem Land freigestellt, die ihm geeignet erscheinenden Wechselkursregelungen zu wählen. So ist es nicht verwunderlich, dass die gegenwärtige Situation vielerlei Spielarten der Wechselkurspolitik aufweist...“5 Einen Überblick über die verschiedenen möglichen Währungssysteme, die ich im folgenden näher vorstellen werde, bietet Abbildung 16.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert die zentrale Fragestellung zur Rolle des Euro im Weltwährungsgefüge.
2. Währungssysteme: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der verschiedenen Wechselkurssysteme von der Goldwährung bis zum modernen Floating.
3. „Wechselkurspolitik“ der EZB: Hier wird analysiert, warum sich die EZB für einen freien Wechselkurs entschieden hat und wie sie gegenüber Drittwährungen agiert.
4. Funktionen des Euro als internationale Währung: Dieses Kapitel untersucht die notwendigen Voraussetzungen sowie die privaten und öffentlichen Verwendungsfunktionen einer internationalen Währung.
5. Der EURO als neue Weltleitwährung?: Das Fazit fasst das Potenzial des Euro zusammen und diskutiert die Herausforderungen für die Etablierung als globale Leitwährung.
Schlüsselwörter
Geldpolitik, Euro, Wechselkurssysteme, Europäische Zentralbank, EZB, Wechselkurspolitik, internationale Währung, US-Dollar, Weltwährungsgefüge, Finanzmärkte, Reservewährung, Preisstabilität, Bretton Woods, Währungsunion, Kapitalmobilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die internationale Rolle des Euro im Weltwährungsgefüge im Vergleich zum US-Dollar.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Währungssysteme, die Wechselkurspolitik der EZB sowie die Funktionen des Euro als internationale Anlage- und Reservewährung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit der Euro eine entscheidende und eigenständige Rolle im globalen Währungssystem spielen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und dem Vergleich ökonomischer Rahmenbedingungen und Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Währungssysteme, die EZB-Politik, die Voraussetzungen für internationale Währungen sowie deren Verwendungsfunktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Geldpolitik, EZB, Wechselkurssysteme, internationale Währung und Preisstabilität.
Warum hat sich die EZB für das „freie Floaten“ entschieden?
Aufgrund des „magischen Dreiecks“ der Geldpolitik ermöglicht das freie Floaten die Kombination von offenen Finanzmärkten mit geldpolitischer Autonomie.
Was versteht man unter dem Begriff „Pre-Ins“?
Damit sind EU-Länder wie Dänemark, England oder Schweden gemeint, die zum Zeitpunkt der Untersuchung noch nicht der Euro-Währungsunion angehörten.
Warum ist es für den Euro schwierig, den US-Dollar als Weltleitwährung abzulösen?
Der US-Dollar profitiert von starken Netzwerkeffekten, hoher Liquidität der Finanzmärkte und seiner dominierenden Rolle als Standardmaßstab im Welthandel, etwa beim Öl-Handel.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann Alexander Schmidt (Author), 2002, Geldpolitik und Wechselkurspolitik: Die Rolle des Euros im Weltwährungsgefüge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40901