Entrückungserzählungen - Die lukanische Himmelfahrt im Vergleich zu den Entrückungserzählungen aus der Religionsgeschichte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
25 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhalt

1 Ziel

2 Vorgehensweise

3 Begriffsklärung
3.1 Entrückung
3.2 Der Fahrtbegriff
3.2.1 Jenseitsfahrt
3.2.1.1 Jenseitsfahrt als Himmelfahrt
3.2.1.2 Jenseitsfahrt als Unterwelts- oder Höllenfahrt
3.2.2 Himmelfahrt
3.3 Jenseits-/ Himmelsreise
3.4 Auferstehung
3.4.1 Auferstehung Christi

4 Entrückungserzählungen in der Religionsgeschichte
4.1 In der griechischen und römischen Antike
4.1.1 Die Griechische Antike
4.1.2 Die Römische Antike
4.2 Im Alten Testament / Umfeld
4.2.1 Das Alte Testament
4.2.2 Texte aus dem Umfeld des Alten Testaments
4.3 Im Neuen Testament / Umfeld
4.3.1 Die lukanische Himmelfahrt
4.3.2 Das übrige Neue Testament
4.3.3 Texte aus dem Umfeld des Neuen Testamentes

5 Vergleich
5.1 Altes Testament
5.2 Neues Testament

6 Auswertung

7 Literaturverzeichnis

"Entrückungserzählungen"

Die lukanische Himmelfahrt im Vergleich zu den Entrückungserzählungen aus der Religionsgeschichte

1 Ziel

In dieser Arbeit möchte ich die Himmelfahrtserzählung Jesu in die lange Tradition der Entrückungserzählungen in der Religionsgeschichte einordnen. Diese Einordnung soll dann einen Vergleich der Himmelfahrtserzählung Lukas, die ich als Schwerpunkt gewählt habe, mit den anderen Erzählungen zum Ziel haben. Dieser Vergleich ermöglicht dann Rückschlüsse für den lukanischen Text, ihn in seiner Tradition besser zu verstehen.

2 Vorgehensweise

Zunächst gebe ich einen Überblick über die verschiedenen Entrückungsbegriffe. Dieser ist nötig, um die verschiedenen Beispiele, die in Kapitel 4 „Entrückungserzählungen in der Religionsgeschichte“ dieser Arbeit genannt werden, besser zu verstehen und zu differenzieren. Neben Beispielen aus der griechischen und römischen Antike, dem AT, AT-Umfeld, und den AT-lichen Apokryphen gehe ich, was das Neue Testament angeht, besonders auf die lukanische Himmelfahrtserzählung Jesu ein, die im NT einen Sonderfall darstellt.

In Kapitel 5 „Vergleich“ zeige ich einige Parallelen zwischen den Entrückungserzählungen aus der Religionsgeschichte zu der lukanischen Himmelfahrtserzählung auf um dann schließlich in Kapitel 6 „Auswertung“ ein Resümee zu ziehen.

3 Begriffsklärung

Setzt man sich in der Literatur und den Enzyklopädien mit dem Thema ‚Entrückungserzählungen’ auseinander, stößt man unweigerlich auf Begriffe wie Jenseitsfahrt, Jenseitsreise, Himmelfahrt und Auferstehung. Diese Begriffe liegen eng beieinander, weisen aber auch Unterschiede auf. In diesem Kapitel möchte ich einen kurzen Überblick über diese geben. Die genauere Bedeutung in Anwendung und Religionsgeschichte erläutern dann die folgenden Kapitel dieser Arbeit.

3.1 Entrückung

In vielen Religionen gibt es die Vorstellung, dass besondere Menschen von Gott bzw. Göttern an einen vom Diesseits verschiedenen Ort versetzt werden, allerdings ohne zuvor zu sterben.[1] Diese Entrückung findet als leiblicher Übergang eines menschlichen Wesens statt[2], umfasst also Leib und Seele des Menschen in unveränderter Einheit.[3] Daher lassen sich Begriffe wie Metamorphose, Translation von Leichen, Reliquien und Ekstase nicht unter Entrückung einordnen. Ebenso sind die Begriffe Himmelfahrt und -reise nicht als Ganzes zu berücksichtigen[4], denn diese betreffen nicht den Menschen in Einheit von Körper und Seele.[5] Die Entrückung kann ein endgültiges Geschick sein und somit einen eschatologischen Vorgang darstellen, oder sie kann nur vorübergehend stattfinden.[6] So ist mit der Vorstellung der Entrückung der Gedanke verknüpft, bedeutende Menschen nicht als gestorben anzusehen, sondern eines Tages ihre Wiederkehr zum Heile der Menschen erwarten zu können.[7] Nicht zu verwechseln mit dem Begriff ‚Entrückung’ ist der Begriff ‚Entrückungserzählungen’. Diese Erzählungen können zwar auch die ‚Entrückung’ beinhalten, aber genauso auch die andere Begriffe, die in diesem Kapitel beschrieben sind.

