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Deutung des Bauernkrieges in der Geschichtsschreibung

Title: Deutung des Bauernkrieges in der Geschichtsschreibung

Seminar Paper , 2003 , 30 Pages , Grade: 14 Punke

Autor:in: Kristina Thürk (Author)

Law - Philosophy, History and Sociology of Law
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Gegen Ende des 15. Jahrhunderts mehrten sich die Anzeichen für eine wachsende politische und soziale Unzufriedenheit der Bauern. Sie richtete sich besonders gegen geistliche, dann aber auch gegen weltliche Grundherren. Die Ursache dieser bäuerlichen Unzufriedenheit liegt in dem Bevölkerungsanstieg, die Steigerung der Abgaben durch die Grundherren und in den schlechten Lebensbedingungen auf dem Land; von den beschränkten Erträgen der Landwirtschaft mussten immer mehr Menschen ihr Auskommen finden. Die wachsende Last führte häufig zu wirtschaftlichen und sozialen Miseren, weil sich die Erträge der Höfe ohnehin immer mehr Menschen teilen mussten; viele Höfe waren um 1500 verschuldet. Sie gerieten schließlich zur politischen Katastrophe, weil die Bauern die neuartigen Forderungen ihrer Herren als ungerecht und als offenkundige Verletzung des alten Rechts empfanden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Geschichtliche Zusammenhänge des Bauernkrieges

1. Ausgangslage

2. Zusammenhang zwischen Reformation und Bauernkrieg

3. Bauernkrieg

II. Deutung des Bauernkrieges in der Geschichtsschreibung

1. Anfänge der Bauernkriegsforschung

a) Frühe Deutungsversuche (1791 – 1795)

b) Deutung des Bauernkrieges im Vormärz

(1) Leopold v. Ranke

(2) Balthasar Wilhelm Zimmermann

(3) Friedrich Engels

2. Nationalsozialistische Darstellung

3. Geschichtsbild der DDR

a) Die Theorie von der frühbürgerlichen Revolution in der marxistischen Geschichtswissenschaft

(1) Frühkapitalistischer Charakter zu Beginn des 16. Jahrhunderts

(2) Ideologen und Programmatiker

(a) Thomas Müntzer

(b) Michael Gaismair

(3) Sozialrevolutionäre Massenbewegung

b) Ergebnis

4. „Westliche“ Geschichtsschreibung in der Bundesrepublik

a) Günther Franz

b) Peter Blickle

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der historischen Deutung des Bauernkrieges von 1525. Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche politische Standpunkte, von der Aufklärung über die NS-Zeit bis hin zur Teilung Deutschlands, die Wahrnehmung und Interpretation dieses Ereignisses in der Geschichtswissenschaft geprägt haben.

  • Historische Einordnung des Bauernkrieges und dessen Kausalität zur Reformation.
  • Entwicklung der Bauernkriegsforschung von den Anfängen im Vormärz bis zur Moderne.
  • Kontrastierung der Deutungen im „Dritten Reich“, der DDR und der Bundesrepublik.
  • Analyse zentraler Ideologen wie Thomas Müntzer und Michael Gaismair.
  • Vergleich der marxistischen „frühbürgerlichen Revolution“ mit westlichen Forschungsansätzen.

Auszug aus dem Buch

(1) Leopold v. Ranke

Ranke veröffentlichte seit 1839 sein mehrteiliges Werk „Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation“. Im Gegensatz zu den im Nachgang dargestellten Autoren Zimmermann und Engels versuchte Ranke, unter größtmöglicher Ausschaltung seiner eigenen Person, die Ereignisse selbst zu Wort kommen zu lassen. Leopold von Ranke griff auf der Basis seiner konservativen-protestantischen Grundhaltung auf ältere Interpretationsansätze zurück. Für ihn war der Bauernkrieg eine Aufruhr gegen die Obrigkeit, die er zu keinem Zeitpunkt billigte. Ferner wertete er den Bauernkrieg nicht als fortschrittlichen Prozess oder als Revolution. Für Ranke stand fest, dass die öffentliche „Ordnung immer auf zwei Momenten“ beruht, nämlich erstens dem „sicheren Bestehen der herrschenden Gewalten“ und zweitens einer öffentlichen Meinung, die im Großen und Ganzen mit dem Bestehenden billigend übereinstimmt.