3.2 Der Fahrtbegriff

3.2.1 Jenseitsfahrt

In der Religionsgeschichte steht die Vorstellung vom Jenseits im Zusammenhang mit der Vorstellung vom postmortalen Geschick.[8]

„Europäer sprechen vom „Jenseits der Welt“ (otro mundi), vom „Jenseits des Lebens“ (post mortem), vom „Jenseits der Zeit“ (Ewigkeit). Auch vom Jenseits im Diesseits ist die Rede: „Übermenschlich“ meint jenseits gewöhnlicher Kraft, „übersinnlich“ jenseits normaler Wahrnehmung, „übernatürlich“ jenseits bislang erkannter Naturgesetze.“[9]

Seit jeher gilt das Jenseits als der eigentliche Gegenstand von Religion, als überlieferte Vorstellung oder als persönliche Erfahrung.[10] Spricht man von Jenseitsfahrt, meint man das Ergehen, das einem Menschen nach seinem Tode ereilt.[11] Die Jenseitsfahrt wird als Himmelsfahrt oder als Unterwelts-/Höllenfahrt unterschieden.

3.2.1.1 Jenseitsfahrt als Himmelfahrt

Da die Aussagen über das postmortale Schicksal eines Menschen fest an seiner Person haften und dieser von seiner Fahrt nicht wiederkehren wird, liegen keine allgemein zugänglichen Erfahrungen vor. Die einzige Ausnahme bildet der Ekstatiker, aber auch nur dann, wenn seine Trance von ihm selbst, bzw. seiner Umgebung oder vom Berichterstatter, eindeutig als temporäre Vorwegnahme des Todes verstanden wird.[12]

Das Ziel der Himmelfahrt gewährt dem Verstorbenen Erlösung. Diese wird u.a. als Abkühlung der Seele oder als Schau von Gottes Angesicht beschrieben.[13] Die Interpretation des postmortalen Geschickes ist durch Symbol- oder Bildwörter möglich. Hauptsächlich findet man:

- Die Straße, auf der der Verstorbene geht
- Das Meer/der Fluss, über das/den er gesetzt werden muss
- Die Luft, durch die er fliegt
- Die Leiter, die er erklettert.[14]

Fragt man nun, wie Jenseits- und Himmelfahrt als Begriffe zueinander stehen, lässt sich festhalten, dass Jenseits als Wort der Metasprache, Himmel als Wort der Objektsprache verstanden wird. Jenseitsfahrt und Himmel verhalten sich allerdings nicht wie Genus und Species.[15]

3.2.1.2 Jenseitsfahrt als Unterwelts- oder Höllenfahrt

Der Begriff Unterweltsfahrt stammt aus der Vorstellung, dass das Jenseits, in das der Verstorbene fährt, unterhalb der Welt liegt.[16] Zur Fahrt in die untere Welt gehört alles, was entweder klar eine Richtung nach Unten vorweist oder neben den gelegentlich auftauchenden Scheinzielen der Jenseitsreise einen definitiven Zielort angibt.[17] Erst die Glaubensaussage von der Unterweltsfahrt Christi macht aus dieser eine Höllenfahrt, die Unterwelt wird hier als ein Ort der Strafe oder der ewigen Verdammnis beschrieben und wird somit zur Hölle. Der Begriff Höllenfahrt ist zwar als spezifisch christlicher Begriff zu verstehen, aber parallele Motive sind auch in anderen Kulturen zu finden.[18]

3.2.2 Himmelfahrt

Himmelfahrt findet man in der Literatur auch unter dem Begriff Entrückung und Jenseitsfahrt. Die Himmelfahrt Christi stellt einen weiteren Fall dar. Himmelfahrt kann ein wiederholbares temporäres Aufrücken eines Lebendigen oder auch die einmalige Erhöhung eines Toten sein, wobei die Fahrt in Form von Geist oder Seele als auch ganzheitlich leiblich sein kann.[19] Die Richtung der Himmelfahrt lässt sich eindeutig bestimmen, nämlich durch die Lokalisierung des Zieles fort von der Erde, gen Himmel, nach Oben.[20]

Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu gilt als Heilswerk für alle Menschen und die durch sie bewirkte Überwindung des Todes gilt ein für allemal. Dies schließt eine Himmelfahrt für jede andere Person nicht aus, sondern begründet die Endgültigkeit der Erlösung, die von den Erlösten durch die ihnen eigene Himmelfahrt nachvollzogen werden darf.[21]

3.3 Jenseits-/ Himmelsreise

‚Jenseitsreise’ ist als ein Universalia, also umfassend zu verstehen, wogegen ‚Himmelfahrt’ ein Particularia darstellt, also nur einen Teil betrifft. Es lässt sich festlegen, dass sich ‚Fahrt’ und ‚Reise’ wie Species und Genus verhalten. Das festlegen der Reise als Genus ist zur Erklärung von Jenseitsreise grundlegend.[22] Die Himmelsreise ist als ein Spezialfall der Jenseitsreise zu verstehen, hierbei ist ‚Himmel’ eine kleiner gefasste Konkretion des Jenseits.[23] Unterschied zwischen ‚Himmelsreise’ und ‚Jenseitsreise’ ist der, dass die zwei Reisen jede für sich räumlich ganz verschieden bestimmt sind.[24] Der Antritt der Jenseitsreise ist keine Unterweltsfahrt.[25]