Ranke befürwortet die öffentliche Ordnung in einem Staatswesen. Ferner wird es immer Streitigkeiten über die Staatsverwaltung geben. Nach seiner Auffassung kann diese öffentliche Ordnung auch so lange nicht erschüttert werden, bis die „konstituierten Mächte irre werden, schwanken, sich anfeinden und Meinungen die Herrschaft erlangen.“ Für Ranke war Deutschland „in dieser Falle“. Luthers Angriff auf die alte Kirche, der die traditionelle Ordnung in Frage stellte, brachte zumindest die öffentliche Ordnung erst einmal ins wanken. Die neue reformatorische Lehre war allerdings kein aktives Element des Aufstandes, sondern vielmehr eine Bewegung, die in die Aufstandsbewegung geraten war. Als jedoch die Gewalten, welche den deutschen Staat konstituierten, „einander und unter sich selbst irre“ wurden, erhoben sich die elementaren Kräfte, welche seit langem unterdrückt wurden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Geschichtliche Zusammenhänge des Bauernkrieges: Dieses Kapitel erläutert die sozioökonomischen Ursachen des Aufstandes und die enge Verflechtung mit der Reformation.

II. Deutung des Bauernkrieges in der Geschichtsschreibung: Dieser Hauptteil analysiert die unterschiedlichen historiographischen Interpretationen, von der Zeit des Vormärzes über die DDR-Forschung bis zur westdeutschen Wissenschaft.

Schlüsselwörter

Bauernkrieg, 1525, Reformation, Geschichtsschreibung, Frühbürgerliche Revolution, DDR, Thomas Müntzer, Michael Gaismair, Feudalismus, Klassenkampf, Vormärz, Leopold v. Ranke, Günther Franz, Peter Blickle, Sozialrevolution.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der wechselvollen Interpretationsgeschichte des Bauernkrieges von 1525 und wie Historiker diesen je nach ihrem eigenen politischen Kontext gedeutet haben.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?

Die Schwerpunkte liegen auf der Erforschung der Bauernkriegsursachen, der Rolle der Reformation, den unterschiedlichen Deutungen in der DDR und BRD sowie den Ansichten prägender Historiker.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine kritische Analyse des Wandels der Bauernkriegsdeutung im Laufe der Jahrhunderte, um aufzuzeigen, wie politisch motiviert historische Forschung sein kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturgeschichtliche und wissenschaftskritische Untersuchung, die existierende Forschungspositionen analysiert und vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Anfänge der Forschung, die NS-Darstellung, das spezifische DDR-Geschichtsbild der „frühbürgerlichen Revolution“ sowie die westdeutsche Forschungsperspektive.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Bauernkrieg, frühbürgerliche Revolution, Marxismus, Geschichtsschreibung und soziale Transformation.

Wie unterschied sich die DDR-Deutung von der westdeutschen?

Die DDR sah den Krieg als „frühbürgerliche Revolution“ mit ökonomischen Wurzeln, während die westdeutsche Forschung ihn eher als politisches Ringen innerhalb der bestehenden ständischen Ordnung interpretierte.

Welche Rolle spielten Thomas Müntzer und Michael Gaismair?

Beide wurden besonders in der DDR-Geschichtsschreibung als revolutionäre Vorbilder und Ideologen hervorgehoben, die den Massen ein emanzipatorisches Programm gaben.

Wie bewertete Günther Franz den Bauernkrieg?

Günther Franz sah im Bauernkrieg primär eine politische Revolution der „Dorfehrbarkeiten“ gegen den erstarkten Territorialstaat, wobei er religiöse Ursachen eher nachrangig behandelte.

Was bedeutet der Begriff „Revolution des gemeinen Mannes“ bei Peter Blickle?

Blickle interpretiert den Aufstand als kollektiven Kampf der nicht-herrschaftsfähigen Bevölkerungsschichten um eine Umgestaltung der Verhältnisse auf Basis des „göttlichen Rechts“.

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Details

Title
Deutung des Bauernkrieges in der Geschichtsschreibung
College
University of Potsdam
Course
Seminar zum Bauernkrieg
Grade
14 Punke
Author
Kristina Thürk (Author)
Publication Year
2003
Pages
30
Catalog Number
V40967
ISBN (eBook)
9783638393461
Language
German
Tags
Deutung Bauernkrieges Geschichtsschreibung Seminar Bauernkrieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristina Thürk (Author), 2003, Deutung des Bauernkrieges in der Geschichtsschreibung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40967
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