Die sachliche Bedeutung der Jenseitsreise liegt im Vollzug der Bewegung des Reisens, des Ortswechsels an sich, nicht in einem bestimmten Ort oder Ziel, das erreicht werden muss.[26]

3.4 Auferstehung

Verbindet man mit dem Begriff ‚Auferstehung’, der uns eher aus dem christlichen Kontext bekannt ist, die nach dem Tode erneuerte und verklärte Existenz des ganzen Menschen, findet sich dieser Gedanke auch außerhalb der jüdisch-christlichen-islamischen Eschatologie.[27] Dogmatisch betrachtet bezeichnet ‚Auferstehung’ oder besser ‚Auferweckung’ das von Gott gewirkte eschatologische Geschehen, in dem er kraft seines Geistes die Toten aus dem Todeszustand heraus in die Herrlichkeit seines Reiches führt. Auszuschließen vom Begriff ‚Auferstehung’ ist die Vorstellung der Entrückung.[28] Hauptsächlich lässt sich der Begriff der ‚Auferstehung’ mit der Auferstehung Christi verbinden.

[...]


[1] Vgl. Wissmann, Hans: Art. Entrückung, in: LThK, S. 683/4

[2] Vgl. Walton, F. R.: Art. Entrückung, in: RGG, S. 499

[3] Vgl. Strecker, G.: Art. Entrückung, in: RAC, S. 462

[4] Vgl. ebd. S. 462

[5] Vgl. Lohfink, Gerhard: Die Himmelfahrt Jesu, S. 39

[6] Vgl. Wissmann, Hans: Entrückung I, in: TRE, S. 680

[7] Vgl. Ebd. S. 681

[8] Vgl. Kehl, Medard: Art. Jenseits, in: LThK, S. 768

[9] Greschat, Hans-Jürgen: Art. Jenseits, in: TRE S. 563

[10] Vgl. ebd. S. 563

[11] Vgl. Colpe, Carsten: Art. Jenseitsfahrt I (Himmelfahrt), in: RAC, S. 408/409

[12] Vgl. ebd. S. 409

[13] Vgl. ebd. S. 409

[14] Colpe, Carsten: Art. Jenseitsfahrt I (Himmelfahrt), in: RAC, S. 410

[15] Species: besondere Art einer Gattung; Genus: Art, Gattung; übergeordnet

[16] Vgl. Colpe, Carsten: Art. Jenseitsfahrt II, in: RAC S. 467

[17] Vgl. ebd. S. 468

[18] Vgl. ebd. S. 469

[19] Vgl. Morenz, S.: Art. Himmelfahrt, in: RGG, S. 333

[20] Vgl. Colpe, Carsten: Art. Himmelfahrt, in: RAC, S. 214

[21] Vgl. Habermehl, P.: Art. Jenseitsreise, in: RAC, S. 538

[22] Vgl. ebd. S. 491

[23] Vgl. ebd. S. 492

[24] Vgl. ebd. S. 493

[25] Vgl. Colpe, Carsten: Art. Jenseitsfahrt II, in: RAC, S. 468

[26] Habermehl, P.: Art. Jenseitsreise, in: RAC, S. 494

[27] Vgl. Edsman, C.-M.: Art. Auferstehung. II. Auferstehung des Menschen, religionsgeschichtlich, in: RGG, S. 689

[28] Vgl. Kraus, H.-J.: Art. Auferstehung. III. In Israel, in: RGG, S. 692

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Entrückungserzählungen - Die lukanische Himmelfahrt im Vergleich zu den Entrückungserzählungen aus der Religionsgeschichte
Hochschule
Universität Siegen
Note
gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
25
Katalognummer
V41001
ISBN (eBook)
9783638393676
Dateigröße
866 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit möchte ich die Himmelfahrtserzählung Jesu in die lange Tradition der Entrückungserzählungen in der Religionsgeschichte einordnen. Diese Einordnung soll dann einen Vergleich der Himmelfahrtserzählung Lukas, die ich als Schwerpunkt gewählt habe, mit den anderen Erzählungen zum Ziel haben. Dieser Vergleich ermöglicht dann Rückschlüsse für den lukanischen Text, ihn in seiner Tradition besser zu verstehen.
Schlagworte
Entrückungserzählungen, Himmelfahrt, Vergleich, Religionsgeschichte
Arbeit zitieren
Julia Eberwein (Autor), 2004, Entrückungserzählungen - Die lukanische Himmelfahrt im Vergleich zu den Entrückungserzählungen aus der Religionsgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41001

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